Frage von rainbowgirloo, 82

Darf man sich in theoretisch selbstständig machen wenn Man in der privat Insolvenz ist & wenn ja was wird da angerechnet?

Wenn man in der privat Insolvenz ist darf man sich dann trotzdem selbständig machen? Falls ja Was rechnet die vermögensverwaltung dann an?

(Geht nicht direkt um mich, gab nur letztens Diskussion darüber in meinem Freundeskreis) :)

Antwort
von Vollstreckerin, 21

Hallo,
ja, Du darfst Dich grundsätzlich selbständig machen, allerdings unter Einhaltung bestimmter strenger Kriterien.
Der Insolvenzschuldner hat eine Erwerbsobliegenheit und er darf auch nicht banal einfach arbeiten, was er will. Er muß diejenige Arbeit machen, die ihm meistmöglich (pfändbares) Einkommen bringt. Wenn er einen Job hat, wo er 1.500,00 EUR netto bekommt, darf er nicht aus freien Stücken und ohne wichtigen Grund (i.S.d. Gesetzes) einfach eine andere Arbeit annehmen, die entweder weniger Einkommen als 1.500,00 EUR netto bringt oder die unsicherer ist.
Dies gilt im übertragenen Sinne ebenso für die Selbständigkeit und wenn der o.g. Schuldner die Arbeit aufgibt und sich selbständig macht, wird er vom Insolvenzverwalter bzw. vom Treuhänder wenigstens an seinem früheren Einkommen gemessen. Der Schuldner kann sich dann nicht darauf zurückziehen und sagen, dass er doch jetzt viel weniger Einkommen habe. Dies dürfte ein unzweifelhafter Verstoß gegen die Erwerbsobliegenheit sein und dem Schuldner ist auf Antrag eines dazu berechtigten Gläubigers die Restschuldbefreiung zu versagen.

Ebensowenig darf der Schuldner leichtfertig seinen Job aufgeben und einen anderen annehmen, der unsicherer ist und ihm nach kurzer Zeit gekündigt wird.
Der selbständige Schuldner vereinbart mit dem Insolvenzverwalter bzw. Treuhänder einen Betrag, den er dann jeden Monat an ihn abzuführen hat. Grundlage hierfür sind bisherige Betriebsergebnisse, Erfahrungswerte, Brancheneinkommen ...
Eins geht natürlich nicht. Habe so eine Story mal gehört.
Ein Schuldner hat sich selbständig gemacht und war der Meinung, er sei besonders pfiffig, also pfiffiger, als alle anderen. Er hat sein Betriebsergebnnis künstlich verringert, indem er investiert hat, was das zeug hält und seinen Laden richtig fein ausgestattet hat.
Der Insolvenzverwalter oder Treuhänder will sich auch nicht jede einzelne Betriebsausgabe ansehen und bewerten ...
Deshalb wird mit Pauschalen gearbeitet, also z.B. 200,00 EUR im Monat ist minimal angemessen, könnte aber eher mehr werden.
Der Schuldner hat sparsam zu wirtschaften und vor allem an die Gläubiger zu denken.
Viele Grüße Vollstreckerin

Antwort
von MeAmy, 20

Auch während einer Insolvenz darf man selbständig tätig werden: http://www.insolvenz-ratgeber.de/selbstaendigkeit-waehrend-der-verbraucher-insol... (Ehe-) Partner einen Schuldners ist in seinen Entscheidungen völlig frei, da die Insolvenz personenbezogen ist. Wie immer gilt: Vorher sehr gut informieren und Fachleute, z.B. zur Rechtsform des neuen Geschäfts fragen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Antwort
von CATFonts, 52

Angerechnet wird da alles, was über dem nicht pfändbaren Grundfreibetrag liegt, also alles über (wenn ich nicht irre) 1087 Euro an Vermögen und Einnahmen

Antwort
von Geochelone, 52

Wenn das Gewerbeamt durch einen Hinweis von der Insovenz erfährt, musst du mit einer Gewerbeuntersagung wegen Unzuverlässigkeit (§ 35 GewO) rechnen. Das heißt, man zwingt dich, den Betrieb wieder einzustellen.

Kommentar von derBertel ,

Moin.

Sorry, hier liegst du absolut falsch. Eine Gewerbegründung juckt erstmal niemanden, schon gar nicht das Gewerbeamt.Und eine Privatinsolvenz ist nicht zwangsläufig ein Grund für eine Gewerbeuntersagung.

Kommentar von Geochelone ,

Eine Gewerbegründung juckt erstmal niemanden, schon gar nicht das Gewerbeamt.

Wie ist das denn gemeint ? Ein Gewerbe ist mit dem Beginn der Tätigkeit beim Gewerbeamt anzuzeigen (Gewerbeanmeldung). Deshalb "juckt" eine Gewerbegründung kein Amt so sehr, wie das Gewerbeamt, das dann auch alle anderen maßgeblichen Stellen (Finanzamt, Berufsgenossenschaft, IHK, HwK etc.) informiert.

eine Privatinsolvenz ist nicht zwangsläufig ein Grund für eine Gewerbeuntersagung.

Bei Einzelunternehmen gibt es keinen rechtlichen Unterschied zwischen Gewerbe und Gewerbetreibenden. Deshalb kann auch eine Privatinsolvenz eine persönliche Unzuverlässigkeit im Sinne des § 35 GewO darstellen. Wenn sich das in der Zuverlässigkeitsprüfung bestätigt, dann gibt es auch eine Untersagung....

Allerdings eginnt das Gewereamt die Zuverlässigkeitsprüfung erst nach entsprechenden Hinweisen.

Fazit: Ich liege mit meiner Schilderung schon ganz richtig ! Schon mehrfach praktiziert...

Antwort
von julsch12, 40

Nun ja, da es teuer sein kann einen Gewerbe zu beantragen, könnte es schwierig sein das zu finanzieren

Kommentar von Griesuh ,

Eine Gewerbeanmeldung kostet maximal 50€. Das ist nicht das Problem. Das Problem wird die Finanzierung des Gewerbes werden. Keine Bank wird dir zur Beschaffung von Betriebsmitteln Kredite geben, die Lieferanten wollen bares sehen.

Antwort
von Griesuh, 28

Theoretisch ist das machbar, praktisch jedoch so gut wie nicht möglich.

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