Frage von BaluDerTanzbaer, 81

Das Verletztsein nach Enttäuschung?

Hallo liebe Community,

mir geht es in dieser Frage um das akute Empfinden, sich nicht liebenswert zu fühlen, und um dem Umgang damit. ich denke, dass jeder Mensch dieses Gefühl kennt:

Man findet einen unglaublich schönen Menschen und ist von ihm begeistert, aber man merkt leider, dass man für diese Person überhaupt nicht wertvoll ist, dass man eher lästig als attraktiv erscheint. So ein Gefühl kommt ja auch oft schon durch Freundschaft hoch, wenn man merkt, dass man einfach nicht so hundert Prozent dazugehört und andere gar nicht besonders viel Wert auf die eigene Anwesenheit legen.

Wahrscheinlich kann man es sogar mit dem Gefhül vergleichen, wenn man lange auf etwas im eigenen Leben hinarbeitet aber es dann nicht richtig gut schafft. Das kann eine Ausbildung sein oder ein Instrument zu lernen. Ich spiele beispielsweise schon fast 10 Jahre die Gitarre, aber bin einfach nicht extrem talentiert und habe zu wenig Zeit zum Üben, als dass ich jemanden damit von den Socken hauen könnte. Noch dazu habe ich keine besonders schöne Stimme, so dass ich mich fühle, als ob ich in diesem Punkt nicht besonders wertvoll wäre. Sehr stark ist das Gefühl auch nach einer nicht gewollten Trennung.

Mir geht es also nicht um ein spezielles Ereigniss sondern generell um die Feststellung "Ich reiche als Mensch nicht, ich fühle mich nicht wertvoll und liebenswert" oder "Ich bekomme nicht vermittelt, dass ich liebenswert bin" oder vielleicht auch "Ich habe viel zu geben, aber niemand erwidert meine Gefühle".

Ich würde gerne wissen, wie ihr damit umgeht. Dabei möchte ich bitte keine "Idealbilder" als Antworten, kein "Du musst lernen, Dich selbst zu lieben", sondern was tut ihr akut, wenn ihr euch gerade nicht lieben könnt und soetwas feststellt/erlebt? Die meisten Leute reagieren da ja in den verrücktesten Arten und Weisen.

Ich habe früher sehr viel Alkohol getrunken in solchen Situationen, heute mache ich viel Sport und arbeite dann wie ein Verrückter. Bei ganz extremen Situationen melde ich mich sogar bei der Arbeit krank und brauche dann ein, zwei Tage ganz alleine. Ich versuche Meditation und lange Spaziergänge einzubauen, gesund zu essen und Tee beruhig mich meistens auch sehr gut.

Dennoch bleibt meist ein sehr negatives Gefühl von Verletzung, das sich furchtbar anfühlt. Ich bin mir fast sicher, dass das jeder kennt. Was tut ihr in solche Situationen, um da wieder rauszukommen? Was gibt es für euch für Möglichkeiten, um möglichst wenig Zeit in diesem schlechten Selbstbild zu verbringen?

Liebe Grüße, Balu

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Snowwhite1999, 47

Ich habe das gleiche Gefühl. Ich mache zurzeit sehr viel Sport, gehe viel nach draußen. Außerdem misste ich aus. Ich räum mein Zimmer auf und schmeiß alles weg, was ich nicht mehr brauche. Ich plane viel. Lege mir meinen Tag zurecht. Wann ich mich um die Schule kümmer etc. Ich beschäftige mich einfach sehr viel mit mir selbst und bringe Baustellen, die so aufgestaut wurden, in Ordnung. Außerdem lerne ich neue Leute kennen. Nach dem Motto : Meine alten ,,Freunde" hören mir nicht mehr zu bzw. ich entwachse der Freundschaft, also such ich mir neue, die auf mich eingehen und mir ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln.

Ich hoffe, das hilft dir in irgendeiner Weise weiter. Viel Glück

Kommentar von BaluDerTanzbaer ,

Ja, natürlich tut es das. Ich bin beeindruckt, wir zielgerichtet Du damit umgehst. In Deinem Alter hatte ich leider keine so tollen Lösungen, habe mich dann eher selber runtergezogen anstatt (wie Du) positiv an einer anderen Stelle weiterzumachen. Finde ich riesig.

Heute mache ich auch viel von dem, was Du hier ansprichst. Nur das Aufräumen schaffe ich meistens erst danach. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Wenn es mir schlecht geht, fühle ich mich in dem Dreck fast wohler. Aber vielleicht hält er mich auch auf. Ich werd das nächste Mal mal gleich aufräumen und schauen, ob das Gefühl schneller verschwindet.

Vielen lieben Dank für die Antwort.

Kommentar von Snowwhite1999 ,

Oh danke. Bedeutet mir viel, dass du das so siehst.

Ich denke, ich habe das Teils einem Youtube-Kanal zu verdanken (EllaTheBee: hat mich schon oft sehr inspiriert), meiner generell sozialen Ader und meiner Situation als solches. Meine Mutter war lange krank und meine Familie an sich ist etwas zerrüttet. Man muss dann einfach mit der Zeit lernen, damit umzugehen.

Ich denke mir einfach, dass es verschwendete Zeit ist, traurig und betrübt zu sein. Man erreicht damit einfach nicht viel. Natürlich erlaub ich mir auch mal negative Emotionen, ist ja schließlich menschlich, aber ich arbeite dann auch an mir und versuche den Grund für mein Gefühl zu beseitigen.

Und ebenso geh ich auch mit Gefühlen wie Wut oder Eifersucht um. Es ist einfach anstrengend diese Emotionen zu halten. Ein sehr gutes Beispiel finde ich dafür ,,beleidigt sein". Ich beobachte häufig bei anderen, dass sie sich selbst quasi daran erinnern müssen, dass sie ja eigentlich beleidigt sind und sich in Gegenwart der betreffenden Person Emotionen wie Freude, die durch diese Person ausgelöst werden, verbieten. Wobei ich mich dann frage, weshalb die ,,beleidigte" Person nicht einfach vergibt und wieder Spaß hat.

Kommentar von BaluDerTanzbaer ,

Du bist cool :D

Ja, das kenne ich. Ich habe auch ein geschiedenes Elternhaus mit allerorts Geldproblemen etc. Eine Partnerin von mir war über 3 Jahre in einer psychosomatischen Klinik und ich weiß genau, wovon Du sprichst. Wie gesagt: Ich war damals noch nicht so reif und hab mich dannlange Zeit im Selbstmitleid gebadet, was überhaupt nichts gebracht sondern alles nur schlimmer gemacht hat.

Ich versuche auch, dieses "Beleidigsein" gar nicht mehr zu halten. Es verfliegt sowieso. Was ich mir aber merke ist der Grund für die Enttäuschung - und dann ändere ich oft etwas, dass er nicht mehr zustande kommt.

Ich hatte zum Beispiel eine Freundin, die so jedes fünfte Treffen einfach 15 Minuten vorher abgesagt hat. Irgendwann habe ich mir angewöhnt, mir vorsichtshalber einen Alternativplan zu machen, so dass ich auch im Falle einer Absage einen tollen Tag hab. Durch diesen kleinen Trick habe ich es dann irgendwann geschafft, dass sie gemerkt hat, dass mir Treffen gar nicht mehr so wichtig waren. Daraufhin waren sie ihr irgendwann viel wichtiger als mir und jetzt meldet eher sie sich. Weiß nicht, ob man die Pointe versteht: Ich glaube, es ist immer besser, einfach etwas Positives für sich zu tun anstatt mit anderen Menschen sauer zu sein. Das hilft meist sogar beiden.

P.S.: Der YT-Kanal wurde mir jetzt schon 3 mal empfohlen. Da schau ich jetzt mal rein :D

Kommentar von Snowwhite1999 ,

Ja, vor allem es FÜR SICH zu tun, finde ich wichtig. Viele sprechen dann von Egoismus, aber es ist mein Leben, dann darf ich auch mal etwas für mich tun, auch wenn es anderen nicht passt.

Seitdem ich das verinnerlicht habe, sage ich auch häufiger zu Treffen gar nicht erst zu, weil ich auf die Person an diesem Tag einfach keine Lust habe. Oder nehme mir einfach mal Tage nur für mich.

Kommentar von Snowwhite1999 ,

Ja, schau da echt mal vorbei. Eine bewundernswerte, inspirierende Frau. Sag Bescheid, wie du sie findest. :)

Kommentar von BaluDerTanzbaer ,

Für das Thema ist sie wirklich super :D Allerdings muss man schon Zeit für sie mitbringen. Sie sagt genau das Richtige und sie gibt sich viel Mühe. Tolle Videos! Ein bisschen lang allerdings, bis sie wirklich ihre Kernpunkte auf den Tisch legt. Oft leitet sie erstmal 5-10 Minuten ein, um dann in zwei Minuten zu erklären, worum es wirklich geht.

Aber ganz sympathisch, inspirierend und auch ansteckend fröhlich. Ab und an schau ich da sicher mal rein ;-) Danke für den Tipp.

Kommentar von Snowwhite1999 ,

Vielen Dank für den Stern ^^

Antwort
von PudaZucka, 47

Hey. Das ist keine "Antwort" sondern nur ein Kommentar. Denn mir geht es genauso. Nur hab ich noch das Problem, dass ich diese Gefühle fast jeden Tag habe. Also das man sich nicht "liebenswert" fühlt, sich nicht gut genug für eine Beziehung fühlt, man zwar Hobbies hat, diese aber auch nicht perfekt kann (ich spiele seit 6 Jahren Gitarre und kann jetzt erst das Solo von nothing else matters und Johnny be Goode). Also ich kann mich super in deine Situation reinfühlen. Bis auf das mit den Freunden trifft alles perfekt auf mich zu. Das ist toll das zu lesen, da ich es nie so hätte formulieren können.

Den einzigen "Tipp" , den ich habe, ist, dass ich mich probiere abzulenken durch irgendwas. Sei es auch nur ne Serie anfangen/weiter gucken. Solange es von diesem Gefühl ablenkt ist alles super. Auch meinen Lieblingskuchen zu backen, hilft mir auch (ja, ich koche und backe als Junge).

Du wirst auch was finden und du bist nicht allein mit deinem Problemchen :)

LG :D

Kommentar von BaluDerTanzbaer ,

Hey :-)

Danke für die Antwort. Selbstverständlich hat hier niemand eine Pauschallösung. Vermutlich muss jeder für sich selbst Strategien finden, um damit umzugehen. Ich habe auch schon sehr viele, aber wollte einfach mal wissen, ob andere Menschen vielleicht auch Tipps haben, an die man selbst noch gar nicht gedacht hat, die man vielleicht mal ausprobieren könnte.

Ich glaube auch, dass Ablenkung gar nicht so schlecht ist. "An einem anderen Punkt Weitermachen" gibt einem irgendwie auch die Möglichkeit, Zeit verstreichen zu lassen und sich in der Zwischenzeit wieder anders wahrnehmen zu können. Deswegen arbeite ich auch gerne und mache Sport.

Danke für die Antwort :-)

Antwort
von reginarumbach, 39

ich verbinde dieses gefühl von verletzt sein, ungewollt sein, nicht geliebt sein mit der ablehnung durch meine mutter. alles fällt immer in diesen punkt zusammen : sie hat mich nicht gewollt von beginn an.

deshalb habe ich mir ein bild erarbeitet, das mir hilft in den momenten, in denen diese gefühle mich überfluten. ich nehme mir zeit für mich alleine und stelle mir vor wie aus meinen füßen wurzeln in den boden wachsen, immer tiefer in die erde hinein bis zu dem punkt wo die wurzelenden in den kessel der grßen erdmutter hineinreichen. sodann werfe ich all meine schlechten gefühle bezüglich irgendwas, das mich so heruntergezogen hat in diesen großen kessel hinein und sehe zu wie es in der suppe verschwindet und untergerührt wird. wenn ich dann alles hieneingeworfen habe, springe ich selbst mit einem kopfsprung in den kessel hinein und lasse mich untergehen in der braunen erdsuppe . ich spüre das sinken bis zu dem moment in dem ich sanft aufgefangen werde von den armen der großen erdmutter... sieh sieht mich liebevoll an, streicht mir über den kopf und ich fühle mich angenommen und gestärkt. ich darf immer so lange bleiben wie ich will. aber eins ist sicher: ich komme jedesmal wieder gestärkt an die oberfläche ins hier und jetzt zurück und fühle mich sogleich besser.. 

da der schmerz bei mir schon so früh entstanden ist, helfen mir solche bilder einfach am besten, weil sie ohne viele worte ganz unmittelbare gefühle auslösen. 

Kommentar von BaluDerTanzbaer ,

Wow, das konnte ich gerade fast miterleben. Das geht dann in die Richtung Selbsthypnos/mentales Training. So ein "persönliches" Ablaufbild habe ich für mich nie finden können, aber es hört sich extrem angenehm und befreiend an. Ich probier das wirklich einmal :D Ich habe schon viel Erfahrung mit Selbsthypnose, aber auf so ein bedeutungsvolles Szenario habe ich mich noch nie eingelassen.

Bei mir war das bisherige Bild einfach ein riesengroßer, schöner Urwald. Alle Bäume sind gigantisch groß, unzerstörbar.. und ich sitze am Flussufer eines riesigen Wasserfalls. Wie in Zeitlupe fallen überall dicke, schwere Wassertropfen auf alles, es riecht nach feuchter Erde und ich spür die ganze Kraft aus der Umgebung. Das ist mein persönlicher Platz, an dem ich unglaublich viel Energie tanken kann :-) Aber ich bin darin eher Beobachter, handle überhaupt nicht. Vielleicht baue ich sowas mal ein.

Vielen Dank für die Antwort :-)

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