Frage von 1933HansScholl, 63

Depressionen, Suizidgedanken, Therapie?

Hallo Leute,

ich bin 18 Jahre alt und gehe noch zur Schule. Vor drei Wochen bin ich das erste Mal wegen "Depressionen" bei einer (tiefenpsychologischen) Therapeutin gewesen. Die war auch wirklich freundlich und nett, hat mir was über ihren Ansatz und über Schweigepflicht usw. erzählt und eigentlich war das in Ordnung (ich war zwar etwas nervös, aber das ist vermutlich ja normal).

Trotzdem kam ich mir sehr blöd vor und habe die Therapeutin komplett angelogen bzw. mich über ihre Fragen lustig gemacht. Sie wollte unter anderem etwas zu Selbstmordgedanken wissen - und über das Thema möchte ich nicht so nebenbei mit einer Person reden, die ich erst fünfzehn Minuten kenne. Ich habe jedenfalls nur darüber gelacht und ihr erzählt, dass ich Suizid dämlich und lächerlich finde.

Ich habe jetzt zwar nicht geplant, mich umzubringen; aber Selbstmordgedanken habe ich schon hin und wieder mal... und im Moment quasi ständig. Doch ich komme mir bei diesem Thema wirklich bescheuert vor und kann einfach nicht darüber reden... erst recht nicht mit jemandem, den ich nicht kenne... ich finde dann nämlich nicht die richtigen Worte und weiß nicht, wie ich ihr das erklären ksnn

Jedenfalls soll ich nächsten Freitag wieder zu der Therapeutin. Dieses Mal will ich auch gerne die Wahrheit sagen (schließlich bringt eine Therapie nur etwas, wenn man auch ordentlich mitarbeitet). Ich weiß nur absolut nicht, wie ich ihr das sagen soll. Schließlich habe ich ihr neulich etwas ganz anderes erzählt...

Außerdem frage ich mich ständig, was eine Therapie überhaupt bringt und ob es einem dadurch nicht nur noch schlechter geht. Ich war nach dieser Erstsitzung neulich nämlich richtig schlecht drauf. Ist so etwas normal? Und wie lange dauert es, bis es einem besser geht?

Und ganz generell eine Frage noch: Kann eine Therapeutin einen auch krankschreiben bzw. für Klassenarbeiten befreien? Um den Druck sozusagen etwas rauszunehmen...

LG

Antwort
von Tamtamy, 27

Hallo!
Um eines gleich vorweg zu nehmen: eine 'Krankschreibung' ist einem Arzt vorbehalten. Wenn, müsstest du das über diesen Weg versuchen (eine andere Frage ist, ob es wirklich ein sinnvoller Weg ist, oder ein kontroproduktives Ausweichverhalten).

Ansonsten finde ich es gut, dass du bereit bist, der Therapeutin etwas über deine (gelegentlichen) Selbstmordgedanken zu sagen!
Es ist auch für sie völlig nachvollziehbar, wenn du sagst, dass dir das beim ersten Gespräch einfach ZU persönlich war.

Jetzt lass dich mal auf die anstehenden Probegespräche ein und mach dir nicht allzu viele Gedanken, wie "eine Therapie wohl sein wird, oder werden könnte, oder vielleicht doch nicht, oder wie oder was ..." (:-))

Gute Wünsche!

Antwort
von MXX89, 33

Ich habe auch unter massiven Depressionen gelitten. 

Hab mich lange niemandem anvertraut, aber dann mit meiner Hausärztin darüber gesprochen. Sie hat mich in eine psychiatrische Ambulanz in der Nähe überwiesen. Dort wurde ich betreut und hab auch andere Therapien (Psychotherapie, Ernährungsterapie) begonnen..

Lange Rede, kurzer Sinn: sprich mit deinem Hausarzt darüber oder schaue, ob es bei dir in der Nähe eine psychiatrische Ambulanz gibt - im Internet kann dir niemand helfen!


Lg

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 10

Etwas hast du schonmal richtig erkannt. Für eine erfolgreiche Psychotherapie braucht es Offenheit und Ehrlichkeit beider Seiten. Ich finde es ein sehr gutes Vorhaben, deine Therapeutin über deine suizidalen Gedanken aufzuklären.

Sie hat täglich damit zu tun und wird dich bestimmt nicht verurteilen. Auch wird sie zwischen suizidalen Gedanken und suizidalen Handlungen unterscheiden können.

Du brauchst keine Angst zu haben offen zu ihr zu sein, auch musst du dich nicht schämen sie angelogen zu haben. Ich persönlich würde einfach sehr direkt sein und so etwas sagen wie: "Sie haben mich letzte Stunde nach Suizidgedanken befragt, es ist mir jedoch unangenehm mit jemandem darüber zu sprechen den ich erst 15min lang kenne. Entschuldigen sie mein Verhalten doch diese Situation ist nicht einfach für mich"

Dafür wird sie, wenn sie eine gute Therapeutin ist, sicher viel Verständnis haben. Es müssen nicht diese Worte sein, doch würde ich einfach direkt sein.

Es ist ihre Pflicht dich nach Suizidgedanken zu befragen um allfällig Schlimmeres zu verhindern. Jeder Therapeut/in befragt einem am anfang zum Thema suizid.

Noch zu dem, dass du dich nach der Stunde schlechter Gefühlt hast. Dies ist ein Zeichen dass es funktioniert. In der Stunde wirst du mit deinem Unterbewusstsein konfrontiert, also mit jenen Mechanismen die deine Beschwerden auslösen. Dies ist anstrengend und es kommen unbewusst Dinge hoch, die dich belasten. Jedoch sollte dies dosiert geschehen, bzw. sollte es dir nur im Anschluss etwas schlechter gehen und sich relativ kurz danach (spätestes 1 Tag später) wieder erholen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community