darf mein Arbeitgeber mir den Urlaub so kurzfristig streichen?

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7 Antworten

Darf er das?

Grundsätzlich: Nein!

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber an eine einmal erteilte Genehmigung zur Erfüllung des Urlaubsanspruchs des Arbeitnehmers zwingend gebunden. Eine Ausnahme davon wäre lediglich das Auftreten eines konkreten Notfalls, für den es keine andere Lösung als den Widerruf der Genehmigung gibt und der den Betrieb ansonsten in akute Schwierigkeiten bringen würde.

Alleine aber  berechtigen nicht ansatzweise zur Streichung eines bereits genehmigten Urlaubs!

Wenn der Laden also wegen Deines Urlaubs geschlossen werden müsste, weil es keine Vertretung gibt (soweit sie denn zwingend notwendig wäre) und auch z.B. eine andere Organisation/Schichteinteilung nicht möglich ist, eine solche Schließung auch aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen unzumutbar ist, wäre eine solche Notsituation gegeben.

Alleine die von Dir genannten Gründe - Personalmangel/-engpass, Erkrankung, organisatorische Probleme usw. - berechtigen jedenfalls den Arbeitgeber nicht zu einem Widerruf der Genehmigung; dass Dein Urlaub in diesem Jahr schon zum zweiten mal gestrichen wurde, kommt erschwerend hinzu!

Was kann ich tun?

Keinesfalls darfst Du den Urlaub trotz des Widerrufs der Genehmigung eigenmächtig antreten, weil dies schwerwiegende arbeitsrechtliche Konsequenzen (unter Umständen - in Deinem Fall wegen der Vorgeschichte unwahrscheinlich - bis zur auch fristlosen Kündigung) haben könnte.

Deine rechtlichen Möglichkeiten sind eine Leistungsklage auf Urlaubsgewährung oder - wenn für eine solche Klage die Zeit nicht mehr reicht und eine Entscheidung drängt - ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung (die die Genehmigung des Arbeitgebers vorläufig ersetzt) beim Arbeitsgericht.

Für eine solche Klage oder einen Antrag brauchst Du in dieser Instanz keinen Anwalt (den Du unabhängig vom Verfahrensausgang - wenn Du nicht entsprechend rechtsschutzversichert oder Gewerkschaftsmitglied bist - selbst bezahlen musst); die Klage/den Antrag nimmt die Rechtsantragstelle des Gerichts entgegen; sie hilft auch kostenlos bei der Formulierung, wenn Du die Klage/den Antrag zur Niederschrift aufnehmen lässt.

Das sind die rechtlichen Möglichkeiten, wenn der Arbeitgeber sich Deinen Hinweisen gegenüber verschließen sollte. Ob Du unter den gegebenen Voraussetzungen in eine Auseinandersetzung mit ihm eintreten kannst oder willst, kann ich aber nicht beantworten.

Sollte es aber - weil Du Dich schließlich doch "fügst" - bei der Urlaubsstreichung bleiben, hat der Arbeitgeber Dir alle dadurch entstehenden Kosten zu ersetzen!

Du findest im Internet zahlreiche entsprechende Hinweise zu Deinem Problem, wenn Du z.B. als Suchbegriff "Gründe für die Streichung eines genehmigten Urlaubs" eingibst.

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Kommentar von Familiengerd
12.08.2016, 19:50

Ergänzung:

Alleine aber  berechtigen nicht ansatzweise zur Streichung eines bereits genehmigten Urlaubs!

Da fehlt etwas; richtig sollte es heißen:

"Alleine aber Personalmangel/-knappheit, Erkrankung eines Arbeitnehmers, organisatorische Probleme usw. berechtigen nicht ansatzweise zur Streichung eines bereits genehmigten Urlaubs!"

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so kurzfristig das Geld nicht zurückerstattet bekommen kann

du bekommst es zurück, nämlich von deinem Arbeitgeber ^^ Informiere Ihn über diese Kosten. 

Es ist legitim den Urlaub zu streichen, wenn es aus betrieblichen Dingen leider nicht anders geht. Das geht einmal aber niemals 2 x hintereinander.

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Kommentar von Familiengerd
12.08.2016, 13:06

Es ist legitim den Urlaub zu streichen, wenn es aus betrieblichen Dingen leider nicht anders geht.

Grundsätzlich kann eine einmal erteilte Urlaubsgenehmigung nciht mehr widerrufen werden - Ausnahmen sind tatsächliche Notfälle, die keine andere Lösung zulassen und den Betrieb ansonsten in eine akute (wirtschaftliche) Notlage bringen würden.

Wäre also zu fragen was Du mit den "betrieblichen Dingen" konkret meinst.

Personelle Engpässe, Erkrankungen können zwar die Verweigerung einer Urlaubsgenehmigung rechtfertigen, nicht aber den Widerruf einer einmal erteilten Genehmigung, an die der Arbeitgeber als Urlaubsschuldner des Arbeitnehmers zwingend gebunden ist.

So lauten die grundsätzlichen Entscheidungen der Arbeitsgerichte bis zum Bundesarbeitsgericht!

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Hat Dir Dein Arbeitgeber zunächst den Urlaub genehmigt, sagt diesen nun kurzfristig aus betrieblichen Gründen ab, hat er Dir alle in Verbindung mit dem bereits zugesagten Urlaub stehenden Aufwendungen zu ersetzen!

Sage Deinem Arbeitgeber ganz einfach, dass Du aufgrund des zugesagten Urlaubs eine Fortbildung gebucht hast. Informiere Deinen Arbeitgeber darüber, dass Du die Kosten hierfür zahlen musst, Du diese aber bei einer Absage nicht erstattet bekommst. Sage ihm ganz einfach, dass er diese also zu übernehmen hat - wenn er denn möchte, dass Du Deinen Urlaub streichst.

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Wer diese Zehn Punkt geschrieben hat, sollte vorsichtig sein als AG. Ich bin Betriebsrat und im Betriebsausschuss von über 600 Mitarbeiter. Schlechte Urlaubsplanung/Personalplanung kann nicht  dein Nachteil sein.

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Kommentar von peterobm
12.08.2016, 11:28

klingelts, bei dir ist das wohl anders, keine Rede - ein Mitarbeiter ist erkrankt - das kann man sich nicht aussuchen



Da wir nur drei Mitarbeiter sind


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Darf er nicht. Und wenn er Dich freundlich fragt, ob es möglich wäre dass Du den Urlaub verschiebst, dann muss er die Stornierungskosten Deiner Reise bezahlen, wenn Du so lieb bist, ihm zu helfen.

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Darf er nicht! Wenn der Urlaub genehmigt wurde, hat dein AG Pech. Die Frage ist wie er reagiert, wenn du ihm sagst das du in den Urlaub gehst. Auch wenn es dein Recht ist, hat der AG immer noch Möglichkeiten dir die Entscheidung schwer zu machen. Viel Glück

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Kommentar von Familiengerd
12.08.2016, 12:58

Das ist falsch - ebenso wie die auf der geposteten Seite genannten Gründe, die zwar für die Verweigerung einer Urlaubsgenehmigung in den meisten genannten Fällen ausreichen, nciht aber für den Widerruf einer einmal erteilten Genehmigung!

Grundsätzlich ist ein einmal genehmigter Urlaub nicht zu widerrufen, Ausnahmen sind ausgesprochene Notfälle, für die sich keine anderen Lösungsmöglichkeiten bieten und die den Betrieb ansonsten in konkrete existenzielle "Bedrängnis" bringen würden!

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