Ich arbeite als Sozialarbeiter beim Jugendamt. Wenn es eine innerfamiliäre Lösung gibt, die für das Kind akzeptabel ist, dann wird das Jugendamt diese immer bevorzugen. Die Tatsache, dass es seitens des JA anscheinend auch unerwünscht ist, dass das Kind zu den Großeltern geht, gemeinsam mit der Mutter, sprich eher dafür, dass das JA über langjährige einschlägige Erfahrungen mit der Familie verfügt. Diese Erfahrungen scheinen daher eine solche Lösung nicht zuzulassen. Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Kollegen zunächst sämtliche Unterstützung gewähren und dann urplötzlich ohne Argument umschwenken. Warum gibt es überhaupt eine Betreuung durch das Jugendamt? Wenn die Mutter 18 ist, muss sie dies explizit beantragt haben. Eine Fremdunterbringung des Kindes gegen den Willen der Sorgeberechtigten ist möglich. Dafür müssen allerdings trifftige Gründe einer Kindeswohlgefährdung vorliegen. Außerdem muss in diesem Fall die Unterbringung relativ zeitnah durch einen Familienrichter rechtlich abgesichert sein. Der zuständige Sachbearbeiter des Jugendamtes würde diesen Schritt nur dann gehen, wenn er dafür auch wirkliche trifftige Gründe hat die er dem Richter vorweisen kann. Insofern ist hier niemand irgendeiner Willkür ausgesetzt. Die Kindesmutter wird zeitnah nach dem Beschluss durch den Richter angehört. Ich empfehle zunächst einmal, dass die Mutter sich einen Rechtsbeistand nimmt. Im Rahmen der Prozesskostenhilfe wird dieser bezahlt, auch wenn die finanziellen Mittel der Familie nicht zur Verfügung stehen. Diesen sollte sie sich aber erst nehmen, wenn das JA sich ans Familiengericht gewendet hat. Vorher macht das wenig Sinn. Außerdem sollte die Kindesmutter nach Möglichkeit mit dem JA kooperieren. Wenn sie nicht weiß warum das Jugendamt so vorgeht, sollte sie das Gespräch suchen und eine Erklärung fordern. Wo sieht das JA Konkret eine Gefährdung für das Kind, wenn es bei der Mutter verbleibt? Gibt es Alternativen zu einer Fremdunterbringung, z.b. ambulante Hilfen, wie eine sozialpädagogische Familienhilfe? Was ist mit einem Mutter-Kind Haus? Wäre das eine Lösung? In jedem Fall das Gespräch mit dem JA suchen und nicht den Kopf in den Sand stecken.
Da kenne ich ganz andere Fälle - so etwas kannst Du niemals behaupten, ohne die Geschichte genau zu kennen!
Es ist unglaublich, was sich hier in Deutschland die Jugendhilfe leistet!
Deshalb frage immer nach und richte nie nach dem Augenschein!