Frage von Krina18, 49

Darf eine Eigentümergemeinschaft die Nachbesserung durch den Bauträger ablehnen, wenn offensichtlich der Schaden dadurch nicht dauerhaft beseitigt werden kann?

Wir haben im Sept. 2013 eine Eigentumswohnung im Erdgeschoss eines neu zu errichtenden 8-Parteien-Hauses mit Seniorenwohnungen gekauft, Einzug meiner Mutter in diese Wohnung war Sept. 2014. Bis dahin ging eigentlich alles ziemlich glatt. Im Sept. 2015 bemerkte ich eine feuchte Stelle im Schlafzimmer (Außenecke des Hauses), auch einen modrigen Geruch in diesem Raum. Sofort erster Hinweis an den Bauträger (mündlich), Erinnerung im Oktober (mündlich), im Nov. dritter Hinweis durch den Hausverwalter. Erst am 17. Dezember, nach deutlichen Worten, folgte eine erste Besichtigung durch einen Assistenten des Bauträgers. Festgestellt wurde, dass alle Wände unserer Wohnung feucht sind, was zunächst nach einem Leitungswasserschaden aussah. Doch nach Leckortung und Besichtigung durch einen Gutachter, der von der Wohngebäudeversicherung geschickt wurde, stand fest, dass es auch die anderen beiden Erdgeschosswohnungen betrifft und das Wasser von außen eintritt. Es fehlt komplett eine Drainage ums Haus (Haus ist ohne Keller), die Gartenanlage hat von jeder Seite Gefälle zum Haus und die bodentiefen Terrassenfenster sind nicht richtig abgedichtet. Das Regenwasser dringt von dort ins Haus, hat sich im kompletten Erdgeschoss zwischen Betonsohle und Estrich verteilt, im Fahrstuhlschacht stand 9 cm Wasser (mittlerweile notdürftig abgepumpt), und es gibt in den 3 Erdgeschosswohnungen keinen Raum mehr, wo es nicht von unten her hinter den Fußleisten schimmelt (dicker, schwarzer Schimmel ist sichtbar, auch im Treppenhaus am Abschluss der Bodenfliesen). Nach schriftlicher Mängelanzeige will der Bauträger nun endlich folgende Maßnahmen ergreifen: eine Drainage ums Haus legen, eine Trocknung des Erdgeschosses mit Warmluft vornehmen und dann Malerarbeiten durchführen lassen. Die Eigentümergemeinschaft ist der Meinung, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, um den Schimmel dauerhaft und angemessen zu entfernen. Da der Schaden schon so lange besteht und bisher nichts passiert ist, halten wir eine Raumluftmessung, die fachgerechte Entfernung des Schimmels mittels Einsatz von Chemikalien, dann eine vernünftige Trocknung vor Renovierung der Tapeten und Fußböden zwingend erforderlich, wenn nicht sogar einen kompletten Rückbau des Erdgeschosses. Der Bauträger weigert sich, solche umfangreichen und für ihn kostenträchtigen Maßnahmen durchzuführen. Auch die Einschaltung eines Schiedsgutachters lehnt er ab. Müssen wir diese, vom Bauträger angebotenen geringen Maßnahmen hinnehmen, damit überhaupt etwas passiert? Wir haben die Befürchtung, dass der Bauträger gar nichts macht, wenn wir uns jetzt stur stellen. Wir könnten zwar ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren beantragen, was aber viel zu lange dauern würde, denn angesichts des starken Schimmels, der Gesundheitsbeeinträchtigungen für die gesamten älteren Bewohner bedingt, ist ja Eile geboten. Hat jemand so etwas schon mal erlebt oder einen guten Ratschlag, ich bin für jeden Tipp dankbar! Vielen Dank an euch, Krina!

Antwort
von FordPrefect, 22

Sofort erster Hinweis an den Bauträger (mündlich), Erinnerung im Oktober
(mündlich),

Grundfalsch. Hier hätte unverzüglich seitens der WEG dem Bauträger der Mangel angezeigt werden samt Fristsetzung. Das wird sich ggfs. bei der (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) gerichtlichen Auseinandersetzung bitter rächen.

im Nov. dritter Hinweis durch den Hausverwalter. Erst am
17. Dezember, nach deutlichen Worten, folgte eine erste Besichtigung
durch einen Assistenten des Bauträgers.

Viel zu spät.

Festgestellt wurde, dass alle Wände unserer Wohnung feucht sind, was zunächst nach einem Leitungswasserschaden aussah. Doch nach Leckortung und Besichtigung durch einen Gutachter, der von der Wohngebäudeversicherung geschickt wurde, stand fest, dass es auch die anderen beiden Erdgeschosswohnungen betrifft und das Wasser von außen eintritt.

Super. Spätestens hier hätte ein Anwalt beauftragt werden müssen. Warum ist das nicht erfolgt?

Es fehlt komplett eine Drainage ums Haus (Haus ist ohne Keller), die Gartenanlage hat von jeder Seite Gefälle zum Haus und die bodentiefen Terrassenfenster sind nicht richtig abgedichtet.

Pfusch, und zwar gefährlicher Pfusch. Wenn das schon so mies gemacht wurde, will ich gar nicht wissen, wie es andernorts im Gebäude aussieht.

Das Regenwasser dringt von dort ins Haus, hat sich im kompletten Erdgeschoss zwischen Betonsohle und Estrich verteilt, im  Fahrstuhlschacht stand 9 cm Wasser (mittlerweile notdürftig abgepumpt), und es gibt in den 3 Erdgeschosswohnungen keinen Raum mehr, wo es nicht von unten her hinter den Fußleisten schimmelt (dicker, schwarzer Schimmel ist sichtbar, auch im Treppenhaus am Abschluss der Bodenfliesen).

Hier ist jede weitere Verhandlung ohne Begutachtung durch einen neutralen Sachverständigen im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens  vergeudete Zeit und vergeudetes Geld. Alle weiteren Schritte sind in Abstimmung mit dem durch die WEG zu beauftragenden FA für Baurecht abzustimmen, denn hier geht es nicht nur um die Schäden, es ist zu befürchten, dass die Mängel überhaupt nicht im Bestand zu sanieren sein werden. Zumindest aber werden die EG-Wohnungen für lange Zeit unbewohnbar und nicht zu benutzen sein. Die Schadenssumme kann hier ohne Weiteres im oberen 6-stelligen Bereich enden, und da wird der Bauträger ganz kalt lächelnd die Insolvenzkarte ziehen - und Euch droht der Totalverlust.

Antwort
von ErsterSchnee, 26

Was sagt denn euer Anwalt dazu?

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