Frage von dovo1997, 83

Darf meine Ausbildungsvergütung angerechnet werden, weil mein Vater aufstockendes Hartz 4 bekommt?

Ich mache seit 01.09.2016 eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer und mein vater sagt zu mir das das geld das ich verdiene ihm angerechnet wird jetzt würde ich gerne wissen stimmt das und wenn ja wie viel wird angerechnet.

im voraus schonmal danke

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Ausbildung & Hartz IV, 28

Solange ihr gemeinsam in einem Haushalt lebt und du deinen Bedarf ( Lebensunterhalt ) nicht mit eigenem anrechenbaren Einkommen decken kannst,bildest du mit deinem Vater eine BG - ( Bedarfsgemeinschaft ) und in dieser bekam bzw.bekommt dein Vater für dich auch Leistungen gezahlt !

Deshalb wird dir deine Netto Vergütung nach Abzug von Freibeträgen auf Erwerbseinkommen nach § 11 b SGB - ll + Kindergeld und evtl. Unterhalt auf deinen Bedarf angerechnet.

Es könnte also gut sein das dein Vater dann keinen Anspruch mehr auf eine Aufstockung hätte,weil du mit deinem anrechenbaren Einkommen deinen Bedarf selber decken kannst und dieser Betrag der dann von deinem Einkommen angerechnet würde,müsstest du deinem Vater aus deiner Vergütung selber zahlen.

So hätte dann dein Vater von seinem Netto Lohn mehr zur eigenen Bedarfsdeckung zur Verfügung und wenn er dann mit seinem anrechenbaren Einkommen seinen Bedarf decken könnte,dann würde der Anspruch auch für deinen Vater entfallen.

Es kommt also jetzt darauf an wie viel Brutto und Netto Vergütung du hast,wie alt du bist,was dein Vater an Brutto / Nettoeinkommen hat,was er für die KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) zahlt und ob du ggf.auch noch Unterhalt bekommst,wenn ja wie viel.

Du hast also von deiner Brutto Vergütung zunächst mal 100 € Grundfreibetrag,ab 100 € - 1000 € Brutto stehen dir noch mal 20 % und von 1000 € - 1200 € Brutto noch mal 10 % Freibetrag zu.

Diese Freibeträge werden dann addiert,theoretisch von deiner Netto Vergütung abgezogen,dass ergibt dann dein anrechenbares Erwerbseinkommen und dazu werden dann sonstige Einkommen wie Kindergeld / Unterhalt usw.addiert.

Das zusammen ergibt dann dein gesamtes anrechenbares Einkommen,dass wird dann auf deinen so genannten Bedarf nach dem SGB - ll angerechnet und wenn du mehr anrechenbares Einkommen als Bedarf hast,dann bist du aus der BG - deines Vaters raus.

Er bekommt dann also keine Leistungen mehr für dich gezahlt,du musst dann deinen Bedarf aus deinem Einkommen selber an ihn zahlen.

Angenommen die KDU - beträgt 600 €,du bist min. 18 Jahre aber unter 25,dann stünde dir derzeit min. einen Regelsatz für den Lebensunterhalt von 324 € zu und dazu käme dann dein KDU - Kopfanteil von 300 €,also 50 % von der Warmmiete.

Dein Bedarf läge dann bei min. 624 € pro Monat.

Würdest du jetzt angenommen 600 € Brutto und 480 € Netto Vergütung bekommen,dann stünde dir auf dein Brutto erst mal die 100 € Grundfreibetrag zu und von den übersteigenden 500 € die über diesen 100 € liegen noch mal 20 % Freibetrag,also kämen noch mal 100 € dazu.

Der gesamte Freibetrag läge dann bei 200 €,dieser würde dir dann theoretisch von deinen 480 € Netto abgezogen,es bliebe dann ein anrechenbares Erwerbseinkommen von 280 € und diese würden dann deinem Vater von deinem Bedarf / Leistungen abgezogen,die du dann aus deiner Vergütung wieder ausgleichen musst.

Kommentar von EstherNele ,

Es gibt noch eine andere Situation, wo der Vater u.U. weniger Geld bekommt.

Das ganze nennt sich "Übertragung von Kindergeld".

Sollte der Fragesteller zur Bedarfsdeckung nur einen Teil des Kindergeldes benötigen (Beispiel: wer seinen Bedarf von - sagen wir 600 € - mit 500 € aus dem bereinigten Einkommen decken kann, benötigt nicht die ganzen 190 € Kindergeld, sondern nur 100 €), dann werden die übrigen "nicht benötigten" 90 €  auf den Vater übertragen und diesem als Einkommen angerechnet.

Kommentar von isomatte ,

Das ist mir bekannt !

Nur habe ich das nicht genannt,weil der Vater dann nicht weniger als vorher hätte,es wird ihm dann zwar der Überschuss bis max.auf Höhe des vollen Kindergeldes von seiner Aufstockung abgezogen,aber das gleicht er durch das Kindergeld wieder aus bzw.könnte er.

Wenn er nicht schon Freibeträge auf Erwerbseinkommen geltend machen würde,oder auf sonstiges Einkommen schon seine Pauschale angerechnet bekäme,dann hätte er durch diese Anrechnung sogar 30 € ( Versicherungspauschale ) mehr pro Monat.

Kommentar von EstherNele ,

Ach Isomatte, ich weiß doch, dass dir das bekannt ist ...

Die Diskussion (oft auch hier) geht doch in die Richtung "Wieso kriegen Eltern weniger, obwohl ich gar nicht mehr zur BG zähle?"

Was glaubst du, wieviele Leute zwar wissen, wie sie ihre Freibeträge berechnen müssen, aber von diesem Verfahren noch nie was gehört haben?

Der Vater hätte dann weniger, wenn alle Beteiligten davon ausgehen, dass das Kindergeld dem Nachwuchs gehört und er das auch zu 100% ausgehändigt bekommt. 

Kommentar von isomatte ,

Das ist klar !

Aber dafür gibt es einen Bescheid und bei uns in Thüringen ( Saalfeld / Rudolstadt ) sind die Bescheide in der Regel sehr gut zu verstehen und sollte das der Fall sein,dass dann überschüssiges Kindergeld auf den Bedarf der übrigen BG - angerechnet werden würde,könnte man das leicht aus dem Bescheid entnehmen.

Wenn dann dennoch das volle Kindergeld ans Kind ausgehändigt wird,dann ist das nicht das Problem des Kindes.

Antwort
von Interesierter, 17

Grundsätzlich ja.

Dein Vater erhält vom Amt Geld für deine Versorgung. Hierbei wird davon ausgegangen, dass du kein eigenes Einkommen hast.

Hast du eigenes Einkommen (deine Ausbildungsvergütung), kannst du ganz oder teilweise für deinen Lebensunterhalt selbst sorgen. Das heisst, du fällst damit teilweise oder ganz aus der Bedarfsgemeinschaft mit deinem Vater heraus. Er bekommt dann für dich kein Geld mehr. Wenn du dein eigenes Geld verdienst, muss er dich nicht mehr versorgen.

Antwort
von DerHans, 53

Wenn du volljährig bist und eigenes Einkommen hast, fällst du aus der BG deines Vaters heraus. "Dein Anteil" an dieser BG fällt also komplett weg.

Natürlich kannst du dann nicht verlangen, kostenlos bei deinem Vater zu wohnen.

Kommentar von herzilein35 ,

Erst ab 25 fällt er raus.

Kommentar von isomatte ,

Oder er kann seinen Bedarf mit seinem anrechenbaren Einkommen selber decken,dann wäre er auch raus aus der BG !

Kommentar von isomatte ,

Schon wieder schreibst du Blödsinn lieber Hans !

Es kommt nicht darauf an ob ein Kind volljährig ist oder nicht.

Entscheidend ist nur ob das Kind mit seinem anrechenbaren Einkommen seinen Bedarf decken kann oder nicht,erst wenn das der Fall ist wäre das Kind aus der BG - raus bzw.wenn das Kind dann min. 25 wäre,dann stellt es auch ohne Einkommen seine eigene BG - dar.

Also kann auch ein Kind von angenommen 1 Jahr aus der BG - raus sein,wenn es genügend anrechenbares Einkommen hätte.

Antwort
von schleudermaxe, 4

.... nein, natürlich nicht. Es sein denn, die vom Jobcenter haben bisher für Dich bezahlt, warum auch immer.

Die Kosten und Lasten für die Unterkunft sind somit von Dir zu bezahlen und damit stimmt zu Hause die Kasse wieder.

Allzeit Gute Fahrt.

Antwort
von Galdur, 29

Sofern ihr in der selben Bedarfsgemeinschaft wohnt (meistens gleicher Haushalt), wird jegliches Einkommen angerechnet.

Es werden zwar noch Anteile für Lernmaterialien und ein gewisser Freibetrag außen vor gelassen, aber das meiste wird angerechnet.

Antwort
von petrapetra64, 5

Wenn du noch zu Hause lebst, dann bezieht ja nicht nur dein Vater derzeit H4, sondern auch du, ihr seid eine Bedarfsgemeinschaft und dein Vater erhält vom Amt für dich h4 für deinen Bedarf und deinem Mietanteil an der Warmmiete. Und wenn du nun Einkommen hast, dann wird das natürlich angerechnet. 

Denn es macht keinen Sinn, dass der Staat weiterhin für dich aufkommt, obwohl du selbst für dich zumindest teilweise aufkommen kannst durch deine Ausbildungsvergütung. Deinem Vater wird für sich kein Geld abgezogen, nur das Geld für dich wird abgezogen, es wird dir angerechnet, nicht deinem Vater. Dein Vater bekommt als Haushaltsvorstand halt das Geld für alle, er zahlt ja auch Miete und Unterhaltskosten für alle davon. Du isst ja zu Hause, heizt, verbrauchst Strom und benutzt Wohnraum, ist ja alles nicht umsonst. 

Von der Anrechnung her hast du 100 Euro frei und vom Rest noch mal 20 %. Trägst du die Kosten deines kompletten Bedarfs inkl. Miete, dann fällst du aus der Bedarfsgemeinschaft raus und darfst des Rest behalten. 

Verdienst du jetzt z.B. 500 Euro netto, sind 180 Euro für dich, 320 müsstest du deinem Vater geben zum Leben. Zahlst du aber Sachen wie Kleidung und Fahrkarte selbst, kannst du noch etwas mehr davon behalten, denn in deinem Bedarf ist das ja bereits auch berücksichtigt. Dein  Vater bekommt aber 320 weniger.

Ihr habt also ein Plus von 180 Euro

Antwort
von CharaKardia, 28

Sofern ihr in einem Haushalt wohnt, stimmt das. Wie viel das im einzelnen ist, geht mit Sicherheit aus dem Bescheid hervor.


Kommentar von dovo1997 ,

ja wir wohnen im selben Haushalt

Antwort
von Dave0000, 25

In der selben Bedarfsgemeinschaft (d.h. Ihr wohnt zusammen) ist es so
Du hast dadurch Einkommen und der aufstockende bedarf verringert sich

Antwort
von Rheinflip, 31

Als Azubine fällst du komplett raus.  

Kommentar von isomatte ,

Auch das ist so nicht korrekt !

Aus der BG - fällt man unter anderem nur dann,wenn man entweder min. 25 ist oder seinen Bedarf aus eigenem anrechenbaren Einkommen decken kann.

Nur weil man Azubi ist fällt mal also nicht automatisch aus der BG - raus.

Selbst mit Bafög - würde mal jetzt nicht mehr automatisch aus der BG - raus sein,wenn man mit seinem anrechenbaren Bafög + sonstigem anrechenbaren Einkommen seinen Bedarf nicht decken könnte.

Vor den zahlreichen Änderungen ( 01.08.016 ) im SGB - ll war das nämlich beim Bafög - der Fall,dann hatte das Kind ggf.nur noch Anspruch nach § 27 Abs. 3 SGB - ll auf einen Mietzuschuss zu dem ungedeckten KDU - Kopfanteil,da war es nämlich von ALG - 2 Leistungen ausgeschlossen.

Kommentar von Rheinflip ,

Wie ist es jetzt f Azubis geregelt? !

Kommentar von isomatte ,

Für Azubis die bei ihren bedürftigen Eltern leben hat sich nichts verändert,diese hatten auch vorher schon evtl.Anspruch auf eine ALG - 2 Aufstockung,wenn sie mit ihrem anrechenbarem Einkommen ihren Bedarf nach dem SGB - ll nicht decken konnten !

Die Azubis die nicht mehr bei den Eltern leben,also im eigenen Haushalt,steht nach wie vor vorrangig Elternunterhalt in der Erstausbildung zu oder dann BAB.

Vor den Änderungen hatten diese Azubis dann ggf.einen Anspruch auf einen Mietzuschuss zu ihren ungedeckten KDU.

Jetzt haben diese durch die Abschaffung des Mietzuschusses Anspruch auf ALG - 2,wenn sie ihren Bedarf nach Abzug von Freibeträgen auf Erwerbseinkommen nach § 11 b SGB - ll nicht decken können.

Es ist also ab der Änderung nicht mehr nur auf die KDU - begrenzt,was es vorher war,selbst wenn man mit seinem anrechenbaren Einkommen noch nicht mal seinen Regelsatz erreicht hatte,wurde max. nur die angemessene KDU - berücksichtigt.

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