Darf ein Arzt seine Schweigepflicht brechen, wenn dadurch jemand zu Schaden kommt/weiterhin Schaden nimmt?

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5 Antworten

Wenn die Patientin der Weitergabe von Informationen nicht zustimmt, darf der Arzt dies nur in Situationen straffrei tun, in der ein s.g. rechtfertigender Notstand vorliegt. Das bedeutet, dass ein höheres Rechtsgut (z.B. der Schutz der körperlichen Unversehrtheit) über die Schweigepflicht gestellt wird. 

Allerdings gibt es dafür enge rechtliche Grenzen: Die Offenbarung von Geheimnissen muss unumgänglich (keine andere, "mildere" Lösung möglich), und verhältnismäßig sein (genaue Abwägung der Rechtsgüter). 

In dem geschilderten Fall muss der Arzt in jedem Fall zuerst mit der Patientin über den Verdacht sprechen, ihr Hilfe anbieten und ggf. Kollegen mit einbeziehen (die Schweigepflicht gilt nicht gegenüber Kollegen, die an der Behandlung beteiligt sind). Wenn die Patientin die Hilfe annimmt und z.B. einer stationären Aufnahme zustimmt/ in ein Frauenhaus geht, ist das Problem (für den Arzt) gelöst.

Wenn sie den Verdacht bestreitet (es kann ja durchaus auch fälschlicherweise ein Gewaltdelikt angenommen werden), hat der Arzt bei einer erwachsenen, entscheidungsfähigen Patientin wenig bis keine Handhabe. Eine Ausnahme würde ich nur dann sehen, wenn für den Arzt deutlich wird, dass ihr unmittelbar eine ernstzunehmende Gefahr droht (z.B. wenn der Ehemann glaubhaft äußert, dass er "sie umbringt, wenn sie wieder zuhause sind"). In diesem Fall wäre es nach meiner Auffassung vertretbar, die Polizei auch gegen den Willen der Frau hinzu zu ziehen. Eine zu erwartenden "Tracht Prügel" würde dagegen eher nicht ausreichen.

Es ist also ein sehr schwieriges Thema, besonders da Ärzte und Pflegepersonal keine relevante juristische Ausbildung haben und oft eine große Unsicherheit herrscht, was man wann tun darf oder sogar muss. Immer gut und richtig ist es aber, empathisch zu sein und deutlich Hilfe anzubieten, dann treten viele rechtliche Dilemmata gar nicht erst auf.

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wenn der Patient volljährig ist und auch noch darauf hinweist das der Arzt die Schweigepflicht einzuhalten hat dann darf er diese nicht verletzen.

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Kommentar von Unnerfrange
01.02.2016, 23:47

Vielen Dank für ihre Antwort! Meiner Meinung nach ist es zwar richtig, dass ein Arzt sich nicht in das Leben/die Privatsphäre seiner Patienten einzumischen hat, aber ich finde, dass es bei solchen Fällen/Härtefällen die Möglichkeiten geben sollte, dass der Arzt sich ohne Personenangaben die eine Verfolgung möglich machen würden, an eine behördliche Stelle bzw. die Ärztekammer oder dergleichen wenden können sollte, um das weitere Vorgehen abzusprechen/-wägen. Wie sehen Sie das?

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Kommentar von hazelnut19
01.02.2016, 23:52

bin ich voll ihrer Meinung !! nur man muss es immer von 2 Seiten sehen. ..es gibt viele Frauen die häusliche Gewalt erleben und sich nicht trauen mit jemandem zu sprechen weil sie weitere Schritte befürchten. ..nun ist dort dieser Arzt dem sie sich anvertrauen können. ..ohne etwas befürchten zu müssen. ...dieser kann dann zumindestens in mehreren Gesprächen versuchen die frau zu stärken und evt. sie an Frauenhäuser ect. weiter zu leiten. ...außerdem ist s ja dann wieder die Frage. ..wo hört dann Schweigepflicht auf und wo fängt sie an... ist schwer aber ja in härtefällen (kinder involviert) bin ich voll ihrer Meinung!

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Hallo, der Arzt wird in so einem Fall das Gespräch mit seinem Patienten suchen.

Ist der Patient Minderjährig muss und wird er die Polizei einschalten.

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Kommentar von Unnerfrange
01.02.2016, 23:41

Im Fall, dass der Patient volljährig ist, kann der Arzt also nicht komplett selbstständig rechtliche Schritte einleiten bzw. die Polizei davon in Kenntnis setzen ohne dafür belangt zu werden, sehe ich das richtig?

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Bei volljährigen Patienten und "normaler" Körperverletzung dürfen sie es nicht. Liegt aber ein Verbrechenstatbestand vor, wie z.B. schwere KV müssen sie es.

Bei Kindern und Jugendlichen sind Ärzte (und auch andere zum Schweigen verpflichtete Personen) gem. § 4 KKG von der Schweigepflicht entbunden!

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ein Arzt darf das seine Schweigepflicht nicht verletzen, wenn es sich um eine volljährige "gesunde" Person handelt. Warum sollte der Arzt die Verantwortung dafür übernehmen? Es gibt oft Freunde, Familie.....  die sind näher dran und ist ist deren Aufgabe, der misshandelten Person zu helfen oder zu raten. Ein Arzt ist nicht dafür zuständig..... 

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