Frage von Mariposa2809, 169

Darf der Vermieter eine bestimmte Wandfarbe vorschreiben?

Ich ziehe nächsten Monat aus meiner Mietwohnung aus, gekündigt ist sie fristgerecht und bla, also das passt alles. Gestern hatte ich einen schrieb von meiner Vermieterin im Briefkasten, in dem steht "..die Wände müssen mit weißer Öko Farbe (E.L.F) gestrichen werden.." Diese blöde Farbe gibt's nur beim Malerbetrieb und im Internet 10l für 60€! Ich muss damit meine Küche (knapp 20qm) streichen, weil ich dort eine andere Wandfarbe gewählt habe.

Darf der Vermieter mir vorschreiben mit welcher weißen Farbe ich streichen muss? Gibt es dafür einen Paragraphen der genau das ausschließt? Ich hab mich auf unzähligen Seiten im Internet rumgetrieben und versucht mir selbst zu helfen aber ich hab nix eindeutiges gefunden..

Vielen Dank für die Mithilfe!!

(Meine Nerven mit der Vermieterin liegen auf dem Boden und verkümmern langsam :'( )

Antwort
von Ansegisel, 113

Hier in dem Artikel wird alles ganz nett zusammengefasst, vielleicht hilft das ja weiter.

http://www.focus.de/immobilien/experten/hutzel/keine-chance-fuer-vermieter-warum...

Grundaussage: Der Vermieter hat juristisch schon Probleme, dich überhaupt zum Streichen anzuhalten, von solchen Extrawürsten wie einer konkreten Farbe mal ganz zu schweigen.

Ansonsten empfehle ich dir unbedingt, dir Unterstützung beim Mieterschutzbund zu holen.

Expertenantwort
von anitari, Community-Experte für Mietrecht, 53

Du mußt lediglich in neutraler, dem allgemeinen Geschmack entsprechender Farbe streichen.

Gibt es dafür einen Paragraphen der genau das ausschließt?

Dreh doch den Spieß um, frag den Vermieter nach dem Paragrafen der das einschließt.

Was genau steht denn im Mietvertrag zu Schönheitsreparaturen und wie die Wohnung bei Mietende zurück zu geben ist?

Antwort
von imager761, 65

Darf der Vermieter eine bestimmte Wandfarbe vorschreiben?

Individualvertraglich darf er das und du hast dich an diese wie alle weiteren verhandelten und übereinstimmend geschlossenen Vereinbarung auch zu halten :-O

Gibt es dafür einen Paragraphen der genau das ausschließt?

In einem Formularmietvertrag (!) den § 307 BGB "Inhaltskontrolle unwirksamer AGB". Der greift aber nicht, wenn er dir die Materialkostendifferenz ersetzt oder die gewünschte Wandfarbe zur Verfügung stellt.
Andernfalls schuldest du einen Neuanstrich "sachgerecht und in mitllerer Art und Güte", meint einen deckenden, ansatzfreien Anstrich mit sauberen Übergängen (Abkleben) in jeder Dispersions(-!)farbe "heller, neutraler Farbstellung, die dem Geschmack der Mehrheit der Mietinteressenten entspricht".

G imager761

Antwort
von Genesis82, 60

Streich den grünen Balken in einer neutralen Farbe über. Wenn dein Vermieter eine bestimmte Öko-Farbe verwendet haben möchte, dann soll er sie dir zur Verfügung stellen.

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 51

Was steht denn im Mietvertrag zu Schönheitsreparaturen drin? Wurde dir die Wohnung renovirt übergeben? Gibt es für das Mietende eine Quotenregelung? Steht da was von nicht abweichen dürfen von Material und Farbe zum Zustand bei Mietbeginn?

Antwort
von GravityZero, 92

Helle Farbe darf er zwar vorschreiben, aber welche m.M nach nicht. Höchstens die baulichen Verhältnisse machen sowas notwendig, aber das glaube ich nicht und dann müsste der Vermieter selbst den Aufpreis zahlen. Ich bin selbst Vermieter und und würde mich da weigern.

Antwort
von Seanna, 69

Wir hatten auch mal nen Vermieter der schon bei Einzug sagte die eine Wand müsse bei Auszug in exakt(!) diesem Grau (RALxxxx) gestrichen werden und das dürfe auch nur durch nen Malermeister geschehen... Hat er aber nicht durch bekommen.

Kommentar von Mariposa2809 ,

Wie habt ihr das dann gemacht? Einfach eine günstigere Farbe genommen und mit der gestrichen? Ging das vor Gericht? 

Kommentar von Seanna ,

Hatten einen befreundeten Rechtsanwalt der entsprechende Briefe geschrieben hat.. Dann hat der Vermieter von nem Verfahren abgesehen. Wir haben die korrekte Farbe anmischen lassen aber selbst gestrichen.

Antwort
von ZuumZuum, 65

Der Bundesgerichtshof (Urteil vom 23.9.2009, Az. VIII ZR 344/08) hält eine Klausel, die dem Mieter vorschreibt, in welcher Farbe er die Wohnung zu streichen hat, für unwirksam. Eine Klausel, die die Farbwahl einschränkt, z.B. dadurch, dass das „Weißen der Decken und Wände“ gefordert wird, ist unwirksam und führt zur Unwirksamkeit der Überwälzung der Schönheitsreparaturen auf den Mieter insgesamt.


Ich würde den Mietvertrag prüfen lassen, 70% aller "Klauseln zu Schönheitsreparaturen" sind unwirksam.

Antwort
von brennspiritus, 85

Nein, so explizit nicht.

Der BGH hat 2013 entschieden, dass es keine auffälligen Farben sein dürfen, aber sich nicht näher dazu ausgelassen. Wenn deine Küche also gelb, beige, leicht grün oder ähnlich ist, musst du das nicht neu streichen. In Wunschfarbe schon gar nicht oder sie stellt dir die Farbe.

http://www.sueddeutsche.de/geld/urteil-des-bundesgerichtshofes-mieter-muessen-bu...

Kommentar von Mariposa2809 ,

Also streichen muss ich.. Ich hab einen gras grünen Balken etwa 30cm breit unter der dachschräge. Aber ich muss nicht mit dieser Öko Farbe streichen oder? 

Kommentar von brennspiritus ,

Ja, dann musst du streichen. Aber kannst deine eigene Farbe nehmen.

Kommentar von imager761 ,

Genau das kann er eben nicht, wenn er eine Wohnung im Bauzustsnd mit Öko-Wandanstrich angemietet hat, Renovierungen damit individualvertraglich vereinbart oder notwendigeMehrkosten erstzt bzw. entsprechendes Matrial zur Verfügung gestellt wird.

Antwort
von HaraldSchD, 56

Schau mal in deinen Mietvertrag. Da steht das drin, was für diese Wohnung geregelt ist und durch deine Unterschrift bestätigt ist.

Kommentar von DarthMario72 ,

Nicht alles, was im Mietvertrag geregelt ist, ist wirksam.

Kommentar von Mariposa2809 ,

Laut ihr darf ich auch keine farbigen Vorhänge an die Fenster hängen, weil gegenüber der Pfarrer wohnt und den das stören könnte.. 

Kommentar von anitari ,

Laut ihr darf ich auch keine farbigen Vorhänge an die Fenster hängen, weil gegenüber der Pfarrer wohnt und den das stören könnte.. 

Das ist so eine unwirksame Klausel. So lange die Vorhänge nicht mit anstößigen oder rechtsextremen Motiven versehen sind, kannst Du an die Fenster hängen was Du willst.

Antwort
von Grammatikus, 74

Die Vermieterin hat das Recht über ihr Eigentum zu bestimmen. Sie könnte sogar verlangen, dass Sie die rote Farbe ablaugen und dann vor dem Anstrich erst noch neu grundieren.

Wenn Sie die Küche ohne schriftliche Bewilligung rot gestrichen haben, müssen sie das nun halt rückgängig machen.

Kommentar von Mariposa2809 ,

Aber während der Miete darf der Mieter die Wohnung so gestalten, dass er sich Wohlfühlt und da darf der Vermieter auch keine Vorschriften machen 

Aber so extrem ist es nicht. Hab nur einen grünen Balken 30cm breit quer durch die Küche 

Kommentar von imager761 ,

Aber während der Miete darf der Mieter die Wohnung so gestalten, dass er sich Wohlfühlt und da darf der Vermieter auch keine Vorschriften machen

Ganz so ist es leider nicht. Wenn der VM ausdrücklich darauf hinweist, dass die Wände mit mit einer emissionsarmen, lösemittel- und weichmacherfreien ELF-Dispersionsfarbe gestrichen wurde, die frei von foggingaktiven Substanzen und ohne flüchtige organische Verbindungen, die die Umwelt belasten und unmittelbar die Gesundheit beeinträchtigen (Allergiker), hättest du genau diesen Typ bei deiner creativen Wandgestaltung nutzen müssen.

Meint, er kann dir keinen grünen Farbakzent untersagen, aber die Verwendung einer schädlichen Dispersionsfarbe :-)

Die Frage ist lediglich, wer für die Mehrkosten dieser Öko-Farbe aufzukommen hat, vgl. hrz. meinen Kommentar zu den Unterschieden formular- oder individualvertraglicher Mietverträge.

Dieser Beseitigungsanspruch bei Rückgabe ergibt sich aus der Rückbaupflicht des M  in den angemieteten Zustand.

Denn der VM dürfte mit Wahl dieser ELF-Dispersion ausrücklich Allergiker oder Asthmatiker als Mietinteressenten ansprechen wollen, denen er eine bestimmt Eigenschaft der Mieträume vertraglich zusichert, was er nunmehr nicht kann.

Nicht beseitigte bauliche Veränderungen stellen aber eine teilweise Vorenthaltung der Mietsache i. S. d. § 546a I BGB dar und berechtigen zu Entschädigungsansprüchen des Vermieters :-O

Insofern sind die Festellungen von Grammatikus im ersten Absatz seines Kommentars durchaus zutreffend.

G imager761

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