Frage von KlausZirngibl, 33

Darf ein Kliniker an einem Menschen forschen, ohne ihn umfassend über Risiken und Nebenwirkungen der Forschungsbehandlung aufzuklären?

Die Deklaration der Ärzte von Helsinki, die die ethischen Grundsätze für die medizinische Forschung am Menschen reglementiert gibt auf obige Frage ein klares „Nein!“ als Antwort.

Petition in Browserzeile: https://www.openpetition.eu/!qgyyh

In der Deklaration heißt es:

  1. Bei der medizinischen Forschung an einwilligungsfähigen Personen muss jede potentielle Versuchsperson angemessen über die Ziele, Methoden, Geldquellen, eventuelle Interessenkonflikte, institutionelle Verbindungen des Forschers, den erwarteten Nutzen und die potentiellen Risiken der Studie, möglicherweise damit verbundenen Unannehmlichkeiten, vorgesehene Maßnahmen nach Abschluss einer Studie sowie alle anderen relevanten Aspekte der Studie informiert (aufgeklärt) werden. Die potentielle Versuchsperson muss über das Recht informiert (aufgeklärt) werden, die Teilnahme an der Studie zu verweigern oder eine einmal gegebene Einwilligung jederzeit zu widerrufen, ohne dass ihr irgendwelche Nachteile entstehen. Besondere Beachtung soll dem spezifischen Informationsbedarf der individuellen potentiellen Versuchspersonen sowieden für die Informationsvermittlung verwendeten Methoden geschenkt werden.

Da die Deklaration in deutschen Universitätskliniken oft übergangen wird, fordern wir eine unabhängige Medizinaufsicht in den Labors zum Schutz des Probanden. Weiterhin wollen wir die Auszahlung aller Probanden, die um ihre Risikoentschädigung betrogen worden sind und schließlich eine nachträgliche Aufklärung in Form eines Probandenvertrags (der ist eigentlich vorgeschrieben)

Die Begründung für diese Petition ist, ich war im Klinikum Rechts der Isar selbst unaufgeklärtes Objekt der Humanforschung. Durch dieses Erlebnis und die Erfahrung in 15 Jahren Medizintechnik entwickelte ich eine besondere Wahrnehmung für die Art und Weise, mit denen Kliniken in Kooperation mit der Medizinindustrie am "Patienten" forschen.

Ich kenne mittlerweile viele Fälle, bei denen jeweils der "Patient" ins Labor geführt wird, ohne dass er darüber informiert wird, dass er Proband ist. Es erfolgt weder Aufklärung noch Risikoentschädigung. Ersteres weil der Kliniker mit seinem Kooperationspartner die Furcht hegt, vertrauliche Daten der Forschung könnten zur Konkurrenz gelangen. Die Risikoentschädigung will man sich einfach sparen. Weiterhin, wenn es im Forschungsversuch einen groben Fehler gibt, bei dem der Proband zu Schaden kommt, gibt es durch den Probandenvertrag einen Beweis gegen die Klinik. Und abschließend, liefe die Forschung nach Richtlinie und Aufklärung, dann könnte sich der Proband gegen das Forschungsvorhaben entscheiden und der Kliniker verliert einen möglicherweise wichtigen Probanden.

Antwort
von Grobbeldopp, 18

Hallo

Ich möchte dir unabhängig davon, dass das vielleicht jemand meldet weil es, na ja, nicht wirklich eine Frage ist nur einen Tipp geben: In deinem Text sind keine Links auf Belege zu den Vorkommnissen. Ich z.B. würde jetzt nicht auf die Idee kommen, die Petition zu unterstützen, weil das könnte ja auch alles ´übertrieben sein. Wer weiß.

Antwort
von uteausmuenchen, 6

Hallo Klaus,

die Antwort hast Du Dir doch eigentlich selber gegeben:

Die Deklaration der Ärzte von Helsinki, die die ethischen Grundsätze für
die medizinische Forschung am Menschen reglementiert gibt auf obige
Frage ein klares „Nein!“ als Antwort.

Es gibt sogar ganz eindeutige Bestimmungen zur Placebogruppe in Studien. Patienten müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es durch ihre Teilnahme an einer Studie sein kann, dass sie nicht wirksam behandelt werden.

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/kks/Seminarreihe/Patienteninfor...

Der Rest Deiner Frage ist reine Werbung für Deine Petition und gehört eigentlich nicht auf eine Webseite wie gf. Ich wundere mich, dass die Frage frei gegeben wurde. Hat man vielleicht gemacht, weil Du neu bist und sie Dich nicht gleich ärgern wollten...

Grüße

Antwort
von Dxmklvw, 7

Deklaration hin oder her, er darf es immer, wenn es ihm gelingt, daß sein "Versuchskaninchen" späterhin nichts beweisen kann. Die Justiz selbst ist gleichzeitig verstärkt geneigt, daß (überspitzt ausgedrückt) im Zweifelsfall auch noch der einzelne Tropfen eines schädlichen Medikaments als Beweismittel vorliegen muß.

Deklarationen, egal, ob die der Ärzte von Helsinki, UN- oder Menschenrechtsabkommen usw, halte ich für billige Fassaden, um den dahinter versteckten Schmutz zu kaschieren.

Am Ende der Kette geht es bei solchen Dingen immer um Einnahmequellen und die Wahrung des Ansehens, und beides wird je nach Fall ganz oder zum erheblichen Teil auf Kosten anderer verwirklicht.

Interessant sind dabei die unterschiedlichen Rechtsgrundsätze zwischen den USA einerseits und den europäischen Ländern andererseits.

In den USA gilt, daß alles erlaubt ist, so lange eine Schädlichkeit nicht einwandfrei nachgewiesen wird.

In den EU-Ländern gilt, daß zunächst nachgewiesen werden muß, daß eine beabsichtigte Neue Sache nicht schädlich ist.

Beides hat aber zur Folge, daß mit jeweils ureigensten Methoden das Recht mittels immer neuer Spitzfindigkeiten bis zur Unkenntlichkeit verdreht wird.

Antwort
von kami1a, 1

Hallo! Kurze Antwort auf einen langen Text : Der Mediziner darf das in Deutschland nicht - es wäre eine Straftat.

Ich wünsche Dir ein gutes und schönes Wochenende.

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