Imbecillitas am 16.09.2008 um 20:55 Uhr
wie genau sollte man Dehnübungen machen, um die Muskulatur am effektivsten zu dehnen?
Federnd oder nicht federnd? Wie lange pro Durchgang? Wie viele Durchgänge? Wie oft? Vor oder nach dem Sport?
Kennt jemand den neuesten Stand? (Hab beim googeln nicht zu viel gefunden, was verläßlich wäre.)
Bitte nur die antworten, die es auch wirklich wissen, oder mitteilen, daß man sein Halbwissen kund tut.
Vielen Dank.

Beim dehnen nie Federn, lieber erst einmal vordehnen zwischendurch mals auschütteln und noch einmal nachdehnen. Viele sagen, man soll vor dem Sport sich aufwärmen und dann dehnen. Das ist für manche Sportarten auch gut, wenn man z.B. so einen Hindernispacour macht, wo man den ganzen Körper stark benasprucht, aber ansich ist es meistens unsinnig, das vor dem Sport zu tun. Denn die Muskulatur hat eine natürliche Grenze, wo man durch leichten Schmerz spürt, daß man nicht weiter gehen soll. Und diesen Schutzmechanismus setzt man außer Kraft, wenn man die Muskeln vordehnt. Lieber nach dem Sport ausgiebig gute Dehnübungen machen, damit man keinen Muskelkater kriegt.
Nachtrag:
Im Gegensatz zu Frau Fleckenstein bin ich kein Arzt. Ich will keine Studien an den Mann bringen und auch keine Bücher verkaufen.
Ich bin 40 Jahre alt und treibe mein Leben lang verschiedene Sportarten teilweise auf hohen Niveau (Leistungssport). Der Grund warum ich Zeit habe hier zu posten ist, das ich im kalten unaufgewärtmen Zustand ein paar Flickflacks gemacht und mich dabei an der Schulter verletzt habe. Das ist sehr peinlich für mich (im wahrsten Sinne des Wortes), ich wuste es ja schließlich eigentlich besser. Alle Verletzungen die ich mir beim Sport zugezogen habe, waren immer aufgrund von mangelnder Konzentration hervorgerufen durch entweder schlechte Vorbereitung( Dehnung wenn du so willst), oder Übermüdung (mangelnde Kondition).
"Dehnen ist von Muskeln (und Sehnen) noch nicht als hilfreich erwiesen worden in Studien. Aber Leute fuehlen sich besser.
Ein Oeffnen der Gelenke kann mit Yoga erreicht werden - scheint mir sinnvoller zu sein. "
Also diese sogenannten Studien, die behaupten das Dehnen unnötig bzw. sogar Kontraproduktiv wären, sind meines erachtens völlig idiotisch, weil hier nur der Muskel rein physiologisch betrachtet wird.
Das öffnen der Gelenke sollte man lieber, wenn überhaupt, einem Chirurgen überlassen. Beim Hatha-Yoga werden die Antagonisten gekräftigt und gedehnt, was ein sehr ausgewogenes Muskeltraining zur Folge hat. Viele Stretchingtrainer haben Übungen vom Yoga übernommen, ich empfehle dir mach lieber gleich Yoga. Yoga ist eines der besten Ausgleichs/Regenerations/Vorbereitungmittel für andere Sportarten, darum machen es auch viele Leistungssportler zusätzlich oder bauen Elemente von Yoga in Ihr Trainingsprogramm ein.
Die Frage ist was willst du eigentlich erreichen, was sind deine Sportlichen Ziele was für Körperliche Probleme möchtest du durch Dehnen ausgleichen?
Hatha-Yoga/Gymnastik/Dehnen kann dir jedenfalls helfen dein Körerbewustsein signifikant zu steigern, was vor allem deine Körperhaltung nicht nur beim Sport positiv beeinflussen könnte. Dadurch bewirkt "Dehnung" nicht nur eine (durch Studien in Frage gestellte) verbesserte physiologische Verbesserung deiner Muskeln.
Wenn du vor dem Sport deine Muskeln locker dehnst/kräftigst, bewirkst du damit nicht nur ein dehnen,aufwärmen, sondern dein "Muskelgedächnist" wird aktiviert, so daß nicht nur jede Einzelne (von den Studien btrachtete) Muskel aktiviert wird , sondern vor allem das Zusammenspiel aller Muskeln, was extrem wichtig ist um Bewegungen beim Sport korrekt auszuführen und insofern hilft das lockere Dehnen vor dem Sport Verletzungen vorzubeugen und deine Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Auf keinen Fall nachfedern! Statt dessen langsam in die Dehnung gehen, Position mindestens 20 Sekunden halten. Dann Dehnung noch ein kleines bisschen intensivieren, noch einmal mindestens 20 Sekunden halten. Und dann LANGSAM lösen und in die Ausgangsposition zurückgehen.
Die effektivste Dehnmethode ist das sog. "Stretching".
Dabei spannt man den Muskel zunächst in Arbeitsrichtung für ca. 5 - 10 Sekunden an.
Anschließend geht man in die Dehnungsstellung und verharrt dort mindestens 30 Sekunden. Je länger man die Dehnhaltung hält, umso besser.
Bei dieser Methode reicht ein Durchgang, wenn man die Dehnung etwas länger hält (ca. 1 Minute) oder man macht zwei bis drei Durchgänge.
Dehnübungen sollte man immer nach dem Sport ausführen, um zu verhindern, dass die Muskulatur verkürzt. Wer will, kann sich nach dem Aufwärmen zusätzlich Dehnen, das erhöht die Leistungsfähigkeit der Muskulatur.
Bitte nicht federn, dabei können (v. a. wenn man nicht aufgewärmt ist) Muskelfasern reissen!
Wer sehr verkürzt ist, oder spezielle Verspannungen hat, sollte täglich dehnen, wer viel Sport macht, Gelenkig ist und sich regelmäßig dehnt, bei dem reicht es, wenn er die Dehnungen nach dem Sport ausführt.
Dehnen steigert die Muskeldurchblutung, die Sauerstoffversorgung und beugt Muskel- und Sehnenschäden vor!
Viel Spass beim Üben.
Anleitungen zum Stretching findet man beim Physiotherapeuten, im Fitnesstudio, in Büchern und evtl. im Netz (hab ich noch nicht überprüft).
(Bin selbst Physio, also kein Halbwissen :-))
Imbecillitas am 16. September 2008 21:59 super antwort. danke. euch anderen auch vielen dank.

Du dehnst nicht die Muskeln sondern die Sehnen. Hierfür sollten 10 Minuten am Tag, dann aber konsequent reichen. Federn ist nicht gut, da kann zu schnell was reißen, besser ist es, die Dehnung bis zur Schmerzgrenze zu betreiben und dann einige Sekunden zu halten. Beim Dehnen sollten die Extremitäten grundsätzlich gestreckt sein, beim Lockern geflext.
LG
Wieselchen
Hallo Wieselchen, nicht böse sein, aber Sehnen sind beim Erwachsenen nicht dehnbar! Aber der Rest ist absolut richtig!
Grüsse, Livia
Wieselchen1 am 16. September 2008 21:15 Hallo Livia, warum sollte ich böse sein? Dennoch stimme ich Dir nicht zu, da ich mit Erwachsenen trainiere und fst täglich sehe, wie weit da die Dehnung möglich ist.
LG
Wieselchen
Ja, der Muskel lernt, sich zu dehnen (genauer mehr Entspannung zuzulassen).
Aber Sehnen (die End- und Ansatzstücke eines Muskels) sind beim Erwachsenen absolut undehnbar. Beim Kind ist umstritten, ob Sehnen teilweise dehnbar sind, aber beim Erwachsenen definitiv nicht.
Der Dehnungsprozess in der Muskulatur ist ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Ionen, die den Muskel je nach vorhanden sein in Kombination mit einem Reiz aus dem Gehirn entweder zur Kontraktion oder zur Entspannung veranlassen. Der Körper kann also im engeren Sinn nur lernen, durch ein richtiges Ionenverhältnis Entspannung zuzulassen. Die Dehnung an sich ist ein physiologisches Phänomen und ein Lernprozess und nicht, wie man vermuten könnte, eine tatsächliche Dehnung, wie sie z.B. bei einem Gummiband möglich ist. Eine solche Dehnung ist bei den Muskelphasern, also den Myofibrillen, zwar auch möglich, aber der Anteil dieser Dehnung an der wahrnehmbaren Dehnung ist verschwindend gering.
Was trainierst du denn?? Bin neugierig!
DerTroll am 16. September 2008 21:49 Muß LivaiCat zustimmen. Der Muskel hat Aktin- und Myosinfilamente. Und die greifen ineinander und machen so eine Art Ruderbewegung, wenn sich der Muskel zusammenzieht. Dabei wird aber nur eine bestimmte Anzahl der Filamente zur Kontraktion bewegt, und durch das dehnen bringt man den Muskel dazu, daß er sich stärker zusammenziehen kann usw. Die Sehen sind bei ausgewachsenen Menschen wirklich kaum oder sogar garnicht dehnbar.
Aha - noch ein Fach(troll)! Grüsse
Dehnen ist von Muskeln (und Sehnen) noch nicht als hilfreich erwiesen worden in Studien. Aber Leute fuehlen sich besser.
Ein Oeffnen der Gelenke kann mit Yoga erreicht werden - scheint mir sinnvoller zu sein.
Lieber das Trainieren jedesmal langsam angehen, besonders wenn die Umgebungstemperatur niedrig ist.
Alexa Fleckenstein M.D., Aerztin, Autorin.

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