Michael257 am 24.08.2009 um 14:53 Uhr
Haben doch alle anderen Nationalitäten auch, obwohl das in der Vergangenheit auch keine Unschuldslämmer waren...
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klar kannst du Stolz darauf sein, Deutscher zu sein, kannst es auch offenzeigen. Nur es muß in gesunden Grenzen bleiben.

Wir haben uns lange genug geschämt!
Genau! Vor allem, für Sachen, die unsere Vorfahren und nicht wir verbrochen haben... :(
justenm am 24. August 2009 14:57 Vielleicht würdet IHR heute dasselbe wie eure Vorfahren tun.....
flirtheaven am 24. August 2009 14:59 und jetzt wollt ihr auf etwas stoz sein, für das ihr auch nichts könnt.
resistant am 24. August 2009 15:24 wer ist den IHR?

Spätestens seit der WM dachte ich wäre alles in Butter. Stolz darf man sein, aber andere Nationen runtermachen nicht. Ich finde da den Nationalstolz einiger Italiener als Beispiel etwas übertrieben, dass es eig. nichts mehr mit Stolz zu tun hat.

nationalstolz ist ziemlicher blödsinn. ich kann auch nicht auf einen lottogewinn stolz sein. ich kann mich darüber freuen, aber stolz sein kann ich höchstens auf mich, auf meine kinder und vielleicht noch andere angehörige. aber auf etwas stolz zu sein, in das man zufällig hineingeboren wurde liegt mir völlig fern. wenn meine eltern damals zwei wochen später aus den usa zurück gekehrt wären, wäre ich jetzt amerikaner (zusätzlich zu meiner deutschen staatsbürgerschaft). müsste ich dann auch auf amerika stolz sein? ich bin ganz froh in deutschland leben zu dürfen, das ist aber auch alles.

ohne ist eine gesellschaft auf dauer garnicht überlebensfähig.

.. warum nicht.. solang es nicht auf radikalismus hinausläuft...

wir haben nichts mehr damit zu tun, was die Nazis gemacht haben!
flirtheaven am 24. August 2009 15:10 ich habe auch nichts damit zu tun, was die nationalelf macht
cadovius am 24. August 2009 15:16 DH, flirtheaven!
Darf man immer, nur ist Nationalstolz fast immer mit geringschätzendem Vergleich zu anderen Ländern oder eben auch mit einer schlechten Vergangenheit verbunden. Aber allein die Tatsache, auf sich und die Leistungen seines Landes stolz zu sein, war noch nie ein Verbrechen.
Warum?

Wenn du ins Ausland gehst und eine Deutsche Fahne dabei hast bist du gleich ein Nazi
Also es wird sich woll nie ändern

natürlich, die anderen länder hatten auch keine außnahmslos gloreiche vergangenheit und nur, weil wir den 2. WK verloren haben lassen wir uns doch nicht als irgentetwas schlechters oder schwächeres hinstellen, oder? ich bin sehr stolz,dem deutschen volk anzugehören und ich denke, in seinem inneren is das jeder, auch wenn hier für "nein" gestimmt wurde...
flirtheaven am 24. August 2009 15:02 ich habe weder den 2. wk verloren, noch habe ich jemals eine fußball-wm gewonnen.

Ich finde alle Antwortmöglichkeiten bescheuert: mir geht es genau wie flirtheaven, ich lebe gerne in Deutschland, kann aber beim besten Willen nicht sehen, wieso ich stolz sein soll auf etwas, für das ich gar nichts geleistet habe - ich meine, in welches Land man hinein geboren wird, kann sich keiner aussuchen. Ich habe mit den Siegen oder Niederlagen "unserer" Sportler nichts zu tun; ich habe auch mit den NS-Verbrechen nichts zu tun; aber wieso soll ich STOLZ sein? Ich mag meine Heimat, besonders liebe ich meine Region. Ich finde, Deutschland ist zu großen Teilen ein sehr schönes Land mit eher sympathischen Bewohnern, aber das gilt auch für viele andere Länder...
cadovius am 24. August 2009 16:53 Ergänzung; wenn Du gefragt hättest "Freust Du Dich, Deutscher zu sein" oder "Bist Du gern Deutscher" - dann hätte ich sofort unterschrieben "Ja, bin heilfroh, dass ich hier leben kann und nicht irgendwo geboren wurde, wo Hunger und Folter zum Alltag gehören." Aber stolz bin ich nur auf eigene Leistungen und Deutsche zu sein ist nicht meine Leistung.
flirtheaven am 25. August 2009 07:46 dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

Warum soll man nicht auf sein Vaterland stolz sein.
Die Frage ist falsch gestellt, und die Antwort "Inzwischen nicht mehr" fehlt.
Man durfte Nationalstolz haben, und zwar ungefaehr in der Zeit von 1950 bis 1980. Seitdem aber die Polizei zu einer skandaloesen "Kuschelveranstaltung" verkommen ist, die linksradikale Gewalttaeter in Schutz nimmt und tatenlos zuschaut, wie rechtschaffende Buerger von Antifas gesteinigt werden, muss man sich eigentlich wieder schaemen, Deutscher zu sein.
Michael257 am 4. September 2009 10:45 rechts schaffende Bürger ???
Deutschland ist in sehrvielem auch vorbildlich, z.B. im Tierschutz. Mit vielem gehen die detschen politiker besser um als z.B. die in den USA und die kriegen sich ja gar nicht mehr ein vor Patriotismus.
Heinrich von Kleist :
Von der Liebe zum Vaterlande
Frage: Du liebst dein Vaterland, nicht wahr, mein Sohn?
Antwort: Ja, mein Vater, das tu ich.
Frage. Warum liebst du es?
Antwort. Weil es mein Vaterland ist.
Frage. Du meinst, weil Gott es gesegnet hat mit vielen Früchten, weil viele schöne Werke der Kunst es schmücken, weil Helden, Staatsmänner und Weise, deren Namen anzuführen kein Ende ist, es verherrlicht haben?
Antwort. Nein, mein Vater; du verführst mich.
Frage. Ich verführte dich?
Antwort. Denn Rom und das ägyptische Delta sind, wie du mich gelehrt hast, mit Früchten und schönen Werken der Kunst, und allem, was groß und herrlich sein mag, weit mehr gesegnet als Deutschland. Gleichwohl, wenn deines Sohnes Schicksal wollte, dass er darin leben sollte, würde er sich traurig fühlen und es nimmermehr so lieb haben, wie jetzt Deutschland.
Frage. Warum also liebst du Deutschland?
Antwort. Mein Vater, ich habe es dir schon gesagt!
Frage. Du hättest es mir schon gesagt?
Antwort. Weil es mein Vaterland ist. [1]
Zu Lebzeiten soll Kleist, wie andere deutsche Denker auch, in seiner Dichterseele daran gelitten haben, dass es das hier thematisierte Objekt der Zuneigung, die deutsche Nation, als politischen Verband gerade nicht gab. Um so mehr inspirierte das zu Kleinstaaten verkommene Deutschland die Sehnsüchte des Dichters, der in seinen Schriften für die Nation wirbt, als sei seinem Gemüt sonst der Boden eines so selbstverständlichen wie natürlichen Gefühls entzogen. Ohne Nation hat es das Nationalgefühl schwer.
Von daher ist sich im oben stehenden Text der Vater ganz sicher, dass sein Zögling mit ihm die Vaterlandsliebe als Selbstverständlichkeit teilt: nicht wahr, mein Sohn? Anspruchsvollerweise will er den Konsens aber offenbar auf die Probe stellen und fordert einen Grund ein. Die Antwort des Sohnes erscheint so brav wie platt: Ich liebe mein Vaterland, weil es mein Vaterland ist. Das ist der Form nach eine Begründung (weil), dem Inhalt nach aber im Grunde nichts als die Wiederholung der Aussage selbst. Als sei er also unzufrieden mit der tautologischen Auskunft des Sohns, trägt der Vater ihm die vermeintlich übersehenen „Gründe“ an: der materielle und ideelle Reichtum des Landes.
Interessant, dass vor 200 Jahren wie heute die ähnlichen gedanklichen Verdrehungen nötig sind, um die Erzeugnisse eines Landes als Grund dafür zu zitieren, dass der gewöhnliche Insasse eben das Land, dem er zugehört, selbst schätzen soll. Dass Gott das Land mit vielen Früchten gesegnet habe, ist doch wohl, vorsichtig gesagt, eine Verwechslung mit der selbst einem Dichter bekannten Tatsache, dass die Bauern die Nahrung im Reich erarbeiteten, ohne selbst satt, geschweige denn reich zu werden. Genau von dieser ihrer Not und Armut, von der Schufterei für den Reichtum anderer mussten die Produzenten allerdings absehen, wollten sie die deutschen Lande für ihren Reichtum preisen.
Und dann war auch damals schon den Patrioten der Verweis auf die Dichter & Denker geläufig: Das Vaterland verdient Liebe, weil viele schöne Werke der Kunst es schmücken. Der deutsche Bürger soll also nicht einfach ein Gedicht schätzen, sondern an diesem, dass es ein Deutscher zum Schmuck des Landes gedichtet hat, und das soll er genau deswegen, weil er, der Leser, selbst auch Deutscher ist. So dass er dann, angeblich wegen des Gedichts, Deutschland hochschätzen kann. Auch hier wieder ein Absehen, eine Abstraktion von der Sache selbst (hier: der Kunst). Denn die als Beweis für die Richtigkeit der Liebe zur Nation bemühte Kunst interessiert eben genau als Zierwerk der Nation, ihre Zugehörigkeit zur Nation ist die Eigenschaft, auf die es ankommt. Deswegen darf Kleists väterlicher Patriot auch lässig davon absehen, dass ein großer Teil der Inländer, die er über die Kunst für die Nation begeistern will, seinerzeit nicht mal lesen konnte.
Dem entspricht es, wenn heutzutage Leser der Bild-Zeitung, nach den Motiven ihres Patriotismus befragt, Goethe sagen, ohne auch nur einen Vers von ihm zu kennen. Oder Exportweltmeister sagen, ohne selbst je etwas exportiert oder gar Gewinn davon gemacht zu haben.
Aufschlussreich ist von daher die Wendung in Kleists Text, die nämlich im Grunde gar keine ist. Der Sohn also weist die angebotenen Motive der Vaterlandsliebe zurück und entdeckt sie vielmehr als Falle: du verführst mich. Er belehrt den Vater, und damit Kleist den deutschen Leser, dass Vaterlandsliebe keine Begründung verträgt. Er klärt darüber auf, dass die als Gefühl der Liebe gefasste Zustimmung zur Nation bedingungslos zu sein hat und sich nicht nach Güterabschätzungen und womöglich persönlichen Berechnungen zu richten hat. So als wäre das Vaterland eine Weinmarke oder Käsesorte, etwas, was man sich im Waren- oder Ländervergleich aussuchen könnte. Da würde, so der Sohn, Deutschland womöglich gar nicht so gut abschneiden. Kurzum: Er beharrt also auf der platten Tautologie vom Anfang, dass man das Vaterland liebt, weil es das Vaterland ist.
In dieser seiner rohen Parteilichkeit hat der Sohn, und mit ihm sein Erfinder Kleist, recht. Patriotismus ist nämlich die praktische Bereitschaft, sich einer nationalen Herrschaft vom Steuerzahlen bis zum Kriegsdienst unterzuordnen. Und er ist die theoretische Verrenkung, sich das als Dienst an einer höheren, nicht hinterfragbaren, schicksalhaften Gemeinschaft zurechtzulegen. Der Patriotismus kann und will also nicht das Ergebnis von vernünftiger Überlegung sein. Diese Vaterlandsliebe, also die absonderliche Leistung, einem nationalen Kollektiv eine persönliche Zuneigung entgegenzubringen, kann vielmehr nur dem gelingen, der von den Unterschieden und Gegensätzen im nationalen Gemeinwesen absieht, um sich selbst in ihm als gleichwertiges Mitglied – als Deutscher –aufgehoben zu fühlen und wertzuschätzen. Und diesen verkehrten Gedanken beansprucht er für sich als Gefühl, das sich im Grunde von selbst verstehe und unbedingt natürlich sei.
Andererseits werden, so als bräuchte das Gefühl wiederum doch die Hilfestellung der berechnenden Vernunft, vom Bürger gute Gründe für die Vaterlandsliebe aufgelistet, von der Sorte: warum er es mit seinem Land so gut getroffen habe. Was diesen Widerspruch angeht, kann man also an dem Kleist-Text die Bloßstellung entdecken, dass die populären Begründungen des Patriotismus eine theoretische Falle sind insofern, als all die sachlichen Gründe nicht als sachliche gemeint und ernst zu nehmen sind, sondern nur als Zeugen eines Zugehörigkeitsgefühls aufgefahren werden, das auch ohne sie feststeht, als Motive einer nationalen Parteilichkeit, die letztlich gerade nicht von ihnen abhängen darf. Wo an diesen sachlichen Motiven des Patriotismus nie die Sache, sondern nur die Nationalfarbe interessiert, hier: dass sie eben deutsch sind, da kürzen sich die Motive selbst heraus und die scheinbaren Begründungen der Vaterlandsliebe bleiben so tautologisch wie die erste Antwort des Sohnes.
Nur wollte Kleist selbst hiermit keineswegs über die Unvernunft der Vaterlandsliebe aufklären, um von ihr abzuraten. Im Gegenteil. Er hielt ihre Unvernunft für den Ausweis ihrer „Natürlichkeit“ und damit glatt für einen guten Grund für sie. Es ist also sorgfältiges Misstrauen angesagt, wenn von den geistigen Schätzen deutscher Dichter & Denker zu hören ist. Und ihretwegen Deutschland zu lieben, ist wie gesagt sowieso verkehrt.