Depression - kann ich mich selbst einweisen?

... komplette Frage anzeigen

8 Antworten

Hallo Seelenwanderin,

Was ist der Grund, dass Du ungern zur Therapeutin gehst, obwohl sie Dir schon ein Stück weit geholfen hat?

Woran liegt es, dass Du denkst weitere Zusammenarbeit bringe nichts?

Damit eine Psychotherapie gelingen kann muss eine Vertrauensbasis da sein. Diese ergibt sich in der Regel nicht sofort, sondern muss wachsen und reifen. Nach einigen Monaten solltest Du bei Deiner Therapeutin eine Vertrauensbasis haben und auf dieser kann man arbeiten.

Hast Du diese nicht gilt es herauszufinden warum, bevor man den Therapeuten wechselt und die gleiche Erfahrung sich wiederholt.

Eine Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kann sinnvoll sein, wenn Du Abstand zu Deinem Umfeld bekommen musst, dadurch aus einer Belastungssituation heraus kommst, Du nicht mehr in der Lage bist Dich zu versorgen (Essen, Hygiene, Raus gehen).

Ansonsten sollte man zuerst der ambulanten Behandlung den Vorzug geben, weil das Herausreißen aus dem sozialen Umfeld und Alltagsaktivitäten sich schlecht auswirken kann. Außerdem kommt es durch die Versorgungsstruktur der Klinik oft dazu dass sich Eigenaktiviät und Selbstverantwortung erst einmal verschlechtern.

Auch nach einem Klinikaufenthalt sollte man weiter ambulante Psychotherapie machen. Ein Klinkaufenthalt kann diese nicht ersetzen, da die therapeutische Begleitung über längere Zeit und im Alltag erfolgen muss.

Psychosomatische Akutkliniken sind sehr spärlich vorhanden. Falls Du das Glück haben solltest, dass in Deiner Nähe eine ist, dann kannst Du dort nach den Aufnahmekriterien fragen.

In der Psychiatrie ist der Schwerpunkt oft eher auf Entlastung und Medikamenten, in der Psychosomatik auf Aktivierung und Eigenverantwortung - aber inzwischen gibt es auch Psychiatrische Kliniken mit psychosomatischer Einstellung und umgekehrt.

LG und alles Gute!

Hourriyah

PS.: Ich hoffe die Möglichkeiten der Selbsthilfe - täglich Bewegung and der frischen Luft, gesunde Ernährung und Sozialkontakte nutzt Du schon?

Und Du warst hoffentlich auch einmal beim Arzt um Blutbild und Schilddrüse cheken zu lassen?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von seelenwanderin
14.09.2016, 12:04

Danke für die umfangreiche Antwort! 

Zur Therapeutin: Ich weiß es nicht so genau. Die erste paar Male, als ich bei ihr war, war es natürlich unangenehm. Aber ich wusste auch, dass das normal ist. Wer vertraut schon wildfremden gerne seine dunkelsten Geheimnisse, Ängste und Emotionen mit? Dann wurde es etwas besser. Ich hab mich einigermaßen wohlgefühlt und ich merkte auch schon kleine Fortschritte. Die Depressionen kamen nicht mehr in so kurzen Abständen bzw. die depressiven Phasen waren kürzer und weniger intensiv. Aber irgendwann hatte ich das Gefühl wir drehen uns nur im Kreis. Immer die selben Fragen... immer die selbe Antwort von mir. Nach der Therapie ging es mir dann wieder immer sehr schlecht (genauso wie auch zu den ersten Stunden). Fühlte mich unwohl und ich will nicht mehr hin.

... Keine Ahnung. Ich kann nicht behaupten, dass es nichts gebracht hat, aber ich habe nicht das Gefühl das ich mit dieser Therapeutin weiter komme. Ich hab auch noch keine wirkliche, handfeste Diagnose von ihr bekommen. Das ich Depressionen hab steht außer Frage (das hat sie schon nach den ersten Stunden feststellen können). Aber Depression ist nicht gleich Depression. Leichte, Mittelschwer, Schwer oder vielleicht doch eher eine bipolare Störung? Klar hab ich mich viel informiert. Aber ich setze mein Vertrauen lieber in eine Fachkraft als in einen Wikipedia-Eintrag ;)

Was die Bewegung und den Alltag angeht: Ich bin durchaus in meinem Alltag eingeschränkt. Mal mehr mal weniger. Antriebslosigkeit ist der häufigste Grund dafür. Ich bin in "meinen Phasen" nicht bzw. kaum in der Lage zu kochen/zu essen, zu schlafen, etwas im Haushalt zu tun oder geschweige denn zur Arbeit zu gehen. Ohne meinen Freund an meiner Seite wär ich vielleicht 10 kg leichter (da er dafür sorgt das ich esse ^^) und meinen Job los, weil er mich zu meiner Hausärztin bringt wenn es mir nicht gut geht. Und für Sport kann ich mich (wie für nahezu alles) nur schwer begeistern... Auch wenn ich weiß das es wahrscheinlich hilfreich wäre.

1

Erstmal gibt es ja auch die normale Möglichkeit, den ambulanten bisherigen Psychotherapeuten zu wechseln. Meistens aber mit Wartezeit verbunden.

Wenn Deine Beschwerden so stark und wiederkehrend sind, dass Du trotz ambulanter Therapie nicht mehr damit klar kommst und wiederkehrend auch nicht arbeiten kannst, dann würde ich es schon durchaus als sehr sinnvoll betrachten, einen stationären Klinik-Aufenthalt bei Dir in Betracht zu ziehen.

Dein Hausarzt und/oder Dein Psychiater können das problemlos befürworten. 

Es gibt Psychiatrie-Abteilungen in Krankenhäusern wo man relativ kurzfristig (innerhalb 1-3 Wochen) schon einen mehrwöchigen Klinik-Aufenthalt nur durch eine einfache Überweisung des Hausarztes aufnehmen kann. 

Manche Psychiater (als Fachärzte) können auch in (meist auch bessere)         Akut-Fachkliniken direkt einweisen ohne großen bürokratischen Aufwand.       Das ist zwar meistens mit längeren Wartezeiten von mehreren Monaten verbunden, aber es lohnt sich doch (ich spreche da aus großer Erfahrung).     Es wird sich dort fachlich intensiver gekümmert und individuell mehr auf den Patient eingegangen. Außerdem hat man dort meist nicht soviel "Leerlauf"       wie einer "einfachen" etwas limitierten Krankenhaus-Psychiatrie-Abteilung.

Dann gibt es noch den Weg der Beantragung einer stationären medizinischen Rehabilitation (kurz "Reha") entweder mit Antrag über Deine Krankenkasse oder auch direkt bei Deiner Rentenversicherung.

Ein bescheinigendes Attest des Hausarztes und von Deinem Psychiater   sollte in jedem Fall unbedingt mit dabei sein !

Dazu wirst Du im Formular auch um Deine eigene Stellungnahme gebeten.      

Die Krankenkasse muss dazu auch ein gewisses Reha-Formular ausfüllen.    

Auch bei einer "Reha" entstehen vorher meist mehrmonatige Wartezeiten.

D.h. Kostenträger ist entweder die Krankenkasse oder die Rentenversicherung.

Lies dazu auch bei Interesse im Internet z.B. unter diesem Link: http://www.vdk.de/deutschland/pages/presse/vdk-zeitung/27193/wie\_wird\_eine\_reha\_beantragt

Als psychiatrische Klinik würde ich eine selbständigen Psychiatrie-Abteilung   in einem "einfachen" Krankenhaus bezeichnen (wie vor schon erläutert).

Die meisten Akut-Fachkliniken nennen sich psychosomatische Fachkliniken und behandeln wiederkehrende Depressionen UND - PSYCHOSOMATISCHE -  damit zusammenhängende Störungen.

Das sind z.B. durch eine kranke Psyche/Seele ausgelöste körperliche   (Körper = "Soma") Beschwerden/Symptome, welche sich im Körper z.B.       im Magen, Herz, Kopf, Wirbelsäule, Solar-Plexus, Tinnitus etc. sehr stark       negativ bemerkbar machen können. Es gibt leider noch viele andere davon....

Dazu gibt es depressionszusammenhängende psychische Beschwerden: Z.B. Schlafstörungen, Antriebsprobleme, Grübelzwang, Zittern, Einsamkeit, Panikattacken, Konzentrationsverlust, sozialer Rückzug, etc. etc. etc.....

Das kann bis dahin führen, dass man sich wie in einem "Teufelskreislauf" dieser sich gegenseitig negativ "nährenden" Krankheitssymptome fühlt.

Außerdem gibt es noch psychiatrische Fach-Kliniken, wo schwerpunktmäßig schwere PSYCHOTISCHE Störungen akut behandelt werden, wie z.B. Realitätsverlust, Verfolgungswahn, starke Zwangstörungen, unkontrollierte starke Angststörungen, paranoide/schizoide Symptome, etc. etc. etc.

Das dürfte lt. Deinen von Dir erwähnten Symptomen bei Dir so NICHT der Fall sein.

Ich habe zu meinen wiederkehrenden depressiv-psychosomatischen Störungen kurzzeitig mal psychosenahe (psychotische) Symptome erlebt.       Es waren die allerschlimmsten Momente meines Lebens.

Du kannst mich jederzeit gerne wieder ansprechen.  Alles Gute Dir !!


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von seelenwanderin
14.09.2016, 13:10

Vielen Dank! :) 

Ich werde mir auf jeden Fall noch mal alles durch den Kopf gehen lassen und hoffentlich möglichst bald eine Entscheidung treffen können.

0

Folgendes Vorgehen ist sinnvoll:

1. Die Situation mit der Psychotherapeutin klären. Selbst bei Abbruch der Therapie muss was in die Wege geleitet werden, dass nach der Klinik eine ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung sichergestellt ist, sonst bringt die Klinik nichts. Evtl. besprechen, ob ein Verfahrenswechsel sinnvoll und somit bei der Kasse beantragt werden kann usw..

2. Einen Facharzt für Psychiatrie aufsuchen und mit ihm über stationäre und teilstationäre gff. auch rehabilitative Möglichkeiten sprechen. Der kann dann auch die korrekte Einweisung ausstellen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Sorry für die Formatierung. Hatte die Ganze Antwort schon mal geschrieben und dann ist mein Computer abgekackt.

Eine Psychiatrische Klinik ist im Prinzip nichts anderes als jeder
andere Spital. Von dem her kannste dich selbst einweisen und die
Krankenkasse übernimmt die Kosten.

Was du jedoch beachten musst
ist, dass du bei einer Selbsteinweisung wohl in eine allgemeine Station
kommst. Dort gibt es Menschen mit unterschiedlichen Störungsbildern,
dies kann sehr unangenehm werden.

Wenn dich ein Arzt (dies kann
auch dein Hausarzt sein) einweist, ist die Chance gross, dass du in eine
spezialisierte Abteilung für Depressionen kommst. Dies ist einiges
angenehmer als auf einer allgemeinen Station zu sein (spreche aus
eigener Erfahrung).

Eine psychiatrische Klinik ist ein
normales Spital für psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen,
Psychosen, teilweise auch Engiftungsstationen (Dorgenentzug) usw. Oft
werden die Krankheitsbilder in getrenten Abteilungen behandelt,
ausgenommen sind die bereits erwähnten allgemeinen Stationen.

Eine
psychosomatische Klinik ist vor allem für Menschen mit
psychosomatischen Problemen. Also körperlichen Problemen welche aufgrund
psychischer Erkrankungen entstehen. Viele Menschen mit Depressionen
haben z.B. Schmerzen, welche körperlich nicht begründet werden können.
Sie "bilden" sich die Schmerzen also sozusagen ein, was an dem Empfinden
jedoch nichts ändert.

Daneben wird die psychosomatische
Klinik auch oft als Reha benutzt. Es ist also keine Akutsituation
vorhanden, sondern der Patient muss sich erhohlen. Der Kostenträger in
diesem Falle müsste abgeklärt werden. Dies hängt einerseits damit
zusammen ob du Rente bekommst oder was für ein Krankenkassentarif du
hast.

In einer psychiatrischen Klinik werden vor allem Menschen
behandelt, welche nicht mehr fähig sind für sich zu sorgen. Z.B. also so
Antriebslos sind, dass sie tägliche Aufgaben wie Kochen, Duschen,
Einkaufen etc. nicht mehr erledigen können. In geschlossenen Abteilungen
werden bei Depressionen vor allem Menschen behandelt, welche stark
suizidgefährdet sind.

Ich rate dir zu deinem Hausarzt zu gehen und dich Beraten zu lassen...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Einstein2016
15.09.2016, 18:47

Es gibt auch bedeutende, anerkannte Rehakliniken, welche bei sich auch Akutstationen haben (z.B. Hardtwaldklinik 2 in Bad Zwesten).   Akut stationär behandeln bedeutet natürlich auch inkl. Erholung dort.

Psychosomatisch bedingte Schmerzen sind niemals Einbildung !     Sie werden real wahrgenommen und haben immer eine Ursache. Wobei eine der Hauptursachen "Hilferufe" der SEELE sind, welche sich sehr oft mit Erlebnissen der frühen Kindheit begründen lassen.

Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass diese Schmerzen EXTREM sein können und alles andere als "Einbildung" sind.  

 



0

Ja du kannst dich selbst einweisen, du solltest einfach zu einem Arzt/Psychaterin (jemanden der Dr. ist damit er sowas kann) und ihm von deinen problemen erzählen damit er dir eine einweisung schreibt, dann kann es gut sein das es vielleicht die krankenkasse übernimmt.
Bin mir aber nicht so sicher, so war es bei mir aber ich bin auch noch nicht volljährig.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Also, ja du kannst dich selbst einweisen lassen, hab ich auch gemacht. Bzw ich bin zu meinem Hausarzt, und hab mich von dem einweisen lassen. Oder es gibt die Möglichkeit, Diagnose Gespräche zu machen, keine Therapie oder so, dann bekommt man auch ziemlich schnell eine Überweisung. Klinik Kann helfen, muss aber nicht. Kannst mich gerne weiter Löchern zum gesamten Thema

LG

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

DU kannst doch nicht einweisen. Das kann lediglich ein Arzt!

Ob das in deinem Fall notwendig ist oder nicht obliegt seiner Einschätzung.
In der Regel wird gesagt, dass ein Grund für die Einweisung gegeben ist, wenn ein Mensch seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann.

Das heißt konkret, wenn du es nicht mehr schaffst, zu essen/zu kochen, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, die Wohnung ordentlich zu halten, Körperhygiene zu wahren,..., dann wäre dein Alltag gestört. Allerdings muss auch das über einen längeren Zeitraum gegeben sein. Nur weil du einmal zu müde bist, um zu kochen, müsst du nicht gleich eingewiesen werden. Auch nicht, wenn du mal eine Woche zu müde bist.

Der Unterschied zwischen psychosomatischer Klinik und psychiatrischer Klinik liegt soweit ich weiß, beim Kostenträger. Bei der psychosomatischen Klinik ist die Rentenversicherung Kostenträger. Der Klinikaufenthalt wird dann als Reha (früher auch Kur) genannt. Bei entsprechender Indikation kannst du alle vier Jahre in eine solche Klinik. Die Klinik ist dann auch nicht wohnortgebunden, wie eine Psychiatrie.

Eine Psychiatrie ist im Prinzip genauso, wie der Aufenthalt in einem Krankenhaus. Kostenträger ist die Krankenkasse.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von schloh80
14.09.2016, 10:44

Die Rentenversicherung ist nur bei einer Reha-Klinik der Kostenträger. Es gibt auch psychosomatische Akutkrankenhäuser.

0
Kommentar von einfachichseinn
14.09.2016, 10:55

steht da zwar so, aber danke für die "Verbesserung".

0
Kommentar von samm1917
14.09.2016, 11:03

Einweisen kann man sich auch selbst, wie in jedem Spital. Nur kommt man dann ist eine allgemeine Abteilung und wird ev. schnell wieder entlassen.

0

Grundsätzlich könntest du in eine Poliklinik bzw eine Ambulanz in der psych. Klinik gehen und dich dort vorstellen. Ob du dann stationär aufgenommen wirst entscheiden die Ärzte. Noch eine Möglichkeit wäre deine Ärztin um einen stationären Aufenthalt zu bitten. 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?