Frage von paulamadita, 169

Das Pferd ruhig und gelassen reiten?

Ich reite seit einiger Zeit einen Warmblut-Ponymix Wallach und er rennt mir sehr stark unterm Sattel weg. Buckeln oder sonst rumspacken macht er nicht, er läuft halt einfach nicht ruhig. Was für zwanglose Wege fallen euch spontan ein um das Verhalten zu ändern? Wenn ich könnte, würde, ich ihn viel mehr vom Boden aus beschäftigen, das darf ich aber leider aus Versicherungsgründen nicht. Da er im Verrein läuft habe ich jetzt eben nicht unbegrenzte Möglichkeiten. Meine RL und ich arbeiten schon über ruhigeres Aufstehen im leichttraben und ein entspanntes angaloppieren. Ich habe Voralpen das Gefühl das ich ihn gut beschäftigen muss damit er bei mir bleibt und nicht seinen Kopf durch setzt. Auf der rechten Hand macht er das auch schon echt klasse nur die linke Hand ist katastrophal. Er stürmt los, bricht über die Schulter aus und rennt den Galopp durch. Sattel, Trense und co ist alles in Ordnung, war dabei als der TA und die Osteo da waren. Sonst ist er auch sehr artig und möchte arbeiten. Nur dieses Rennen ist psychisch echt anstrengend... Die meisten wollen ihn schon nicht mehr haben, einfach weil er so schnell wird, dabei ist er ein herzensguter!

Antwort
von WesternCalimero, 45

Sehr gute Beschreibung!

Dadurch ist die Antwort eigentlich bereits enthalten. Da es auf einer Hand besonders schlimm ist, liegt es nahe, daß es von der natürlichen Schiefe her rührt. Auf welcher Seite liegt das Pferd , wenn es schläft? -vermutlich auf der linken. Daraus resultiert: links = konvex (bauchig); rechts =konkav (hohl).

Das Ergebnis einer Händischkeit ist in der Regel, eine deutliche Bevorzugung einer Seite. Die Seite, auf der die Pferde hohl sind fällt ihnen deutlich leichter, da sie die Biegung auf dieser Seite gewohnt sind. Es gibt Pferde, die werden unsicher, wenn sie sich auf der anderen Seite biegen sollen. Damit laufen sie dann einfach mal weg...

Die Biegung der anderen (konvexen) Seite muss man erarbeiten.

Der beste Weg besteht aus einer Zusammenarbeit des Sattlers und des RL. Der Sattler wird die unterschiedliche Muskulatur erkennen und den Sattel entsprechend polstern. Wenn der RL nun spezielles Biegetraining mit dem Pferd durchführt, soll der Sattler einmal jeden Monat kommen, um den Sattel an die geänderte Muskulatur anzupassen. Das ist natürlich eine Menge Aufwand...

Bei den, von Dir dargestellten, Möglichkeiten ist das sicherlich nicht möglich. Als Alternative sollte mit diesem Pferd vermehrt an der Biegung der linken Seite gearbeitet werden.

Das erreichst Du, indem Du beginnst auf der linken Hand deutlich mehr Biegung und Stellung zu verlangen (Dabei darf die Zügelhand deutlich von der gewünschten Position abweichen - es gilt das Pferd zu korrigieren, nicht den Reiter).

Allerdings darf niemals endlos auf einer Seite gearbeitet werden (!).

Das erreichst Du, indem Du Achten reitest (Trab). Damit wird sowohl die Stellung gefordert, als auch die Flexibilität (durch das Umstellen). Das Anfordern der Stellung sollte hier mit 2 Fingern erfolgen, nur dann ist sichergestellt, daß das Pferd nicht "herumgezogen" wird, sondern die Stellung real ist.

Erst, wenn Du Achten mit 4Metern Durchmesser (2Kreise á 2m) mit deutlicher Stellung (passend zum Durchmesser) reiten kannst (Trab), sollte der Galopp auf der ganzen Bahn in Angriff genommen werden.

LG Calimero

P.S.:Eigentlich sollte Dein RL solche Fragen beantworten können. Wenn das Pferd dann noch ein Schuli ist, stellt sich so nebenbei die Frage: Wann werden die Pferde bei Euch Korrektur geritten?

Kommentar von paulamadita ,

Vielen, vielen Dank! Das hilft mir alles sehr viel weiter :) Meine RL hilft mir natürlich enorm nur manchmal ist es ja auch gut, nochmal etwas ganz anderes zu hören... Korrektur werden sie bei uns "nach bedarf" geritten. Wie oft weiß ich leider nicht, ich vermute nicht allzu oft..

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 25

Das kann meine Stute auch. Bei ihr ist es so, dass sie dann keine Lust hat, über den Rücken zu gehen. Es ist für sie bequemer, im hohen Tempo auf der Vorhand zu laufen, statt die Hinterhand zum Tragen zu benutzen. Wenn sie sich drücken will,  läuft sie unweigerlich über Takt.

Das kann man beheben, bzw. dem entgegenwirken, indem man viele Biegungen reitet. Vor allem Zirkel verkleinern und vergrößern hilft da sehr. Übergänge reiten, Schritt Halt, Trab-Schritt, Trab-Halt. etc...
Und natürlich der korrekte Sitz des Reiters.


Mit Temperament hat das nichts zu tun. Sondern einfach mit "ich habe keine Lust, mich anzustrengen."  Das auf der Vorhand den HIlfen davon laufen, ist einfach viel bequemer.


Antwort
von FelixFoxx, 81

Bleibt er denn trotz der Rennerei bei Dir, also ist er trotzdem aufmerksam? Dann mach einfach mit viel Geduld so weiter wie vorher. Mein Felix gibt auch immer 200%, besonders in der Abteilung will er grundsätzlich mithalten. Obwohl er nur 1,15m klein ist, muss meine RB jede Ecke besonders tief ausreiten, um den richtigen Abstand zu halten. Er ist bei all der Rennerei aber immer regelbar, auch vor der Kutsche, einfach nur super fleißig und ergeizig. Bei Felix ist es besser, wenn er vorne in der Abteilung läuft. Ansonsten hilft auch bei ihm Gelassenheit des Reiters und langsames Aufstehen beim Leichttraben.

Kommentar von paulamadita ,

Ja wie gesagt er bleibt schon aufmerksam, nur rennt er hält :) Vielen lieben Dank!

Antwort
von michi57319, 72

Klingt nach übermotiviertem, aber nicht ausgelastetem Pferd.

Bodenarbeit wäre tatsächlich eine gute Sache. Gibt es keine Möglichkeit, diese zu machen und trotzdem dabei versichert zu sein? Frag doch noch mal im Stall nach, warum das so ist.

Kann das Pferd auch mal nach Herzenslust rennen? Ich hatte mal ein schweres Warmblut, welches sich unmöglich gebärdete. Inklusive Buckeln und sonstige Kapriolen. Wenn er sich zwischendurch austoben konnte, war er super unterm Sattel. Hochkonzentriert und gut bei der Sache.

Natürlich kommt noch der Reiter an sich hinzu, aber da du schreibst, daß du mit der RL an dir arbeitest, wird das sicherlich auch so noch besser.

Aber du kannst mit Technik auch nicht alles kompensieren.

Kommentar von paulamadita ,

Ja, ich habe die Vermutung das er zwar nicht ausgelastet ist, aber eher im Kopf. Er steht mit zwei anderen auf einer großen Koppel 12/7.. Ich würde es ihm natürlich sehr wünschen, wenn er auch vom Boden aus was machen könnte. Er hat einen sehr wachen Blick, ist immer an allem interessiert und lernt relativ schnell. Der ideale Partner :) Vielen Dank für deine Antwort!

Kommentar von michi57319 ,

Wie wäre es mit Spielzeug für den Schlaubi? Wie sieht es denn aus mit Gelassenheitstraining? Darfst du so was mit ihm machen? Auch das ist mächtig was für den Kopf.

Antwort
von hupsipu, 52

Reiten in Biegung ist eine natürliche Bremse... Schulterherein, Volten (groß und korrekt! Kein "Rumziehen"!), Zirkel verkleinern... Alle Übungen müssen sauber geritten sein, damit das Pferd nicht durcheiert sondern am inneren Bein und am äußeren Zügel steht und sich wirklich biegt, nicht nur im Hals abknickt. Wenn Du das schaffst wird die Hinterhand beschäftigt und das Tempo wird von ganz alleine besser.

Kommentar von paulamadita ,

Genau mit diesen "Mitteln" arbeiten wir im Moment :) Vielen lieben Dank! 

Antwort
von katjesr5, 57

Hallo

zu den anderen Tipps würde ich empfehlen viele gebogene Linien zu reiten. Immer wieder abwenden und eine Hufschlagfigur an die nächste hängen. Wenn du das Gefühl hast du musst ihn beschäftigen, wird ihm wahrscheinlich auch schnell langweilig. Eine Runde "Ganze Bahn" oder zwei Runden Zirkel sind dann wohl schon wieder zu wenig Input.

Macht ihr ab und zu auch schon mal Stangenarbeit? Auch dabei muss er sich konzentrieren und aufpassen dass er seine Füße sortiert kriegt.

Übergänge reiten kann auch helfen. Ich habe allerdings selber ebenfalls so einen Fall als RB, da klappen Übergänge nicht so gut. Sie steigert sich dann zu sehr rein und wird bei jedem durchparieren nervöser. Bei ihr klappts besser oft die Richtung zu ändern, so dass sie mir "zuhören" muss. Bei vielen helfen Übergänge aber schon.

Kommentar von paulamadita ,

Hi, ja die Stangenarbeit haben wir vor kurzem mit ins Beschäftigungsprogramm aufgenommen und ihm gefällt das wirklich gut. Sprich er Strecke sich schön und schnaubt ab :) bei den Übergängen habe ich genau dein Problem, er wird immer unaufmerksamer und nervöser. Aber auch daran arbeiten wir! Vielen Dank :)

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 90

Genügend Bewegung verschaffen. Denk mal dran, das ein gesundes Pferd eine Viertel Stunde am Stück galoppieren kann - und manche brauchen das auch ab und zu, um ausgeglichen zu sein.

Ruhe ausstrahlen; ruhig atmen.

Gegensitzen, aber sofort weich mitgehen, wenn er ruhig geht. Und eben beschäftigen. Pferde haben ebenso unterschiedliche Charaktere wie Menschen. Wenn er nun mal anstrengend ist, sollte er eben einen Reiter haben, der sportliche Hersusfoderung liebt. Wer sich lieber spazieren tragen läßt, sollte ein entsprechend gemütliches Pferd wählen ;-)

Kommentar von paulamadita ,

Genügend Bewegung bekommt er zum Glück, ich will mir nicht ausmalen wie er sonst drauf wäre :D Wir lassen ihn auf der rechten Hand auch schon so viel wie möglich Galloparbeit machen, auf der linken Hand an guten Tagen auch. Und ich hab mich oben doof ausgedrückt, ich mag genau diese Herausforderung. Nur habe ich manchmal das Gefühl an diesem Punkt nicht weiter zu kommen.. Aber immer dran bleiben ist mein Motto :) Ich danke für deine Antwort, sie wird mir bestimmt weiter helfen! 

Kommentar von Urlewas ,

Ich weiß ja nicht, wie viel Du kannst, und wie viel Dein R L vermitteln kann. Um ein Pferd gradezuricjten, ist Schulterherein, bzw. Schultervor ein sehr gutes Training; aber nur anzuraten, wenn man es richtig macht. Den Hals rum ziehen ist kontraproduktiv.

Mir kam auch jetzt der Gedanke, das manche Pferde sozusagen " vor sich selbst davonlaufen" ,weil sie alles, was ihnen Schmerzen oder Schwierigkeiten macht, durch eine Art Flucht kompensieren wollen.

Der Mangel an Tragkraft und an Graderichtung, entsprechend überlastete und angespannte Muskeln ( bei Deinem jedenfalls  zum Glück nicht so ausgeprägt, dass der Tierazt etwas finden kann), sind oft Ursaxhe für solches Rennen. 

Manche  Pferde werden auch immer schneller, wenn es Zeit wäre, aufzuhören - so widersinnig es klingt. Das hat dann nichts mehr mit Eifer zu tun, sondern mit überdreht sein aus Verzweiflung. ( das nur nebenbei, letzteres ist es ja bei Dir eher nicht)

Antwort
von GuckLuck, 64

Bei uns gibt es auch so ein Schulpferd das fast keiner mehr reitet.
Ich mache dann immer mit ihr ganz viele Hufschlagfiguren. Dann ist die abgelenkt und denkt nicht ans "schneller Laufen".
Mach z.B. Ganze Bahn, Circel,  durch die ganze Bahn wechseln, aus dem Circel wechseln, Schlangenlinien, durch die Länge der Bahn wechseln,... Und alles im Trab und wenn du s kannst auch im Gallopp.;)

Kommentar von Dahika ,

das hat mit Abgelentheit weniger zu tun, sondern damit, dass das Pferd in den Biegungen die Hinterhand mehr benutzen muss.

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