Frage von kannnixweissnix, 172

Darf ich als Krankenschwester die Schweigepflicht brechen, wenn der Arzt betrügt?

Hallo, ich habe mal eine sehr fachspezifische Frage:

Die ärztliche Leitung meines Krankenhauses praktiziert Abrechnungsbetrug und fälscht die Patientendokumentation. Damit werden aus "gesunden" Patienten "kranke", die natürlich "noch lange stationär behandelt werden müssen" und somit steigt natürlich die Summe, die sie mit den Krankenkassen abrechnen kann. Es sind auch schon OPs codiert worden, die gar nicht statt fanden z.B. 5 Min. Narkose mit Einlegen eines Dauerkatheters in die Blase, codiert als Bandeinlage und Vordere/Hintere Plastik, was sehr viel mehr Geld und eine längere Liegedauer mit sich bringt, sowie das Ausgeben und Verabreichen von Antibiotika (auch i.v.) bei Patienten, die gar nichts haben, usw.

Diese neue Ärztliche Leitung hat uns schon mehrfach solche Anweisungen gegeben, die wir bisher immer ignoriert haben, aber wir wollen so ein Verhalten nicht mehr länger hinnehmen. Wie können wir uns als Pflegepersonal verhalten? Was können wir tun, und an welche Stellen können wir uns wenden, auch in Hinsicht auf die Schweigepflicht, die es uns ja eigentlich verbietet, solche Missstände nach außen zu tragen? Meine Kollegen und ich möchten, dass das schnellstmöglich aufhört. Wir waren mal ein tolles Team in einem sehr gut bewertetem Krankenhaus, aber seitdem diese Leitung das Steuer übernommen hat (seit ca. 3-4 Monate), haben schon 6 Kollegen gekündigt und wir gehen nur noch mit Bauchschmerzen zur Arbeit...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Joergi666, 70

Rechtlich ist die Meldung im Hinblick auf Datenschutz kein Problem:

§ 197a SGB V - Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen

(1) Die Krankenkassen, wenn angezeigt ihre Landesverbände, und
die Spitzenverbände der Krankenkassen richten organisatorische Einheiten
ein, die Fällen und Sachverhalten nachzugehen haben, die auf
Unregelmäßigkeiten oder auf rechtswidrige oder zweckwidrige Nutzung von
Finanzmitteln im Zusammenhang mit den Aufgaben der jeweiligen
Krankenkasse oder des jeweiligen Verbandes hindeuten. Sie nehmen
Kontrollbefugnisse nach § 67c Abs. 3 des Zehnten Buches wahr.
(2) Jede Person kann sich in Angelegenheiten des Absatzes 1 an
die Krankenkassen und die weiteren in Absatz 1 genannten Organisationen
wenden. Die Einrichtungen nach Absatz 1 gehen den Hinweisen nach, wenn
sie auf Grund der einzelnen Angaben oder der Gesamtumstände glaubhaft
erscheinen.
Antwort
von Bernerbaer, 70

in Hinsicht auf die Schweigepflicht, die es uns ja eigentlich verbietet, solche Missstände nach außen zu tragen

Das verbietet die Schweigepflicht meines Erachtens nach nicht. Abrechnungsbetrug ist eine Straftat die angezeigt werden muss.

Ihr könnt dies anonym bei der Polizei bzw. bei den Krankenkassen anzeigen. Vor allem die Krankenkassen werden diesem Verdacht mit Sicherheit nachgehen.

Wenn ihr erst mal keine Patientennamen nennt (so wie du hier) dann kann das auch keiner Person zugeordnet werden.

Antwort
von creon39, 71

Der Fall ist gravierend, deshalb unbedingt und unverzüglich einen Anwalt einschalten!!!

Dieser wird Sie auch - hinsichtlich der Folgen für Sie persönlich - qualifiziert aufklären.

Mut und gutes Gelingen!

Antwort
von Mignon4, 69

Ihr könnt Anzeige bei der Polizei erstatten und/oder die Krankenkassen benachrichten und/oder die zuständige kassenärztliche Vereinigung.

Auf jeden Fall darf der Betrug nicht so weitergehen. Die Allgemeinheit muss dafür bezahlen. Außerdem handelt es sich um strafbare Handlungen. Übrigens dürft ihr solche Anweisungen ablehnen. Das hat nichts mit Arbeitsverweigerung zu tun. Kein Arbeitgeber kann euch zu einer Straftat zwingen.

Unternehmt so schnell wie möglich etwas. Mit der Schweigepflicht hat das auch nichts zu tun.

Antwort
von beangato, 38

Schweigepflicht bedeutet, dass Du über Krankheiten schweigen musst.

Das, was bei Euch gemacht wird, gehört angezeigt.

Ihr solltet Euch mal gemeinsam an einen Anwalt wenden.

Antwort
von Kuestenflieger, 52

im interesse aller versicherten , sollten sie die  kassenärztliche vereinigung informieren .

Antwort
von Destranix, 47

Mit Einverständnis der Patienten, die das betrifft darf man die Schweigeplicht brechen.

Kommentar von kannnixweissnix ,

Die Pat. wissen nichts davon, manche wundern sich nur, dass sie "so krank" sind. Und die meisten sind ja jetzt eh schon entlassen, also können wir jetzt auch keine Einverständnis mehr einholen.

Kommentar von Destranix ,

Doch das geht sicher!

Außerdem müssen die Patienten davon erfahren!

Mein Rat ist ersteinmal einen Anwalt zu konsultieren um alle rechtlichen Gegebenheiten in Erfahrung zu bringen!

Außerdem dürften die Patientendaten mithilfe eine Gerichtsbeschlusses verfügber sein.

Antwort
von PupsxD, 71

So weit ich weiß MUSS das sogar gemeldet werden. Also kannst du das ruhig zu Anzeige bringen.

Antwort
von juliavoo, 52

Da müsst ihr dann auf jeden Fall einschreiten. Das ist ja ekelhaft, einem gesunden Menschen vor zu täuschen, dass sie krank seien.

Wendet euch doch an einen Rechtsanwalt, der kann euch am besten weiterhelfen.

Und warum denn Schweigepflicht? Die begehen Betrug und das gehört angezeigt.

Antwort
von AnonYmus19941, 46

Die Schweigepflicht bezieht sich nur auf die Patientendaten, und diese sind ja hier nicht (direkt) betroffen.

Kommentar von kannnixweissnix ,

Naja, wenn das irgendwie zu einer Anzeige führen würde, MÜSSTEN wir als Beweis schon die Namen der Pat. angeben, damit das von offizieller Seite auch überprüft werden kann.

Kommentar von AnonYmus19941 ,

Ich bin mir eigentlich auch sicher, dass die zustimmen würden, was die Schweigepflicht meines Wissens nach aufhebt.

Kommentar von Destranix ,

Die Schweigeplicht wird bei der Aufklärung eine Verbrechens NICHT aufgehoben!

Falls allerdings ein Verbrechen unmittelbar durch den Bruch der Schweigeplicht verhindert werden kann ist es erlaubt.

Kommentar von AnonYmus19941 ,

Das habe ich auch nicht behauptet. Allerdings bezweifle ich , dass hier die Schweigepflicht überhaupt greift, außerdem bin ich der Meinung, dass die Patienten der Verwendung ihrer Daten zustimmen würden, was die Schweigepfliche meiner Meinung nach aufhebt.

Ganz genau so habe ich es oben auch schon geschrieben. Für das nächste Mal gilt daher: erst lesen und denken, dann schreiben ;-)

Antwort
von Schewi, 39

Das hat nichts mit Schweigepflicht zu tun. Das ist eine Straftat und kann angezeigt werden. Es geht ja nicht um die Krankheit eines Patienten selbst, sondern nur um deren gefälschte Akte.

Ich glaube ihr werdet hier keine echten Rechtsexperten finden. Sowas sollte man mit einem Anwalt besprechen. Dann erhebt vllt die Staatsanwaltschaft klage und es entstehen keine Nachteile für euch.

Aber ich kenne mich da leider nicht mit aus

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