Frage von cleopatra22, 25

Darf ich die Narkosemedikamente für meine OP selber bestimmen?

Siemens, Deutsche Bank, VW usw. werden kriminell! Jetzt auch das Gesundheitswesen? Ich muss mich operieren lassen (Zervixkarzinom)! Nun habe ich große Angst, denn ich habe gelesen, dass junge Patienten eine stärkere bzw. tiefere Narkose bekommen und so Organe aber besonders das Gehirn geschädigt werden, dass sie nicht die Besten Narkosemedikamente bekommen, dass sie oft nur insuffizient präoxygeniert werden, dass während der OP nicht so oft auf die Überwachungsgeräte geschaut wird (OP -smalltalk ganz besonders Montags. Besonders wenn die Pat. nicht zusätzliche Krankheiten haben), dass in erster Linie finanzielle Interessen eine Rolle spielen und an zweiter Stelle der Patient. Da die Politik und die Krankenkassen dies alles wissen, aber nichts dagegen tun genau so wie bei VW komme ich nun zu meiner Frage. Darf ich dies im Vorgespräch alles ansprechen ohne das der Anästhesist bzw. Chirurg beleidigt ist und mich dann nicht operiert?? Und darf ich um gute Narkosemedikamente bitten und eine ordentliche Präoxygenierung von mindestens 3 Min. (die ich natürlich auch gerne selber bezahle auch den Sauerstoff)?? Oder werde ich dann noch schlechter behandelt weil es dies eigentlich gar nicht geben dürfte „bzw. nicht gibt“ ?? Ich kann leider nicht sagen, ich möchte nicht operiert werden. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2001-16671

Ich bin schon ein paar mal operiert wurden. Warum hält sich kein Abäst...

http://www.helpster.de/ist-eine-vollnarkose-gefaehrlich-wissenswertes-zu-ihrem-a...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Schlauchmayer, 25

Inwieweit der Patient mit seinen Vorstellungen ernst genommen wird, richtet sich nach seinem Hintergrundwissen und auch ganz entscheidend nach seinem Auftreten.
Natürlich kannst du deine Probleme im Vorgespräch ansprechen und wenn das auf eine sachliche Art und Weise geschieht, dann wirst du wahrscheinlich auch vernünftige Antworten bekommen. Ich fürchte aber, wenn ein Patient seinen Ärzten schon im vorhinein alle möglichen Sachen unterstellt, wie z.B. dass das Wohl des Patienten wegen wirtschaftlicher Erwägungen hinansteht, dass er in Gedanken nicht bei der Arbeit ist und dass er leichtsinnig arbeitet, dann ist die Wahrscheinlichkeit auch groß, dass sich der Arzt tatsächlich beleidigt fühlt. Ebenso verbietet sich Sarkasmus, wie der Hinweis darauf, dass du den Sauerstoff für die Präoxigenation selber bezahlen willst.

Aussagen wie "Schädigung des Gehirns" durch "zu tiefe Narkose" weisen eher auf diffuse Ängste als auf fundiertes Hintergrundwissen der Narkosewirkung hin und bilden in diesen Gesprächen keine Grundlage, um mit den Fachleuten auf Augenhöhe zu sein. Wenn du hier wirklich ein ernstzunehmender Gesprächspartner sein willst, dann sind fundierte Kenntnisse in der Narkosewirkung unabdingbar.

Dieser Verweis auf den Artikel mit der Präoxigenation ist ja schon mal ein guter Anfang. In der Tat wird in Lehrbüchern gefordert, den Patienten vor der Verabreichung der Hypnotika ausreichend, d.h. 3 Minuten lang zu präoxigenieren. Damit kann der Atemstillstand während der Intubation bis zu 8 Minuten lang überbrückt werden.
Hattest du in deinen früheren Operationen hinterher Probleme wegen der Narkose oder worauf gründet sich dein Misstrauen?

Kommentar von cleopatra22 ,

Zunächst einmal vielen vielen Dank für die wertvollen Hinweise! Ich möchte auf keinen Fall jemanden Beleidigen. Ich habe nur große Angst! Bei meiner letzten OP (Hysteroskopie mit Kürettage) habe ich extreme Aufwachprobleme gehabt. Meine Bettnachbarin hat mir erzählt, dass die Schwester extreme Schwierigkeiten hatte, mich zum Abendbrot wach zu kriegen. Ich selber weiß gar nichts davon. Ich kann mich erst wieder an den anderen Morgen erinnern, als ich aufgefordert wurde, mich am Waschbecken zu waschen. Ich habe heute noch (nach einem Jahr) Probleme mit meinem Gedächtnis. Ich führe es auf die Narkose zurück. Bei der Visite hat man das aber immer verneint. So eine Narkose möchte ich nie wieder. Darum wollte ich mich vor meiner nächsten OP mal schlau machen und habe mit entsetzen festgestellt, dass sich kein Anästhesist den ich bis her kennen gelernt habe an die Vorgehensweisen aus der Fachliteratur hält. Meine Oma (72 Jahre) ist aus der Narkose nicht wieder aufgewacht. Wenn man von einer Narkose einschläft und nicht wieder aufwacht, ist für mich die Narkose schuld. Oder?? Was soll ich jetzt nur machen ohne jemanden zu beleidigen?? Sie schreiben, ich benötige fundierte Kenntnisse. Heißt das, dass ich jetzt vorher Medizin studieren muss bevor ich ernst genommen werde bzw. eine korrekte Präoxygenierung bekomme?? LG

Kommentar von Schlauchmayer ,

Ja, wie lange ist es eigentlich zu deiner OP? Steht da schon ein Termin?

Kommentar von cleopatra22 ,

Man kann mir noch keinen geben. Verstehe ich auch nicht. Man will erst einmal herausfinden, ob ich vorher eine Bestrahlung bzw. Chemotherapie benötige. Sind Sie Anästhesist? LG

Kommentar von Schlauchmayer ,

Das ist angesichts Ihrer Ängste kein Problem. Sie sollten sich von Ihren Ängsten lösen und auf den Boden der Tatsachen zurückkehren.
Das wird sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen lassen, möglicherweise nimmt es einige Tage oder Wochen in Anspruch. Aber dann haben Sie die Basis für ein vernünftiges Gespräch mit den Anästhesisten für Ihre nächste OP. Ein Medizinstudium ist dafür sicher nicht nötig, ein nüchterner Realitätssinn und eine Orientierung an den Tatsachen reicht dafür auch schon aus.
Das Problem mit Ihren Gedächtnisproblemen ist, dass sie wohl schwer objektiv nachzuweisen sind. Im Gegensatz dazu ist ein gebrochenes Bein einfacher zu diagnostizieren. Ich denke das beschreibt das Problem ausreichend. Von da ausgehend können diese auch schwer mit der Narkose oder gar mit einem bestimmten Medikament in Verbindung gebracht werden.

Mit dem verzögerten Aufwachen aus der letzten Narkose sieht es da schon anders aus. Allerdings können derartig lange Nachwirkungen der Vollnarkose durchaus vorkommen. Es ist hier auch unbekannt wie lange die OP gedauert hat und welche Medikamente in welcher  Dosierung zum Einsatz kamen.

Am ehesten ist wohl Ihr Wunsch nach einer ausreichenden Präoxigenierung zu erfüllen. Da sollten Sie beim Narkosegespräch äussern, dass sie sich wohler fühlten, wenn Sie vor der Narkose genug Sauerstoff atmen könnten. Und darauf hinweisen, dass die Maske sie dabei gar nicht stören würde. Wie Sie dem von Ihnen aufgeführten Artikel über die Präoxigenation entnehmen können, vermeiden die Anästhesisten die Präoxigenation am wachen Patienten, weil sie davon ausgehen, dass diese das als Unangenehm empfinden.

Kommentar von cleopatra22 ,

Danke für die Antwort! Noch eine letzte Frage! Falls meine Einleitung genau so wie beim letzten mal abläuft und ich sofort das weiße Schlafmittel bekomme ohne vorher Sauerstoff mit „dicht aufliegender Beatmungsmaske“ eingeatmet habe, darf ich dann immer noch meine Einwilligung zur OP zurücknehmen?? Oder ist es dann zu spät bzw. nicht mehr erlaubt oder möglich weil schon alles vorbereitet ist und alle Medikamente aufgezogen sind?? Ich kann nirgendwo finden, wie weit meine Rechte gehen bzw. bis wann man seine Einwilligung noch zurück nehmen kann oder darf !?? Ich habe zwar gelesen, dass eine unzureichende Präoxygenierung nicht die Ursache für die anschließenden Gedächtnisstörungen bzw. Amnesie ist, dennoch möchte ich eine korrekte Einleitung. Man hat mir zwar in der Visite gesagt, dass bei mir nach dem Einschlafen eine manuelle Beatmung erfolgt ist bzw. möglich war. Aber was ist, wenn plötzlich eine manuelle Beatmung nicht möglich ist?? Dann fehlen doch die ca. 8 Minuten. Oder?? Leider verstehe ich nicht alles was in den Fachbüchern steht. LG

Kommentar von Schlauchmayer ,

In der Regel dient die sogenannte Präoxigenation dazu, die Lungen mit reinem Sauerstoff aufzufüllen. Wie wir wissen, ist der Sauerstoff in unserer Raumluft nur mit zu 20 % oder so enthalten. Der Rest ist Stickstoff. Bei der Präoxigenierung wird dieser Stickstoffanteil in der Lunge auch mit Sauerstoff ersetzt. Sie  haben am Ende der Präoxigenierung sozusagen idealerweise die  5-fache Sauerstoffreserve in der Lunge wie normal. Diese Präoxigenierung kann vor der Narkoseeinleitung beim wachen Patienten vorgenommen werden, oder auch beim eingeschlafenen. Bei Ihnen war es wohl so, dass sie Sie erst einschlafen ließen und dann mit der Maske beatmeten. Das ist unter normalen Umständen möglich und wird auch so gehandhabt. Es gibt bestimmte anatomische Gegebenheiten bei Patienten, wie. z.B. fehlende Zähne, die das erschweren.  In den folgenden Minuten wurde die Präoxigenation bei Ihnen dann durchgeführt. 

Ziel der Präoxigenierung ist, eine Sauerstoffreserve zu haben für den Fall, dass die Intubation nicht sofort funktioniert und es dabei zur Verzögerung kommt. Während der Intubation liegen  Sie nämlich ohne Atmung da. Normalerweise ist der Schlauch mit einem Handgriff in der Luftröhre, das dauert einige Sekunden und so ist es auch in den meisten Fällen. Problematisch wird es erst, wenn sich die Intubation verzögert, weil der Patient aufgrund anatomischer Gegebenheiten z.B. schwer zu intubieren ist.  Dann muss man ggf. auf die Sauerstoffreserve für bis zu 8 Minuten zurückgreifen. Aber auch dann kann man dem Patienten zwischendurch die Maske wieder aufsetzen und ihm wieder etwas Luft verschaffen.

Sie sehen, dass die Präoxigenation eigentlich für ein worst-case-Szenario vorgenommen wird und auch nach der Narkosespritze noch gemacht werden kann.

Aber wenn Sie sagen, dass Sie nur in die Narkose einschlafen möchten, wenn Sie vorher ausreichend präoxigeniert wurden, dann sollten Sie das sagen und auf dem Narkosebogen festhalten lassen.
Andere Patienten fürchten sich jedoch vor der Maske und die lassen festhalten, dass sie die Maske erst hinterher draufkriegen möchten.
Auch das ist möglich und wird befolgt.
Ich denke, dass man sich auch nach Ihrem Wunsch richten würde.
Wenn Sie aber bereits Narkosemittel bekommen, ohne die Maske aufzuhaben, dann kann es sehr schnell gehen. In diesem Falle würde ich dazu raten, nach dem Aufwachen einen Anwalt hinzuziehen und gegen die Verantwortlichen wegen Körperverletzung vorzugehen.

Denn dann wurde entgegen den Vereinbarungen gehandelt.

Kommentar von cleopatra22 ,

Vielen Dank! Das war sehr hilfreich und informativ!! Ich habe mir grade überlegt, dass ich meine Wünsche aufschreibe und sie als Anlage an den Narkosebogen anheften werde. Denn auf dem Bogen ist viel zu wenig Platz für eigene Wünsche. Darum hatte ich beim letzten Narkosegespräch nur mündlich gesagt, dass ich vor dem Einschlafen Sauerstoff einatmen möchte. Ich hatte es aber nicht aufschreiben lassen. Das war ein Fehler! Denn ich habe keinen Sauerstoff bekommen und es hat auch während der OP ein Anästhesiewechsel stattgefunden weil meine OP plötzlich 30 Minuten früher statt fand. Warum weiß ich nicht. Meine Wünsche: 1. Eine ganz flache Narkose. 2. Eine Präoxygenierung vor dem Hypnotikum bzw. Einschlafen. 3. Als Med. Propofol, Remifentanil, Norcuron und Sevofluran. Als gesetzlich versicherter werde ich bestimmt kein Xenon bekommen! 4. Nach der OP sofort wieder aufwachen und nicht erst am Abend auf der Station. Nochmals vielen Dank für den Tipp!! LG

Kommentar von cleopatra22 ,

Ich habe fast den Verdacht, dass ich auf Grund meiner Ängste extra lange schlafen gelegt wurde.

Kommentar von Schlauchmayer ,

Entschuldigung, es müsste lauten: Wie lange ist es bis zu Ihrer OP? Ich bin das Du hier zu sehr gewohnt.

Kommentar von cleopatra22 ,

Das ist überhaupt kein Problem! Ich habe andere Sorgen! LG

Antwort
von heide2012, 24

Natürlich kannst du das im Gespräch mit dem Anästhesisten ansprechen.

Antwort
von Luisa1993, 15

Da ich in Krankenhaus arbeite, kann ich dir ganz sicher sagen das an den Anschuldigungen nichts dran ist bzw. an diesen Aussagen.
Aber sprich den Arzt auf deine Bedenken an und informier dich bitte nicht auf ihrgend welche mytenseiten.

Antwort
von cleopatra22, 19

Ich bin schon ein paar mal operiert wurden. Warum hält sich kein Abästhesist an diese Vorgaben?? So ist bei mir nicht eine einzige Einleitung abgelaufen! Ich habe gelesen, je älter bzw. erfahrener der Anästhesist ist um so weniger hält er sich an die Vorgaben bzw. an das, was er mal gelernt hat?? Ist das wirklich so?? Mir hat noch nie jemand vor dem Einschlafen zwei Minuten Sauerstoff gegeben! Wie kann das ??? Bekommen das wirklich nur Herzkranke?? http://www.helpster.de/ist-eine-vollnarkose-gefaehrlich-wissenswertes-zu-ihrem-a...

Kommentar von Luisa1993 ,

Das ist einfach abhängig von der Narkose Art, wie eine Narkose eingeleitet wird.
Bei einer ITN wird häufig die Narkose mit einem Medikamenten Gemisch eingeleitet.
Bei einer LMA wird mit einer Maske die Narkose eingeleitet.
Also keine Panik.
Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen die medizinischen Standards sind hoch in Deutschland und man brauche sich wegen der Narkose keine Sorge zu machen.
Die OP beinhaltet häufig viel mehr risikofaktore.

Kommentar von cleopatra22 ,

Liebe Luisa, ich würde dir ja gerne Recht geben! Kann es aber nicht zu 100%! Denn es hängt auch ganz entscheidend von den Vorgaben im KH und dem Personal ab. Hast du schon mal recherchiert, wie viele Gerichtsverfahren derzeit in Deutschland verhandelt werden? Das sind nicht wenige! Wo Menschen arbeiten passieren Fehler. Vor allem, wenn Personalmangel und Zeitdruck oder Stress dazu kommt. Ist ja leider in Deutschland zur Normalität geworden. Noch ein wichtiger Hinweis über meine Narkose. Es war eine Intubationsnarkose mit Narkosegas. Also keine TIVA oder LMA! Aber selbst bei einer ITN und TIVA muss Präoxygeniert werden und zwar bevor der Patient einschläft (laut Anästhesiefachbücher). Ist bei mir nicht erfolgt! Leider. LG

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