Frage von Bisbark, 41

Darf mein Chef mich rausschmeißen?

Ich arbeite beim DRK Fahrdienst und meine normale Arbeitszeit ist von 9-18 Uhr. Gestern bekamen wir für 19:30 Uhr eine Entlassung aus dem Krankenhaus und müssten weit weg fahren (1 Std hin, eine zurück) und noch dazu liegend d.h. Es hätte noch länger gedauert. Dann hatte ich ziemlichen Ärger mit dem Chef weil ich mich weigerte diese Fahrt mit zu machen, er drohte sogar mich zu feuern! An dem Abend hatte ich zu allem Überfluss auch noch was vor. Letztendlich hat mein Kollege dann gesagt ich soll nach Hause weil ich erst 16 bin und laut Jugendschutzgesetz nur bis 20 Uhr arbeiten darf. Darf mein Chef solche Fahrten überhaupt annehmen, 19:30 wird nämlich geschlossen d.h. Die Spätschicht macht dort Feierabend und ich bin ja mehr so Zwischenschicht.? Und kann er jetzt mir und meinem Kollegen der mich geschickt hat etwas anhaben? Genau genommen haben wir uns ja nur an geltendes Recht gehalten!?

Antwort
von Mignon5, 19

Es kann immer mal vorkommen, dass man über seine normale Arbeitszeit hinaus Überstunden machen muss, wenn die Situation es erfordert. Damit mußt du immer rechnen.

Ich denke, du solltest deine Einstellung zur Arbeit überdenken. Priorität hat immer dein Job. Dass du privat etwas vor hattest, ist kein Grund, in einer Ausnahmesituation die Überstunden abzulehnen. Ich finde dein Verhalten, einmal abgesehen vom Rechtlichen, schon moralisch falsch. Immerhin mußte eine kranke Person befördert werden.

Denke mal darüber nach, wenn es deine Mutter gewesen wäre und ein anderer Mitarbeiter hätte sich geweigert, deine Mutter nach Hause zu fahren, weil er privat etwas vorhat????

Ob dein Chef die Kompetenz hat, dir eine Kündigung zu schreiben, weiß ich nicht. Wenn er mit dir nicht zufrieden ist, kann er aber die Personalabteilung bitten, dir zu kündigen.

Ein Arbeitsverhältnis ist immer ein Geben und Nehmen. Wenn du dich anstellst, wird dein Arbeitgeber sich auch anstellen, wenn du mal etwas früher Feierabend machen möchtest. Eine Hand sollte immer die andere waschen.

Kommentar von Menuett ,

Hier handelt es sich um einen 16jährigen, da sind Überstunden und arbeiten nach 20 Uhr ganz einfach verboten.

Der Chef kann da richtig Ärger bekommen. Der ist in der Regel auch nur angestellt und kann für so etwas minimum eine Abmahnung bekommen.

Es waren ganz offensichtlich Erwachsene anwesend, die die Fahrt übernehmen konnten.

Kommentar von Bisbark ,

Es ist aber unnötig dass er mich da mit schicken wollte! Es standen auch noch andere Mitarbeiter zu Verfügung die er als Beifahrer hätte einsetzen können, aber da hat er Angst um die Stunden weil viele davon nur 6 Stunden Kräfte sind! Ganz davon abgesehen ist es doch wohl frech wegen Konkurrenzkampf mit anderen Fuhrunternehmen seinen eigenen Mitarbeitern Freitag Abend zur Dialyse/Feierabendzeit noch solch eine Fahrt zu geben. Und seine Reaktion ist sowieso das allerletzte, ich wollte ganz normal mit ihm reden, ihm erklären dass heute wirklich ganz schlecht ist, er hat mich daraufhin am Telefon angeschrien, mit Kündigung gedroht und aufgelegt! Dort geht es schon längst nicht mehr um den Menschen, dort geht es nur noch um diesen scheiß Konkurrenzkampf! Moralische Bedenken hatte ich anfangs auch, aber als ich erfahren hätte dass noch mindestens zwei andere Mitarbeiter da waren, waren diese verschwunden!

Antwort
von MagicFCKBohne, 5

Gemäß §1 Abs1 JArbSchG trifft auf dich das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) zu.

Demnach sind auch meine Antworten formuliert:

Gemäß §8 JArbSchG darf ein Minderjähriger am Tag maximal 8 Stunden, die Woche maximal 40 Std. Arbeiten.

Gemäß §11 Abs. 2 Nr. 2 JArbSchG muss dem Minderjährigen eine Ruhepause von mind. 60 Minuten, bei einer Arbeitszeit von mehr als 6 Stunden gewährt werden.

Gemäß §14 Abs. 1  JArbSchG dürfen Jugendliche nur in der Zeit von 6-20 Uhr beschäftigt werden. (Bitte Abs. 2 beachten-DRK fällt dort nicht mit hinein)

Grüße

Antwort
von Kiboman, 29

du bist im recht, sofern es sich nicht um einen besonderen notfall handelte.

sollte er dich kündigen kannst du gegen an gehen.

Antwort
von landregen, 28

Du musst arbeitstechnisch bedingt auch ausnahmsweise mal länger bleiben, er hat das Recht, dies unter bestimmten Umständen anzuordnen.

Er kann nur darum wahrscheinlich nichts anhaben, weil du noch unter Jugendarbeitsschutz-Bedingungen arbeitest.

Ansonsten wirst du mit dieser Arbeitshaltung in deinem späteren Berufsleben schlechte Karten haben.

Kommentar von AntwortMarkus ,

Bitte noch mal lesen. Der Fragesteller ist erst 16 und da gelten strenge Jugendschutzgesetze. Überstunden sind tabu. 

Kommentar von landregen ,

Bitte meine Antwort noch mal lesen: Genau das habe ich gesagt. Dennoch kann man auch was zur allgemeinen Arbeitsauffassung sagen, die eben auch in der Frage zum Ausdruck kommt. Bitte nicht nur die Antwort, sondern auch die Frage noch mal lesen.

Kommentar von Menuett ,

Er wird mit der Einstellung, dass man sich an Gesetze zu halten hat im Berufsleben schlechte Karten haben?

Das wage ich zu bezweifeln.

Kommentar von Bisbark ,

Ich muss mich an geltendes Recht halten! Dass muss mein Chef aber auch! Ich denke nicht dass ich schlechte Karten für später habe nur weil ich die Einhaltung des geltenden Arbeitsrechts fordere! 

Kommentar von landregen ,

Wie gesagt, Überstunden können unter bestimmten Voraussetzungen angeordnet werden - auch das gehört zu geltenden Arbeitsrecht.

Es ist unklug, erst einmal für das zu kämpfen, was du für "geltendes Arbeitsrecht" hältst, bevor du nicht hundertprozentig sicher bist, dass es wirklich genau so gilt, wie du es dir gerade vorstellst. Im Zweifelsfall solltest du dich erst mit dem Chef streiten, wenn du grünes Licht von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht hast.

Dein Chef sitzt am längeren Hebel.

Wenn es keine Arbeitnehmervertretung in dern Firma gibt, dann nützt es dir unter Umständen noch nicht einmal was zum längerfristigen Erhalt deiner Arbeitsstelle, wenn das Recht auf deiner Seite ist.

Nun ja ... ich halte deine Haltung für unklug... zu wenig durchdacht.

Kommentar von uncutparadise ,

Allgemeine Arbeitsauffassung ? Gern: Überstunden sind normal, können vorkommen, gerade in Bereichen wurden DRK.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community