Frage von daniiiinoon, 107

Darf der Arbeitgeber Verspätungen von den geleisteten Überstunden abziehen?

Eine Kollegin kam letztens 30 Min zu spät, die wurden ihr dann von den Überstunden abgezogen. Was bei anderen Kollegen nicht passiert, die fast täglich 5-10 Minuten zu spät kommen. Kann sie dagegen vorgehen? Und ist es überhaupt rechtens, dass die Verspätung von den Überstunden einfach abgezogen wird?

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Antwort
von Interesierter, 63

Hier stellt sich zunächst die Frage, ob es eine Vereinbarung mit Stundenkonto gibt oder nicht. 

Mit Stundenkonto ist die Sache einfach. Hier können Fehlzeiten generell mit geleisteter Mehrarbeit verrechnet werden. 

Ohne Stundenkonto sieht es ein wenig anders aus. Vertraglich ist der Arbeitnehmer zum pünktlichen Erscheinen verpflichtet. Kommt er zu spät, kann ihm dies nur angelastet werden, wenn ihn auch ein Verschulden an der Verspätung trifft. Dies ist meist, aber eben nicht immer der Fall. Es gibt auch Fälle von höherer Gewalt. 

Ich würde als Arbeitnehmer einfach mal von dem Grundsatz ausgehen, dass du die Arbeitszeit bezahlt bekommst, die du auch tatsächlich leistest.

Antwort
von Bestie10, 68

helf mir auf die Spruenge

was soll daran falsch sein, nicht geleistete Arbeitszeit auch nicht zu bezahlen, sprich an den (Ueber)Zeiten abzuziehen

Kommentar von Familiengerd ,

So einfach und klar ist das nicht!

Das darf der Arbeitgeber nur, wenn es ein vertraglich vereinbartes
Arbeitszeitkonto gibt mit Regelungen zum Umgang mit Fehlzeiten!

Ohne ein solches Arbeitszeitkonto mit den entsprechenden Regelungen bleibt der Arbeitgeber auf Minuszeiten eines Arbeitnehmers "sitzen", und er darf dann Minusstunden nicht mit Plusstunden verrechnen!

Kommentar von Interesierter ,

Mit dieser pauschalen Aussage wäre ich vorsichtig. Fehlzeiten aus schuldhaft verursachter Verspätung sind nicht zu vergüten. 

Ausserdem riskiert der Arbeitnehmer mit selbst verschuldeten Verspätungen eine Abmahnung. 

Würde deine Aussage so pauschal stimmen, könnte ja jeder Arbeitnehmer, der kein Arbeitszeitkonto mit entsprechender Regelung hat, einfach pauschal jeden Morgen eine Stunde später anfangen und der Chef könnte nichts dagegen machen. Das ist so natürlich nicht richtig. 

Kommentar von Familiengerd ,

Fehlzeiten aus schuldhaft verursachter Verspätung sind nicht zu vergüten.

Die Verrechnung von Minuszeiten - darum ging es ja in der Frage - ist aber nur wie von mir geschildert möglich; auf ein Verschulden kommt es dabei nicht an.

Auf die Möglichkeit der - direkten - Nichtbezahlung in der Antwort von bestie10 bin ich (leider) nicht eingegangen, sondern nur auf die Verrechnung mit Überstunden.

Natürlich stehen dem Arbeitgeber arbeitsrechtlichen Maßnahmen zur Verfügung - von der Abmahnung bis (je nach Situation) zur Kündigung.

Antwort
von macqueline, 58

Ja, das ist rechtens. 

Kommentar von Familiengerd ,

So einfach und klar ist das nicht!

Das darf der Arbeitgeber nur, wenn es ein vertraglich vereinbartes Arbeitszeitkonto gibt mit Regelungen zum Umgang mit Fehlzeiten!

Ohne ein solches Arbeitszeitkonto mit den entsprechenden Regelungen bleibt der Arbeitgeber auf Minuszeiten eines Arbeitnehmers "sitzen", und er darf dann Minusstunden nicht mit Plusstunden verrechnen!

Kommentar von Interesierter ,

Wenn den Arbeitnehmer ein Verschulden an der Verspätung trifft, darf der Arbeitgeber das. Siehe oben.

Kommentar von Familiengerd ,

Noch einmal:

Ohne vereinbartes Arbeitszeitkonto mit entsprechenden Regelungen darf der Arbeitgeber Minusstunden nicht mit Guthabenstunden verrechnen; dabei kommt es nicht auf ein Verschulden des Arbeitnehmers an!

Selbstverständlich kann der die Entgeltung für die in der Frage genannte halbe Stunde Verspätung verweigern.

Letztendlich aber läuft das im Ergebnis (aber nur, wenn es für Arbeitszeitguthaben keine Zuschläge gibt) auf dasgleiche hinaus.

Kommentar von Nightstick ,

Also doch verrechnen!

(Zitat): Letztendlich aber läuft das im Ergebnis (aber nur, wenn es für Arbeitszeitguthaben keine Zuschläge gibt) auf dasgleiche hinaus. (Zitat Ende).

Wobei ich der Meinung bin, dass erst mit der Normalarbeits aufgerechnet werden muss, dann mit den Überstunden.

Kommentar von Nightstick ,

Korrektur: Normalarbeitszeit

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