Frage von tommygilbert, 42

Darf man einen unbelehrbaren und unverbesserlichen Straftäter "brechen", damit er sich bessert?

Hallo, an meiner Schule im Unterricht gab eine eine typische Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Todesstrafe mit allen typisch bekannten Argumenten dafür und dagegen. Ein Diskussionteilnehmer hat dazu gesagt, dass es in Ordnung sei, einen Kriminellen hinzurichten, der sich kaum bessern wird und nach der Haft wieder mit Straftaten ohen Reue anfängt, trotz langwieriger, "milder" Therapie. Um die Todesstrafe geht es mir hier nicht, eher um was "leichteres". Wenn dieser fiktiv existierende Starftäter eine bestimmte feindliche Ideologie (rassistische Weltanschauung, bestimmte Religion etc.) hat, weil er z.B. sich freiwillig in einem bestimmten, fiktive Lager radikalisiert hat und mit diesem Weltbild seine Straftaten (gegenüber sich selbst auch) rechtfertigt. Dürfte man ihn dann seelisch brechen, in dem man seine Ideologie sowie deren dazugehörigen Verhaltensweisen verbietet und versucht seine Gedanken durch Bestrafung und Belehrung, die er hinnehmen MUSS ohne sich zu wehren, falls er sich beleidigt fühlt, umzustimmen? Wäre das dann Folter? Wenn das Problem beseitigt würde, könnte man ihn doch einfacher therapieren.

Ich lasse mich sehr leicht zu einfach gestrickten, naiven Gedankenführungen hinreißen, falls ich beispielsweise Nachrichten anschaue und irgendeinen Mörder sehe, der seine Taten mit der Religion/Ideologie rechtfertigt, die in seiner Familie auch gilt, und er sogar wegen seiner angeblichen Richtigkeit auf Freispruch pocht. Da bekomme ich einfach die Wut und möchte ihm und seiner Familie das Gedankengut so gerne wegnehmen/zerstören. Ich danke mich schon im Voraus für Antworten (besonders, die die mich zur Vernunft zurück bringen).

MfG

tommygilbert

Antwort
von furbo, 13

Dürfte man ihn dann seelisch brechen, in dem man seine Ideologie sowie deren dazugehörigen Verhaltensweisen verbietet und versucht seine Gedanken durch Bestrafung und Belehrung, die er hinnehmen MUSS ohne sich zu wehren, falls er sich beleidigt fühlt, umzustimmen? 

A Clockwork Orange?

Sozialisieren ja, Sicherungsverwahrung ja, aber brechen: nein.  Wäre schon wegen des Art. 1 GG unzulässig. 

Bei absolut unverbesserlichen wäre ein Feindstrafrecht und ein Bürgerstrafrecht überlegenswert. 

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Feindstrafrecht

Antwort
von nevercold24, 22

Hallo,

Ich bedenke, dass Foltern eine Menschenrechtsverletzung ist. :) Foltern ist laut Wikipedia:
"jmdn. quälen, um bestimmte Informationen oder Geständnisse von ihm zu erzwingen."

Unterschwellig passiert das sicherlich, bspw. bei einem Verhör oder einer Strafvollstreckung. Doch Jemanden in physischer Hinsicht zu verletzen um Informationen oder ein Verhalten zu erzwingen ist schlichtweg verboten.

Man kann sich nie sicher sein, ob Jemand "unbelehrbar" oder "unverbesserlich" ist. Wobei unverbesserlich das nicht mal wirklich trifft. Alles was auf psychologischer Ebene eine Art Angriff oder Suggestion ist, ist nicht verboten, da es kein diesbezüglichen Artikel gibt. Natürlich sind Beleidigungen oder üble Nachrede strafrechtliche Taten, die verboten sind. 

Doch mit Zeit kann man viel erreichen.

Um zu deiner Frage zu kommen: Nicht ganz. Jemanden zu "brechen" bedarf einiges an psychischen Druck dem man demjenigen aufschieben muss. Doch wenn man durch reden jemanden umstimmt und er dadurch seine Meinung ändert, ist das vollkommen legitim. Alles andere ist schon fast menschen verachtend, wenn man das eine Kontra Argument der Todesstrafe - Die Würde ist unantastbar - mit ein bezieht.

nevercold24

Antwort
von Spectre007, 19

Hallo,

Wenn ich dich jetzt richtig verstehe,

Willst du die "Kriminellen" mit zwang dazu bewegen, ihre komplette Lebens und Denkweise zu ändern.

In dem Fall denke ich nicht das, dass Folter ist sondern eher eine langwierige Therapie
Vermutlich in einer geschlossenen Psychiatrie
Bzw. Einer Hochsicherheits Haftanstalt

Liebe Grüße,
Spectre007

Antwort
von Dummie42, 16

Meinst mit Brechen eine Gehirnwäsche, die die erste Gehirnwäsche wieder rückgängig machen soll?

Mit dieser Methode hat man vor einigen Jahrzehnten versucht, Sektenmitglieder quasi mit Gewalt wieder nach hause zu holen. Hat nicht gut funktioniert. Um in religiösen oder ideologischen Fanatismus zu verfallen braucht es nämlich auch ein gewissen Wollen nach dem Motto "Halb zog man ihn, halb sank er hin". Wenn man versucht, so jemanden mit Gewalt in die entgegengesetzte Richtung zu bringen, beißt man auf Granit, da sich derjenige in seinem Wahn (die Ungläubigen wollen uns vernichten) eher noch bestätigt sieht.

Absolute Fanatiker kann man nicht einfach "brechen" man kann ihnen auch nicht mit Vernunftargumentation kommen, dagegen sind die immun. Man kann nur versuchen, Zweifel zu wecken und sie dazu bringen, wieder selbst nachzudenken.

Um es mit Dieter Nuhr zu sagen: "Wer zweifelt, detoniert nicht."

Antwort
von Maeeutik, 14

In der DDR war Umschulung von Kritikern, Andersdenkenden, Republikflüchtlingen üblich. Ob dabei "bessere" Menschen entstehen? Das freie eigene Denken wird durch eine "richtige" Ideologie ersetzt, Zweifel und Weiterentwicklung nicht erlaubt. Klingt alles mehr nach Einstimmung auf eine Einheitsmeinung einer Diktatur.

Antwort
von Effigies, 19

Folter verstößt gegen die Menschenrechte, und du kannst einen Fanatiker nicht mit sanften Methoden "brechen". Damit gehst  du ihn nur auf den Wecker.

Todesstrafe verstößt übrigens auch gegen die Menschenrechte. Außerdem kann man nur für die Todesstrafer sein wenn man es OK findet unschuldige Menschen zu ermorden. Völlig unabhängig davon ob man die Todesstrafe an sich für gerechtfertig hält oder nicht , komt man an dem Punkt in einen Argumentationsstrudel der belegt, daß Leute die für die Todesstrafe sind nicht mit ihrem  Hirn denken. 

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