neurodoc am 01.02.2009 um 1:54 Uhr
Mich würde Eure Meinung interessieren.

neben vielen meinungen, denen ich hier auch zustimmen würde, möchte ich hinzusetzen: es wird auch viel schindluder damit getrieben. allzuschnell wird die diagnose gestellt. allzuschnell werden irgendwelche pillen verschrieben. wenn die nicht helfen, dann eben eine andere. aber das, was eigentlich dahinter steht, das wird allzuoft einfach auch ausgeblendet, auch von den behandelnden ärzten.
ich habe vor einigen jahren als sozialarbeiterin viel mit kriegstraumatisierten gearbeitet. da habe ich zwangsläufig so einiges kennen gelernt. und war irgendwann ganz erschrocken über die sorglosigkeit der pillenverschreibung, und leider auch darüber, daß echte hilfe eigentlich nicht geleistet wurde, oder sagen wir: viel zu selten.
das psychologische ist außerdem über viele ratgeberbücher etc. schon weit in die allgemeinbevölkerung hineingekommen. ich meine das wissen darüber, oder besser das halbwissen. es wird von vielen einfach auch aus den büchern nachgeplappert. aber nicht genau hingesehen.
also alles in allem, ich würde sagen: ja UND nein. ja wegen der gesellschaftlichen entwicklungen wie übergroßer arbeitsdruck, mobbing etc., auch persönliche probleme, die teils damit zusammenhängen, nicht zu vergessen zunehmende vereinsamung oder besser isolierung, trotz oder vielleicht sogar wegen der vielen technischen möglichkeiten zur kommunikation (das wird die zeit zeigen, wie das sich weiter entwickelt. ist jetzt noch zu früh zu beurteilen.) und nein eben dann auch wegen der sorglose umgang mit der diagnose. wo viele sicher krank diagnostiziert werden, die es womöglich gar nicht sind, z.b. weil die ursachen nicht anderweitig erforscht werden (aus sparsamkeitsgründen vielleicht auch. andere diagnosen kosten vielleicht mehr geld.)
daß die depression heute akzeptierter sei als früher, kann ich allerdings nicht sagen. ist nicht meine beobachtung. im gegenteil, zu dem leiden, daß der depressive selbst schon hat, wird er oft auch noch zunehmend gemieden, was letztlich am wenigsten hilfreich ist.
ich "predige" gegen dies und anderes seit einer ganzen weile schon wie eine schallplatte mit sprung: mehr gegenseitiges verstehen, mehr gemeinsinn, mehr zusammenhalt. individuelle freiheit allein macht eben auch nicht glücklich. das würde so macnhes bessern. davon bin ich fest überzeugt.

Früher war das Leben auch härter, denke ich. Ich meine die nach dem Krieg hatten keine Zeit für sowas, da gings ums überleben... Heute meinen viele dass sie depessionen hätten, wenn sie mal unglücklich sind usw. Echte Depressionen sind aber was anderes (wer die hat, weiss genau was ich meine). Aber nur wenigere haben wirkliche. Früher wusste mann auch nicht wie mann das nennt usw. wenn mann mal down war. Aber nicht jedes Problem ist wie gesagt gleich eine Depression.
Der Unterschied ist so wie ein leichter Schnupfen zu einer echten Virusgrippe
jobo22 am 1. Februar 2009 02:08 Beides DH

in der heutigen zeit ist die gesellschaft sich fremder geworden, man fühlst sich schneller alleiner"...

Nein, die nehmen zu, Durck durch Arbeit und Familie Beziehung

Seit auch Gothic Kult ist, werden Depressionen öffentlich gehegt und gepflegt.
Raimund1 am 1. Februar 2009 01:59 gehts noch?
Ahnungsloser kann man kaum sein!
ToDieFor am 1. Februar 2009 02:00 Hast du auch eine Begründung, oder willst du nur provozieren?
neurodoc am 1. Februar 2009 02:02 Raimund provoziert nicht. Eine Depression "pflegen" ist natürlich ein streitbarer Begriff!
ToDieFor am 1. Februar 2009 02:03 Braucht er jetzt schon einen Anwalt?
jobo22 am 1. Februar 2009 02:03 Unwahrscheinlich, dass der Kult einer Randgruppe so einen Einfluss hat.
gehegt und gepflegt wird da nix mehr, wenn man betroffen ist.
Ist einfach schlimm..
ToDieFor am 1. Februar 2009 02:06 Sicherlich, aber das diese Krankheit soviel bekannter geworden ist, ist auch dieser Randgruppe zu verdanken. Nicht unbedingt gewollt, aber das zog es so nach sich.
jobo22 am 1. Februar 2009 02:11 Kann schon sein, dass dadurch der Bekanntheitsgrad gestiegen ist..
Raimund1 am 1. Februar 2009 02:12 Sorry, aber ich sehe mich in meiner Meinung bestärkt, dass du keine Ahnung von Depressionen hast. Ich hab viel mit Leuten zu tun, die wirklich an Depression leiden
ToDieFor am 1. Februar 2009 02:13 Danke für dein Lob!
jobo22 am 1. Februar 2009 02:17 @R. ..kann dich gut verstehen. Von "Aussen" lässts sich nun mal leicht reden.
AliceJale am 1. Februar 2009 02:20 "Gothic" heißt nicht gleich "Depression" anmerk.. also echt.. Nur weil man Menschen sieht, die schwarz tragen, heißt es noch lange nicht, dass sie krank sind. Wäre vielleicht angebracht sich mit solchen Menschen mal zu beschäftigen, um zu sehen wie (der Großteil) ist.
ToDieFor am 1. Februar 2009 02:24 Gut angemerkt AliceJale, eine objektive Sichtweise ist schon gut.
ToDieFor am 1. Februar 2009 02:22 Erstaunlich wie viele Neurologen hier auf Ferndiagnosen spezialisiert sind, und schon nach 1-2 Sätzen eine Meinung gebildet haben.

Denke, dass die, die es vor etwa 20 Jahren getroffen hätte größtenteils beim letzten Krieg auf der Strecke gelassen hat... In 20 Jahren wirds mit Sicherheit noch mehr Patienten geben, die es betrifft.
Diese Kriegsstatistik, an die kaum noch jemand denkt, wird auch unsere renten erwischen...
Wartet mal noch so 20 - 30 Jahre...
Da kommen noch nette Zeiten.
neurodoc am 1. Februar 2009 01:59 Hast absolut recht!, LG und DH
Pestopappa am 1. Februar 2009 02:02 Wir merken es doch beim Pat. Aufkommen... Gerade Deine Fakultät ! Da geht noch was...
LG !
neurodoc am 1. Februar 2009 02:03 Die Kliniken sind immer voll.
Pestopappa am 1. Februar 2009 02:05 In Zukunft auch... Man expandiere ^^
Die Handygeneration wird erst noch kommen... PC - Spiele Opfer gibts ja schon genug ^^
jobo22 am 1. Februar 2009 02:16 ICH BEKOMM SCHON WIEDER KOPFSCHMERZEN ;)
Pestopappa am 1. Februar 2009 02:18 ^^
@pestopappa: Interessanter Gedanke, und leider sehr plausibel.

Die vermeintlichen "Brückenspringer" werden früher erkannt und eher gerettet, daher stagniert die Quote, ist aber eher mehr.
Psychische Erkrankungen sind immer noch tabuisiert. Berichte über harmlose Winterdepressionen und vermeintliche Mittelchen dagegen gibt es viele, echte Betroffene sind weniger in der Öffentlichkeit vertreten. Beispiel: Sebastian Deisler. Was wurde dem nicht alles vorgeworfen. Bei nem 2-fachen Kreuzbandriss hätte man ihm alles verziehen. Aber Depressionen? Das ist keine anerkannte Krankheit.
neurodoc am 1. Februar 2009 02:04 Wobei ich schon glaube, daß man heute mehr Verstndnis für Depressionen hat, wenn ich mich so umschaue.
Also, dass kommt drauf an, ich würd sagen, die "Ältere Generation" denkt, man kann viel aussitzen wenn man nicht darüber redet. Und das ist 1000pro kontraproduktiv gegenüber dem Kranken.

Depression ist heute häufiger als früher.
Wo Menschen vereinsamen, mit unüberschaubaren Herausforderungen nicht zurecht kommen, der Leistungsdruck zunimmt, das Menschliche weniger zählt als das Geschäftliche usw ist der Nährboden für Depression grösser geworden.
Man wird zwar offener für die Symptomatik der Depression aber eine Heilung im eigentlichen Sinne findet dadurch noch lange nicht statt.
gartenfee am 10. April 2009 01:11 DH!!! ganz meine meinung!
Ja, es ist eine Art Volkskrankeit und sie nimmt, bedingt u.a. durch beruflichen und privaten Stress, immer mehr zu. Es ist erschreckend, wie viele junge Leute, ca. 20 Jahre, das betrifft. Diese haben ihr ganzes Arbeitsleben noch vor sich. Heutzutage ist es keine Schande mehr, wenn man sich in therapeutische Behandlung begibt, um die Probleme in Griff zu bekommen. Aber ich denke, man braucht schon einen arbeitnehmerfreundlichen Chef, der das akzeptiert. Auch in den Familien wird vielleicht etwas offener darüber gesprochen. Aber so lange es einen nicht seslbst betrifft, wird es totgeschwiegen.

es stimmt schon zum einen wird mehr darüber geredet..aber die die reden sind meist die betroffenen selbst.... verstanden werden sie von nichtbetroffenen fast nie! ich habe mir den letzten spiegelbeitrag im tv angesehen und hätte schreien können nimm ne pille und dann wird´s schon wieder...so kam der beitrag bei mir an!!!!

Man ist grundsätzlich offener, weil Depression inzwischen als Krankheit anerkannt ist.
Sie hat aber auch wegen des immensen Leistungsdrucks zugenommen und der permanenten Bewertung der eigenen Persönlichkeit
Gibt ein gutes Buch von Rüdiger Dahlke dazu

Depressionen als angebliches Krankheitsbild für die angeblich Kranken sind interessanter geworden.
jobo22 am 1. Februar 2009 01:58 Depressionen sind interessanter geworden? Nix verstehen...
Raimund1 am 1. Februar 2009 01:59 was meinst du mit ""angeblich"" ????
Kneif jetzt nicht vor einer Antwort, bitte
Qetan am 1. Februar 2009 02:09 Was früher verrückt, überdreht war, fällt heute sofort unter Depression. Wir wissen beide, dass echte Depressionen, ein schweres Krankheitsbild ist, dass zum Glück nur wenige betrifft.
jobo22 am 1. Februar 2009 02:13 Versteh jetzt noch weniger :|
verrückt, überdreht .. ist doch genau das Gegenteil..
Raimund1 am 1. Februar 2009 02:13 ok, verstehe, hab in deiner Antwort das zweite "angeblich" falsch interpretiert - danke

Ich denke, daß das sehr wohl zugenommen hat. Gleichzeitig reden die Leute aber auch ungenierter darüber.
Durch die Schnelllebigkeit der Gesellschaft ist diese Erkrankung häufiger geworden. Sie muss aber auch als solche Diagnostiziert werden. Nicht jede Verstimmtheit ist eine Depression. Hilfe sollte man trotzdem suchen. Oft haben Menschen verständnis wenn man seine Probleme anspricht. Durch meine Arbeit kenne ich ein paar sehr nette Psychologen, die gut rüberkommen. Auch ohne Behandeln zu wollen!
Das ist eine moderne Volkskrankheit. Eine Art der sozialen Verkümmerung. Früher wars der "Trottel" heute ist es ein psychisch Kranker mit Neurosen, und Psychosen werden heutzutage eher offener angesprochen.

Ich erinnere mich an meine lange zurueckliegende Berufstaetigkeit und meine: Kommt drauf an, auf die Ursache naemlich.
Persoenlich meine ich, dass heute mehr darueber gesprochen wird und dass das den Betroffenen hilft, die sonst keine Hilfe bekommen haetten. Dass sich das in der Haeufigkeit ausdrueckt, glaube ich nicht.