Frage von Feminist, 60

Das Kapital, Umlaufgeschwindigkeit der Zahlungsmittel und die notwendige Geldmasse?

Karl Marx schreibt am Ende des ersten Abschnitts von "das Kapital" über die Geschwindigkeit der Zahlungsmittel und die zur Verwirklichung der Zahlungen notwendige Geldmasse. Meine Frage, wie sieht dieser Zusammenhang genau aus? Marx schreibt, dass die Länge zwischen periodischen Zahlungen in umgekehrten Verhältnis zur notwendigen Geldmasse steht, wieso?

Antwort
von DietmarDreist, 36

Na ja, einfach gesagt. 
Je länger das Geld in einer Hand bleibt, also von der Zirkulation ausgeschlossen ist, desto mehr Geld braucht es natürlich auch um die Zirkulation aufrecht zu erhalten. Je schneller das Geld seinen Besitzer wechselt, desto weniger braucht es davon, weil ein Geldstück in der selben Zeit mehr Zirkulationsprozesse bedient hat. 

Kommentar von DietmarDreist ,

Wobei ich gerade feststelle, dass in meiner Ausgabe. (29. Auflage - Dietz Verlag 1985) nicht mehr umgekehrtem Verhältnis, sondern "geradem" Verhältnis steht. Mit einer Fußnote, dass in den ersten 4 Auflagen ungerade dort stand. 

Kommentar von DietmarDreist ,

Jetzt hab ich endlich mal wirklich nachgelesen. 
Also: In den ersten 4 Auflagen lag offensichtlich ein Fehler vor, weil ein gerades Verhältnis viel logischer ist. 
Man muss auch die Sätze vorher betrachten, um es zu verstehen. 
Also, wenn die Periode zwischen den gehäuft auftretenden Zahlungen (Lohn/Steuer etc) besonders lang ist, dann wird eine besonders große Geldmenge gleichzeitig gebraucht, um diese periodischen Zahlungen durch zu führen. 
Also wenn alle Arbeiter ihren Lohn täglich bekommen, braucht man nur eine Geldmenge von beispielsweise 100 Schilling pro Arbeiter in Umlauf, um diese Zahlung zu gewährleisten. 
Wenn alle Arbeiter ihren Lohn am Monatsende bekommen (wenn man noch von einer Lohntüte ausgeht), dann müssen pro Arbeiter 30*100 Schilling an Bargeld aufgebracht werden. 
Womit sich die Geldmenge, die für diese Zirkulation gebraucht wird verdreißigfacht. 

Kommentar von Feminist ,

Oh, haha, danke für die Antwort! Bei mir steht folgendes: 

"Aus dem Gesetz über die Umlaufgeschwindigkeit folgt, daß für alle periodischen Zahlungen, welches immer ihre Quelle, die notwendige Masse der Zahlungsmittel in umgekehrten Verhältnis zur Länge der Zahlungsperioden steht"  


Also läuft das Kopfzerbrechen meinerseits gegen Ende meiner 100 seitigen bingereading-session auf einen Fehler im Text hinaus? Danke für die Erlösung, lohnt es sich auf eine aktuellere Ausgabe umzusteigen?

Kommentar von DietmarDreist ,

Das ist ehrlich gesagt das erste mal, dass ich eine solche Korrektur in diesem Buch finde, ich würde mir das Geld sparen. 

Wenn du den Verdacht hast, nochmal auf einen Textfehler zu stoßen schau mal auf mlwerke.de
Die Ausgabe, die sie hier Abdrucken bezieht sich auf die Ausgabe von 1968 (Dietz Verlag) 

Kommentar von Feminist ,

Okay, vielen Dank! Habe mich eine gute Stunde damit beschäftigt zu Überlegen wie diese Passage in Einklang mit dem zuvor geschriebenen zu bringen ist. Ich hätte echt nicht erwartet, dass tatsächlich ein Fehler in dem Text vorliegt. Das war für mich jetzt ein richtiger Befreiungsschlag. Nochmals Danke für deine Hilfe!  

Kommentar von DietmarDreist ,

Kein Problem, ich hätte im Leben nicht gedacht auf ausgerechnet dieser Seite jemals mit Wissen/Recherche über das Kapital von Marx glänzen zu können. 
Von daher war das für mich auch so eine Art Befreiungsschlag. :D 

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