Frage von AndiQT, 131

Darf man einem betrunkenen Kumpel seinen Autoschlüssel zurück geben?

Antwort
von ZuumZuum, 35

Darfst Du schon aber Du solltest ihn daran hindern zu fahren, und das darfst Du auch, siehe §34 Strafgesetzbuch, rechtfertigender Notstand.

Antwort
von FachGoldAnwalt, 44

Meiner Auffassung nach macht sich der Schlüssel Überbringer zumindest der Beihilfe gemäß § 27 StGB wegen Trunkenheit im Verkehr nach § 316 StGB strafbar, wenn der Autofahrer offensichtlich nicht mehr nüchtern ist und noch offensichtlicher vor hat mit seinem Auto los zu fahren, und dem Überbringer dies bewusst ist/sein müsste.

Je nachdem ob der Autofahrer dann "nur" betrunken Auto fährt ( § 316 StGB ) oder jemanden während seiner Trunkenheitsfahrt verletzt ( § 229 StGB ), macht sich der Dritte der entsprechenden Beihilfe nach § 27 StGB strafbar.

Wenn - um die Beispiele fortzusetzen - der Autofahrer im betrunkenen Zustand und während der Fahrt jemanden tötet, so kann hier ein minder schwerer Fall des Totschlags nach § 213 StGB und die entsprechende Beihilfe des Dritten strafbar sein.

Oder Körperverletzung mit Todesfolge und deren Beihilfe usw. .

Kommentar von AndiQT ,

An dem Schlüsselbund ist auch sein Haustürschlüssel. Er ist nachdem meine Freundin weg war (Sie hat es also nicht gesehen), losgefahren und hat sich überschlagen. Er war leicht verletzt.

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

Man kann nur hoffen das sein Hirn keinen weiteren Schaden genommen hat und er draus lernt. Das nächste mal landet er vielleicht im Rollstuhl oder in einer JVA .

Kommentar von AndiQT ,

Allerdings hat sie wohl gesehen das er sein Auto aufgeschlossen hat und sich rein gebeugt hat. Vermutlich um etwas zu holen. Sie hat ihn gefragt ob er fahren will. Dies hat er verneint.

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

Dann kann sie nichts weiter machen. Sie kann einen Erwachsenen ja nicht rund um die Uhr beobachten und muss das auch nicht.

Sie trifft dann offenbar keine Schuld.

Kommentar von ZuumZuum ,

Nun hast Du mich so gut unterstützt, leider muß ich dir aber trotzdem sagen das ich deine Auffassung zur Beihilfe nach §27 StGB nicht teile. Beihilfe setzt eine strafbare Vorsatztat voraus und die Rechtsprechung erkennt bei Trunkenheitsfahrt regelmäßig auf fahrlässig. Somit wäre Beihilfe nicht gegeben.

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

Ich sehe die Fahrlässigkeit eben als nicht gegeben an und widerspreche dieser regelmäßigen Rechtsprechung daher. Letztere lenkt der Logik wegen hoffentlich bald ein.

Jeder Betrunkene ist sich meistens seines Zustandes bewusst, weswegen der Vorsatz beim besteigen und anschließenden führen eines Kfz`s klar zu bejahen ist. ( § 316 StGB )

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

§ 316, Absatz 2 StGB besagt eindeutig folgendes :  "Nach Absatz 1 wird auch bestraft, wer die Tat fahrlässig begeht."

Dies suggeriert, dass alle Taten nach § 316, Absatz 1 StGB mit Vorsatz begangen werden.

Antwort
von Pr1meT1me, 40

Ist doch seine Sache ob er fährt oder nicht, würde ich sagen. Kannst ihn ja dauf hinweisen und sagen, das er in seinem Zustand lieber nicht mehr fahren sollte. Wenn du ihm den Schlüssel nicht wieder gibt, wäre es ja ein Diebstahl.

Kommentar von ZuumZuum ,

Das ist nicht ganz richtig. Als Rechtfertigungsgrund für die Schlüsselwegnahme käme der rechtfertigende Notstand in Frage, §34 Strafgesetzbuch. Er kann den Schlüssel solange einbehalten bis die Gefahrenlage abgewendet ist.

Kommentar von Pr1meT1me ,

Gut das wusste ich auch noch nicht 😉

Antwort
von mzmaze, 57

Aus moralischen Gründen würde ich das nie machen. Musst aber selbst entscheiden ob du mit den Konzequenzen die auftreten können, leben kannst.

Kommentar von AndiQT ,

Es geht NUR um den rechtlichen Aspekt.

Kommentar von mzmaze ,

Der rein rechtliche Aspekt an der Sache ist folgender: Ja du hast das recht im den Autoschlüssel abzunehmen, wenn er tatsächlich vor hat Auto zu fahren. Musst aber die Polizei rufen, denen die Situation erklären und den Schlüssel aushändigen.

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

mzmaze hat mit seinem Kommentar recht. Wenn der Dritte die Schlüssel einbehält, sollte er die Polizei rufen. Normale Festnetznummer wenn der Autofahrer ruhig bleibt, den Notruf 110 wenn der Autofahrer unbedingt seine Autoschlüssel wieder haben möchte und dies mit Gewalt unterstreicht.

Die rechtliche Definition für die Wegnahme oder der Einbehaltung des fremden Autoschlüssels nennt sich hier dann Gefahr in Verzug. 

Man sollte die Polizei rufen, weil der Dritte durch den Autofahrer sonst wegen Unterschlagung nach § 246 StGB erfolgreich angezeigt werden könnte.

Mit Hilfe der Polizei als Zeugen würde eine eventuell später gestellte Unterschlagungs Anzeige, gegen denjenigen der die Schlüssel einbehalten hat, im Sande verlaufen.

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

Gefahr in Verzug = rechtfertigender Notstand nach § 34 StGB .

Gemäß des korrekten Kommentars von ZuumZuum .

Kommentar von ZuumZuum ,

Danke, gelernt ist eben gelernt

Kommentar von mzmaze ,

An euch beide: Hätte das selbst echt nicht besser erklären können.

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