Frage von tarantula13, 48

Das Leben im Mittelalter?

HI,

Ich habe letztens angefangen ein Buch das im Mittelalter spielt zu lesen. Ich fand es sehr spannend aber als ich mir versucht habe vorzustellen wie das Leben im Mittelalter ist, fehlten mir so ein paar vollkommen allgemeine Dinge und hier wollte ich mal danach fragen;

  1. Trugen und wenn die Frauen überhaupt Unterwäsche?

  2. Es gibt ja viele Könige, Grafen und Lords aber wie kam es dazu dass gerade ihre Familie zur Macht kam?

  3. Wie erfuhren z.B. Frauen und Kinder, wenn ihr Mann/Vater auf einem Schlachtfeld gestorben war?

  4. Gab es damals schon Hofdamen und wenn ja wie wurden die zu einer?

  5. Wer gehörte alles zu einem Hofstaat oder Haushalt eines Lords oder Königs?

  6. Bis jetzt gab es immer nur Kontinente (Herr der Ringe, Game of Thrones), keine richtigen "Länder", gab es das damals noch nicht? (entschuldigt diese dumm klingende Frage, ich kenn mich wirklich nicht aus)

Liebe Grüße,

tarantula13

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Bethmannchen, 6

Die Menschen trugen Unterwäsche. Die Oberbekleidung konnte noch nicht so effizient wie heutzutage gewaschen werden (Persil und Perwoll waren noch nicht erfunden), deshalb hatte man Unterwäsche aus Leinen, die sogar kochfest ist.
Könige waren ursprünglich Stammesführer, die vom Kaiser in Rom als Herrscher in ihrem oder dem von ihnen eroberten Land eingesetzt waren. Sie vererbten ihre Königswürde dann an ihre Söhne weiter. Die Könige waren die obersten Lehnsherren ihres Landes.
Weil sie immer wieder Kriege gegen Nachbarn führten und zwischen 1095 und 1291 auch immer wieder auf Kreuzzüge gingen, hatten sie ständig große Heere nötig. Das stellten die Ritter in ihrem Gefolge. Jeder einfache Ritter hatte ein Streitpferd, seine Rüstung, seine Waffen, einen Knappen mit oder ohne eigenes Pferd. Dafür musst er selbst sorgen.
War ein Ritter besonders treu ergeben, als besonders tüchtig aufgefallen etc. wurde er vom König mit einem mehr oder weniger großen Lehen belohnt. Ihm wurde damit ein bestimmter Landstrich (von der Größe zwischen ein paar Dörfern oder einer ganzen Grafschaft) übertragen, und der Ritter konnte die Erträge seines Lehens , den von den Bauern und Handwerkern abzuführenden Zehnt, dann nutzen.
Jeder Ritter rüstete seinen eigenen Haufen bewaffneter Krieger aus, mit dem er für seinen König ins Feld zog. Das finanzierte er aus den Erträgen seines Lehens. Je besser er im Heer diente, je erfolgreicher er war, desto höhere Titel verlieh ihm der König. Je höher sein Titel, desto größer das Lehen des Ritters, und desto besser ausgerüstet und zahlreicher seine Mannschaft.
Wir sind heute der Meinung, dass die Kommunikation im Mittelalter spärlich gewesen sei, das stimmt aber nicht. Auch die Strecken, die von einzelnen Menschen zurückgelegt wurden, werden heute oft unterschätzt. Es waren damals weit mehr Menschen unterwegs, als wir heute meinen.
Die einstigen Straßen und Wege aus der Römerzeit waren  noch vorhanden und bildeten ein gut vernetztes Wegesystem. Ein Mensch kann zufuß täglich 30 km zurücklegen, und kam so jeweils morgens, mittags und abends in ein weiteres Dorf, eine Stadt oder ein Kloster oder wenigstens ein Gehöft. Die Abende waren wirklich lang, denn war die Sonne untergegangen, war es stockfinster.
Die wenigsten konnten lesen und schreiben, deshalb musste alles mündlich übermittelt werden. Zeitung, Radio und Fernsehen gab es nicht, deshalb haben sich die Menschen viel mehr Dinge erzählt, als heutzutage. Sie hörten einander besser zu als heute, und merkten sich die Dinge viel besser. Eine Neuigkeit nannte man damals übrigens Zeitung. 
Hofdame ist kein Beruf in dem Sinne. Stieg ein Ritter im Ansehen seines Königs, stieg auch sein Rang im Adel. Weil er aber fast immer auf Kriegsschaupläatzen war, langeweilte sich seine Frau. Kinder aufziehen und Gesinde herumscheuchen füllt einen ja nicht aus. Deshalb hielt sie mit ausgesuchten Damen Hof.
Gräfinnen und Prinzessinnen waren sie nur ein "Anhang ihres Mannes", hatten keinen eigenen Rang. Starb der Mann, fiel sie wieder in ihren bürgerlichen Status zurück und das Lehen ging zurück an den König. Fand sich dann nicht binnen einer gewissen Frist ein Mann von Stand, der sie ehelichte, ging sie mit den Resten ihrer Mitgift ins Kloster. 
Mädchen zählten auch in adeligen Familien nichts. Man musste sie möglichst gut verheiraten, und dazu war es besser, wenn sie an einem anderen Hof das "Dame sein" gelernt hatte. Außerdem konnte sie auf die Weise eher jemandem von Stand auffallen. So wie man die Jungen mit 12 an fremde Höfe schickte um dort Ritter zu werden, so schickte man die Mädchen als Hofdamen in die Fremde.
Die Könige reisten Im Mittelalter fast ständig durch ihre Länder, waren kaum in einer Stadt sesshaft. Der Hofstaat eines Königs war wie eine kleine Stadt, mit Handwerkern aller Art, Händlern die für den Nachschub an Lebensmitteln, Kleidung usw. sorgten, von Koch bis Barbier, Schneider bis Hebamme folgte alles dem König nach, zählte deshalb zu seinem Gefolge.
Wenn Adelige Angelegenheiten untereinander zu regeln hatten, war der König als Lehnsherr der Richter. Dann musste sie dort hin kommen, wo der König gerade Hof hielt. Das Rechtswesen wurde in den Grafschaften vom Vogt und seinen Mitarbeitern wahrgenommen. Ihm unterstand das Gericht und die Gefängnisse. Er sorgte auch dafür, dass der König bei seiner Ankunft in der Grafschaft dann auch Gericht halten konnte.
Oft konnten nicht einmal die Könige lesen und schreiben. Sämtliche Schreibarbeiten bei Hofe wurde deshalb von Mönchen erledigt. Verträge mussten auf Latein abgefasst werden, und das hatten nur Mönche lernen können. Waren sie geschickt, konnten sie es auch zu königlichen Beratern bringen. Oftmals nutzten sie ihre Stellung, um zu intrigieren (Welcher Graf zahlt mehr Schmiergeld?)
Ein Lord (Graf) hatte hatte ebenfalls einen Hofstaat, aber viel kleiner als der König. Die Burg auf seinem Lehen war wie ein Dorf für sich. Lebensmittel wurden von den Bauern im Umland geliefert als Abgabe, den Zehnt des Grafen, den sie so in Naturalien zahlten. Andere Untertanen leisteten ihren Zehnt in Geld, das dann für Einkäufe zur Verfügung stand. Wichtigste Person war der Marjordomus, er war Verwalter der Burg und vertrat den Grafen in Abwesenheit. Alles andere Personal waren Knechte und Mägde.

Der Haushalt von Königen, Grafen usw. ist nur die engste Familie.

>Herr der Ringe< >Game of Thrones< das sind fiktive Erzählungen, die in Fantasy-Welten spielen. Die Geschichten spielen auch nicht im Mittelalter, sondern in ganz eigenen Welten mit eigener Historie, in denen es Magie und Fabelwesen gibt. Da ist alles nur ausgedacht. Wirklich im Mittelalter spielen z.B. >Die Säulen der Erde< und >Die Pfeiler der Macht< Bei den beiden Romanen merkt man auch, dass wirkliche geschichtlich belegte Ereignisse auf die Erzählung wirken.

Tatsächlich waren die Länder Europas damals etwa so unterteilt wie unsere heutigen. Deutschland war größer, reichte fast bis Rom, und Frankreich war deshalb kleiner als heute. Nur anders als unsere heutigen paar Bundesländer war Deutschland ein Flickenteppich von Grafschaften und kleinen Fürstentümern, die alle unterschiedliches Recht, unterschiedliche Maßsysteme, unterschiedliche Münzen, unterschiedliche Zölle... hatten. Lübsche Mark und Kölner Mark waren verschiedene Münzen mit verschiedenem Wert. Jedes Fürstentum hatte seine eigene Elle, Spanne, Klafter...

Antwort
von Andrastor, 24

1.) Ja, es sind sogar BH's aus dem Mittelalter gefunden worden, welche an Form sehr den modernen BH's ähneln.

2.) Reichtum und Macht. Bevor es zu den großen Städten des Mittelalters kam, gab es viele kleine Dörfer und die Bauern mit dem meisten Besitz waren natürlich die reichsten Bürger und oft auch die mächtigsten.

Nicht selten hatten sie sogar Söldner in ihren Diensten.

Wollte sich nun ein aufstrebender Herrscher die Gunst von Unterstützern sichern, tat er das nicht bei dem mittellosen Fußvolk, sondern bei denen, die Besitz, Land, Geld und Macht hatten und bot ihnen im Gegenzug für ihre Unterstützung nicht nur weiteren Besitz, sondern auch einen Titel an.

3.) Wenn nicht zufällig ein Bekannter zurückkehrte und davon berichtete, gar nicht. Nicht selten gaben Deserteure ihren Namen und ihr Leben auf und begannen irgendwo ein neues Leben.

4.) Sobald es so etwas wie "Höfe" gab, gab es auch Hofdamen. Das waren die Ehefrauen und Mätressen (Zweitfrauen/Geliebte) der Titel- und Würdenträger am Hof und ihre Töchter.

5.) Das kommt sehr auf die Zeit an. Das Mittelalter ersteckte sich über einige hundert Jahre und die Monarchien noch weiter, wobei die Angehörige des Hofstaates under dem französischen Sonnenkönig Ludwig dem 14. absolut aus dem Ruder lief.

Kurz gesagt gehörten zum Hofstaat natürlich die Familie der am Hofe lebenden Adeligen, Generäle, Ritter, Arbeiter, Diener und Zofen, Beamte, Diplomaten und Gesandte anderer Höfe.

6.) Länder gab es damals sehr wohl, aber die Organisation war eine andere. Die kleineren Städte und Ortschaften wurden oft sich selbst überlassen und die Verteidigung wurde auf die großen Städte konzentriert.

Es wurden natürlich unter den jeweiligen Grafschaften und Fürstentümern Gebiete ausgehandelt und Dörfer und Städte innerhalb dieser Gebiete hatten an die jeweiligen Grafen und Fürsten ihre Abgaben zu liefern.

Antwort
von Realisti, 34

1. Sie wickelten sich in Tücher oder lange Binden. Je nach Kulturkreis hatten sie auch Beinkleider/Unterhosen, wenn sie das Geld dafür hatten.
2. Macht hatte immer der, der reicher war oder stärker. Der nahm sich was er wollte. Gesetz des Stärkeren.
3. Meistens zogen die Angehörigen eines Dorfes oder einer Gemeinde gemeinsam in einer Kompanie/Zug in den Krieg. Daher wußten sie am Ende des Tages wen sie beerdigt hatten und wer noch mit ihnen kämpfte. Die Heimkehrer teilten es den Familien mit. (Habe gesehen, dass er am 3. Tag gefallen ist...)
4. Hofdamen gab es immer. Nur hießen sie nicht immer Hofdamen. Jeder versuchte seine Kinder "Am Hofe" unterzubrigen, damit sie eine gute Partie machen konnten. Daher nutze man jede Verbindung, die man hatte. Wenn dann eine Stelle frei wurde konnte man sich darauf bewerben. Die Herrscher oder die Berater wählten dann unter den Bewerbern aus.
5. Ein König hatte einen Hofstaat, alle anderen hatten Haushalte. Das variierte von Land zu Land und hing auch vom Geldbeutel ab. Es gab auch begehrte Hofstaate und unbeliebte. Nur weil jemand König war, war er nicht automatisch reich. Arme Könige hatten nicht viel mehr Haushalt, als ein reicher Bauer.
6. Klar gab es Länder. Aber die Filmemacher legen sich ungern fest, weil dann geschichtliche Genauigkeit verlangt ist.

Antwort
von DerOnkelJ, 18

Das sind viele Fragen auf einmal...

zu 1: das kommt auf die konkrete Epoche an und auf den Stand. Die einfachen Bäurinnen trugen z.B. selten Unterwäsche, war auf dem Feld ganz praktisch wenn sie mal mussten.

zu 2: das waren ganz komplexe Machtspielchen. da wurde vieles vererbt, dann durch Kriege, durch Heirat und durch Intrigen Länderreien hin und her geschoben.

zu 3: durch die Überlebenden

zu 4: kommt auf die Epoche an. Wie man zu einer Hofdame wurde weiß ich nicht genau

zu 5: müsste ich dir einen Link raussuchen

zu 6: Herr der Ringe und GoT sind Geschichten, die haben mit dem Mittelalter und der Erde zu dieser Zeit absolut Null zu tun
Die Kontinente wie es sie heute gibt gab es auch im Mittelalter in fast genau dieser Form (durch die sog. Plattentektonik sind die heute ein paar cm bis Meter verschoben). Und das Land der Kontinente war in Länder oder besser einzelne Reiche, Königtümer, Fürstentümer und so weiter aufgeteilt.


Antwort
von Kunfilum, 30

Naja ich kann dir zumindest ein paar Fragen beantworten. 

2. Intrigen waren da meistens vorhanden. Um überhaupt als Königsfamilie in Frage zu kommen musste die Familie besonderes tun. (Z.B. jemand gewann viele Schlachten) Um zu zeigen, dass die Familie unter Gottes schutz stand. Das konnte aber jeder wiederlegen, indem man seine eigene Familie als "besser " darstellt 

3. Durch Leute die dabei gewesen waren und überlebt haben. Meistens erfuhren sie es aber schlichtweg nie.

5.Alle die man dazu braucht. Um es mal kurz zu sagen.

6. Selbstverständlich gab es Länder.

Antwort
von JustNature, 26

Um wirklich brauchbare Kenntnisse zu erlangen, solltest Du Deine Geschichtsbücher aus der Schule lesen. Sie werden Dich auch weit besser informieren als ein Roman, der v.a. auf Verkaufszahlen abzielt.

Wenn du meinst, von Herr der Ringe auf die Wirklichkeit schließen zu können, dann ist das ziemlich erschreckend.

Antwort
von Matermace, 24

In GoT gibts doch die sieben Königslande, das sind im Prinzip Länder.

1. Wers sich leisten konnte.

2. Sie haben Leute getötet oder waren reich.

3. Entweder von Leuten die mit ihm auf dem Schlachtfeld waren oder nie bzw nur weil er nicht zurückkam.

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