Frage von Mueller345, 174

Darf ich auf dem Bürgersteig beten?

Hallo,

ich hätte eine kurze Frage, wohne ja in Berlin. Hab eben auf dem S-Bhf. Tempelhof einen Mann so um die 40 getroffen, der auf dem S-Bhf ziemlich abseits der Menschen seinen Gebetsteppich ausgepackt und gebetet hat. War ein Moslem.

Nach Artikel 4 des Grundgesetzes haben wir ja Religionsfreiheit. Ist ja ein Grundrecht. Andererseits leben wir doch in einem säkularen Land, oder? Das bedeutet doch, wenn ich es zumindest richtig verstehe, dass der öffentliche Raum bekenntnisfrei zu sein hat. Streng genommen dürften doch auch Frauen auch nicht auf der Straße mit Kopftüchern etc. rumlaufen. Soll jetzt nichts Rechts klingen, aber mich verwundert das immer mit den Gesetzen.

Wir haben zwar als Grundrecht Religionsfreiheit, andererseits sehen wir uns als säkularen Staat an und dann gibt es doch auch noch das Neutralitätsgesetz. Was gilt denn nun? Darf ein jeder einfach auf dem Bürgersteig sein Gebetsteppich auspacken und beten? Bitte um aufrechte Aufklärung!

Müelli

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Artus01, 36

Auf Bürgersteigen ist alles erlaubt was nicht ausdrücklich verboten ist. Beten ist nicht verboten. Wenn jemand dafür einen Teppich ausrollt ist das auch nicht verboten.

Das bedeutet doch, wenn ich es zumindest richtig verstehe, dass der öffentliche Raum bekenntnisfrei zu sein hat.

Das verstehst Du nicht richtig Kirchen befinden sich auch im öffentlichen Raum, willst Du nun daß die Kirchen ihre Kreuze auf den Türmen abmontieren?

Streng genommen dürften doch auch Frauen auch nicht auf der Straße mit Kopftüchern etc. rumlaufen.

An einem entsprechenden Teilverbot arbeiten unsere Politiker ja mit Hochdruck, weil wir ja derzeit sonst keine Probleme haben.

Konsequenterweise dürfte dann auch keine Nonne oder ein Mönch in der entsprecheden "Tracht" auf der Straße herumlaufen.

Kommentar von Yankors ,

Um es vorweg nochmals zu sagen ich bin Moslem.Lebe allerdings in einer mit weiter Mehrheit christlich orientierter Gesellschaft.Da dieses Land zudem noch eine jahrhunderte alte christliche Kultur und Tradition hat ,ist es absurd das ein moegliches Kopftuch -oder Burkaverbot einhergehen soll mit einem Verbot der Trachten der Moenche,Nonnen oder anderer christlicher Orden.Wir sind hier die Fremden und wir haben uns obwohl Religionsfreiheit herrscht, doch ein wenig dem Gastland anzugleichen und nicht umgekehrt.Wer das anders sieht, der tut mir leid.

Tareq Abdullah

Kommentar von Artus01 ,

Es tut mir leid wenn Du meine leicht ironische Formulierung, daß unsrere Politiker mit Hochdruck an einem Burkaverbot arbeiten, nicht verstanden hast.

Es wird, und das ist gut so, kein Burkaverbot geben. Sollte es doch so kommen, so ist es naheliegend daß ein solches Verbot auch auf andere "Kleindungen" auswirkungen hat. Aber ich verlasse mich da auf das Bundesverfassungsgericht. Es wäre nicht das erste Mal daß unsere Herren Politiker von dort Bescheid bekommen haben was die Verfassung ihnen an Entscheidungsfreiheit zubilligt.

Antwort
von petrapetra64, 18

So lange er niemanden stört, sollte es doch kein Problem sein. Wenn er aber Passanten dadurch behindert oder kleine Kinder erschreckt (durch lautes Beten z.B.), dann geht das natürlich nicht. 

Aber die öffentliche Neutralität bedeutet ja nicht, dass jeder Glauben verbannt werden muss. Stell dir mal vor, man würde jedem Christen das Kreuz an einer Kette vom Hals reißen oder ihn wegen des öffentlichen Tragens verhaften. 

In der Öffentlichkeit darf man halt nichts für andere störendes tun, z.B. nackt rumlaufen, Sex haben, andere belästigen in irgendeiner Form. Wenn das Beten aber niemanden belästigt, sollte es kein Problem sein. 

Christen können auch öffentlich beten, wenn sie das wollen. Halt eben in angemessener Lautstärke und etwas zurückgezogen. 

Ich hatte vor Jahren mal einen Arbeitskollegen, der mehrfach täglich betete (Christliche Sekte). Er tat das zwar, während er in seinem Dienstraum alleine war, aber er betete sehr laut und dummerweise war dieser Raum teilweise über einer Treppe und zwischen den Stufen oben offen. 

Und das hat dann andere, die diese Treppe benutzten, doch sehr verunsichert, denn man wusste nicht, wo das herkam, man hörte einfach die Stimme über einem, sah aber niemanden. Das war schon unheimlich. Darum haben sich einige beschwert und es wurde ihm verboten, zumindest in dieser lauten Form.

Antwort
von Klaraaha, 53

Nein, aber wo kein Kläger auch kein Richter. Ein einzelner Betender fällt auch nicht so auf und stellt wohl kein großes Hindernis dar. Würde eine große Anzahl  Betender gleichzeitig den Bürgersteig blockieren, ist das ein Fall für das Ordnungsamt.

Antwort
von cerveza, 11

Hallo, ich bin auch Muslim. Wenn man die Möglichkeit hat, zuhause oder in der Moschee bzw in einem Gebetsraum zu beten ist das zwar schöner und besser meiner Meinung nach. Aber nicht jeder Moslem hat die Möglichkeit immer dort zubeten wo er wollte. Es gibt auch Gebetszeiten, die zwar relativ flexibel sind, doch im Allgemeinen gilt der Grundsatz dass das Gebet zur bestimmten Zeit für den Gläubigen eine Pflicht ist. Und nicht jeder Moslem ist immer zuhause bzw es ist in Deutschland nicht immer eine Moschee in der Nähe. Natürlich würde er dann als überzeugter Moslem irgendwo in der Ecke beten. Das habe ich auch schon öfter gemacht und bis jetzt habe ich nie Probleme bekommen.

In einem richtig islamischen Land dürfen Christen und Juden ihre eigenen Gesetze haben und dürfen sogar Schweinefleisch und Alkohol verkaufen, solange sie es nicht an Muslime verkaufen. Bei Strafttaten dürfen sie sich sogar aussuchen, ob sie zu einem christlich/jüdischen Gericht gehen oder zu einem islamischen Gericht. Obwohl es historisch bekannt ist, dass die Christen und Juden in eine islamischen Land immer das islamische Gericht vorgezogen haben. Dieses Land gibt es leider nicht und ich glaube nicht, dass Saudi-Arabien islamkonform ist. Saudi-Arabien ist vllt oberlächlich islamisch aber ganz bestimmt nicht richtig. Sonst dürfte man dort Kirchen bauen usw. Lass doch jedem seinen Glauben leben wie er will.

Antwort
von chanfan, 32

Frag´doch mal beim Ordnungsamt in Berlin. Die fangen dich ja schon weg, wenn du auf dem Bürgersteig, sitzend eine Zigarette rauchen willst.

* OK, Allerdings gibt´s auch keine Sitz und Rauch Freiheit. :)

Antwort
von PatrickLassan, 26

"Wir haben zwar als Grundrecht Religionsfreiheit"

Stimmt, und deshalb ist diese Frage eigentlich überflüssig.

"dann gibt es doch auch noch das Neutralitätsgesetz."

Ein derartiges Gesetz wäre mir neu.

Kommentar von Mueller345 ,

Aber jedes Grundrecht ist Schranken unterworfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein jeder einfach seinen Teppich auf die Straße packen und beten kann, nur weil jetzt die Gebetszeit angebrochen ist. Sowas kann doch nicht von der Religionsfreiheit gedeckt werden.

Es gibt eine Neutralitätsgesetz in Berlin für Lehrer:

"Lehrkräfte und andere Beschäftigte mit pädagogischem Auftrag in den öffentlichen Schulen nach dem Schulgesetz dürfen innerhalb des Dienstes keine sichtbaren religiösen oder weltanschaulichen Symbole, die für die Betrachterin oder den Betrachter eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft demonstrieren, und keine auffallenden religiös oder weltanschaulich geprägten Kleidungsstücke tragen. Dies gilt nicht für die Erteilung von Religions- und Weltanschauungsunterricht."

Kommentar von bluestyler ,

,,Aber jedes Grundrecht ist Schranken unterworfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein jeder einfach seinen Teppich auf die Straße packen und beten kann, nur weil jetzt die Gebetszeit angebrochen ist. Sowas kann doch nicht von der Religionsfreiheit gedeckt werden"

Wieso? Es gibt ca. 1 Millionen Obdachlose in Deutschland. Die sind auch auf der Straße bzw. auf den Bürgersteig und das den ganzen Tag.

Keine Ahnung worauf du jetzt gehen willst.

Ein Gebet dauert 2-3 Minuten. Man ist leise, stört keinen. 

Was ist daran schlimm?

Kommentar von PatrickLassan ,

Es gibt eine Neutralitätsgesetz in Berlin für Lehrer:

Eben. Es gibt den Grundsatz, dass öffentliche Bedienstete im Dienst immer politisch neutral sein sollen. Das gilt aber eben nur für diese, eine generelles Neutralitätsgesetz gibt es nicht.

Antwort
von Eselspur, 21

Wenn du niemand behinderst, darfst du natürlich beten.

Wie kommst du darauf, dass der öffentliche Raum bekenntnisfrei sein muss?
Solange ich mich an die Gesetze halte, darf ich auch in der Öffentlichkeit meinen Glauben leben.

Ich bin Christ und wundere mich, warum - angesichts von Moslems - selbstverständliche Rechte in Frage gestellt werden.

Antwort
von fricktorel, 14

Durchaus, es gibt "große Vorbilder" darin (Mt.6,2.5).

Antwort
von OnkelSchorsch, 30

Du darfst auch auf dem Bürgersteig Kopfstand machen oder im Handstand laufen, wenn dir das Spaß macht.

Solange du keinem im Weg bist, ist das Jacke wie Hose.

Musst aber damit rechnen, gerade in Berlin, dass dir beim Beten Hunde auf den Teppich pinkeln, alte Leute über dich stolpern und dich dann verklagen und dass besoffene Penner dir auf den Rücken kotzen.

Wenn dich das alles nicht stört - viel Spaß beim Beten.

Antwort
von vitus64, 23

"Das bedeutet doch, wenn ich es zumindest richtig verstehe, dass der öffentliche Raum bekenntnisfrei zu sein hat."

Das stimmt schon mal nicht. Natürlich darf man in der Öffentlichkeit beten, da wir Religionsfreiheit haben.

"Streng genommen dürften doch auch Frauen auch nicht auf der Straße mit Kopftüchern etc. rumlaufen."

Auch falsch. Der Staat kann niemandem die Kopfbedeckung vorschreiben oder verbieten.

"Darf ein jeder einfach auf dem Bürgersteig sein Gebetsteppich auspacken und beten?"

Ja natürlich.

Antwort
von Nunuhueper, 33

Nein, es gibt regulierende staatliche Einschränkungen.

Die im Grundgesetz verbürgte Religionsfreiheit unterscheidet unter anderem auch zwischen der individuellen Ausübung einer Kult-Handlung und der kollektiven Ausübung. Weiter wird unterschieden zwischen
GlaubensfreiheitBekenntnisfreiheit sowie private und öffentliche Religionsübungsfreiheit, insbesondere in ihrem Bezug und den rechtlichen Konsequenzen für den staatlichen Bereich.
Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekunden, darf nur den gesetzlich vorgesehenen Einschränkungen unterworfen werden, die zum Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer erforderlich sind.

Kommentar von Mueller345 ,

Sie sagen ja, dass es regulierende staatliche Einschränkungen gibt. Aber nochmal darauf zurückzukommen: Darf ich im Namen der Religionsfreiheit auf der Straße beten, wenn von mir keine Gefahr für  andere ausgeht?

Kommentar von Nunuhueper ,

Die Religionsausübungsfreiheit ist gesetzlich garantiert in Kirchen, Synagogen und Moscheen, der gesetzliche Schutz besteht  bereits auf den Weg dorthin. 

Auf öffentlichen Straßen und Plätzen kann aber dieses Recht mit dem Schutz der öffentlichen Sicherheit, Ordnung, Gesundheit, Sittlichkeit oder der Grundrechte und -freiheiten anderer kollidieren.

Als Beispiel kann in Stadt- und Polizeiverordnungen festgelegt werden, welche kulturellen oder religiösen Veranstaltungen genehmigungspflichtig sind. Alle Personen, die etwas "veranstalten" oder ihre Gebetsteppiche ausbreiten, müssen das vorab anmelden.

Bettler, von denen selbst keine Gefahr ausgeht, müssen das ja auch tun.

Antwort
von 1900minga, 30

Solange du dadurch keinen störst, bzw im Weg sitzt, dürfte es kein Problem sein, denke ich.

Antwort
von HirnvomHimmel, 16

Religionsfreiheit heißt, daß er genauso am Bahnhof seinen Gebetsteppich ausrollen darf, wie Du deinen Klappstuhl aufstellen und dir ne Currywurst reinschaufeln darfst.

-Es sei denn es verstößt gegen die Hausordnung des Bahnhofs.

Antwort
von Viktor1, 13
Darf ich auf dem Bürgersteig beten?
...haben wir ja Religionsfreiheit

Ja, aber nicht Pinkeln , auch wenn dies irgendeine Religion vorschreiben sollte.

Antwort
von AnnaStark, 37

Solange er kein verkehrsbehinderung darstellt, KEIN Problem, darf er. Aber sicherlich nicht mitten auf dem Fahrradweg z.B.

Antwort
von Ervo17, 19

Klar ist es erlaubt. Ich meine, ich sehe auch jeden Tag Menschen, die ein fettes Kreuz am Hals tragen oder ich sehe auch ne Kirche aufm Weg zur Arbeit. Soll ich mich jetzt beschweren?

Du solltest nicht mitten auf der Fahrbahn beten, sprich nicht die Umfeld stören damit. Das ist wie Parken auf dem Gehweg, behindert auch die Fußgänger.

Solange du nicht geltendes Rechg verstößt, ist alles erlaubt und das tust du nicht, wenn du Rücksicht auf andere nimmst.

Ich höre auch beschissene Musik auf den Straßen, aber gehe auch weiter.

In Deutschland leben Millionen von Muslimen, das hat man zu akzeptieren. Aber gerade in dieser antiislamischen Zeit wird man eher bespuckt als toleriert, wenn man anders ist.

Ob man unbedingt auf dem Gehweg beten muss, ist ne andere Sache, aber erlaubt wäre es. Es gibt nicht umsonst Moscheen usw.

Antwort
von frischling15, 19

Das ist in meinen Augen eine reine Provokation , denn wie kann er sich dort ernsthaft auf ein Gebet konzentrieren ?

Kommentar von bluestyler ,

Frischling, warum soll einer provozieren, indem er seine Religion praktiziert.

Anscheinend hatte er leider keine Zeit mehr um noch rechtzeitig nach Hause zu gehen und zu beten.

Ein Gebet ist so leise, du hörst es praktisch kaum.

Ich finde, wenn nur einer betet, sollte es keinen stören.

Kommentar von Mueller345 ,

Es geht einfach darum, dass es nicht üblich ist in Deutschland mitten aufm Bahnhof oder teils in der Bahn seinen Teppich auszupacken und zu beten. Ich kenn niemanden, der das absolut normal findet, sry. Deshalb empfinde ich es auch als sehr provokant. Ich mein, in diesem Land gibt es ja auch noch andere Religionsgemeinschaften, aber ich hab noch nie von einem Juden, Drusen oder Hindu gehört, der einfach seine Religionspraktiken mitten aufn Bahnhof oder in der Bahn ausübt.

Kommentar von bluestyler ,

Ist seine Sache.

Solange er keine Menschen stört, ist alles okay.

Antwort
von AnnnaNymous, 28

Boah, schrei nicht nach Gesetzen,mach einfach, wenn Du unbeding auffallen willst.

Kommentar von Mueller345 ,

Ich würd sowas niemals machen, aber ich frage ja daher, weil ich dachte, sowas wäre verboten, weil wir in einem säkularen Staat leben.

Kommentar von PatrickLassan ,

Es ist deshalb nicht verboten, weil es in diesem Staat Religionsfreiheit gibt.

Kommentar von Nunuhueper ,

 Gebot oder Verbot ? Das Beten auf dem Bürgersteig zwecks "Ausübung der Religionsfreiheit", darüber entscheidet der Gesetzgeber mit der Stadtverordnung.

Das Ordnungsamt reagiert prompt.

Was machst Du nur gegen alle, die frei von Religion sind und die Religionsfreiheit für sich so interpretieren?

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