Frage von hejsan, 84

Darf ein Labor Portokosten bei einem Privatpatienten berechnen?

Guten Abend,

ich habe über meinen Arzt als Privatpatient eine Blutuntersuchung in einem Labor in Auftrag gegeben. Insgesamt wurden 3 Werte bestimmt. Die Ergebnisse wurden meinem Arzt vom Labor übermittelt. Jetzt habe ich 3 Rechnungen zu den jeweiligen Werten in Form von 3 Briefen vom Labor erhalten. Auf jeder Rechnung sind Portokosten in Höhe von 4,40€ nach §10(3) GOÄ aufgelistet. Insgesamt habe ich somit 13,20€ für das Porto zu zahlen. Dies finde ich übertrieben hoch. Leider ist nicht weiter aufgelistet, wofür die Portokosten sind. Nun zu meinen Fragen:

(1) Darf mir das Labor diese Kosten für die Zusendung der Rechnung in Rechnung stellen?

(2) Darf mir das Labor diese Kosten für die Zusendung der Werte an den Arzt in Rechnung stellen?

Ich danke für die Antworten!

Antwort
von Barmenia, Business Partner, 53

Hallo hejsan,

ich habe mal für dich in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) nachgeschlagen.

Kurz und knapp kann man zu Frage Nr. 2 sagen: Es kommt auf das Labor an.

Wenn es sich um ein Labor einer sogenannten "Laborgemeinschaft" handelt, in der dein behandelnder Arzt selbst Mitglied ist, darf dieses Labor keine Portokosten für die Übermittlung der Ergebnisse an den Arzt berechnen.

Handelt es sich jedoch um ein Fremdlabor, darf es die tatsächlich entstandenen Kosten für den Versand und ggf. Versandmaterial und Versandgefäße in Rechnung stellen.

Da das Labor auf deiner Rechnung sogar auf den entsprechenden Paragraphen der GOÄ verwiesen hat, gehe ich davon aus, dass hier der zweite Fall zutrifft und die Rechnung somit in Ordnung ist.

Zu Frage Nr. 1 ist zu sagen: Portokosten für den Versand der Rechnung an sich zu erheben, ist laut GOÄ immer unzulässig.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Christina vom Barmenia-Team

Kommentar von hejsan ,

Danke, Christina, für die ausführliche und kompetente Antwort!

In meinem Fall ist es tatsächlich ein externes Labor, wodurch laut Deiner Recherche die Rechnung in Ordnung ist. 

Wichtig finde ich jedoch bei Dir den Zusatz, dass es sich dabei um die "tatsächlich entstandenen Kosten" handeln muss. In diesem Fall finde ich 4,40€ pro Brief und 3 Seiten Papier extrem viel. Zudem wurde dies auf 3 Briefe aufgeteilt (gleichzeitig verschickt), was man sicherlich auch hätte in einem Brief unterbringen können. Ein maßvoller Umgang mit den Kosten sieht anders aus.

Zum Abschluss noch eine Frage. Ist der Punkt "tatsächlich entstandenen Kosten" eigentlich auch so in der Gebührenordnung enthalten? Bezieht sich dies dann auf die Materialkosten + Porto? Falls ja, würde ich tatsächlich nachhaken, wie dies die 4,40€ rechtfertigt.

Würde mich über eine Rückmeldung nochmals sehr freuen!

Herzlichen Dank und auch Dir ein schönes Wochenende.

P:S.: Ich fühle mich bei der Abrechnung schon ein wenig "veräpppelt". Zudem findet man bei Internetrecherchen zu dem Thema tatsächlich Seiten, welche die Berechnung von Porto- und Versandkosten als "Honoraroptimierung" verkaufen. Dies lasse ich mal kommentarlos hier stehen.

Kommentar von Barmenia ,

Hallo nochmal,

in § 10, Abs. 3 der Gebührendordnung für Ärzte heißt es:

Versand- und Portokosten können nur von dem Arzt berechnet werden, dem die gesamten Kosten für Versandmaterial, Versandgefäße sowie für den Versand oder Transport entstanden sind [...]

Es ist also nicht direkt die Rede von "tatsächlich entstandenen Kosten", jedoch steht unter Absatz 1 des selben Paragraphen:

Die Berechnung von Pauschalen ist nicht zulässig.

Dass das Labor drei gesonderte Briefe verschickt hat, kann verschiedene Gründe haben. Es kann zum Beispiel sein, dass die Werte zu unterschiedlichen Zeitpunkten bestimmt und an den behandelnden Arzt übermittelt wurden.

Wie die 4,40 € sich ganz konkret zusammensetzen und ob es sich dabei nur um die Kosten für die Übermittlung der Werte oder ggf. auch um "Versandmaterial" handelt, kann dir leider nur das Labor sagen.

Liebe Grüße

Antwort
von emily2001, 47

Hallo,

schau dir die hilfreichste Antwort bei dieser Frage an:

https://www.gutefrage.net/frage/muss-ich-die-portokosten-einer-privaten-arztrech...

also: es sieht so aus, als ob Portkosten nicht berechnet werden dürften, aber vielleicht sind die Mitarbeiter des Labors nicht "richtig eingewiesen" worden...

Emmy

Antwort
von Johannisbeergel, 37

Labore arbeiten auch oft mit Fahrradkurieren, da wären 4,40€ eig noch günstig 

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