Frage von sgn18blk, 94

Das Universum ist endlich. Ist meine Begründung und Vorstellung darüber korrekt?

Ich hab mir das Olbers'sche Paradoxon durchgelesen und würde gerne wissen, ob meine Denkweise darüber richtig ist. Man weiß, Sterne sind im Universum ja nicht gleichmäßig verteilt. Geht man also davon aus, dass das Universum unendlich ist, müsste man nachts einen Sternenhimmel ohne Lücken sehen. (Heißt der Himmel wäre nachts nicht dunkel, sondern superhell mit Sternen zu beobachten) Und nun kommt die berühmt berüchtigte Sichtbarkeitsgrenze ins Spiel. Würde man jetzt vom nächsten bis zum letzten Stern die Entfernung berechnen, würde das eine viel zu hohe ergeben. Soweit hoffe ich, dass ich Recht habe. Wenn nicht, bitte korrigiert mich. So.. und im Endeffekt wäre dann die Entfernung bei weitem mehr als 14,7 Milliarden Lichtjahre. Das wiederum bedeutet, dass es nicht möglich wäre, weil das Universum ja 14,7 Milliarden Jahre alt ist. (Das Licht braucht ja solange) Ist das also der Grund dafür, dass das Universum nicht unendlich ist? Und liege ich dabei richtig wie ich das erklärt habe. Wenn nicht, würde ich mich freuen, wenn es mir jemand gut und einfach erklären kann. Wenn doch, dann könnt Ihr mir dies ja bestätigen. Es gibt mit Sicherheit genügend User die sich mit solchen Themen besonders gut auskennen. Vielen Dank schon mal für die hilfreichen Antworten. Ich freue mich jetzt schon drauf LG blk

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von uteausmuenchen, Community-Experte für Astronomie & Universum, 35

Hallo sgn18blk,

ich fürchte, ich muss Dich ein wenig korrigieren.

Das Olberssche Paradoxon löst sich, wenn man es sauber durchrechnet, auf, ohne dass man für die Antwort hineinsteckt, ob das Universum endlich oder unendlich groß ist. Es spielt streng genommen noch nicht einmal das Alter eine Rolle. Das Olberssche Paradoxon löst sich allein über die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit, die mittlere Lebensdauer von Sternen und die doch recht geringe mittlere Sterndichte im Universum.

Das habe ich hier einmal etwas ausführlicher erklärt:

https://www.gutefrage.net/frage/oberssche-paradoxon---weshalb-ist-der-nachthimme...

Also: Aus dem Olbersschen Paradoxon folgt über die Endlichkeit des Universum gar nichts.

Wenn ich nun Deine Ausführungen richtig verstehe, dann laufen Deine Überlegungen eher auf die Begrenztheit des beobachtbaren Universums hinaus. Denn ja: in einem Universum, das endlich alt ist und in dem es eine endliche Lichtgeschwindigkeit gibt, in dem gibt es einen Beobachtungshorizont, eine Sichtbarkeitsgrenze. Das beobachtbare Universum ins nur endlich groß. Richtig.

Das sagt aber nichts über unbeobachtbare Anteile des Universums aus.

Und da muss man sagen: Wir wissen nicht, ob das Universum unendlich groß ist - oder nicht. Das können wir aus unseren Beobachtungsdaten einfach nicht mit Sicherheit sagen. Es könnte auch unendlich groß und flach sein. Ob es das ist - das wissen wir nicht.

Hier nachzulesen: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/07/21/ist-das-universum-unendl...

Grüße

Kommentar von sgn18blk ,

Echt super Antwort! Vielen Dank

Antwort
von PissedOfGengar, 47

Schon der erste Teil ist falsch. Auch in den "Lücken" die du am Himmel siehst sind Sterne. Deren licht ist aber aufgrund deren Entfernung für das menschliche Auge nicht zu sehen.

Das Universum, welches wir beobachten können mit unserer Technik ist auch nur ein kleiner Bruchteil der geschätzten gesamten Größe des Universums.

Kommentar von sgn18blk ,

Ja da gebe ich Dir Recht. Hätte ich mich klarer ausdrücken sollen, aber ich meine die tatsächlichen "Lücken".

Antwort
von jirri, 21

Zum Thema "Sternen"-Lücken im Universum. Bester Gegenbeweis ist die Aufnahme Hubble (Ultra) Deep Field. Dort wurde ein "dunkler" Himmelsbereich - selbst mit Teleskopen dunkel - mit dem Hubble Teleskop über eine Gesamtdauer von 11 Tagen (Belichtungszeitraum) beobachtet. Die menge der entdeckten Sterne / Galaxien brachte auch Fachleute zum staunen.

Antwort
von Denotiger, 50

Um das Paradoxon besser zu veranschaulichen, kann man sich die Erde in der Mitte einer Ebene vorstellen. Wäre das Universum in etwa überall gleich aufgebaut und unbegrenzt groß, so sähe der Beobachter innerhalb des Abstands r (vergleichbar mit einer Horizontlinie) alle Sterne innerhalb dieses Radius. Dabei nimmt die scheinbare Größe des Himmelskörpers proportional zur Entfernung vom Betrachter ab. Erhöht man diese Sichtlinie um x (r + x), so nimmt die Zahl der Sterne darin quadratisch, also um zu, wobei allerdings die sich darin befindlichen Sterne um die Wurzel von x kleiner wirken. Vergleicht man die "Gesamthelligkeit" der beiden Radien, stellt man fest, dass beide einander entsprechen. Dies bedeutet, dass unabhängig davon, wie weit ein Beobachter auch blicken mag, die kollektive Anzahl an sichtbaren Sternen am Horizont direkt proportional zum Abstand zunehmen würde. Geht man nun auch davon aus, dass das Universum unbegrenzt groß ist und das Licht unbegrenzt Zeit hätte, uns zu erreichen, so würde dies bedeuten, dass es auf der Erde niemals dunkel werden könnte.

Antwort
von Bestie10, 40

vermute mal 99.999 % der Leserschaft hier,  hat von Olbers noch nie was gehoert ...

aber es gibt auch so genuegend Theorien, die von der Endlichkeit ausgehen

Kommentar von sgn18blk ,

Welche denn noch, wenn ich fragen darf? Würde das gerne wissen

Kommentar von Bestie10 ,

Relativitaetstheorie

Kommentar von uteausmuenchen ,

Die ART sagt auch nichts über die Endlichkeit/Unendlichkeit des Universums...

Antwort
von webflexer, 32

Na ja, das war vielleicht etwas übertrieben und dick aufgetragen: „Unendlichkeit“ ist ein großes Wort. Inzwischen sind sich die Wissenschaftler gar nicht mehr so sicher, ob das Universum wirklich unendlich groß ist. Vielleicht ist es nur einfach sehr, sehr groß. Angefangen hat es jedenfalls mit einem großen Knall – zumindest da sind sich inzwischen fast alle Wissenschaftler einig. Fangen wir daher doch einfach mal am Anfang an.

Wie man sich den Urknall vorstellen soll? Schwer zu sagen. Ein kluger Schriftsteller hat mal geschrieben: „Am Anfang war das Nichts. Und das ist dann explodiert.“ Wissenschaftler drücken das etwas anders aus: Mit dem „Big Bang“ – wie man den Urknall im Englischen bezeichnet – begannen Raum und Zeit. Moment mal! Raum und Zeit sollen da entstanden sein? Genau: Da ist nicht plötzlich in einem vorher leeren Weltraum eine ganze Menge Materie und Energie explodiert. Sondern der Raum selbst entstand erst in dieser Sekunde. Und auch die Zeit.

Über diese Sätze sollte man vielleicht nicht zu lange nachdenken – man kann davon geradezu Kopfschmerzen bekommen. Jedenfalls: Man hat inzwischen sehr genau gerechnet und gemessen – und dabei festgestellt: Alle Galaxien entfernen sich immer weiter voneinander und der gesamte Weltraum dehnt sich anscheinend immer weiter aus. Das – und vieles andere – spricht für die Urknall-Theorie. Denn wenn alles in alle Richtungen auseinander strebt, kann man natürlich – wenn man dabei die Geschwindigkeit messen kann – leicht zurückrechnen, wann das alles noch ganz dicht zusammen war. So ist man sich inzwischen recht sicher, dass der Urknallvor etwa 13,7 Milliarden Jahren stattgefunden haben muss. Und zwar an einem Donnerstag-Nachmittag so um halb vier. Nein, das mit dem Donnerstag stimmt natürlich nicht. Das ist nur einer der kleinen Späße, mit denen wir euch als Leser von DLR_next bei Laune halten wollen – damit das Lesen eben auch dann Spaß macht, wenn’s mal um etwas komplizierte Dinge geht.

Kommentar von Bestie10 ,

Im Anfang war der Wasserstoff, so der Titel eines damals sehr populaeren Schriftstellers, Hoimar von Ditfurth

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