Frage von Engelstresoe, 51

Darf mein Arbeitgeber einen Teilattest anzweifeln und die Kompotenz meines Facharztes in Frage stellen, nur weil er nach der Diagnose gegoogelt hat?

Ich arbeite seit 11 Jahren in einem Dienstleistungsunternehmen. In den ersten vier Jahren war ich im Telefonieprojekt, was mir auch Spaß gemacht hat. Nur blieb nach den vier Jahren immer öfter meine Stimme weg und ich war deswegen oft krank. Ich habe mich dann beim HNO Arzt vorgestellt, um zu erfahren, was ich dagegen machen kann. Mein Arzt stellte die Diagnose, ich habe Wasseransammlungen auf den Stimmbändern. Früher sagte man im Volksmund die Lehrerkrankheit dazu, heute heißt es die Callcenter-Krankheit. Ich darf meine Stimme nicht übermäßig belasten und muss beim lange sprechen in meiner Stimmlage bleiben, welche von Natur aus relativ leise ist. Mir wurde vom AG geraten in ein Schriftprojekt zu wechseln. Dies wurde dann auch umgesetzt. Ich habe mir das Attest nicht geben lassen, da ich sowieso nichts mehr telefonieren musste. Aufgrund der Geburt meines Sohnes hatte ich dann bis März 2014 meine Auszeit. Ich kam danach auch wieder in ein Schriftprojekt, habe mir allerdings vorsichtshalber das Attest von meinem Facharzt geben lassen und dem AG vorgelegt. Das war auch gut so, denn unser Projekt musste nun oft stundenlang, zeitweise die ganze Schicht, die Telefonie unterstützen. Mein letzter Chef hatte damals auch kein Problem damit. Nun hab ich eine neue Chefin. Sie verlangt nach zwei Jahren ein neues Attest und nachdem sie gegoogelt hat, eine Therapie. Mein Arzt meinte zum Zeitpunkt der Diagnose, dass ich dies weder mit Sprachtherapie noch mit Medikamenten wegbekomme. Sie meint Google sagt was anderes. Wenn ich das Attest habe, könnte es sein, dass ich aufgrund dessen gekündigt werden könnte. Dabei hat allerdings unser Standort mehr Schrift- als Telefonieprojekte. Ich habe auch gegoogelt und herausgefunden, dass in meinem Stadium nur eine Kehlkopf-OP Abhilfe schaffen würde. Jedoch hab ich davor große Angst. Eine ehemalige Kollegin hat dies machen lassen und nun eine ganz tiefe Stimme. Das hat mir Angst gemacht. Darf meine Chefin, eine solche OP verlangen und darf ich deshalb gekündigt werden? Ich bin jetzt nach diesem Gespräch sehr verwirrt.

Antwort
von wilees, 18

Deine Chefin überschreitet eindeutig ihre Kompetenzen, sie ist keine Medizinerin. Wenn ihr etwas an Deinem Attest nicht behagt, kann sie den MDK zwecks Überprüfung einschalten - aber dann enden ihre Möglichkeiten.

Außerdem wurdest Du in eine Abteilung versetzt, in der Du ohne gesundheitliche Einschränkungen voll einsatzfähig bist. Damit entfällt auch die Möglichkeit, Dich wegen Kranktheit entlassen zu können.

Antwort
von hankey, 32

Omg, natürlich kann ein Arbeitgeber nicht von einem Arbeitnehmer verlangen, irgendwelche Operationen durchzuführen!

Sie kann Dir aber - wenn Du aufgrund der Erkrankung Deine Arbeit nicht mehr ausführen kannst - aus betrieblichen Gründen kündigen.

Kommentar von Engelstresoe ,

Danke für deine Antwort. Ich kann ja meine Arbeit ausführen und wir haben mehr als genug zu tun. Gerade weil wir überwiegend Schriftprojekte haben. Deshalb verstehe ich es nicht.

Kommentar von BiggerMama ,

"Sie kann Dir aber - wenn Du aufgrund der Erkrankung Deine Arbeit nicht mehr ausführen kannst - aus betrieblichen Gründen kündigen."

Aber nicht, wenn es eine Tätigkeit gibt, die auch mit Erkrankung ausgeführt werden kann.

Kommentar von hankey ,

Das ist korrekt.

Also wenn Google jetzt vertrauenswürdiger ist als ein ausgebildeter Mediziner, dann brauchen wir ja keine Aerzte mehr. Herzinfarkt? Hey, googlen wir mal schnell wie wir das operieren :)

Kommentar von skychecker ,

Aus betrieblichen Gründen wäre ohnehin nicht korrekt. Wenn, dann wäre hier sicher eine personenbedingte Kündigung zu erwägen.

Kommentar von hankey ,

Ja, ok. Begrifflichkeiten, auf die ich zu später Stunde nicht mehr geachtet habe :)

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