Frage von Stadtfrau, 100

Darf ein Arzt bei neuen Patienten ein Foto machen?

Nachdem ich einige Fragen zum Grund meines Arztbesuchs beantwortet hatte, machte die Arzthelferin mit einer Webkamera ein Passfoto (also ein Gesichtsfoto) von mir. Auf meine Frage wozu denn das, konnte sie mir keine klare Antwort geben („Machen wir immer so“). Ich rätsele immer noch über den Grund nach. Und ist das eigentlich zulässig?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ASRvw, 22

Moin.

Unter gewissen Voraussetzungen ist das zulässig.

  1. Hat man Dir klipp und klar den Grund für diese Maßnahme zu nennen und Dir dazu uneingeschränkt Rede und Antwort zu stehen. Ein "Machen wir immer so" ist keine Begründung, die Du einfach so zu akzeptieren hast.
  2. Bedarf es dazu Deiner Zustimmung, die Du letztlich nur aufgrund von 1. wirklich abwägen kannst.
  3. Muss es hierzu eine ausführliche Datenschutzerklärung geben, aus der hervorgeht, wer Zugriff auf dieses Bild erlangen kann und ob und unter welchen Umständen Du eine spätere Löschung verlangen kannst und wie diese letztlich durchgeführt wird.Auch in dieser Erklärung ist eingehend auf Punkt 1. einzugehen. Diese Erklärung hat man Dir im übrigen in Papierform auszuhändigen.

Dies gilt nur für die reine Gesichtsaufnahme, die mit keinerlei Erkrankung im Gesichtsbereich in Zusammenhang steht. Für die Dokumentation einer Erkrankung oder Verletzung gelten andere Maßstäbe, vergleichbar denen für Röntgenaufnahmen, etc.

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ASRvw de André

Kommentar von Stadtfrau ,

Der Grund meines Arztbesuchs waren akute Rückschmerzen, weshalb mich der behandelnde Ortophäde zum Neurochirurgen überwies.

Dort wurde das besagte Foto von mir aufgenommen.

Nach einer Zustimmung meinerseits wurde dabei nicht gefragt.

Kommentar von ASRvw ,

Moin.

Dann kläre die Herrschaften mal darüber auf, dass sie vor der Anfertigung eines Fotos, aus welchem letztlich neben dem reinen Bild auch biometrisch relevante Daten abgeleitet werden könnten, Deiner Zustimmung bedürfen und verpflichtet sind, die ganz klar unrechtmäßig angefertigte Aufnahme auf Dein Verlangen hin auch umgehend wieder zu löschen haben - insbesondere, da sie Dir weder mitgeteilt haben, aus welchem Grund ein Foto gemacht werden, noch wie es weiter verwendet werden soll.

Rechtlich ist das zwar ein schwieriger Raum. Aber prinzipiell gibt Dir zunächst mal das "Recht am eigenen Bild" als integraler Bestandteil des "Rechts auf informationelle Selbstbestimmung", einem Unterfall des Artikels 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 des Grundgesetzes das Recht, über die Verwendung eines aufgenommenen Bildes von Dir selbst zu bestimmen, einschließlich dessen Löschung zu verlangen, sofern nicht durch ein Gesetzt ausdrücklich bestimmt ist, dass Du die Anfertigung des Fotos zu dulden hast (was etwa bei Radarfotos der Fall ist).

Das alleine bedeutet letztlich schon, dass Dir jemand, der ein Bild von Dir aufnehmen will, Rede und Antwort zu stehen hat, warum und wofür und ggf. gestattet durch welches Recht. Denn nur dann kannst Du ja überhaupt abwägen, ob Du ein Foto von Dir erlaubst, einer bestimmten Verwendung eines solchen Bildes zustimmst oder die Aufnahme untersagst bzw. auf der Löschung des Bildes bestehst.

Also: Frag nach, was es mit dem Bild auf sich hat und wenn Du keine befriedigende Antwort auf diese Frage erhältst, dann bestehe auf der Löschung dieses Bildes unter Verweis auf das "Recht auf informationelle Selbstbestimmung".

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ASRvw de André

Antwort
von kugel, 77

Anscheinend um sicher zu stellen, dass der Patient auch derjenige ist, dem die Krankenversichertenkarte gehört. Noch nicht alle Krankenkassenkärtchen sind mit Passbild ausgestattet...

Von mir wurde zu Beginn meiner Strahlenbehandlung ein Bild gemacht. Ich hab mich aus sehr darüber gewundert und natürlich nachgefragt. Hier dient es zur Sicherheit, dass auch die Person, die unter der Stahlenkanone liegt auch wirklich die richtige Patientin ist! Abgleich über gespeichertes Bild und lebender Person.

Kommentar von Stadtfrau ,

Mein Krankenkassenkärtchen ist 2 Jahre alt und ein Foto ist auch darauf. 

Bei einer Strahlenbehandlung erscheint mir ein aktuelles Fotos von der Sicherheit her angemessen zu sein. Und sogar besonders verantwortungsbewusst. 

Kommentar von Kunzinger ,

Ja angemessen ist es jedenfalls, aber ohne Wissen der/des Patienten? Ist glaube ich ein Schritt zu tief in die Privatsphäre, was die Archivierung von personenbezogenen Daten betrifft ...

Missbrauch der Krankenversichung ist natürlich möglich, (Österreich), wir haben keine Bilder auf der Karte und sind angehalten Lichbildausweise zu verlangen....

Kommentar von kugel ,

Dann würde ich aber schon mal nachtreten was hinter diesem "Machen wir immer so" steckt!

Mir würd das auch nicht gefallen, wenn man "einfach so" und "weils immer schon so war" jemand ein Bild von mir macht und das irgendwo zu meinen medizinischen Daten abspeichert.

Was hat Fußpilz und Erkältung mit dem Gesicht des Patienten zu tun?


 

Antwort
von peterobm, 37

Zulässig mit deiner Zustimmung - die Versichertenkarte hat doch ein Bild

Antwort
von Spielwiesen, 22

Administrative Gründe sind das eine. Diagnostische Gründe können aber auch vorliegen.

Mir ist das mal bei einer homöopathisch arbeitenden Ärztin mit ausgezeichneten Fähigkeiten passiert: dort wurde ich - m.E. zu recht - um ein größeres Gesichtsfoto gebeten. Der Hintergrund: vieles an Symptomen lässt sich über verschiedene Merkmale im Gesicht zuordnen und ein Bild zeigt, welcher Typ man ist.
Auch bei Dr. Schüsslers Biochemie habe ich selbst schon mal eine Schulung in Antlitzdiagnostik gemacht - allerdings wäre da ein Foto für eine Diagnostik kaum präzise genug.

Ein Gesichtsabgleich, um Irrtum oder Betrug auszuschließen, ist aber kein Betrug, sondern wird m.E. immer wichtiger. 
Nur mit einer Webcam finde ich es irgendwie komisch - es gäbe ja noch sicherere Methoden. 

Kommentar von Stadtfrau ,

Das klingt logisch und überzeugt mich!

Doch lässt mein Gesicht wohl kaum Rückschlüsse auf meine Lendenwirbelsäule zu. 

Danke für die interessante Antwort.

Antwort
von Kunzinger, 49

Eigentlich vorzugsweise nur mit deiner Zustimmung.

Der Grund ist mehr ein organisatorischer, damit man zu einem Namen auch ein Bild hat ...

Antwort
von jimpo, 5

Auf der Krankenkassenkarte ist ein Foto. Ohne Foto gibt es heute keine Karte mehr. Dann frag den Arzt ob das in seiner Praxis üblich ist.

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