Frage von maundmo, 80

Darf der Händler in meinem Namen neue Bestellung auslösen, mir die Zahlungsmethode vorschreiben und wie verhalte ich mich jetzt ggü. Inkasso und dem Händler?

Liebe gutefrage.net-Gemeinde,

ich habe "ein" Problem mit einem onlineHändler (und dessen Inkasso-Unternehmen), woraus sich für mich mehrere Fragen ergeben.

Vorgeschichte

Unser Kind sollte einen "Lauflernwagen" (im Folgenden "LLW") bekommen, um - wie der Name schon sagt - beim Erlernen des laufens eine Unterstützung zu erhalten. Das empfohlene Alter für solch einen "LLW" ist 12 Monate (Randinformation: vorausgesetzt das Kind kann schon stehen = Muskulatur ist entsprechend vorbereitet).

Bei der onlineBestellung des "LLW" habe ich Paypal als Zahlungsmethode ausgewählt. Der gelieferte Artikel ist nach kurzer Benutzungsdauer von nur wenigen Tagen defekt und ich habe um Umtausch gebeten.

Der Händler erstattet mir das Geld (nicht erwünscht, da nur Umtausch gegen fehlerfreies Exemplar erbeten), darauf hin löst er (in meinem Namen) eine weitere Bestellung aus und sendet neue Rechnung, die ich per Überweisung zahlen soll.

FRAGE 1:

a) Darf der Händler in meinem Namen eine neue Bestellung auslösen und

b) dabei, nicht meinem Wunsch entsprechend, die Zahlungsmethode bestimmen?


weiterer Verlauf

Im weiteren Austausch von Emails mit dem Händler teile ich mit, was ich hier in Frage stelle mit, also dass ich a) keine Neubestellung aufgegeben habe und b) die Zahlungsmethode nicht wünsche.

Außerdem schreibe ich noch "Der Austauschartikel ist nach wie vor Schrott". (gut, hätte ich anders formulieren können ... die Botschaft sollte aber klar sein)

FRAGE 2:

Kann der Händler hier einfach sein Standardprogramm durchziehen (Inkasso) oder muss er meinem Hinweis nachgehen und einen weiteren Austausch vornehmen, da der Mangel bei dem bereits einmal getauschten Artikel ebenfalls vorliegt?


Nebenthematik

Der Händler hat den "LLW" zwischenzeitlich mehrfach "umbenannt". Zuerst die Artikelbeschreibung, wonach der Artikel JETZT nicht mehr altersgerecht ist (erst ab 3 Jahren) und wir unser nach heutiger Beschreibung zu junges Kind damit nicht mehr spielen lassen dürfen, um schlimmere Verletzungen zu vermeiden.

Auf einen Hinweis eines anderen Betroffenen wurde dann auch noch der Artikelname verändert, wonach es sich JETZT um einen ganz anderen Artikel handelt - nicht mehr um einen "Lauflernwagen", sondern um einen "Puppenwagen".

FRAGE 3:

Resultiert daraus ein besonderes Rückgaberecht? Stichwort "illegaler Artikel"?


Nebenproblematik

Vor 2 Wochen habe ich Post "vom Inkasso" mit Datum vom 08.03.2016 erhalten. Ich will mich nicht an einem Spielzeug geringen Wertes (< 30 EUR) bereichern, sondern möchte - wenn wir einen mängelfreien Artikel erhalten - diesen natürlich bezahlen (und bezahlt war er ja sogar bereits).

FRAGE 4:

Wie verhalte ich mich nun richtig ggü. a) dem Inkasso-Unternehmen und b) dem Händler?

 

Herzlichen Dank für's Lesen!

maundmo :-)

Antwort
von kevin1905, 40

Nachbesserung wohl nicht erfolgreich. Artikel geht zurück, du behälst die Kohle, erklärst nachweisbar den Rücktritt vom Kaufvertrag.

Inkassounternehmen kriegt einen Widerspruch.

Antwort
von Timeline100, 39

Wenn ich mich recht an mein BWL Studium erinnere, hat der Händler, bei beschädigter Ware, die Möglichkeit zwei mal nachzubessern. D.h. Neulieferung, Reparatur, etc. Gibt es keinen Erfolg, haben Sie das recht vom Kaufvertrag zurückzutreten und Schadensersatz statt der Leistung zu fordern. Da der Händler die Beschreibung seines Artikels mehrere male geändert hat handelt es sich evtl. um eine arglistige Täuschung. Somit ist der Kaufvertrag nichtig. 

Antwort
von Messkreisfehler, 40

Ich weiß nicht wo dein Problem ist:

Du wolltest einen neuen Artikel da der alte einen Defekt aufwies.

Hast Du bekommen! Das Vorgehen ist zwar ungewöhnlich aber letztendlich ist dagegen nichts einzuwenden. Er hat dir das Geld zurückerstattet und dir einen neuen zugeschickt den Du natürlich auch bezahlen musst.

Wenn der neue einen Defekt aufweist, dann musst Du um Mängelbeseitigung bitten.

Aber zu aller erst musst Du den Artikel jetzt erst mal bezahlen.

Es ist auch ganz normal das ein Inkassounternehmen eingeschaltet wurde wenn Du den Artikel bis jetzt nicht gezahlt hast.

Auch macht das "umbenennen" des Artikels daraus jetzt keinen "illegal Artikel".

Kommentar von mepeisen ,

Du solltest Zivilrecht von Strafrecht mal gedanklich trennen.

Der TE wollte einen altersgerechten Artikel. Diesen hat er nie bekommen, da die Beschreibung in WESENTLICHEN Punkten schlichtweg falsch war. Ob das nun Absicht war (und damit eventuell sogar strafrechtlich relevant) oder nur fahrlässig vom Händler ist im Zivilrecht eigentlich egal.

In allen Fällen kann der TE seinen Kaufvertrag anfechten, da nie eine passable übereinstimmende Willenserklärung zustande kam. Zudem sind solche Artikel, die nach wenigen Tagen bereits defekt sind, für ein Kleinkind nicht nur ein erhebliches Gesundheits-/Verletzungsrisiko, sondern deuten auch auf ganz gravierende Material- und Fabrikationsfehler hin. Dass dem nicht so ist, das muss der Händler im Übrigen bis zu 6 Monate beweisen (Beweislastumkehr).

Insofern: Ob "illegal" im Sinne von strafrechtlich verboten: Mag sein, muss nicht sein. Aber vom Kaufvertrag zurücktreten ist nach der Schilderung des TE durchaus drin.

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