Eine Änderung ist wünschenswert.
Wenn schlechte Verhaltensweisen deutlich auftreten, ist ein Versuch, eine Änderung zum besseren zu erreichen, gerechtfertigt. Die Änderung wäre zum allseitigen Vorteil, auch des Betreffenden (Paul) selbst.
Eine Person an sich ist nicht mit bestimmten schlechten und unangenehmen Eigenschaften und Verhaltensweisen gleichzusetzen. Wenn es darum geht, darin eine Verbesserung herbeizuführen, ist damit die Person nicht genötigt, ihr ganzes Ich aufzugeben. Die angegebenen Eigenschaften und Verhaltensweisen sind nicht ein zu achtendes „wahres“/„echtes“/authentisches Selbst der Person, bei dessen Änderung sie kein Selbst mehr entfalten könnte. Warum ein augenblickliches schlechtes Verhalten einen unverzichtbaren Wesensbestandteil darstellen soll und ein gebessertes Verhalten nicht eines ist, bei dem die Person sie selbst ist, leuchtet nicht ein. Bei einer Änderung zum Besseren ist viel eher ein innerer Einklang und harmonische Entfaltung zu erwarten.
Aus der Beschreibung spricht eine Einstellung, nicht in diktatorischer Anmaßung vorschreiben zu wollen, was andere für Charaktereigenschaften zeigen, die Würde einer Person nicht verletzen zu wollen und allen Achtung entgegenzubringen. Dies ist anerkennenswert.
Es geht bei der Veränderung aber nicht darum, einen vollwertigen Menschen abzulehnen. Es geht darum, was für ein gutes menschliches Zusammenleben erforderlich ist, nicht darum, unter Verbiegung der Persönlichkeit durchweg anderen zu Gefallen (ihrer Lust und Laune) zu handeln.
Wenn die Person ein ähnliches Verhalten gegenüber anderen zeigt, kommt in Betracht, sich mit anderen auszutauschen und gemeinsam nach einem koordinieren konstruktiven Weg zu suchen.
Wichtig ist, klar Grenzen zu ziehen und zu zeigen, wo sie überschritten werden und etwas für einen nicht hinnehmbar ist.
Es sollte signalisiert werden, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Bei Aggressivität ist ein Vermeiden einer Eskalation soweit möglich ratsam. Ein Versuch konstruktiver Kommunikation über das Problem liegt nahe. Dabei kann die grundsätzliche Achtung vor ihm als Mitmenschen einleitend verdeutlicht werden, möglicherweise verbunden mit Anerkennung in bestimmten Hinsichten, die auch tatsächlich zutreffen. Eine Mitteilung sollte klar werden lassen: Dies stört mich/kränkt mich/ist für mich nicht akzeptabel/ärgert mich. Um gut zusammenzuarbeiten/miteinander auszukommen, unterlasse so etwa bitte.
Günstig ist es, die gegenseitigen Sichtweisen zu erfahren. Bei Paul ist anzunehmen, daß er zumindest ein wenig bemerkt hat, wie etwas im menschlichen Miteinander nicht so gut läuft (häufige Ausgrenzung, Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen gelingt nicht gut). Ist ihm klar, als überheblich/arrogant anzukommen? Bemerkt er, sich sehr von seinen Fähigkeiten überzeugt zu zeigen, sich als überlegen herauszuspielen und andere abzuwerten und abschätzig von ihnen zu sprechen und zu aggressiven Reaktionen zu neigen? Anzustreben ist eine Verständigung. Möglicherweise ist er dafür offen, Tipps und Empfehlungen zu bekommen, wie er mit anderen ein besseres Verhältnis entwickelt.
Menschen können aufgrund von Interaktion, ihren Reaktionen auf Verhalten, andere Menschen ein Stück weit beeinflussen. Sie können Anstöße und Anregungen geben. Wesentlich bei der Änderung ist die Person selbst. Es kommt darauf an, daß sie Veränderungsbedarf erkennt und sich um eine Veränderung zum Besseren bemüht. Eine Person kann aus den Ergebnissen eines Verhaltens lernen, wenn sie diese zur Kenntnis nimmt, darüber nachdenkt und richtige Schlüsse zieht. Grund für eine Veränderung kann sein, in Schwierigkeiten zu geraten, Ziele zu verfehlen und nicht das zu verwirklichen, was erwünscht ist.
Eine Person kann feststellen, nicht das zu verwirklichen, was sie in Wahrheit anstrebt. Ihr Handeln war unangemessen.
Gründe für schlechtes Verhalten und Situationen, in denen es am stärksten auftritt, könnten untersucht werden. So wird eher deutlich, wie es vermeiden werden kann.
Überheblichkeit/Arroganz und übermäßige Aggressivität/Jähzorn/Streitsucht sind Charakterfehler. Auch wenn dies nicht immer leicht ist, besteht eine Chance, sie abzustellen. Dazu gehört eine Einsicht, die aber nicht nur abstrakt bleiben darf. Die richtige Einstellung kann in Handlungssituationen umgesetzt werden und durch Gewöhnung entsteht allmählich eine feste innere Haltung. Typisch bei Charakterfehlern ist eine Blickverengung und Fixierung auf einen Anschein, bei dem unter Einwirkung von Affekten Eigenschaften zu falschen Verhalten hinreißen.
Dankeschön für Deine gute Antwort!