Frage von Dexter10x, 146

Darf ich Straftaten Dritter verschweigen?

Oder mache ich mich dann selbst strafbar?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheGrow, Community-Experte für Recht, 54

Hallo Dexter10x,

im Bezug auf Deine Frage kommt es da drauf an, ob es sich:

  1. um eine bereits erfolgte Straftat handelt oder
  2. um eine geplante Straftat handelt

Bereits erfolgte Straftaten, egal welcher Art (z.B. Diebstahl, Körperverletzung, Mord, etc, etc) muss ich nicht anzeigen.

Aber es gibt verschiedene Straftaten, die ich anzeigen muss, wenn diese erst geplant werden. Welche Straftaten das sind, unter welchen Bedingungen ich die geplante Straftat anzeigen muss und wann die Nichtanzeige straflos bleibt, kann man den beiden folgenden Paragraphen entnehmen:

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§ 138 StGB - Nichtanzeige geplanter Straftaten

(1) Wer von dem Vorhaben oder der Ausführung

  1. einer Vorbereitung eines Angriffskrieges (§ 80),
  2. eines Hochverrats in den Fällen der §§ 81 bis 83 Abs. 1,
  3. eines Landesverrats oder einer Gefährdung der äußeren Sicherheit in den Fällen der §§ 94 bis 96, 97a oder 100,
  4. einer Geld- oder Wertpapierfälschung in den Fällen der §§ 146, 151, 152 oder einer Fälschung von Zahlungskarten mit Garantiefunktion und Vordrucken für Euroschecks in den Fällen des § 152b Abs. 1 bis 3,
  5. eines Mordes (§ 211) oder Totschlags (§ 212) oder eines Völkermordes (§ 6 des Völkerstrafgesetzbuches) oder eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit (§ 7 des Völkerstrafgesetzbuches) oder eines Kriegsverbrechens (§§ 8, 9, 10, 11 oder 12 des Völkerstrafgesetzbuches),
  6. einer Straftat gegen die persönliche Freiheit in den Fällen des § 232 Abs. 3, 4 oder Abs. 5, des § 233 Abs. 3, jeweils soweit es sich um Verbrechen handelt, der §§ 234, 234a, 239a oder 239b,
  7. eines Raubes oder einer räuberischen Erpressung (§§ 249 bis 251 oder 255) oder
  8. einer gemeingefährlichen Straftat in den Fällen der §§ 306 bis 306c oder 307 Abs. 1 bis 3, des § 308 Abs. 1 bis 4, des § 309 Abs. 1 bis 5, der §§ 310, 313, 314 oder 315 Abs. 3, des § 315b Abs. 3 oder der §§ 316a oder 316c

zu einer Zeit, zu der die Ausführung oder der Erfolg noch abgewendet werden kann, glaubhaft erfährt und es unterläßt, der Behörde oder dem Bedrohten rechtzeitig Anzeige zu machen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer

  1. von der Ausführung einer Straftat nach § 89a oder
  2. von dem Vorhaben oder der Ausführung einer Straftat nach § 129a, auch in Verbindung mit § 129b Abs. 1 Satz 1 und 2,

zu einer Zeit, zu der die Ausführung noch abgewendet werden kann, glaubhaft erfährt und es unterlässt, der Behörde unverzüglich Anzeige zu erstatten. § 129b Abs. 1 Satz 3 bis 5 gilt im Fall der Nummer 2 entsprechend.

(3) Wer die Anzeige leichtfertig unterläßt, obwohl er von dem Vorhaben oder der Ausführung der rechtswidrigen Tat glaubhaft erfahren hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

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§ 139 StGB - Straflosigkeit der Nichtanzeige geplanter Straftaten

(1) Ist in den Fällen des § 138 die Tat nicht versucht worden, so kann von Strafe abgesehen werden.

(2) Ein Geistlicher ist nicht verpflichtet anzuzeigen, was ihm in seiner Eigenschaft als Seelsorger anvertraut worden ist.

(3) Wer eine Anzeige unterläßt, die er gegen einen Angehörigen erstatten müßte, ist straffrei, wenn er sich ernsthaft bemüht hat, ihn von der Tat abzuhalten oder den Erfolg abzuwenden, es sei denn, daß es sich um

  1. einen Mord oder Totschlag (§§ 211 oder 212),
  2. einen Völkermord in den Fällen des § 6 Abs. 1 Nr. 1 des Völkerstrafgesetzbuches oder ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit in den Fällen des § 7 Abs. 1 Nr. 1 des Völkerstrafgesetzbuches oder ein Kriegsverbrechen in den Fällen des § 8 Abs. 1 Nr. 1 des Völkerstrafgesetzbuches oder
  3. einen erpresserischen Menschenraub (§ 239a Abs. 1), eine Geiselnahme (§ 239b Abs. 1) oder einen Angriff auf den Luft- und Seeverkehr (§ 316c Abs. 1) durch eine terroristische Vereinigung (§ 129a, auch in Verbindung mit § 129b Abs. 1)

handelt. Unter denselben Voraussetzungen ist ein Rechtsanwalt, Verteidiger, Arzt, Psychologischer Psychotherapeut oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut nicht verpflichtet anzuzeigen, was ihm in dieser Eigenschaft anvertraut worden ist. Die berufsmäßigen Gehilfen der in Satz 2 genannten Personen und die Personen, die bei diesen zur Vorbereitung auf den Beruf tätig sind, sind nicht verpflichtet mitzuteilen, was ihnen in ihrer beruflichen Eigenschaft bekannt geworden ist.

(4) Straffrei ist, wer die Ausführung oder den Erfolg der Tat anders als durch Anzeige abwendet. Unterbleibt die Ausführung oder der Erfolg der Tat ohne Zutun des zur Anzeige Verpflichteten, so genügt zu seiner Straflosigkeit sein ernsthaftes Bemühen, den Erfolg abzuwenden.

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Ich denke die Texte der beiden angeführten Paragraphen sind unmissverständlich und auch für einen juristischen Laien gut zu verstehen und bedürfen keinerlei weiterer Erklärung.

Schöne Grüße
TheGrow

Antwort
von Blacklight030, 70

Ja, besonders schwere Straftaten musst Du anzeigen, würdest Dich ansonsten strafbar machen. Betrug, Diebstahl,Unterschlagung wären zum Beispiel nicht anzuzeigen, bzw. blieb die Unterlassung straffrei

Antwort
von user6363, 79

Zufall? Ich denke nicht!



Noch Fragen? Ich denke nicht!

Ernsthaft das Video ist nicht mal ein Tag alt.

Kommentar von heyheymymy ,

Vor Gericht hat jeder Mensch das Recht zu schweigen. Strafbar sind nur Falschäußerungen.

Kommentar von Blacklight030 ,

Das erkläre mal dem Richter, dass Du als Zeuge das Recht hast zu schweigen....dies hast Du nur, wenn Du Dich selbst belasten würdest, oder einen Angehörigen

Kommentar von QwerWert ,

Ein Tag alt? Ich denke nicht! Das Video? Ich denke nicht! Ernsthaft? Ich denke nicht! Ich denke nicht? Ich denke nicht!

Kommentar von user6363 ,

https://www.youtube.com/watch?v=xgmys5K1UnA

Ein Teil dieser Antwort würde die Bevölkerung verunsichern.

Kommentar von Dexter10x ,

Das kannte ich bisher noch nicht. Woher kennst Du das? Gibt es da einen Newsletter?

Kommentar von user6363 ,

WBS macht sehr regelmäßige Videos über alles, sie haben auch eine Website (wbs-law.de) und da gibt es auch ein Newsletter. Zur Not kannst du die auch anrufen oder auf YouTube mit #fragwbs Fragen stellen, die werden relativ zuverlässig beantwortet. :)

Kommentar von Dexter10x ,

Vielen Dank, das war sehr hilfreich.

Ich frage mich nur deshalb, weil ich vorhin die Polizei rufen musste. Über mir war mal wieder Ehekrach und ich hab sie rufen hören, er soll das Messer weglegen.

Kommentar von user6363 ,

Aber ruf nächstesmal trotzdem die Polizei an, wbs ist für Medienrecht spezifiziert.

Kommentar von Dexter10x ,

Ich hätte nicht schlafen können, wenn etwas passiert wäre und ich nicht angerufen hätte. Auch wenn ich die Frau nicht leiden mag. 

Die waren auch ratzfatz mit 5 Peterwagen vor der Tür, aber er muss wohl ganz kurz vorher das Haus verlassen haben.

Die Seite ist trotzdem interessant. Vielen Dank für den Tipp. 

Antwort
von heyheymymy, 52

Ja, darfst du. Du darfst nur keine falschen Äußerungen machen.


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