Frage von hledamradu, 59

Darf ich als Alleinerbin das Bankkonto für das Begleichen eines Teils der Beerdigungskosten benutzen, obwohl ich das Erbe ausschlagen werde, oder .....?

Meine Mutter ist vor 1 Wo. verstorben und weil ich nur von meiner EU-Rente lebe, übernimmt das Sozialamt die Beerdigungskosten, wofür ich schon einen Antrag gestellt habe. Aber die Rechnung bekomme ICH und lt. Soz.-Amt soll ich diese vom Kto. meiner Mutter an das städt. Beerdigungsamt überweisen. Das Kto.-Guthaben wird diese nicht komplett begleichen können, so dass den Rest dann das Soz.-Amt übernimmt....hoffentlich!

Dazu jetzt meine folgende Frage an JEMANDEN HIER, der sich damit auskennt:

Kann ich als Alleinerbin das Kto. meiner verst. Mutter für diese einzige Überweisung UNBEDENKLICH benutzen, ohne dass mir dann vom Amt gesagt werden könnte, dass ich das ERBE schon alleine dadurch "stillschweigend" angenommen habe? ICH WILL NÄMLICH DAS undurchsichtige ERBE SO SCHNELL WIE MÖGLICH (5 Wo. habe ich noch Zeit) AUSSCHLAGEN! Danke schon im Voraus.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von SquadStein, 29

Auf keinen Fall. Die teilweise erwähnten Überweisungen durch die Bank sind rechtswidrig und haftungsträchtig. Wenn der Erbe am Ende seine haftung begrenzt ( http://www.erbfix.de/2016/06/muss-ein-erbe-fur-die-schulden-des.html ), dann kann das zu Deinen Lasten ausgehen.

Kommentar von hledamradu ,

Zuerst vielen Dank für Ihre direkte Antwort, die meine Bedenken als solche bestätigen. Ich hoffe, mich richtig ausgedrückt zu haben, dass ich dass Erbe ausschlagen werde.

Nun zu Ihrem Link. Ich freue mich, dass Sie sich als Rechtsanwalt auf meine Frage gemeldet haben, allerdings habe ich in dem rein juristisch verfassten Text leider keine konkrete Antwort auf meine Frage erkennen können. Dürfte ich Sie bitten, mir diesen verständlich zu erläutern? :-)

Hier der von Ihnen mir empfohlene Text, falls dieser auch sonst noch jemanden hier interessiert:

Muss ein Erbe für die Schulden des Erblassers haften?

Es ist eine Frage, die viele Menschen bewegt.

Kann ich Schulden erben? Bzw. genauer: Muss ich für die Schulden des Erblassers haften, wenn ich die Erbschaft annehme?

Die Antwort lautet: nein. Der Weg dahin ist aber komplizierter, als er sein müsste.

Die Gesetzeslage wird gern so umschrieben, dass der Erbe unbeschränkt, aber beschränkbar haftet. Damit ist gemeint, dass der Erbe seine Haftung nur dann auf den Nachlass beschränken kann, wenn er etwas tut. Wird derErbe verklagt, muss er sich die Haftungsbeschränkung auf den Nachlass vorbehalten (§ 780 Absatz 1 ZPO). Wird in das Vermögen des Erben vollstreckt, muss er sich mit der Vollstreckungsabwehrklage wehren (§ 785 ZPO). In der Praxis genügen hingegen meist ein paar Briefe und das Thema ist erledigt.

Wenn es auf die Beschränkung der Erbenhaftung hinausläuft, muss der Erbe die Nachlassverwaltung oder das Nachlassinsolvenzverfahren beantragen, wenn dafür eine ausreichende Masse vorhanden ist (ab ca. 3.000 bis 5.000 €). Andernfalls können die Erben die Dürftigkeitsreinrede nach § 1990 Absatz 1 BGB erheben. In all diesen Fällen muss der gesamte Nachlass dafür benutzt werden, die Gläubiger zu befriedigen.

Der Erbe kann seine Haftung nicht für Verbindlichkeiten beschränken, die er selbst verursacht hat. Verletzt der Erbe zum Beispiel seine

Verkehrssicherungspflicht, dann haftet er dafür mit seinem

Eigenvermögen.

Fazit:

Der Erbe haftet nicht mit seinem Eigenvermögen für die

Schulden des Erblassers, wenn er keine Fehler begeht. Die gesetzlichen Regelungen sind kompliziert. Die praktische Umsetzung ist meist etwas

einfacherer.

Kommentar von SquadStein ,

Ganz einfach. Der Erbe haftet für die Beerdigungskosten. Die ganzen Spielchen klappen also nur dann nicht, wenn sich der Erbe von dieser Haftung befreit. Der Link sollte zeigen, wie der Erbe das macht. Die Konsequenz hatte ich geschildert. Dann zahlst am Ende Du (je nachdem, wie man Deine Handlungen bewertet).

Antwort
von Gilgaesch, 59

Wenn du das Erbe ausschlägst darfst du nichts von dem Konto benutzen.

Kommentar von hledamradu ,

Ja richtig, aber auch dann, wenn ich nicht ausschlagen sollte, dürfte ich das Kto. meiner Mutter zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall benutzen. Siehe Kommentar von SquadStein. Auf jeden Fall auch Ihnen vielen Dank. lg

Antwort
von sassenach4u, 30

Du musst das nicht machen, du gehst mit der Rechnung zur Bank und die machen dann die Überweisung, so ist das üblich, auch wenn man das Erbe nicht annimmt. Die Bestattung ist zunächst aus dem Nachlass zu begleichen- wenn ein bisschen auf dem Konto war, dann überweist die Bank an das Bestattungsinstitut, du gibst den Zahlunganachweis an das Sozialamt für die Restkosten. Das war es.


Kommentar von hledamradu ,

Schön wär´s, aber in Wirklichkeit geht es ganz anders....leider! Danke auch Ihnen und lg.

Antwort
von hledamradu, 18

Vielen Dank euch allen, aber jetzt habe ich Antworten mit unterschiedlichen Aussagen erhalten, wodurch ich immer noch nicht weiß, wie ich mich richtig verhalten soll. ;-) Aber ich warte noch ab und werde nicht vorschnell handeln.

Antwort
von Lukas1643, 39

Ja, du kümmerst dich ja nur um die Abwicklung von der Beerdigung. Dafür müsstest du nicht mal unbedingt Erbin sein.

Geh am besten mit der Rechnung, Sterbeurkunde und wenn möglich mit einem beglaubigten testament mit eröffnungsprotokoll , zur Bank um die Rechnung zu bezahlen.

Wobei das Testament eigentlich nicht relevant sein sollte.

Kommentar von hledamradu ,

Danke, leider nicht möglich, da ich 500 km weiter weg wohne und aus gesundheitlichen Gründen nicht dorthin fahren kann.

Kommentar von Lukas1643 ,

Oh ok.

In dem Fall wäre es dann sinnvoll einen Nachlassverwalter oder -pfleger (weiß nicht, welcher von beiden in dem Fall der richtige wäre) einzuschalten.

Der müsste sich dann darum kümmern.

Kommentar von hledamradu ,

Sorry, dass ich Ihnen während eines wichtigen Telefonates so kurz angebunden geantwortet habe und vor allem vielen Dank für Deine Antworten.

Das mit dem Nachlassverwalter oder -pfleger kenne ich zwar noch nicht, aber die würden mich bestimmt auch Geld kosten, das ich mir als EU-Rentnerin nicht erlauben könnte. Ich selber bin zum Glück kein Aufstocker und das für meine verst. Mutter zuständige Soz.-Amt in Bayern sagte mir schon gleich am Todestag, dass sie keine Extras bezahlen, nur die billigste Anonymbeerdigung....leider, vom humanen und moralischen Aspekt her! Dies nur nebenbei.

Antwort
von hledamradu, 7

Hallo Herr SquadStein,

heute habe ich endlich auch meinen Anwalt erreicht und Sie hatten gestern vollkommen Recht. Nun wird es für mich ganz gewaltig kompliziert werden!

Ich wollte mich nun bei Ihnen herzlich bedanken, auch für Ihre 2. Erläuterung.

Gute Zeit und schöne Grüße

hledamradu

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