Frage von CrossingDanger, 90

Depressives Tief, was kann ich tun?

Hey-ho.

Ich hatte ja schon ein paar Beiträge bezüglich meiner Depressionen, ich war auch schon für 5 Wochen in der Psychatrie und gehe alle 2 Wochen zu meinem Therapeuten. Auch nehme ich 30mg Citalopram.

Aber in letzter Zeit (seit ca. 4 Monaten) geht es mit trotzdem extrem schlecht, ich zweifle meine komplette Existenz an (egal wie ich es drehe und wende, ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es nie besser wird und es eigentlich nichts gibt, wofür es sich zu Leben lohnt), mir macht absolut gar nichts mehr Spaß, und ich habe auch sehr lange nicht mehr gelacht, ich kann mich zu nichts motivieren etc, die typischen Symptome für eine starke Depression. Das Citalopram lässt mich hohl und unecht wirken, also für mich selbst, ich fühle mich damit absolut nicht wohl. Aber nicht mal der Tod klingt verlockend, also keine Sorge, Suizid werde ich ganz sicher nicht begehen. Doch das Problem ist, dass ich etwas gefunden habe um mich bei Laune zu halten: mich betrinken, verschiedene Medikamente kombinieren, oder mir ein paar Muster in die Haut zu schneiden.

Ich weiß selbst wie krank das ist, aber wenn ich versuche zu schlafen bekomme ich es nie hin und dann fühle ich plötzlich einen Adrenalinschub und mich drängt es wortwörtlich danach irgendwas gefährliches zu machen. Ich habe so Angst, dass es nie besser wird. Ich bin jetzt schon über ein halbes Jahr in Behandlung und es wurde nur schlimmer. Meine Fragen: was gibt es noch für Optionen? Was läuft falsch mit mir und was soll ich davon denken? Und was kann ich für den Moment tun, damit es mir besser geht? LG Ellie

(Liebes gutefrage.net-Team, ich weiß, dass diese Frage nicht ganz ohne ist, aber ich hoffe, dass falls sie gelöscht werden sollte, mir zumindest eine andere Seite empfohlen wird, in der die Frage angemessen ist)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von newcomer, 44

eine medikamentöse Therapie ist bei Depressionen keine Heilung sondern nur vorübergehende Linderung. Suche dir deshalb entweder Selbsthilfegruppe oder intensive Gespräche mit Therapeuten.
Viele Depressionen werden durch Gedankenkreise im kopf ausgelöst

Dabei bewerten wir jede Sorge und Problem als absolut wichtig was sofort gelöst werden soll. Da im Kopf viele solcher Probleme kreisen schaltet irgendwann das Gehirn regelrecht aus und wir können nichts mehr entscheiden oder lösen.

Mit Gesprächstherapien sollen nacheinander alle diese Gedanken angesprochen und wenn möglich unter anderem Gesichtspunkt bzw Bewertungskriterium betrachtet werden. Erst nach klassifizierung von eigendlich nicht so wichtigen Problemen ist man in der Lage über die wesentlichen Dinge nachzudenken und aus den Depressionen raus zu kommen.

Viel Erfolg

Kommentar von newcomer ,

http://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/depression/ursachen-und-ausloe...

Psychologische Faktoren

Auslöser einer Depression sind sehr häufig psychosoziale Belastungen:
Chronische Belastungen wie eine dauerhafte Überforderung am
Arbeitsplatz oder eine konfliktreiche Partnerschaft, aber auch
belastende Lebensereignisse wie der Verlust des Partners oder ein
schweres Trauma erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu
erkranken. Umgekehrt kann aber auch ein Mangel an positiven Gefühlen wie
Freude oder Zufriedenheit langfristig in eine Depression münden. Dieser
kann durch die  Lebensumstände, aber auch durch das eigene Verhalten
entstehen. So bekommt jemand, der leicht mit anderen Menschen Kontakte
knüpfen kann, auch mehr positive Resonanz als eine Person, die sich eher
zurückhaltend und passiv verhält.

Chronische Belastungen, belastende Lebensereignisse oder ein schweres Trauma
erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken.

Allerdings muss es nicht immer einen eindeutigen Auslöser für eine
Depression geben – die Erkrankung kann auch ohne jede ersichtliche
Belastung ausbrechen. Umgekehrt kommen viele Menschen auch mit schweren
Belastungen zurecht, ohne zwangsläufig an einer Depression zu erkranken.

Kommentar von newcomer ,

Theorien, die aus der psychoanalytischen Tradition stammen, sehen
die Ursachen für eine Depression vor allem in negativen Erfahrungen
während der Kindheit. Demnach führen vor allem problematische
Beziehungen mit nahestehenden Bezugspersonen wie Eltern oder
Geschwistern zur Entwicklung einer pessimistischen Sichtweise der Welt
und eines negativen Selbstbilds. Einige Ansätze wie die Theorie von
Heinz Kohut nehmen an, dass vor allem Kinder, die sich stark an den
Erwartungen ihrer Eltern orientieren und dabei eigene Bedürfnisse
vernachlässigen, später besonders für eine Depression gefährdet sind.

https://www.palverlag.de/selbstablehnung-selbstkritik.html

Kommentar von Leolele ,

Gute Antwort obwohl ich immer finde, dass man Anitdepressiva niemals nur als einfache Linderung, sondern als essentieller Teil einer Therapie sehen muss. Viele Therapien funktionieren ohne Antidepressiva nichteinmal ^^ Aber alleine können sie leider auch nichts

Kommentar von newcomer ,

vielen Dank fürs Sternchen :-)

Antwort
von MarkusB1996, 40

Hi,

wie es mir scheint, bist du gerade wirklich in einer sehr schwiergen depressiven Phase.

Ich würde an deiner Stelle evlt. nochmals einen Psychiater aufsuchen, der evtl. die Medikation verändert. Denn so wie es aussieht, hilft dir Citalopram im Moment nicht sehr viel.

Ich glaube, dass der soziale Kontakt in einer depressiven Phase einfach sehr wichtig ist. Das Gefährliche ist, dass man sich bei einer Depression zurückzieht und vom sozialen Leben abschottet.

Ich kann dir empfehlen, neben den regelmäßigen Terminen mit deinem Therapeuten, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. In einer Selbsthilfegruppe lernst du Menschen kennen, die mit dem gleichen Problem bzw. der gleichen Krankheit, wie du zu kämpfen hast und die dir bestimmt eine Lösung bieten können.

In folgendem Link findest du eine Selbsthilfegruppe bei Depression in deiner Nähe: http://www.depressionen-depression.net/pages/selbsthilfegruppen.htm

Ich hoffe, ich konnte dir helfen.

LG Markus

Antwort
von Leolele, 39

Ich verstehe nicht wieso bei so vielen das Standartverfahren nicht angewendet wird. Zeigt ein Antidepressiva oder eine Behandlung nach einer bestimmten Zeit keine Wirkung sollte doch eine andere Behandlung und andere Medikamente benutzt werden. Ich kenne mich gut mit Psychopharmaka aus und kann sagen, dass es eigentlich fast keine Fälle gibt, für die es kein passendes Mittel geht. Evtl gehst du nochmal zum Artzt und bittest um eine Änderung der Medikation. 
Ich hänge einfach noch meine Tipps für generelle Depressionsfälle an, obwohl ich bezweifle, dass sie so viel helfen in deinem Fall:
Musik, Freunde, einen Partner, ein große Projekt and dem man lange arbeiten kann.

MFG Leo

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