Frage von Tamiihatfragen, 88

Darf mein Sacharbeiter mich dazu zwingen Arbeiten zu gehen?

Vorab ich bekomm ALG1 und ich möchte arbeiten, allerdings zwingt mir mein Sacharbeiter irgendwelche Stellenangebote auf die ich gar nicht machen möchte. Und dann MUSS ich mich auch innerhalb von 3Tagen dort melden. Aber ich kenne mich und ich brauche meine Komfortzone, wenn ich mich unwohl fühle oder eh schon weiß das ich das nicht machen möchte, werde ich das auch nicht durchziehen.

Nun wollte ich Fragen ob er das so mit mir machen kann? Was passiert wenn ich mich weigere?

Auf meinen Wunsch ist er auch nicht drauf eingegangen. Ich wollte mir Arbeit suchen wo ich erstmal nur 2-3Tage beschäftigt werde, da ich durch eine bevorstehende Operation und vielen Terminen oft fehlen würde. Diese Operation mache ich auch nicht in meinem Bundesland weil das niemand hier hinbekommt, und ich deshalb viel fahren muss.

Was haltet ihr davon? Kann ich irgendwie vorgehen ohne bei einem Job angenommen zu werden den ich nicht machen möchte?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ChloeSLaurent, 7

Hey Du.

Bevor ich loslege - eine vorübergehend geringfügige Beschäftigung hilft Dir Zeit rauszuholen.

Dein Sachbearbeiter - ALG I = Agentur für Arbeit -  ist tatsächlich in der Situation, Dich zu beauftragen, Bewerbungen zu schreiben, auch für Jobs, die Dir nicht passen. Es geht hier, wie bei Jobcenter (ALG II) auch, um Eigenbemühung. Wenn von Dir selbst aus nix machbar ist, dann bekommst Du Vorschläge, auf die Du reagieren mußt. Denn auch ALG I kann bei gewissen Regelverstößen gekürzt werden.

Daß mit deiner Komfortzone verstehe ich 100%-ig. Das geht Vielen so. Das könnte ich ausweiten, würde aber den Rahmen eben sprengen.

Also, dein Sachbearbeiter/ Arbeitsvermittler ist in der Position, Dir aufzutragen, schnellstmöglich wieder in Arbeit zu kommen, um den ALG I- Anspruch nicht völlig ausschöpfen zu müssen. Liegt eigentlich auf der Hand, auch wenn Dir "das selbst erarbeitete ALG I sozusagen zusteht".

Direkte Eigenbemühungen von Dir solltest Du also deinem Bearbeiter umgehend mitteilen, dann zieht auch Ruhe ein und Du wirst nicht mehr gestresst.

Zum gesundheitlichen Zustand - hierfür ist der Sachbearbeiter der Agentur für Arbeit berechtigt, Dich zum hauseigenen medizinischen Dienst zu schicken. Bei einem medizinischen Gutachten  - wenn erstellt, egal über welchen Zeitraum - besteht aber solang kein Anspruch auf ALG I. Wenn Du also nicht zeitnah in Behandlung (stationär oder Krankschreibung) bist, müsstest Du zwangsläufig auf ALG II im Jobcenter zurückgreifen - dies also beantragen.

Hier wäre für Dich also von Vorteil, wegen dieser OP in naher Zukunft einen Termin zu haben, der festen Bestand hat. Das muß auch schriftlich (teilweise) vorgelegt/ nachgewiesen werden.

Eine Untersuchung beim medizinischen Dienst, mit womöglichem Gutachten, sollte ungefähr in den Zeitrahmen deines OP-Termins fallen. Sonst hast Du finanziellen Totalausfall bis ALG II greift, weil da frisch beantragt werden muß (Bearbeitungszeit bis zu 4 Wochen definitiv!). Je nachdem, für wie lang das Gutachten ausgestellt ist/ wurde, fällst Du aus dem Dir zustehenden ALG I raus. wenn Krankengeld einsetzt - Agentur/ Jobcenter gehen aber auch nach dem Prinzip Lohnfortzahlung für 6 Wochen! Nicht vergessen.

Egal wie lang die Krankheit dann dauert und gewisses Krankengeld kommt - je nach Kasse/ Versicherung über die Zahlscheine etc. angewiesen wird, greift nach der Gesundschreibung bei nicht sofortiger Arbeitsaufnahme ALG I, wenn das Gutachten abgelaufen ist oder wieder ALG II, wenn das Gutachten noch läuft. Allerdings muß egal wie, Beides mit Tag der Gesundschreibung sofort umgehend neu beantragt werden. Von allein läuft da Nix! (ALG I läuft zwar dann regulär von allein los, bei ALG II wird wieder neu bearbeitet/ neu berechnet.)

Sollte kein medizinisches Gutachten erstellt werden (müssen), ist dein Sachbearbeiter in der Position, Dich in befristete Arbeit "zu stecken" - bis zum Krankheitsbeginn/ OP-Termin.

Daß an dieser Stelle sehr gern Zeitarbeitsfirmen in Betracht gezogen werden, ist für die Meisten völlig unschön, aber teils leider unumgänglich, um nicht doch gewisse Leistungen gekürzt zu bekommen. Es sei denn, es macht Dir nix aus - weil bei rein nur ALG I- Empfang werden deine Vermögensverhältnisse nicht überprüft.

Zum Schluß bitte beachten - nur falls nicht bekannt!! - Krankengeld wird als Einkommen berechnet und nicht als Leistung! Bei ALG I wird dann ein gewisser Prozentsatz gegengerechnet. Bei ALG II wird das Ganze im "Zuflussprinzip" der Zahlung gerechnet.

Bedeutet also in Form von Beispiel: Solltest Du nach deiner Krankheit/ Krankschreibung/ etc. noch Krankengeld nachgezahlt bekommen und zwangsläufig ALG II/ Jobcenter unterliegen - meinetwegen 3 Monate krank, ein Monat Krankengeld zwischendrin schon erhalten, aber nach der Krankheit (also mit Gesundschreibung) dann hinterher noch die 2 Monate Krankengeld bezahlt bekommen, darfste das nicht auf die Monate rechnen, in denen es Dir zustand, sondern das wird dann "großverdienertechnisch" berechnet. ALG II steht Dir dann nicht zu - vermögend. Die Monate davor interessieren keinen, da warst Du krank/ stationär/ etc. 

Bei ALG I läuft das entspannter, also vermeide ein medizinisches Gutachten und suche Dir meinetwegen einen befristeten €450-Job oder sowas bei Dir um die Ecke bis zum OP-Termin. Das wird dann nur ans ALG I an-/ gegengerechnet. Auch wenns keinen Spaß machen sollte. Dann hast Du aber regulär erstmal Ruhe.

Ab jetzt und während deiner Krankheit kannst/ solltest Du dir aber strikt Gedanken machen, in welche Richtung es gehen kann und sollte, damit Du hinterher nicht wieder in den "Genuß der Launen" deines Arbeitsvermittlers kommst. So nimmst Du ihm den Wind aus den Segeln und ersparst Dir ganz wesentlich unnötigen Streß und ungewollte Schweißausbrüche und Dergleichen.

Soweit erstmal - Hoffe, ist Dir ein klein wenig hilfreich. Vor allem bitte drüber denken - zusätzlichen Streß braucht kein Mensch.

LG

Kommentar von Tamiihatfragen ,

Danke für deine Antwort

Kommentar von ChloeSLaurent ,

Gern geschehen.

LG

Antwort
von BiggerMama, 27

"Auf meinen Wunsch ist er auch nicht drauf eingegangen. Ich wollte mir
Arbeit suchen wo ich erstmal nur 2-3Tage beschäftigt werde, da ich durch
eine bevorstehende Operation und vielen Terminen oft fehlen würde."

So etwas wird er nicht aus dem Ärmel zaubern können. Ich glaube gar nicht, dass es so etwas gibt.

Einen Job wirst Du erstmal antreten müssen. Für Deine Arzttermine musst Du halt jedes Mal eine Bestätigung vom Arzt vorweisen, dass Du beim Arzt warst.

Du brauchst Deine Komfortzone, das wird aber immer schwerer, je weniger Geld Du bekommst.

Kommentar von Tamiihatfragen ,

Doch gibt es. Aufgrund meiner Lage wo ich wohne komm ich da nicht hin und konnte dementsprechend das Angebot nicht annehmen

Kommentar von BiggerMama ,

Wieso willst Du wegen ein paar Arztbesuchen Deinen Job nicht antreten? Warum willst Du verkürzt arbeiten? Irgend wann wird doch die Nachsorge zu Deiner OP beendet sein, oder?

Kommentar von fiwaldi ,

Stimmt, wenn man in Nordost-Sibirien wohnt, ist der Weg zur Arbeit nach Deutschland zu weit und Ärzte gibt es da auch sehr wenig

Kommentar von Tamiihatfragen ,

BiggerMama: Das ganze mit Operation wird in einem Zeitraum von 1Jahr dauern. Da ich hier in Brandenburg niemanden finden konnte der mir helfen wollte, bin ich rüber nach Berlin zu einem Universitätsprofessor der sich damit besser auskennt. Ich wollte verkürzt arbeiten damit ich in meinem Job nicht soviel fehle und mir donnerstags und freitags die Tage freihalte für Termine. Für Termine glaub ich während der Arbeitszeit muss man Urlaubstage nehmen (musste ich während meiner Ausbildungszeit), und soviel Urlaub habe ich gar nicht wie ich fehlen würde. Deswegen war mein erster Gedanke erstmal nur für 2-3Tage die Woche beschäftigt zu werden. fiwaldi: genau da wohne ich

Kommentar von BiggerMama ,

Arzttermine, die während der Arbeitszeit stattfinden müssen, musst Du nicht nacharbeiten. Aber immer schön bestätigen lassen!

Antwort
von Tellensohn, 36

Salue

Dein Sachbearbeiter hat die Aufgabe Dir zu helfen, damit Du Dich in den Arbeitsprozess eingliedern kannst. Das Ziel jedes Menschen ist es ja, auf eigenen Beinen zu stehen und nicht von irgendeiner Organisation abhängig zu sein.

Die Frage, wie bequem Du es gerne haben möchtest, mit welcher Art von Arbeit Du so richtig wohl bist, stellt sich noch nicht. Das kommt dann später, wenn Du Dein Leben selber berappen kannst.

Jetzt ist die Frage lediglich, welche Arbeit ist Dir zumutbar. Das heisst, wenn Du einen Doktortitel hast, kann man Dich nicht zum WC putzen verpflichten.

In allen anderen Fällen ist es schlicht zumutbar und hast den Weisungen zu folgen, wenn Du weiterhin fremde Unterstützung brauchst.

Ich weiss, die Arbeit reisst manchmal ein Loch in den Tag. Damit leben die meisten Menschen aber doch recht zufrieden.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Stellensuche

Dein

Tellensohn

Antwort
von GuenterLeipzig, 26

Das Leben ist kein wünsch Dir was.

Weshalb wartest Du, bis Dir jemand ein Angebot macht?

Was ist mit Eigeninitiative?

Günter

Kommentar von Tamiihatfragen ,

Ich hab mich selbst beworben bei Stellen wo ich gerne arbeiten möchte, aber da warte ich noch auf Rückmeldungen.. Aber die Frist von den anderen Angeboten sind ja nur 3Tage

Kommentar von GuenterLeipzig ,

Nimm doch erst mal die Stelle an, wenn Dir sich ein anderes Angebot eröffnet, kannst Du doch allemal versuchen zu wechseln.

Günter

Antwort
von Vanelle, 15
allerdings zwingt mir mein Sacharbeiter irgendwelche Stellenangebote auf die ich gar nicht machen möchte

Es geht nicht darum, was Du möchtest, sondern was zumutbar ist.

Aber ich kenne mich und ich brauche meine Komfortzone

Und die schaffst Du Dir, indem Du der Allgemeinheit auf der Tasche liegst :-(

Kommentar von Tamiihatfragen ,

ALG1 kommt von der Arbeitslosenversicherung und ich habe Anspruch darauf weil ich gearbeitet habe. ALG 2 kommt von Steuergeldern.. Ich glaub du verwechselst hier was. Was für mich zumutbar ist entscheide ich selber :)

Kommentar von Tamiihatfragen ,

Und ich bin auch erst frisch aus meiner Ausbildung

Kommentar von BiggerMama ,

ALG1 gibts aber auch nicht ewig und nicht um jeden Preis.

Kommentar von Tamiihatfragen ,

Genau ich hab 1Jahr Anspruch darauf, und da ich das nicht um jeden Preis bekomme bewerbe ich mich auch. Hier kennt mich überhaupt keiner.. Ich bin sehr sensibel und schüchtern in neuen Situationen, deswegen bin ich so pingelig mit meiner Komfortzone

Antwort
von JohannAhrens, 25

Hallo erstmal,

klar gibt es einen einfachen weg:

Schreibe eine so desaströse Bewerbung, dass Dich niemand will.

Jedoch solltest Du wissen das Du eine Wiedereingliederungs Vereinbarung mit dem Jobcenter hast und dort ist festgelegt das Du eine bestimmte anzahl bewerbungen abgeben musst. Zur folge musst Du also auch Einladungen und Gespräche wahrnehmen. Was die OP angeht, dazu hast Du doch bestimmt Ärtzliche gutachten, OP-Vertrag oder Aufnahmenvertrag. Diese sollten eigentlich ausreichen um einen freistellung von Bewerbungen zu bekommen. Zudem einem Jobvermittler auch klar sein müsste das bevorstehende Krankheit hinderlich an Jobsuche/bewerbung ist.

MfG

J.Ahrens


Kommentar von kevin1905 ,

Jedoch solltest Du wissen das Du eine Wiedereingliederungs Vereinbarung mit dem Jobcenter hast

Nirgendwo in der Frage steht etwas von SGB II Bezug!

Kommentar von JohannAhrens ,

auch bei ALG I ist eine solche Vereinbarung bedingung zum bezug von leistungen!

Kommentar von ChloeSLaurent ,

Die Eingliederungsvereinbarung ist Jobcenter- Geschichte. ALG I ist nicht Jobcenter, sondern Agentur für Arbeit. Sollte das ALG I zu gering sein, wird über Jobcenter mit ALG II aufgestockt - damit erst würde dann auch die Eingliederungsvereinbarung greifen.

Hierbei ist aber auch zu beachten, das gewisse Regelungen von Bundesland zu Bundesland völlig verschieden sind oder sein können. Das sollte man keinesfalls mißachten.

Weiterhin beruht die Eingliederungsvereinbarung vom Jobcenter teils auf einer rechtlichen Grauzone (bestimmte Form von "Eigen-Absicherung") und muß/ müßte nicht zwangsläufig unterschrieben werden. Leider sind damit aber schon Menschen unter "Druck" gesetzt worden.

Menschen, die so oder so ALG II beziehen (müssen/ benötigen) sind mit dieser ausführlichen Textform und den enthaltenen Gesetzmäßigkeiten etc. teils sofort überfordert und verstehen diese "Zeilen" nicht - Effekt: Die Meisten lesen sich das, was sie unterschrieben haben gar nicht erst mehr durch. Obwohl mit fast jeder neuen EGV bestimmte Inhalte sich teilweise geändert haben. In bestimmten Situationen ergab sich dann sicher schon, daß wenn man wegen eines spezifischen Konfliktes zum Anwalt ging, der dann sagte `Sie haben das hier aber so unterschrieben.´

LG erstmal

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