MrsHyde am 15.01.2009 um 12:12 Uhr
Meine Mutter ist 90 Jahre alt und lebt in einem sehr schönen Pflegeheim in der Nähe meiner Schwester, nachdem sie zuvor 20 Jahre lang mit mir im Haus zusammen wohnte. Ich musste aus beruflichen Gründen in ein anderes Bundesland und kann sie deshalb nur noch alle 4 Wochen besuchen kommen.
Meine Mutter ist physisch leidlich gut dabei, hat aber im Laufe der Zeit Demenz-bedingt einige Störungen wie z.B. Altersparanoia entwickelt (sie glaubt z.B. immer, sie würde bestohlen werden, aber wenn die Dinge, die sie vermisst, sich wieder auffinden, lässt sie sich auch nicht eines Besseren belehren). In der letzten Woche kamen nun massive Halluzinationen hinzu, die ihr das gewohnte Leben schwer machen. Sie sieht Menschen, die sie daran hindern, bestimmte Dinge zu tun oder der Boden tut sich auf ect.
Wir haben versucht, sie durch lange Gespräche ins Hier und Jetzt zurückzuholen, aber es gelingt nicht, die "Bilder" sind zu realistisch für sie. Ein Termin beim Neurologen ist erst in zwei Wochen.
Wie gehe ich mit der Situation um? In Internetforen steht immer wieder, man soll die Patienten in ihren Wahnvorstellungen belassen, um sie nicht nochmehr zu beunruhigen, aber was, wenn sie so bedrohlich sind?
Vielleicht ist hier jemand "vom Fach" oder hat einschlägige Erfahrungen?
Besten Dank im Voraus.

Es wäre eine medikamentöse Therapie möglich, leider gehören diese Symptome zu einer Demenz.
Bitte unbedingt die Internetseite: www.galaktose.de zu Rate ziehen. Der Hirnstoffwechsel ist mit hochreiner Galaktose möglicherweise wieder auf Trab zu bringen. Es handelt sich bei den Demenzen und Kognitionsstörungen um eine Glukoseverwertungsstörung des Gehirns und dadurch werden die chemischen Botenstoffe(Neurotransmitter) nicht mehr ausreichend produziert und auch die Ernährung der Gehirnzellen ist gestört, der Verfall ist vorprogrammiert. Galaktose kann als Einfachzucker/Energieträger insulinunabhängig aufgenommen werden. Das solte man in diesem Fall unbedingt versuchen, es ist ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Neuroleptika können das Energiedefizit nicht ausgleichen!! Präparat: metadyn Plv. 270 g oder 500 g , 3 x 4 g in Wasser einnehmen, rezeptfrei in der Apotheke.
Ja, leider ist das wirklich so. Wenn die Menschen einmal an dieser Krankheit leiden, dann ist das nicht mehr aufzuhalten. Sie selbst merken nicht, wie weh es dem Gegenüber tut. Aber damit wirst du dich abfinden müssen. Sei froh darüber, dass Deine Mutter so gut untergebracht ist und sich wohl fühlt. Das ist doch die Hauptsache. Du kannst sie nicht ändern.
ich kann dir aus eigener erfahrung nur sagen,da kann niemand was machen,das wird euch auch der neurologe bestätigen.wenn du mit ihr redest,dann sprich sie auf ereignisse der vergangenheit an und lass sie von ihrer jugend und ehe oder verwandschaft und kriegserinnerungen erzählen,das langzeitgedächtniss ist in den meisten fällen noch sehr gut..es wird sie sehr beruhigen und auch erden..
MrsHyde am 15. Januar 2009 12:31 Ja, danke, ich werde es versuchen, aber das ist sehr schwer, sie auf diese Art "zu verlieren".
eure mutter-tochter beziehung wird sich verändern,du wirst viele neue seiten an deiner mutter kennenlernen.lass dich darauf ein,es tut weh,aber anders gehts nicht,mit der medikation sei bitte vorsichtig,die nebenwirkungen sind oft übel!! alles gute
MrsHyde am 17. Januar 2009 09:51 Meine Mutter bekommt jetzt Medikamente und spricht nach zwei Tagen schon einigermaßen darauf an. Als Nebenwirkungen stellen wir lediglich Müdigkeit fest. Das ist durchaus erträglich, denn sie kann ja ruhen, wie sie mag.
Wenn Deine Mutter im Heim ist, müsste normalerweise das Personal dort, das kennen und damit umgehen können. Es kann sogar sein, dass Deine Mutter aggressiv wird. Dagegen kann man im Grunde nicht viel tun. Der Neurologe wird wahrscheinlich Medikamente zur Ruhigstellung verschreiben. Das war's dann auch schon.
Meist erleben solch alte Menschen noch einmal ganz intensiv die Vergangenheit. Und diese war im Fall Deiner Mutter, durch den Krieg, nicht gerade friedlich.
MrsHyde am 15. Januar 2009 12:31 Ja, Du hast Recht. Meine Mutter sagte gerade am Telefon, sie hätte mit ihrem Bruder gesprochen. Er ist allerdings im Krieg gefallen, und das wiederum weiß sie komischerweise gleichzeitig.
Vergangenheit und Gegenwart werden sich immer mehr vermischen. Auch wenn es weh tut, aber dagegen kannst Du nichts machen.
Psychopharmaka sind nicht primär zur Ruhigstellung sondern beseitigen Symptome z.B. den Wahn.
MIR KOMMT IMMER DIE GALLE HOCH WENN ICH LESE PSYCHOPHARMAKA ZUR RUHIGSTELLUNG !!!
Klar, auch Psychopharmaka haben - wie jedes Medikament - Nebenwirkung. Dazu zählt leider auch dass viele (aber nicht alle !) Präparate müde machen. Ein verantwortungsvoller Psychiater wird Pat. mit Wahn nicht medikamentös ruhigstellen sondern Medikamente geben, die den Wahn BESEITIGEN !
Die Mutter eines Freundes hatte auch mal eine Zeitlang solche "Wahnvorstellungen". Sie wurde mit Medikamenten gut eingestellt - und seitdem ist nun schon jahrelang alles gut.
Laß Deiner Mutter erstmal in ihrem Glauben, um sie nicht noch mehr zu verwirren.
Und wenn möglich sollte Deine Schwester (oder Du, aber das wird ein Zeitproblem sein) Deine Mutter zum Neurologen begleiten. Vielleicht gibt es für Eure Mutter eine genau so gute Lösung wie für die des Freundes.
Und sonst wirst Du ihre Veränderungen akzeptieren lernen müssen...
MrsHyde am 15. Januar 2009 12:30 Danke! Meine Schwester wird natürlich mitgehn zu dem Neurologen-Termin. Ich hab gelesen, es gibt Neuroleptika, die möglicherweise helfen könnten, aber sie haben manchmal schlimme Nebenwirkungen wie z.b. heftige Übelkeit. Hatte die Mutter Deines Freundes keine Probleme mit Nebenwirkungen?
Deine Mutter beruhigen, wenn sie wieder halluziniert und Angst bekommt. Da sein, sie halten und trösten. Ihr immer wieder sagen, dass ihr nichts passieren wird. Keinesfalls sagen, das sie sich irrt oder es falsch ist, was sie im Moment erlebt. Ihr erklären, dass genug Leute um sie herum sind, die auf sie aufpassen. Es ist schwer, damit klar zu kommen, aber es gibt Hilfen. Erkundige dich doch mal im Heim, in dem die Mutter ist, was es für Möglichkeiten gibt.
MrsHyde am 15. Januar 2009 12:28 Danke Dir, aber das mit dem Festhalten und Beruhigen ist schwierig angesichts 400 km Distanz!
Dann hole doch deine Mutter zu Dir in die Nähe. Such dir doch einen Heimplatz in deiner Kreisstadt. Wäre das möglich?
MrsHyde am 17. Januar 2009 09:50 Nein, leider nicht. Ich bin beruflich dauernd unterwegs, meine Schwester ist Hausfrau und kümmert sich auch um meine Mutter.
Es ist richtig, dass man sie in ihrem Wahn lassen soll. Der Wahn selbst ist zwar heftig, aber da der Verstand es nicht mehr unterscheiden kann, wird es meist schlimmer, wenn sie noch "zusätzliche Infos" da reinflechten und gar nicht mehr zurecht kommen.
Ein Boden, der sich auftut, ist schlimm, aber ein Boden, der sich auftut und wo die Tochter versucht einen da reinzuziehen, ist noch viel schlimmer. Sie verknüpfen es manchmal auf so eigenartige weise, dass es wirklich heftig für sie werden kann. Da kann wirklich nur noch ein Fachmann was hinbekommen.
MrsHyde am 15. Januar 2009 12:27 Ich verstehe. Danke!!
Ich wünsche dir viel Glück und viel Kraft für die Zukunft.
MrsHyde am 15. Januar 2009 12:32 Ich danke Dir, Katzentatze, ich werds brauchen.

Pro Pflegeheim betrifft es etwa 60 % , wenn nicht gar mehr.
Du kannst nichts machen. Es wird sich noch mehr ereignen... Ist leider so... Versuche, so gut wie möglich damit klar zu kommen.
MrsHyde am 15. Januar 2009 12:15 Kannst Du mir Näheres sagen?
Pestopappa am 15. Januar 2009 12:15 Moment...