Frage von TexasNick, 49

Darf mein Vermieter meine Nachbarin kündigen, mit welcher er keinen schriftlichen Vertrag aufgesetzt hat?

Hallo. Meine Nachbarin und Ich wohnen in einem Zweiparteien Haus, in welchem die verstorbenen Eltern meines Vermieters gewohnt haben. Mein Vermieter ist auch gleichzeitig unser Nachbar und Freund. Nun hat meine Nachbarin aber immer wieder Probleme mit ihrem Anwalt gemacht, da ihr Diverse Sachen nicht passen. Anstatt mal eben rüber zu gehen, fand sie einen Brief vom Anwalt klüger...

Nun will sie mein Vermieter endgültig loswerden. Er hat keinen richtigen Vertrag aufgesetzt , in welchem irgendetwas festgehalten ist, bezüglich der Kündigung. Er hat lediglich einen Vorvertrag mit ihr, welcher auch als solches betitelt ist, in welchem festgehalten ist, ab wann der Nachbarin die Wohnung vermietet wird und wie viel sie zahlen muss. Nix über Nebenkosten oder sonstiges.

Nun meine Frage: Sie wird natürlich wieder mit ihrem Anwalt kommen und dem Vermieter die Hölle heiß machen. Ist er denn überhaupt in der Position, Ihr zu kündigen? Und wenn ja, reicht der Grund: Vertrauungsbruch?

Ich würde mich sehr über euren Rat freuen.

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 10

Ein Wohnungsmietvertrag bedarf nicht zwingend der Schriftform. Die Nachbarin ist eingezogen und hat Miete gezahlt, fertig war der -mündliche- Mietvertrag. Er hat Rechtskraft wie ein schriftlicher. Für den Mieter ist er sogar günstiger. Der Vermieter darf nur das verlangen, was das BGB vorschreibt. Das hat zur Folge, sie braucht keine Betriebskosten zu zahlen und keine Schönheitsreparaturen durchführen, zu keiner Zeit. Alles ist mit der abgesprochen Miete abgegolten. Dafür, dass etwas anderes vereinbart wurde, gibt es keinen Nachweis. Es gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen für beide Parteien. Der V. müsste einen besonderen triftigen Grund für eine Kündigung haben. Dass sie zur Lösung bestimmter Probleme mit ihrem V. einen RA in Anspruch nahm, ist ihr gutes Recht, aber kein Kündigungsgrund.

Antwort
von Colombo1999, 18

Mit Einzug und Mietzahlung kommt der Mietvertrg durch konkludentes Handeln zustande. Alles was nicht individuell geregelt ist, regelt das Gesetz. Es gelten also die gesetzlichen Kündigungsfristen und -voraussetzungen.

Ganz so leicht ist es nicht, einen Mieter loszuwerden, auch wenn er lieber gleich zum Vorschlaghammer greift, anstatt - wie der gesunde Menschenverstand es gebietet - erst einmal miteinander zu reden.

Wenn sowohl Vermieter als auch Du bezeugen könne, dass der Raum auf dem Zwischengeschoss nur zur vorübergehenden Nutzung gedacht war, dann wird sie ihn räumen müssen.

Am besten wäre es, wenn der Vermieter einen Sohn oder ein Elternteil hat, für den er Eigenbedarf anmelden kann. Dann muss die Person auch einziehen, aber das ist ein triftiger Grund.

Kommentar von Vampire321 ,

So schauts aus!

'eigenbedarf' ist das Stichwort!

Expertenantwort
von Gerhart, Community-Experte für Mietrecht, 3

Des Pudels Kern ist wohl jenes außerhalb des Mietvertrages zur entgeltlosen Nutzung überlassene Zimmer, dass der Vermieter nun dir überlassen/vermieten will.

Hier könnte der besagte Vorvertrag bedeutsam sein, in dem die Wohnung benannt wurde aber nicht das strittige Zimmer.

Ohne Zweifel besteht ein Mietvertrag für die Wohnung, denn die Mieterin hat die Wohnung als Mietgegenstand wie vereinbart in Besitz genommen und bezahlt die vereinbarte Miete regelmäßig.

Jeder geschäftsfähigen Person steht es frei sich von einem Anwalt in Rechtsgeschäften vertreten zu lassen. Daraus ist kein Vertrauensbruch zwischen Vermieter und Mieterin zu konstruieren, der als hinreichender Kündigungsgrund fungieren könnte. Deshalb sollte dein Vermieter einfach der streitlustigen Mieterin die geduldete Nutzung des strittigen Zimmers nachweisbar entziehen und sie zur Räumung unter Fristsetzung auffordern.

Widersetzt sie sich der Räumung und Herausgabe an den Vermieter, dann kann nur eine Räumungsklage bezüglich des Zimmers hier klare Verhältnisse schaffen.

Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Miete & Mietrecht, 13

Nun will sie mein Vermieter endgültig loswerden. Er hat keinen richtigen Vertrag aufgesetzt , in welchem irgendetwas festgehalten ist, bezüglich der Kündigung.

1. Dann gelten die gesetzlichen Bestimmungen

2. Muss der Vermieter einen Grund bei der Kündigung angeben; dass sich ein Mieter beschwert reicht als Grund nicht aus.

 Er hat lediglich einen Vorvertrag mit ihr, welcher auch als solches betitelt ist, in welchem festgehalten ist, ab wann der Nachbarin die Wohnung vermietet wird und wie viel sie zahlen muss. Nix über Nebenkosten oder sonstiges.

Ein Mietvertrag muss nicht zwingend schriftlich gemacht werden, mündlich ist auch wirksam und für Miete sogar besser, weil sie dann keine Endrenovierungen usw. bei Auszug machen müssen,

Beweisbar ist ein Mietvertrag z.B. durch Mietzahlung.

Hinweis:

Bei mündlichen Mietverträgen müssen Mieter oder Vermieter immer schriftlich kündigen.  Aber nicht per e-mail whatsapp usw, sondern mit eigenhändiger Unterschrift.

Antwort
von wilees, 27

Auch der sogenannte Vorvetrag ist ein Vertrag. Allein schon durch konkludentes Verhalten ist hier ein Vertrag mit allen Rechten und Pflichten für Mieter und Vermieter entstanden.

Außerdem wo soll hier bitte schön ein Vertrauensbruch vorliegen? Weil sich die Mieterin durch einen Anwalt bemüht hat ihr Recht durchzusetzen?

Kommentar von TexasNick ,

1. Beim Einzug hat sie gleich die Polizei gerufen, weil sie einige Sachen nicht gefunden hat und gleich die Handwerker und Maler verdächtigt hat. Der Vermieter musste dann die Namen der Personen weitergeben. Ok das war noch nicht so schlimm.

2. Ihr wurde, weil sie ziemlich viele Sachen hatte, hauptsächlich rümpel, vorrübergehend ein Zimmer auf mittlerer Höhe zur Verfügung gestellt, welches jedoch nicht im Vertrag erwähnt ist. Nun bin ich eingezogen und das Zimmer wurde mir zur Verfügung gestellt und sie will es sich jetzt einklagen. 

3. Kleine Sachen, wie dass die Heizung nicht richtig eingestellt war. Das Ding ist, dass der Vermieter unser Nachbar ist und sie somit einfach hätte rüber gehen können und das persönlich hätte klären können. 

Kommentar von wilees ,

Und dieses " vorübergehend " wird der Vermieter wohl nicht beweisen können, das es ja dem Anschein nach keine schriftliche Vereinbarung gibt.

Antwort
von Schuhu, 23

Wenn die Sachen, die sie durch den Anwalt mioniert hat, denn aus der Luft gegriffen? Hat sie den Vermieter mehrmals und schikanös belästigen lassen? Dann könnte man vielleicht einen Kündigungsgrund konstruieren.

Aber natürlich hat ein Mieter das Recht, seine Rechte einzufordern, auch mit Hilfe eines Anwalts. Wenn so etwas zur Kündigung führen könnte, wären Mieter dem Vermieter gegenüber erheblich benachteiligt.

Antwort
von AchIchBins, 3

Das hört sich nach einem Fall für den Richter an. Wie du bereits erfahren hast, ein gültiger MV besteht und kündigen ist nicht so einfach. Geht der Fall aber vor ein Gericht, und der Richter entscheidet, dass der Mieter den Vermieter z.B. völlig überflüssig mit Polizeibefragung, "Rechtsanwaltsdrohungen" (in einem Schreiben vom RA wird ja meist etwas gefordert) "drangsaliert" hat, könnte er durchaus zugunsten des Vermieters entscheiden, weil das Vertrauensverhältnis zerrütet ist.

Ehrlich gesagt, so einen Mieter wollte ich auch nicht länger.

Antwort
von knuddeel, 25

Eine Wohnungskündigung ist nicht sooo leicht durchzukriegen. 

Ich würde dem Mieter jetzt auch einen Anwalt ans Herz legen.

Erstmal ruhig bleiben, und schauen was passiert. Wie gesagt man kriegt Mieter nicht so leicht aus der Wohnung raus, außer es geht um Eigenbedarf.

Lg 

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