Frage von Lomyl, 29

Das einfetten der Hufe gar nicht nötig?

Mein TA meint das dass gar nicht nötig ist,da mein Pferd gesunde Hufe hat.Das gleiche gilt für Eisen. Was meint ihr?

Antwort
von Baroque, 10

Das hat der Tierarzt noch vorsichtig formuliert: Beides bringt sogar gesundheitliche Nachteile mit sich und sollte daher nur in wirklich begründeten Fällen genutzt werden.

Beim Beschlag ist es die Mechanik bzw. Dynamik, also die reine Physik. Durch seine Physik erfährt die Zehe beim beschlagenen Huf kaum bzw. gar keinen Abrieb. Hinten am Huf hingegen findet umso mehr Abrieb statt. Daraus resultiert eine überlange Zehe, die die Sehnen, Bänder und Gelenke übermäßig belastet und im Lauf der Zeit degenerative Erkrankungen aufgrund dieser Überlastung hervorruft. Viele Schmiede wirken dem entgegen und erzeugen damit aber auch Hufe, die nicht wirklich ausbalanciert sind. Noch in den 80er Jahren sagte einem jeder Schmied, dass die beschlagsfreie Periode jedes Jahr länge sein sollte wie die Beschlagsperiode, damit man die Nachteile des Beschlags zumindest halbwegs revidieren kann. Heute sehe ich das nicht mehr, sondern sehe die Nachteile sehr eindeutig.

Beschlag hatte man bei Arbeitspferden eingesetzt, die richtig schwer ziehen mussten, die Stollen brauchten, um überhaupt vom Fleck zu kommen. Stollen am Barhuf gehen nunmal nicht. Man hatte ihn auch bei Kurierpferden eingesetzt, die viele Stunden am Tag über Kopfsteinpflaster und Schotter laufen mussten. Normal spielt sich das Hornwachstum so ein, dass es zum Abrieb passt, den der Huf erfährt. Nur gibt's da halt irgendwann Grenzen, die beim heutigen Pferd sicher nicht erreicht werden, früher, vor der Verbreitung der motorisierten Fahrzeuge allerdings schon.

Heute verbergen Hufschmiede schon auch mal dahinter, wenn sie nicht in der Lage sind, einen Huf so spannungsfrei zu halten, so ausbalanciert herzustellen, dass das Horn ungehindert wachsen kann, wie es zu seinem Abrieb passt. Für den Schmied ist es einfach, dann was drauf zu nageln. Damit kommen aber eben unglücklicherweise auch die Nachteile des Beschlags.

Wenn man viele, viele, viele Hufbearbeiter in seinem Leben gesehen hat, sie beobachtet, so sieht man deutlich, dass beim einen jedes Pferd gute, funktionsfähige Barhufe hat, beim anderen alle beschlagen werden, weil er es nicht hinbringt, dass es funktioniert. Am erfolgreichsten im überrregionalen Durchschnitt sind die Huforthopäden, die eine wirklich intensive mehrjährige Ausbildung nur für den Barhuf genießen. Die lernen auch den Zusammenhang zwischen kleinsten Details im Huf und dem gesamten Bewegungsapparat des Pferdes, wie ich es noch nie von einem Absolventen anderer Schulen erlebt habe.

Oft hört man ja auch, dass beschlagene Hufe durch das zusätzliche Gewicht mehr Schwung zeigen, "ausdrucksstärkere" Bewegungen erzeugen würden und damit für den Dressursport unabdingbar sind. Wenn man zu Lasten der Gelenkegesundheit den Hauch mehr (man hat Messungen durchgeführt, der Unterschied war fast nicht messbar) Beinschleudern haben will ... ich will lieber mein Pferd im hohen Alter noch reiten können.

Fazit: Der Huf sollte in aller Regel unbeschlagen sein, nur gewisse Anforderungen rechtfertigen vorübergehend Beschlag. Es gibt Vielseitigkeitsreiter im internationalen Sport, die noch am Prüfungsabend die Eisen wieder abnehmen, um die Nachteile möglichst gering zu halten. Neulich fand ich ein Interview im Web zu dem Thema.

Huffett hat keinen Vorteil und keiner der besseren Schmiede, die ich je gesehen habe und keiner der Barhufbearbeiter haben es je empfohlen. Bestenfalls mal für eine Show wurde es früher aufgetragen und da nahm man irgendein Fett ... Huffett ist ein reines Marketingprodukt, weil man merkte, dass Menschen für ihre Tiere gern Geld ausgeben. Risse kommen nicht von ungefetteten Hufen, sondern von falschen Spannungsverhältnissen im Huf. Ein gesunder Huf passt sich auch den Umgebungsbedingungen bzgl. Feuchte an. Er wird feucht und weich, wenn die Umgebung feucht und weich wird und trocken und hart, wenn die Umgebung trocken und hart ist. Das ist optimal, weil so der Huf zu dem passt, worauf er laufen soll. Dafür ist es wichtig, dass er uneingeschränkt Wasser aufnehmen und abgeben kann. Ein gefetteter Huf kann das nicht.

Am schönsten beobachten kann man das am Saumhorn ganz oben am Kronsaum, weil es die größte Wasseraufnahmefähigkeit hat und eben so gut sichtbar ist. Ist es im Sommer lang trocken, findet man das kaum, da liegt nur so eine Art "Pergament" trocken an und es ist ganz schmal. Ist es lange feucht, z.B. bei Wochen anhaltendem Regen, dann sieht man es breit und wie "aufgequollen". Man kann eine Menge weiches Saumhorn sehen und ertasten. Andere Partien des Hufs können das auch, aber man sieht es nicht so gut. Ein naturbelassener, regelmäßig gut bearbeiteter Huf ist ein wahres Wunderwerk der Natur und dient einem Pferd lebenslang in idealer Weise.

Antwort
von LittleMistress, 17

Hufe einfetten ist nicht zwingend nötig, das ist richtig. Eisen braucht auch nicht jedes Pferd - meine beiden haben seid 10 Jahren keine Eisen und sind beide gesund.

Antwort
von landregen, 11

Wenn du deinem Tierarzt nicht vertraust, dann hol dir eine zweite ärztliche Meinung ein.

Du willst dir doch nicht von lauter unwissenden Laien das blaue vom Himmel vorquatschen lassen und dann gefährliche Ratschläge von uns unwissenden Wichtigtuern annehmen??? Sollen die/wir es besser wissen als der Tierarzt?

Kommentar von Baroque ,

Der Tierarzt mit seinen paar Stunden Huf an der Uni ist nicht der beste Ratgeber, wenn er sich nicht zufällig privat weitergebildet hat.

Der "normale" Laie auch nicht unbedingt, denn die meisten sehen auch nicht, dass sie ihren Hufbearbeiter in die Wüste schicken sollten, wenn sie noch eine Zeit ein gesundes Pferd haben wollen.

Aber hier sind auch Hufbearbeiter, die das gelernt haben und einige Laien, die sich weiterbilden mussten, weil Tierarzt und Schmied am Ende ihres Wissens angelangt waren und die nun wissen, wen sie warum ran lassen und zumindest die meisten Hufprobleme erkennen können. Die können durchaus fundiert antworten. Mir wurde, bevor ich mir Wissen angeeignet habe, mehrmals geraten, mein Pferd von seinen Qualen aufgrund ausbrechenden Horns zu erlösen ... inzwischen läuft er seit > 4 Jahren völlig pannenfrei auf besten Hufen, nur weil ich rausgefunden habe, wen ich da ran lasse und wen nicht und wie ich so jemanden erkenne, den ich ran lasse.

Kommentar von landregen ,

Nur kann man nicht beurteilen, wer hier der "normale Laie", wer ein fahrlässiger Wichtigtuer oder wer ein halbinformierter Laienfachmann ist. Darum kann ich nur davor warnen, Fragen nach Handlungsanweisungen im gesundheitlichen Bereich zu stellen.

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