Frage von sandrazed, 49

Darf meine Vermieterin versehentlich überwiesene Miete einbehalten?

Hallo.

Wir sind vor vier Jahren in eine Wohnung gezogen. Diese haben wir unrenoviert und dreckig übernommen sowie mit lauter Mängel. Wir hatten jedes Jahr eine Nachzahlung zwischen 800€ und 1000€ für eine 42 qm Wohnung. Die Abrechnungen waren alle falsch. Nach einem gemeinsamen Gespräch haben wir Sie darauf hingewiesen und Sie wollte uns eine geänderte Rechnung für das Jahr 2014 zukommen lassen. Jetzt sind wir ausgezogen und Sie will natürlich Ihr Geld haben. Wir haben aber keine geänderte Rechnung erhalten womit wir nicht wissen was wir genau bezahlen müssen. Da ich durch den ganzen Umzugsstress vergessen habe den Dauerauftrag für die Miete zu kündigen ging die Miete erneut an meine Vermieterin. Ich habe die Bank umgehend aufgefordert das Geld zurück zu holen. Ich habe Ihr das bei der Schlüsselübergabe gesagt und Sie nochmals darauf hingewiesen, dass ich keine neue Abrechnung erhalten habe. Sie sagt mir jetzt, dass Sie das Geld einbehalten würde, da Sie ja noch eine neue Türe sowie neue Tapete kaufen müsste. und da ja noch Geld aus 2014 (Rechnung habe ich noch nicht erhalten) offen stehen würde und aus 2015 (Rechnung habe ich ebenfalls noch nicht erhalten). Darf Sie das Geld einfach behalten? Muss ich bei der übernahme einer unrenoverten Wohnung die Kosten für neue Tapete tragen?

Ich bitte um eure Hilfe.

Sandra

Antwort
von wewog, 14

Das liest sich ja schon interessant. Gelinde gesagt.

Für evtl. entstandene Schäden der Mietsache gibt es eine Kaution. Eine versehentlich zuviel überwiesene Miete kann da nicht gegengerechnet werden, sondern muss zurückerstattet werden. Es kann also maximal die zum Einzug bezahlte Kaution einbehalten werden. Achtung! Die Kaution darf nur die Nettomieten umfassen (maximal 3), es dürfen keine Nebenkosten eingerechnet werden (in die Kaution). Manche Mieter machen das bzw. versuchen das, es ist aber nicht rechtens.

Die Nebenkostenabrechnung muss binnen Jahresfrist vorliegen. Also für das Kalenderjahr 2014 bis spätestens 31.12.2015. Gibt es Unstimmigkeiten, muss der Vermieter zeitnah (damit meine ich wenige Wochen), eine Korrekturabrechnung erstellen.

Irgendwelche Verrechnungen sind nicht zulässig. Miete zu Miete, Nebenkostenabrechnung zu Nebenkosten und Kaution für Schäden. Wenn Ihr in eine untapazierte und unrenovierte Wohnung eingezogen seid, dann müsst Ihr nicht renovieren.

Außerdem wird eine Mietsache (z.B. die Türen) "gebraucht". Ich weiß, dass bei Böden (vermutlich auch bei Türen) eine Abschreibungsdauer von 10 Jahren angenommen wird. Sind die Türen älter (bzw. waren sie beim Einzug älter), kann Euch die Vermieterin dafür genau 0 Euro belasten.

Meine Tipps übrigens aus eigener Erfahrung, ich bin kein Anwalt!

Kommentar von sandrazed ,

Wie ist das denn, wenn ich erst nach drei Jahren bemerke das die Abrechnungen falsch sind? Ist das dann verjährt?

Kommentar von wewog ,

Die Verjährungsfrist bei Nebenkostenabrechnungen beträgt 3 Jahre. So weit ich weiß endet die Verjährungsfrist für eine in 2013 erstellte Nebenkostenabrechnung am 31.12.2016.

Aber bitte check das selber nach, wie gesagt: ich bin kein Anwalt.

Kommentar von wewog ,

ach noch was: habt Ihr die Nebenkostenabrechnung auch schriftlich bemängelt? das wäre wichtig! Am besten per Einschreiben.

Kommentar von sandrazed ,

leider nein. Aber ich habe mehrere Leute die dabei waren, als Ich das bei Ihr angesprochen habe.

Kommentar von wewog ,

Ja, ich kenne das. Man will was irgendwie im Guten regeln und verlässt sich dann auf mündliche Abmachungen. Aber der Vermieter will nun die zu viel bezahlte Miete einbehalten und gegenrechnen?

Habt Ihr Rechtschutz? Ich würde sofort zum Fachanwalt für Mieterrecht gehen. Oder wie hier schon vorgeschlagen wurde zum Mieterbund.

Leider habt Ihr hier nicht geschrieben, ob und wenn ja wieviel Kaution Ihr bezahlt habt.

Am Besten setzt Ihr ein Schreiben auf und sendet es per Einschreiben an den Vermieter. Darin sollte enthalten sein:

1. die versäumte Korrektur der Nebenkostenabrechnung 2014 mit Fristsetzung, passend wären 10-12 Werktage.

2. die zuviel gezahlte Miete zurückfordern

3. eine genaue Auflistung der Schäden, die durch Euch entstanden sein sollen.

4. Begründung einfordern, warum Ihr die Wohnung renovieren bzw. für Kosten einstehen sollt, wenn Ihr doch die Wohnung unrenoviert übernommen habt.

5. die Nebenkostenabrechnung 2015 zumindest mal in Erinnerung bringen, Frist dafür ist ja eigentlich erst am 31.12.2016

Und final: wenn Ihr zu Punkt 3 (Auflistung der Schäden) Antwort erhalten habt, dann bitte gleich nachhaken (nicht im ersten Brief) und Belege dafür einfordern. Wenn die Tante ihre Türen bezahlt haben will, dann soll sie erst mal nachweisen, wann denn die vorhandenen Türen eingebaut worden sind (Kosten sind irrelevant, es sei denn es sind weniger als 10 Jahre). Dasselbe gilt für Tapeten und ähnliches.

Antwort
von DunkleTriade, 13

geh zum mieterbund, das lohnt hier

du musst mitglied werden, kostet um 100€, aber du hast ja locker 2-3k streitwert

und es ist zu umfangreich, um da tipps zu geben, alle abrechnungen müssen geprüft werden

dann steht vielleicht vorsatz=betrug im raum

geh zum bund, ist zu groß für einen laien

oder nimm gleich nen anwalt

Antwort
von h3nnnn3, 8

jo, alles falsch gemacht! -.-

morgen ab zum mieterbund!

Antwort
von 716167, 18

Das wäre jetzt die ideale Gelegenheit, dass du einen Anwalt beauftragst.

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