Frage von seifreundlich2, 132

Das Universum – vollendet?

Das Universum, es erscheint uns gross in all seinen Dimensionen. Aber ist es das denn wirklich? Ist es nicht nur ein masseloser Punkt voller Einklang und Energie, voller Symphonie und Ironie? Ekstase und Askese in vollen Zügen geniessen – oder schweigen, bis der Wolkenbruch sich lichtet in der Ferne? Ist Leben die Antwort auf alles oder überflüssig, ganz im Gegensatz zur 42. 42, die Zahl der Wahrheit. Alles ist und nichts war – aber wahr.

Wenn Wissen war und wir nicht wollen, was wird dann sein? Unmut, Demut, Wehmut, Schmerz? Augenlichter kratzen dunkle Schatten in die Wunden. Nichts ist mehr, wie es war. Alles vegetiert vor sich hin. Der Himmel tot, die Siegel zu. Die Erde, ein winziger Fleck auf einem kleinen Punkt. Tut er etwas zur Sache – oder ist er Unnütz?

Das Universum breit und doch so geschwind, alles rührt sich, aber nichts verschwind. Alles, was war, ist da. Doch wird es auch in Zukunft sein? Ein Blick voraus enthüllt Vergessliches. Der wahre Tag vor dem trügerischen Abend. Zuerst Regen, sehr viel Regen, dann heiter, mal sonnig, mal bewölkt. Ein Auf und Ab. Ein Teufelskreis ohne Ende. Die Hoffnung stirbt nicht zu Letzt.

Für Astrophysiker, Physiker & Philosophen: Ist das Universum noch am Anfang oder bereits am Anfang vom Ende angelangt?

Antwort
von ausdertonne, 57

Das Ganze steckt in jedem Teil. Ist nicht das Bewußtsein nur die Art des Universums, sich selbst anzuschauen? Einem Gotte gleich, der in Tausend Teile zerspringt und jeder Teil vergaß seinen Ursprung, seine Verbindung zur ehernen Symphonie universaler Geborgenheit im Punkte Null.

Sei's Anfang, sei es Ende, gleich ist es im immer geschlossenen Kreis von Dasein, von Werden und Vergehen, von Lieben, Leiden und Vergessen.

Und doch ist da eine Richtung. Wie ein Wegweiser thront der Pfeil der Zeit und weist vom Werden zum Vergehen, unentrinnbar. Die Thermodynamik richtet über das, was gestern war und heute zu morgen wird.

Doch wo sind Anfang und Ende, wenn im ewigen Kreis das Vergangene wieder aufersteht und zu neuem Glanze erblüht, dem Kreise der Erscheinung scheinbar für immer folgen müssend?


Kommentar von scatha ,

Gut gedichtet, Diogenes :)

Kommentar von seifreundlich2 ,

Zwar ausdertonne, aber gut gebrüllt!

Ich glaube jedenfalls nicht an Gott, noch an irgendein Wesen gottesähnlicher Gestalt. Wenn du daran glaubst, so mag ich es dir nicht verübeln.

Antwort
von SturerEsel, 30

Wie du bereits angedeutet hast, hat eine mögliche Beantwortung deiner Frage mehr philosophischen als astrophysikalischen Charakter.

Da bringe ich doch am besten mal Heraklit ins Spiel: "Panta Rhei" - alles
fließt. Mit 'alles' ist buchstäblich das ganze Universum gemeint, vom
größten Galaxienhaufen bis zum kleinsten subatomaren Prozess.

Aber: Alles unterliegt den gleichen physikalischen Gesetzen, ein
Wassermolekül in 10 Milliarden Lichtjahren Entfernung hat die gleiche
Struktur wie jenes im Regen, der an dein Fenster fällt. Die Zahl Pi war
(!) und ist überall im Universum gleich, ebenso die Lichtgeschwindigkeit, das Plancksche Wirkungsquantum oder die Gravitationskonstante.

Wie passt das zusammen?

Vergleichen wir es mit dem Fundament eines Hauses. Dieses muss gut gebaut und dauerhaft sein, damit das Haus, das auf ihm gebaut wird, von Dauer ist. Wenn wir annehmen, dass unser Universum ca. 12,8 Milliarden Jahre alt ist, sind es verdammt gute Naturkonstanten. Mit nur einer leichten
Abweichung wäre unser Universum vielleicht eine Sekunde nach dem Urknall wieder kollabiert.

Wie wird die Zukunft des Universums aussehen? Wir wissen es (noch) nicht, momentan geht man von einer "ewigen" Expansion aus, die zudem auch noch schneller wird.

Ewig? Irgendwie bekomme ich leichtes Unwohlsein bei diesem Wort und meinem laienhaften Verständnis für die Welt. Meiner Philosophie wäre es genehm, wenn sich das Universum dereinst wieder zusammen zöge und alles von neuem begänne.

Also ja: alles was entsteht, ist Wert, dass es zugrunde geht (frei nach
Goethe). Geburt und Tod sind in allem und untrennbar miteinander
verbunden. Das muss so sein und es ist gut so. Wer möchte schon ewig
leben?

Wir stehen noch ganz am Anfang ...

Kommentar von seifreundlich2 ,

Dankeschön für deine äusserst anregende Antwort.

Nach aktuellem Forschungsstand soll das Universum 1 Ga älter sein, also sogar 13,7 Ga.

Ich werde mir deine ausgewählten aufgeworfenen, interessanten Fragen durch den Kopf kreisen lassen, die daraus ergebenden anfänglich wirren Gedanken sammeln und versuchen, sie in Einklang zu bringen, um sie als Ganzes besser begreifen und fassen zu können.

Kommentar von SturerEsel ,

Ich stimme zu, 13,8 Milliarden Jahre - war ein Tippfehler.

Zu den Naturkonstanten sei dieses Video empfohlen mit Josef Gaßner: https://www.youtube.com/watch?v=ZJiIqNClaSs

Antwort
von Ysosy, 21

Aus Physikalischer und Astronomischer Sicht ist das Universum noch beim Urknall. Bei der Annahme einer Lebenszeit von 10^150 Jahren oder mehr, kann man nicht sagen das Universum sei „vollendet“. Es ist Quasi gerade eben vor einem Wimpernschlag entstanden.

Aus Philosophischer Sicht kann man nur sagen, das man Nichts sagen kann, und Jeder der etwas sagt, sagt das Falsche und davon zu wenig.

Aus Menschlicher Sicht gibt es das Anthropische Prinzip.

Kommentar von VeryBestAnswers ,

Wie kommst du auf die Idee, das Universum sei noch beim Urknall? Der Urknall liegt meines Wissens 13,8 Milliarden Jahre zurück, ist also lange vorbei. Ich glaube, du verwechselst Urknall mit Expansion.

Kommentar von scatha ,

Er meint, die 13,8 * 10^9 Jahre mit den 10^150 Jahre vergleichen zu müssen, nach der meinetwegen aus physikalischer Sicht alles passiert sein wird, was passieren kann (oder woher auch immer diese Zahl kommt). Vorausgesetzt, daß das Universum nicht in einem Big Crunch oder einem Big Rip endet.

Aber --- Where the action is, das sind auch in SEINEM Modell wohl eher die ersten 100 Milliarden Jahre, und auf die "action" kommt es an.

Kommentar von Ysosy ,

Scatha hat es erkannt. Wenn man über das Universum spricht, sollte man auch Maßstäbe verwenden welche dem Universum entsprechen. 13,8 Milliarden Jahre sind nach Menschlichen Maßstäben viele Jahre. Aber eben nicht nach den Maßstäben des Universums. Das Universum könnte auch 10^500 oder 10^1000 Jahre alt werden. Da ist man sich nicht Sicher. Aber egal von welcher Theorie man ausgeht, in keiner ist 13,8 Milliarden Jahre, viel Zeit.

PS: Die Wichtige „action“ gibt es erst am Ende. Da entscheidet sich wer das „Ende“ überlebt.

Antwort
von Marco350, 12

Es wird vermutet das es sich noch weiter ausdehnt. Unser Sonnensystem liegt in der Milchstraße und das ist nur eine Galaxie von mehreren Milliarden im Universum. Um die frage zu beantworten: das Universum ist erst am Anfang.

Kommentar von seifreundlich2 ,

Dass das Universum sich ausdehnt, ist ein nachgewiesener Fakt, nicht mehr nur eine Vermutung.

Antwort
von Einstein2016, 6

"Vollendet" bedeutet entstanden aus einem Anfang und hat ein Ende. Dem ist aber nicht so ! Alles existiert in einem ewigen Kreislauf sich erweiternder Geschehnisse, wobei die 4-dimensionale Raumzeit nur EINE (scheinbare?) Realität von unendlich vielen ist.....

Wenn die Welt ANFANG und ENDE hätte, dann wären wir nicht real, weil sämtliche "raumzeitliche" Grundlagen für unsere Existenz mit dem ENDE verloren wären, d.h. diese wären somit auch niemals DA(SEIN) gewesen.....

Also sind wir doch nur ILLUSION ? Evtl. dürfte das sogar wahrscheinlicher SEIN als ein (verlorenes) reales SEIN......


Antwort
von Weltraumdackel, 31

Alles ward in Bewegung, die Natur steht nie Still. Alles schwingt und alles singt, alles schwimmt und alles sinkt. Nichts ist fertig, nichts wird vollendet - wenn doch nur der Tod nicht wär, der unendliche.


Kommentar von seifreundlich2 ,

Ist der Tod unendlich? Ist er nicht vielmehr vergänglich?

Kommentar von Weltraumdackel ,

Das Ende ist unendlich

Antwort
von scatha, 37

Eine absolute Dimension gibt es nicht.

Wenn man das Universum 100x verkleinern, und alle Naturkonstanten entsprechend anpassen würden ,niemand würde es merken.
Was zählt ist die Menge an Information, die das Universum enthalten kann. Ich glaube dazu gibt es eine Berechnung, Anzahl der Planck-Einheiten, Anzahl der Elementarteilchen usw.

Außerdem dürfte das materielle Universum nicht das Einzige sein, das existiert.

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