Frage von UdoBilderberg, 37

Das Trump Phänomen- kaum Rückhalt von der eigenen Partei, aber trotzdem President werden?

Wie passt es zusammen, das Trump für die Republikanische Partei antritt, selber aber gar keinen oder kaum Rückhalt seiner Partei bekommt, den kann doch so gut wie keiner leiden. Was das werden soll, wenn er wirklich gewählt werden würde, kann ich mir gar nicht vorstellen, ihr etwa?

Antwort
von Skinman, 7

Der kam in diese Position wegen des etwas kaputten Vorwahl-Systems ("Primaries"), mit dem die Republikaner ihren Kandidaten bestimmen. Die haben da tatsächlich die Möglichkeit weitgehend ausgehebelt, den Kandidaten innerhalb der Parteiführung auszumauscheln. Wir sehen da also die Kehrseite von politischen Beteiligung und Basisdemokratie: Die Massen sind anfällig für Populismus und billigste Meinungsmache.

Und die entsprechenden Meinungen haben die Republikaner mit ihrer rassistischen Angst- und Blockadepolitik während der Obama-Administration nun mal selbst heran gezüchtet, dazu verweise ich hier noch mal auf meine Zusammenfassung von neulich:

https://www.gutefrage.net/frage/warum-stimmen-viele-fuer-trump?foundIn=my\_strea...

Unterdessen hat eine Ex-PR-Mitarbeiterin von Trump in einem offenen Brief weitere Einblicke gegeben.

http://winningdemocrats.com/trumps-top-strategist-just-quit-and-wrote-an-open-le...

Demnach hat er da wohl in den Primaries ursprünglich bloß einen guten zweiten Platz angepeilt, um einen "Warnschuss" abzugeben, was in Land und Partei seiner Meinung nach alles schief läuft.

Dazu kam, dass er vermutlich mit der Medienaufmerksamkeit seinen Hotels mal wieder mehr Zulauf verschaffen wollte, wie Obama beim White House Correspondents Dinner halb spöttisch anmerkte.

Ich denke, da lag er nicht völlig falsch, zumal sich immer stärker abzeichnet, dass Trump finanziell bei Weitem nicht so dolle dasteht wie er ständig behauptet. In den USA kriegt er nirgends mehr Kredit, deswegen ging er sogar schon bei russischen Oligarchen tingeln. Ebenfalls hochgradig verdächtig, dass er entgegen der Gepflogenheiten im Präsidentschaftswahlkampf seine Steuererklärung nicht veröffentlicht hat und das auch nicht will.

Ist dann halt aus dem Ruder gelaufen. Mit seiner rüpelhaften Art, den wegen der Quote auf ihn fixierten Medien und seiner Routine vor der Kamera hat er das restliche Feld in den Primary-Debatten einfach plattgebügelt. Dabei kam ihm entgegen, dass das Feld bei den Reps auch immer überlaufener ist (anfangs 17 Teilnehmer), weil massenweise chancenlose Nobodies da auftauchen und sich auf die Weise bekannt machen wollen. Nicht zuletzt auch bei politischen Sponsoren, um Kohle abzugreifen.

Und dann krochen halt die ganzen irren, aber autoritätsgläubigen, hauptsächlich weißen Proleten aus dem Unterholz, auf welche die Eliten in den USA seit Jahrzehnten gepflegt sch€ißen, und kürten ihn zum Frontrunner. Auch um Eliten und System eins auszuwischen.

Den Anteil dieser echten Trump-Fans in der Wählerschaft schätze ich auf grob höchstens 30 Prozent, der Rest sind loyale Republikaner-Parteisoldaten, denen es halt trotz allem schwer fällt, ihrer Partei in den Rücken zu fallen. Zumal sie Hillary komischerweise hassen wie die Pest, obwohl die von ihren Positionen und Netzwerken her stellenweise besser zu den Reps passen würde. Ist dann halt die Frage, wie viele von denen sich bis November noch von ihm abwenden (oder unterdessen schon wieder zuwenden....)

Aktuell glaube ich nicht, dass er es packt, weil diese Horrorvision vor allem auch die traditionelle Mobilisierungs-Schwäche der Demokraten kompensiert.

Kommentar von adabei ,

DH!
Very illuminating, v.a. der offene Brief der Ex-PR-Mitarbeiterin.

The man does not know policy, nor does he have the humility to admit what he does not know — the most frightening position of all.

Kommentar von Skinman ,

Die Policy will er ja auch dem Vizepräsidenten überlassen, während er selbst America wieder great macht!

Antwort
von HelmeSchmidt, 14

Nun so ganz ohne Rückhalt ist Trump ja nicht. Sonst wäre er nicht da, wo er jetzt ist. Das heißt zumindestens von der Parteibasis wurde er mehrheitlich gewählt und ist so zum Präsidentschaftskandidaten geworden.

Man hätte ja auch versuchen können, seine Kandidatur komplett zu verhindern.

Und Parolen wie sie Trump ablässt, sind bei einer erschreckenden Zahl von Wählern auf sehr fruchtbaren Boden gefallen.

Jetzt bliebe der GOP nur noch die Möglichkeit, einen Gegenkandidaten aufzubauen und Trump komplett die Unterstützung zu entziehen.

Das würde aber möglicherweise in einer noch größeren Katastrophe enden als ihn jetzt einfach machen zu lassen.

Antwort
von Francescolg, 4

Trump ist ein SHOWMASTER, d.h. in einer Demokratie kann ein jeder (!) der es versteht  die Massen zu bewegen (das beinhaltet auch, dass die Massen nicht immer "schlau" sein müssen), zum Führer (Staatsmann, Präsident, etc. etc.) werden. Das ist auch der gleiche Grund, wieso Volksentscheide nicht immer das richtige Mittel sein müssen, da man auch große Massen von Menschen täuschen kann (siehe Brexit) und jegliche Form von Abstimmung ist nicht immer repräsentativ, wenn etwa x-50% der Menschen gar nicht wählen gehen!

Deswegen kommt er so weit, weil TRUMP wie Berlusconi, Erdogan, Putin, etc. es versteht die Massen (die, ich wiederhole mich, nicht immer "schlau" sein müssen) zu bewegen, insb. weniger-intelligente Menschen wählen nach dem Äußeren, nach dem "Ruf", nach Tageslaune, usw..

Die einzige WAFFE dagegen ist BILDUNG, d.h. dass sich Menschen auch damit auseinandersetzen, wen, was und wofür sie wählen mit allen Inhalten! Wenn in Deutschland z.B. die Spaltung der Gesellschaft weiter zunimmt (Menschen mit Hartz4/zusätzliche Leistungen, Menschen ohne Studium, Menschen ohne Ausbildung, Menschen die dem Fernsehen/Nachrichten nicht mehr vertrauen, sogar Rentner) zunimmt, DANN steigt auch die Gefahr, dass Leute, wie die AfD, wie Trump, wie Putin, hierzulande mehr Zuspruch gewinnen bis hin zum Staatsmann!

In den USA ist die Spaltung der Gesellschaft schon viel weit fortgeschrittener, deswegen --> Trump! In der Türkei spricht Erdogan besonders die strenggläubigen "Bauern" an, weniger die modernen Türken. In Russland ist die Spaltung der Gesellschaft in -für uns unvorstellbare- Ausmaße fortgeschritten, d.h. es gibt eine eklatante Kluft zwischen "Armen und Reichen".. In diesem Punkt sind sich die USA und Russland übrigens sehr ähnlich..! Aber das ist ein anderes Thema und eine andere Frage..! ;-)

Antwort
von Almalexian, 31

Das Establishment sieht ihn kritisch, aber in der basis konnte er in den Vorwahlen doch einigermaßen deutlich die Führung ergreifen.

Antwort
von kubamax, 16

Mit tun die intelligenten und gut gebildeten Amerikaner leid. Es wird mit Trump eine richtige Hetzjagd auf die "Eggheads" geben. Am besten man verstellt sich als verblödeter hinterwäldlerischer Redneck. Das würde ich deutschen Mitbürgern auch raten, die sich in der Umgebung von Populisten aufhalten müssen. Nicht auffallen ist das beste, um keine eingeworfenen Glasscheiben und Lackkratzer im Auto befürchten zu müssen.

Antwort
von archibaldesel, 19

Wieso hat er keinen oder kaum Rückhalt in der Partei? Die Partei hat ihn doch gerade mit großer Mehrheit nominiert. Ohne diesen Rückhalt wäre er kaum Kandidat.

Kommentar von adabei ,

Sie hatten keine große Wahl mehr. Fest steht, dass die Meinung der Partei zu diesem Kandidaten gespalten ist. Nicht umsonst gibt es jetzt Vertreter der Republikaner, die offen zugeben, dass sie für Hillary Clinton als das kleinere Übel stimmen werden.

Kommentar von archibaldesel ,

Natürlich gibt es solche Parteimitglieder bei einem derart polarisierenden Kandidaten. Aber bedauerlicherweise ist das nicht die Mehrheit der Partei. Ansonsten säße dort heute ein anderer Kandidat.

Ich bin nicht einmal sicher, ob er nicht der nächste Präsident wird. Clinton scheint unglaublich unbeliebt bei den Wählern zu sein.

Kommentar von adabei ,

Sicher kann man sich nicht sein. Da hast du vollkommen recht. Ich hätte ja auch nicht gedacht, dass die Briten wirklich für den Brexit stimmen ...

Antwort
von juergen63225, 7

wie anderswo gibt es immer Leute, die auf solche Populisten reinfallen .. einfache Antworten auf komplexe Fragen hören wollen. Ich kann es gut verstehen, dass auch konservativen Republikanern mit einer gewissen Bildung dieser Mensch nur peinlich ist. Aber die Umfragen geben ihm ja durchaus Chancen, obwohl es für Frauen, Schwarze und Hispanics .. also 70 - 80 %  der US Bevölkerung überhaupt keinen Grund geben dürfte, so jemand die Stimme zu geben. 

An den Vorwahlen waren ja nur Mitglieder der Rechts-Konservativen Republikaner Partei beteiligt .. die Mehrheit aller Wähler ist das sicher nicht .. und der richtige Wahlkampf beginnt ja erst .. Mal sehen wie die Wähler das finden, wenn er in Fernsehshows keine Fach-Fragen beantworten kann, und statt dessen rumpöbelt, das ist ja wohl das einzige was er kann.

Man kann nur hoffen, das den USA und der Welt dieser Idiot erspart bleibt ... 



Antwort
von UserDortmund, 4

Wie mit der Bild Zeitung. Keiner liest es alle kaufen es....

Antwort
von Radyschen, 10

Trump hat Geld. Viel Geld. (Zu) Viele Leute denken, wer viel Geld hat, ist gut und wenn er den Staat so haushaltet wie seine Finanzen, wird alles gut. Außerdem hat er eine einmalige Fähigkeit sich auszudrücken und spricht nicht wie die anderen Politiker, er spricht wie das Volk. Außerdem versucht er witzig zu sein und das ist er manchmal auch.

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