Frage von Sharkbitesx3, 58

Darf ich einen todkranken Freund fallenlassen?

Die Überschrift ist provokativ, ich meine nicht bloß todkranke Menschen sondern auch Freunde mit psychischen Problemen, Trauer usw.

Ich möchte keine Negativität in meinem Leben mehr. Meine Mutter, die ständig nur herumschimpft und mich grundlos kritisiert, habe ich aus meinem Leben geworfen. Meinen Exfreund, der sich häufig über mich lustig gemacht hat um seine Komplexe zu kompensieren, auch.

Wenn ich nun aber Freunde habe, die Krankheiten haben und deshalb verzweifelt sind, psychische Probleme haben, Trennungen, Magersucht, vor mir hungern oder sich mit Drogen zugrunde richten, Leute die ständig Suizidgedanken äußern - kann ich die Freundschaft nicht einfach abbrechen und mich wieder schönen Dingen zuwenden? Das Leben ist so kurz, und ich kann doch an der Situation anderer obenhin überhaupt nichts ändern.

Ist das herzlos oder aus Selbstschutz absolut gerechtfertigt? Ich habe einfach keine Lust mehr, vollgeheult zu werden. Ich selbst mache das ja auch nicht - meine ganzen negativen Gedanken lasse ich für mich raus. Und wenn ich mich an andere wende, dann bloß mit dem offensichtlichen Willen, etwas konstruktiv an meiner Situation zu ändern.

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Antwort
von circuli, 24

Ehrlich gesagt verstehe ich dich sehr gut. Manchmal ist man ziemlich gestresst schon allein wegen den Problemen anderer, die auf einen gelastet werden.
Ich finde es sehr gut, dass du die Leute, die wirklich nur am nörgeln, kritisieren und fertig machen sind, aus deinem Leben ausgeschieden hast. Manchmal geht das nicht anders und muss so sein, um vorwärts zu kommen und gelöster zu sein.

Was die Freunde angeht, die psychische Probleme haben: ehrlich gesagt, würde ich sie nicht gleich fallen lassen, denn du bist eine gewisse Vertrauensperson und auch wenn es dir jetzt gegen den Strich geht, sie brauchen dich als eine Freundin.
Schließlich möchte man auch Freunde haben, wenn es einen mal selber mies geht (Krankheit, Todesfälle usw)...

Du selbst kannst aber einen gesunden Abstand nehmen, ohne dass du die Freundschaft gleich "kündigen" musst und ohne dass es andere gleich merken. Treffe dich einfach nicht so oft mit diesen Personen und mach stattdessen Dinge, die dir gefallen und die dich aufbauen. Natürlich muss niemand deine wahren Beweggründe kennen, aber geh einfach mal von allen ein Schritt rückwärts. Vielleicht brauchst du einfach einmal Zeit für dich und musst mal zu Ruhe kommen, um für andere offen zu sein ;)

Antwort
von Bitterkraut, 28

Du muß dir nix vorheulen lassen und du mußt auch nicht den Mülleimer für andere spielen, auch nicht für Freunde. Aber du solltest den Mumm haben, mit Freunden darüber zu reden.

Es ist eine Sache, ob ein Freund in einer Notstuation meine Hilfe braucht, oder ob er sich enfach daran gewöhnt hat, bei mir abzuladen. Letzteres laß ich auch nur bedingt zu, wenn es mir zuviel wird, sag ich was. Auch, wenn es dann die Freundschaft kostet, was auch schon vorgekommen ist.

Wie du sagst, ich lad auch nicht ständig meinen Müll bei meinen Freunden ab und ich laße es auch nicht zu, daß die das bei mir tun. Aber in einer akuten Situation bin ich für Freunde da. Wo da für dich die Grenzen sind  mußt du ausloten.

Kommentar von Sharkbitesx3 ,

Wenn ein Freund akut verlassen wurde/eine Diagnose erhalten hat/einen akuten Zusammenbruch erleidet - klar bin ich da. Aber ich will kein Drama und keine Tränen mehr. Ich bin nicht für die Psychohygiene anderer Menschen zuständig. Sie sollen Sport machen, sich einen Psychologen suchen oder sich jemanden suchen, der ein Helfersyndrom hat und sich das bereitwillig anhört.

Kommentar von Bitterkraut ,

Da bin ich ganz bei dir.

Antwort
von Dackodil, 15

Ich finde es sehr rücksichtsvoll von dir, den Kontakt zu Menschen mit Problemen abzubrechen. Denen geht es sowieso schon schlecht. So einen Freund brauchen die wirklich nicht.

Antwort
von thealex29, 7

Es ist ein bisschen egoistisch weil du deine Freunde in einer Zeit wo sie dich brauchen im Stich lässt aber ich kann das gut nachvollziehen ich würde erstmal anfangen mich so ein wenig zu distanzieren und nicht von jetzt auf nachher eine Person aus dem Leben streichen. Das trägt nicht positiv dem Psychischen Zustand deiner Freunde bei. Außerdem bereust du es später vlt. Ich hatte mal eine ähnliche Situation und ich trag das gewissen immernoch mit mir herum und denk mir manchmal was wäre wenn sie noch meine beste freundin wäre und nicht IHRE.

Antwort
von Skillendrium, 27

Moralisch gesehen ist das natürlich komplett daneben, aber wenn es dir selbst ebenfalls dadurch schlecht geht kannst du sie natürlich auch ignorieren und dein Leben wieder glücklich Leben. Du musst natürlich auch selber wissen was du für richtig hältst, aber selbst wenn du dich dafür entscheidest die Freunde von dir zu ignorieren, kann, oder besser gesagt darf dir trotzdem niemand Vorwürfe dafür machen, da deine Psyche dadurch ja auch beschädigt wurde.

Hoffe ich konnte dir weiterhelfen :)

Kommentar von Sharkbitesx3 ,

Habe ich moralisch gesehen die Pflicht, mich volljammern zu lassen? Mitleid hilft niemandem.

Kommentar von Skillendrium ,

Moralisch gesehen hast du die Pflicht ihnen zu helfen, anstatt sie mit ihren Problemen alleine zu lassen. Aber ich habs ja schon gesagt, niemand kann dir Vorwürfe dafür machen das du ihnen nicht helfen willst wenn deine eigene Psyche dadurch auch betroffen wird.

Antwort
von Maimaier, 25

Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Schade das du niemanden hast, dem du alles sagen kannst.

Kommentar von Bitterkraut ,

Nein, geteiltes Leid ist nicht halbes Leid, das ist ein Irrglaube, das ist eher doppeltes Leid. Wenn ich leide, müssen meine Freunde nicht mitleiden, wenn sie helfen können, gut, dann tun sie es auch und Hilfe kann man auch einfordern.Ständiges (Mit)Leid aber nicht. Oder nur in bestimmten Genzen. Wenn jemand nicht bereit ist, sich selber zu helfen oder sich helfen zu lassen, muß man sich auch nicht volljammern lassen.

Kommentar von Sharkbitesx3 ,

Ich habe Leute, aber ich will mich nicht ausheulen über Umstände, wo sie sowieso nichts machen können.

Ich rufe nicht an und sage Oh, mir geht es so schlecht und ich bin so verzweifelt und hör mal, was schon wieder passiert ist!

Sondern ich reflektiere für mich selbst und frage um Rat. Aber ich jammere nicht .

Kommentar von Maimaier ,

Wenn ein Kind hinfällt, rennt es zur Mama. Die tröstet ihn, dem Kind geht es besser. Und der Mama? Der auch. Die freut sich, weil es ihrem Kind wieder besser geht.

Kommentar von Sharkbitesx3 ,

Wenn es grade hingefallen ist, würde ich es auch trösten.

Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen.

Würdest du dir ständig das jahrelange Gejammer eines psychisch kranken Menschen gönnen?

Kommentar von Maimaier ,

Ja, ich höre zu, wenn andere mir von ihren Sorgen erzählen. Es ist besser, sich gemeinsam den Problemen zu stellen, als sie zu verdrängen.

Das "Gejammer" ist die Folge, das der andere nicht wirklich zuhört. So wird das gleiche ständig wiederholt.

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