Frage von Ana100, 37

Depressionen erkennen und behandeln?

Ich bin schon seit einem Dreivierteljahr in einem Zustand der sehr merkwürdig ist. -ich bin oft entweder gefühs(kalt)los oder verspüre eine innere Leere, im Kontrast dazu hab ich dann wiederum Phasen indem ich den ganzen Tag schlafe und nicht aus dem Bett komme. Trotzdem ist das nicht immer so und ich bin manchmal besonders in der Schule ´gut drauf´. Sprich es ist oft so das es mir 1 Monat relativ gut bist normal geht und dann die nächsten 2 Monate wieder sehr schlecht - seit dem hab ich entweder abgenommen oder zugenommen(5 Kilo) - Mein Notendurchschnitt hat sich sehr verschlechtert bzw es fällt mir schwer mich zu konzentrieren - Panik(keine Panikattacken) beim Gedanken an die Zukunft oder Schule - Mit meinen Freunden habe ich nicht mehr viel zutun - Wenn ich ans Leben denke ist es mir meistens nicht sehr wichtig, ich mache nur weiter wegen meiner Oma und meinem Hund.

Mit 2 Freunden (unabhängig voneinander) habe ich ein bisschen darüber geredet und beide meinen ich habe etwas bzw etwas stimmt nicht und ein Therapeut wäre eine Lösung. Dazu kommt das ich mit meiner Familie darüber nicht reden kann da sie beim ersten Mal als meine Lehrerin sagte ich sollte zum Therapeuten (andere Lehrer hatten sich gemeldet weil ich sehr ruhig und nachdenklich wirke) negativ reagiert. Irgendwie habe ich das Gefühl es wäre nichts womit sich andere Sorgen sollten, bin ich vielleicht einfach so von der Art geworden? Dann muss es sie doch gar nicht kümmern. Hat jemand Erfahrung ? Bitte helft mir, danke für das Lesen. Bin 16

Antwort
von seguiendo, 10

Hallo Ana100,

dass es einem mal schlecht geht ist normal und Stimmungsschwankungen in der Pubertät auch. Aber dass du nur noch wegen deiner Oma und deines Hundes lebst, das hört sich für mich schon danach an, dass etwas nicht stimmt.

Ich versteh aber auch, dass du das nicht gleich an die große Glocke hängen willst, gerade wenn deine Eltern das kritisch sehen.

Du könntest zuerst einmal einen Depressionstest machen. (Einfach Selbsttest Depression googeln, da gibt es viele von im Internet. Mach am besten mehrere, die setzen unterschiedliche Schwerpunkte, wenn dir alle sagen, dass du depressiv bist, dann ist es wirklich bedenklich, bei einem kann es auch dummer Zufall bezüglich der Fragen sein.) Auf den Seiten, die Depressionstests anbieten gibt es meist auch Informationen über Depressionen und was man tun kann, wenn man depressiv ist. (In Kürze: Such dir was, was dir Spaß macht und dich ausfüllt, geh viel raus und in die Sonne, mach Sport, gib dir selbst Freiräume und Zeit um entspannen.)

Bei einer leichten Depression kann das schon helfen, war bei mir damals so. Wenn du aber merkst, es wird schlimmer, solltest du nicht zu lange warten, denn irgendwann hast du nicht mehr die Energie, dir Hilfe zu holen, also tu das besser zu früh als zu spät.

Du kannst zum Beispiel einfach zur Schulsozialarbeiterin oder zu eurem Vertrauenslehrer gehen und um einen Termin bei der Schulpsychologin bitten und ihr dein Problem erklären. Der Arbeitsaufwand, den du damit verursachst, geht gegen 0 im Vergleich zu dem, was du, falls es schlimmer wird, durchleiden müsstest und außerdem ist die Schulpsychologin genau dafür da!

Vielleicht solltest du auch zum Arzt gehen, sowas kann auch an der Schilddrüse oder an Vitamin-D-Mangel liegen. Da fragst du am besten einfach deinen Hausarzt.

Und, falls dir sowas hilft: Im Internet gibt es ein Forum für Depressive Jugendliche, Google einfach mal "Fideo Forum"

Aber vor allem: Falls du finden solltest, dass du jetzt noch keine Hilfe brauchst, setz dir einen Termin (z.B. dein 17. Geburtstag), bis zu dem du, falls es dir nicht besser geht, zur Schulpsychologin gehst. Sonst schiebst du es nur immer noch mehr auf und versinkst irgendwann.

Und, wenn es irgendwann richtig schlimm ist und du glaubst, dass du gar nicht mehr leben kannst: Erstens gibt es Notrufnummern wo du dir immer Hilfe holen kannst (auch einfach googeln, such dir das am besten jetzt schon raus und programmier sie in dein Handy ein) und zweitens: versuch auf jeden Fall zuerst alle anderen sich bietenden Alternativen (Therapie, Medikamente), denn aufgeben kann man danach immer noch, andersrum ist es endgültig.

Kopf hoch, du schaffst das!

Kommentar von Ana100 ,

Erstmal danke für diese wundervolle Nachricht :)

Von diesen Tests habe ich viele gemacht und bei jedem kam Depression raus.. An meiner Schule gibt es gar keine Schulpsychologen und naja meine Lehrerin der ich das erzählte sagte ich sei einfach nur einsam, gab mir eine Broschüre und war dann auch schon weg. Das mit dem Ziel hab ich tatsächlich gemacht das war jetzt mein 16. Geburtstag. Und auch mit der Notrufnummer bzw nummer gegen kummer und dort wurde mir einfach ein nicht rezeppflichtiges Medikamtent bzw irgendsoein Blümchen/Blüte empfohlen und für die war dann die Sache durch. Egal wem ich mich vertraue, diese Person tut so als würde ich spinnen. Ich habe große Angst das mein Hausarzt, dasselbe tut oder noch schlimmer meine Eltern alamiert. 

Danke..

Kommentar von seguiendo ,

Habt ihr eine Schulsozialarbeiterin? Bei uns an der Schule gab es auch keine Schulpsychologin, aber die Schulsozialarbeiterin konnte für mich einen Termin mit ihr vereinbaren und mit ihrer Hilfe ist dann bei mir alles wieder irgendwie geworden.

Und wenn ihr keine Schulsozialarbeiterin habt, dann mach doch selber einen Termin bei einer Psychologin in deiner Stadt. Das müssen deine Eltern ja nicht zwingend wissen, wenn du es ihnen nicht sagen willst. und Psychologen haben Schweigepflicht, ich glaube nicht, dass die deine Eltern ohne Notfall informieren.

und ich glaube nicht, dass du einfach nur einsam bist, schließlich hast du, wenn ich das aus deiner Frage schlussfolgern darf, mindestens zwei sehr gute Freundinnen, mit denen du offensichtlich auch über vieles reden kannst. Ich schätze, manche Menschen können sich das einfach nicht vorstellen, dass nach außen hin alles ok scheinen kann, auch wenn es das nicht ist.

Kommentar von Ana100 ,

Ich nehm mir vor, noch dieses Jahr eine Lösung zu finden und Hilfe zu suchen . Vielen Dank !!!

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 7

Eine Depression feststellen kann im Prinzip nur eine Fachperson (Psychiater/Psychologe). Ich will keine Fernidagnose wagen, doch das was du beschreibst sind klassische Symptome einer Depression.

Als erster Anhaltspunkt um Depressionen festzustellen wird meist das internationale Diagnoseverzeichnis ICD-10 konsultiert. Fachpersonen haben nach der ersten Einschätzung aufgrund es ICD-10 noch weiterführende Fragebögen und Abklärungsmöglichkeiten, welche als Laie jedoch schwierig zu verstehen sind.

Doch zurück zum ICD-10. Damit es zu einer Diagnose Depression kommt müssen bestimmte objektive Kriteren erfüllt werden. Nötig ist die "Erfüllung" von mind. 2 Haupt- und 3 Nebensymptomen.

Hauptsymptome gemäss ICD-10 sind:
- Freundlosigkeit und/oder Interessensverlust
- Antriebslosigkeit und/oder erhöhte Ermüdbarkeit
- Stimmungseinengung bis hin zum Gefühl der Gefühlslosigkeit

Nebensymptome gemäss ICD-10 sind:
- Suizidgedanken
- Schlafstörungen
- Konzentrationsstörungen
- Veränderter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung
- Psychomotorische Aktiviertheit oder Hemmung
- Negative Zukunftsperspektive bzw. Hoffnungslosigkeit
- Verlust des Selbstvertrauens oder Selbstwertgefühls

Diese Symptome bzw. mind. 2 Haupt- und 3 Nebensymptome müssen jeweils mind. 2 Wochen dauerhaft (also ohne Unterbruch) in ausreichender Stärke vorhanden sein. Genaueres dazu findest du hier: http://deprimed.de/depressionen/

Zu den Behandlungsmöglichkeiten:

  • Sport: Gemäss wissenschaftlichen Studien ist besonders Ausdauersport hoch effektiv bei Depressionen. Voraussetzung ist mind. 4 Trainingseinheiten pro Woche von mind. 20-30min. Das Problem von Sport ist jedoch, dass depressive Menschen oft antriebslos sind um sich zum Sport aufzuraffen.
  • Psychotherapie: Als eine der effektivsten Methoden gilt eine Psychotherapie. Mit Psychotherapie meine ich eine richtige Psychotherapie (z.B. analytisch) und nicht das Gespräch beim Arzt, der einfach Medikamente verschreibt. Das Problem der Psychotherapie ist jedoch, dass es Monate, wenn nicht Jahre dauert bis sie wirkt.
  • Medikamente: Bei schwereren Depressionen kommen oft Medikamente zum Einsatz. Allen voran Antidepressiva der SS(N)RI-Klasse (http://deprimed.de/ssri-ssnri-sndri-nari/). Das Problem von Antidepressiva ist, dass sie nicht bei allen gleich gut wirken und somit oft mehrere Medikamentenumstellungen nötig sind bis eines wirklich greift. Zudem sind Medikamente oft mit starken Nebenwirkungen verbunden.
  • EKT: Eine Elektro-Krampf-Therapie, kurz EKT, kommt dann zum Einsatz, wenn weder Sport, noch Psychotherapie, noch Medikamente etwas gebracht haben und die Depressionen enorm schwer sind. EKT ist das effektivste Mittel um Depressionen zu Behandeln, jedoch auch ein starker Eingriff. Davon biste hoffentlich weit entfernt. Mehr zu EKT hier: http://deprimed.de/ekt/
  • Weitere Methoden sind Alternativmedizin, Lichttherapie, Schlafentzug und in extrem schweren Fällen Vagusnervstimmulation (VNS) oder Tiefe-Hirn-Stimulation (THS).

Hoffe konnte weiterhelfen.

PS: Ich leide seit 5 Jahren unter Depressionen.

Kommentar von Ana100 ,

Erstmal auch danke dir,

So mehr ich mich mit dem Thema auseinander fasse, desto mehr kommt mir das alles bekannt vor. Aber ich kann gar nicht glauben das es genau miCh treffen kann und konnte. Ich habe große Angst mich jemanden anzuvertrauen, da ich dann immer nur enttäuscht und wieder alleine zurückgelassen werde. Kann man damit gut weiterleben ? Mor kommt es so vor als würde ich 2 Schritte nach vorn und 3 wieder zurück machen. Es ist einfach nur alles anstrengend und für mich sinnlos. Hast du Tipps was ich dem Hausarzt oder dem Therapeuten sagen soll ?

LG

Kommentar von samm1917 ,

je früher depressionen behandelt werden desto grösser sind die heiligungschancen. bei nichtbehandlung läuft man in gefahr, dass sich das ganze chronifiziert. mit dem kann man fast nicht leben. das mit den schritten kommt mir bekannt vor. darum an dieser stelle mein lieblingszitat: "manchmal muss man einen schritt zurück gehen um längerfristig 2 schritte vorwärts zu kommen".

am besten gehste einfach zum hausarzt und schilderst im geradeaus und offen deine symptome. er wird dich dann wohl an eine fachperson überweisen.

bei einer fachperson würde ich auch zuerst einfach deine symptome schildern. danach ist es der job der fachperson die therapie zu machen bzw. das vorgehen zu planen.

Antwort
von TheTrueSherlock, 7

"Im Kontrast dazu"? Den Kontrast sehe ich nicht ^^

Das es dir so lange gut geht und dann so lange (an einem Stück???) schlecht, ist schon komisch.. das kenne ich von Depressionen weniger.

Sonst stimmt alles mit meinen Symptomen überein, wenn ich depressiv bin. Ich würde schon sagen, dass du depressiv bist.

Nein, das ist sorgniserregend und du solltest und musst das behandeln lassen! Gehe zum Hausarzt, schilder ihm genau die Symptome wie du es hier geschrieben hast und lasse dich dann zu einem Psychotherapeuten überwiesen. So habe ich das gemacht :) Wenn die Therapie von der Krankenkasse übernommen wird, kostet es auch nichts.

LG :) Aufgeben ist nicht drin :)

Kommentar von Ana100 ,

Danke für die Antwort auch dir :)

Bei meinem Hausarzt muss man am Anfang der Rezeptionistin sagen worum es sich handelt und dann sind auch ein Arzt ( ich weiß nicht ob er es erst nehmen würde, er ist irgendwie eher so das er gerne pflanzliche mittel verschreibt ) sowie eine Arzthelferin im Zimmer. Ich weiß nicht ob ich das könnte das so vor so vielen Menschen zu erzählen. Hast du vielleicht Tipps dafür ? 

Lg

Kommentar von TheTrueSherlock ,

Ja, sage da einfach nur "Psychische Angelegenheit" (Habe ich so ähnlich gemacht). Allerdings habe ich auch gehört, dass man gar nichts am Empfang sagen muss! Ob man da aber echt einfach nur sagt "Das kann/will ich nur mit dem Arzt besprechen" oder keine Ahnung. Du musst auf alle Fälle nicht "Depression" sagen.

Denke schon, dass er es ernst meint.. Aber wenn du dir echt unsicher bei dem bist, dann gehe doch zu einem anderen Arzt?

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community