Frage von Tordon, 21

Darf im u.g. Fall Urlaub gestrichen werden?

Hallo liebe Gemiende, ich habe folgendes Problem. Ich arbeite noch in einem Unternehmen mit Personalnitstand. Da ich nicht das Gefühl habe, das der Chef nichts an der Situation ändern wird, habe ich mir eine neue Stelle gesucht und kündige zum 15.08.2016. Kündigung wird am Montag beim Chef eingereicht.

Ich arbeite für das Unternehmen seit dem 12.10.2015 und hatte noch keinen Tag Urlaub gehabt. Trotz des personellen Notstandes hat mein Chef mir in der letzten Juni Woche Urlaub im Urlaubsplan, wo auch nur er Schreibrecht hat, vom 25.07 - 13.08.2016 genehmigt. Wenn ich jetzt kündige, darf er mir den Urlaub streichen, obwohl ich in bis dahin keinen Urlaub hatte? Wenn ja, mit welcher Begründung? Ich danke schon jetzt für Eure Antworten. LG Tordon

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Tordon,

Schau mal bitte hier:
Arbeitsrecht Urlaubsanspruch

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 5

Wenn ich jetzt kündige, darf er mir den Urlaub streichen, obwohl ich in bis dahin keinen Urlaub hatte?

Schlicht und einfach: Nein!

Wenn ja, mit welcher Begründung?

Wieder schlicht und einfach: praktisch mit keiner!

Wenn das von Dir beschriebene Procedere der übliche Weg der Urlaubsgenehmigung bei euch ist, dann ist er halt genehmigt, und diese Genehmigung darf vom Arbeitgeber nicht mehr widerrufen werden.

Es gibt davon nur eine - eher theoretische - Ausnahme: durch Deinen Urlaubsantritt könnte der Betrieb nicht mehr weiter geführt werden.

Die deutschen Arbeitsgerichte haben in der Vergangenheit in keinem Fall die bei einem wegen Widerrufs der Urlaubsgenehmigung von Arbeitgebern vorgetragenen Begründungen akzeptiert und sehen eine solche Begründung nur als - wie oben schon gesagt - theoretisch denkbar an. Alleine der Personalnotstand - erst recht dann, wenn er ein Dauerzustand ist - rechtfertigt keine Urlaubsverweigerung und erst recht keinen Widerruf einer bereits erteilten Genehmigung.

Wenn der Arbeitgeber dennoch rechtswidrig die Genehmigung widerruft, darfst Du allerdings nicht eigenmächtig den Urlaub antreten, weil das gravierende arbeitsrechtliche Konsequenzen haben könnte; Du müsstest in diesem Fall die Urlaubserteilung gerichtlich erzwingen (bei kurzen Fristen gegebenenfalls über einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung) - wozu Du auch keinen Anwalt brauchen würdest.

Widerruft der Arbeitgeber den Urlaub und Du trittst ihn nicht an, hat er alle Dir persönlich daraus entstehenden Kosten zu tragen.

Anmerkung zum Urlaubsanspruch:

Da Dein Arbeitsverhältnis in der zweiten Jahreshälfte endet und dann schon mehr als 6 Monate bestanden hat, hast Du Anspruch auf den gesamten gesetzlichen Mindesturlaub.

Wenn Du mehr Urlaub erhältst, hast Du Anspruch auch auf diesen, wenn es keine arbeits- oder tarifvertragliche Vereinbarung zu einer anteiligen Berechnung gibt oder in der Formulierung zur Urlaubsvereinbarung nicht zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaub unterschieden wurde.

Wenn Du Deinen Urlaub ganz oder teilweise nicht mehr bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses nehmen kannst, muss er entsprechend abgegolten werden.

Wenn Du diese Ansprüche wahrnimmst, hast Du in diesem Kalenderjahr allerdings keinen Urlaubsanspruch mehr gegen einen neuen Arbeitgeber - es sei denn, er wäre bei ihm höher als jetzt.

Kommentar von Tordon ,

Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort

Antwort
von PeterSchu, 3

Hast du einen Nachweis, dass der Urlaub genehmigt wurde? Wenn du keine schriftliche Genehmigung hast, sicher dir einen Screenshot mit dem eingetragenen Urlaub.

Einen genehmigten Urlaub kann ein Betrieb nur unter sehr extremen Umständen widerrufen. Einen Personalnotstand sollte der Chef mal beseitigen, aber nicht dadürch, dass er die Leute nicht in Urlaub gehen lässt.

Antwort
von Meister321, 8

1. Musst du min. pro Jahr den gesetzlichen Urlaub von 20 Arbeitstagen erhalten, egal wie... solltest du mehr haben in deinem Vertrag freue dich...

2. Musst du dir deinen Urlaub immer schriftlich genehmigen lassen.

3. Aus dringenden betrieblichen Gründen kann dein Chef dir deinen Urlaub mit einer sehr ausführlichen schriftlichen Begründung ablehnen.

4. Nach dem du deine Urlaub gestrichen bekommst von deinem Chef, obwohl du die Kündigung auch abgegeben hast, gehst du am Besten zum Arzt und lässt dich bis zum Kündigungsende krank schreiben und gehst dann trotzdem in den Urlaub. Frage aber deinen Arzt vorher um Erlaubnis...

Kommentar von Tordon ,

Bei uns ist so, das wenn ein Urlaub in dem System vom Apotheker eingetragen ist, dann zählt der Urlaub als genehmigt, da er als einzigster Schreibrechte hat.

Kommentar von Familiengerd ,

zu 3.:

Bisher hat es bei entsprechenden Klagen von Arbeitnehmern keine Begründung von Arbeitgebern gegeben, die von Arbeitsgerichten akzeptiert wurden.

Die Arbeitsgerichte sehen eine zum Widerruf einer einmal erteilten Genehmigung berechtigende Begründung allenfalls dann gegeben (aber nur theoretisch denkbar), wenn durch den Urlaubsantritt die Existenz des Betriebs gefährdet wäre.

zu 4.:

Sich krank schreiben zu lassen, obwohl man überhaupt nciht krank ist, nur um den verweigerten Urlaub trotzdem anzutreten, ist ein ganz übler "Rat" - nebenbei ein Rat  zu betrügerischem Verhalten.

Die einzige korrekte Möglichkeit des Arbeitnehmers ist, die Urlaubsgenehmigung über eine einstweilige Verfügung (wenn die Zeit für eine Klage zu knapp ist) des Arbeitsgerichts ersetzen zu lassen.

Antwort
von Nikita1839, 12

Gesetzlich stehen dir um die 24 Tage zu, diese hast du auch zu bekommen. Auch mit eingereichter Kündigung bist du noch dort uneingeschränkt tätig. Viele nehmen ihren Urlaub ja um die Kündigungsfrist zur Überbrückung

Kommentar von Familiengerd ,

Was hat Deine Antwort mit der konkreten Frage zu tun - und was soll "um die 24 Tage" heißen?

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