Frage von Marco157654889, 201

Darf der Arbeitgeber mir die Wegzeit von der Berufsschule zur Arbeit anrechnen?

Ich mache gerade eine Ausbildung und habe Dienstags von 08:00 - 11:30 Uhr Berufsschule. Ich habe leider eine Ausbilderin, die zu uns Azubis nicht gerade nett ist und das auch immer gerne zeigt. Jetzt zieht Sie mir nämlich die Wegzeit ab, die ich mittags von der Berufsschule zur Arbeit brauche (ca. 20 Min). Sie sagt, diese Zeit im Auto soll ich gleichzeitig als Mittagspause nutzen und darf dann keine weitere Pause machen, wenn ich in der Arbeit bin. Darf Sie mir die Wegzeit einfach als Pause abziehen? Wie soll ich denn während dem Fahren Mittagessen? Ich habe nämlich schon einmal gehört, dass die Fahrzeit von der Schule zur Arbeit als Arbeitszeit angerechnet wird, ich kann mich ja schließlich nicht zur Arbeit beamen.. Kennt sich da jemand mit dem Thema aus? Danke!

Antwort
von Minilexikon, 93

Die Wegzeit ist deine Schulzeit, ebenfalls die Nachbereitungszeit, die du fürs Lernen für Arbeiten und zum Erledigen deiner Hausarbeiten benötigst. Da kann deine Ausbilderin nichts von wegnehmen.

Und zum Thema Mittagspause: Die gesamte Mittagspause dient der Erholung und nicht der Fahrtzeit. Verweise mal auf das BBiG.

Antwort
von Nargisfan, 84

Ich würde sagen das darf sie nicht. Dann kann sie ja gleich sagen mach Pause wenn du Feierabend hast. So eine F***e

Antwort
von Goodnight, 46

Nein das darf sie nicht. Der Weg ist Arbeitszeit. Die Ausbilderin hat auch einen Vorgesetzten...

Antwort
von henzy71, 65

Fahrtzeit zur Arbeit gilt nicht generell als Arbeitszeit. Das ist eigentlich nur so im Außendienst. Und im Arbeitsvertrag steht was über Pausen - wann und wie lange.... Die Fahrtzeit ist keine Arbeitszeit und damit auch keine Pausenzeit. Guck mal nach, was bezüglich Pausen in deinem Vertrag steht. Es ist ja auch festgelegt wann du wo zu erscheinen hast....

Gruß

Henzy

Kommentar von faiblesse ,

Für den Arbeitsweg stimmt das, aber der Weg von der Schule zur Arbeit ist Arbeitszeit.

Der Weg von zu Hause zur Schule nicht.

Kommentar von henzy71 ,

so weit so gut. Und wer bestimmt, wie lange ich brauche um von der (Berufs)Schule zur Arbeit zu kommen? Und Autofahren ist nicht Pause machen!!! Das weiss jeder LKW-Fahrer. Also, wenn ich schon verpflichtet bin, meine Pausen im Auto zu verbringen (was an sich schon eine Frechheit ist), dann verbringe ich die ganz zufällig telefonierend und das geht ja nun mal nicht während der Fahrt, weil ich keine Freisprecheinrichtung habe, also muss ich anhalten und parken.....

Kommentar von sozialtusi ,

Es geht aber um die Zeit von Berufsschule zu Arbeitsstelle und da ist das anders.

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht, 124

Selbstverständlich ist der Weg von der Berufsschule zur Arbeitsstätte Arbeitszeit.

Pause ist dann, wenn man selbstbestimmt tun und lassen kann was man möchte. Das ist während der Fahrt in den Betrieb nicht der Fall.

Zeig Deiner Ausbilderin doch mal:

www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/arbeitszeit.html

Kommentar von imager761 ,

Um Arbeitszeit und Anrechnung auf die Ausbildungszeit im Betrieb geht es hier garnicht.

Sondern um Pausenzeit, und die ist eben in der Freistellungszeit in der BS genommen und betrieblich deshalb nicht mehr beanspruchbar.

Zwar sollte und muss der Azubi nicht essen, während er selbst zum Betrieb zurückfährt, dann aber auch nicht mehr im Betrieb während seiner noch etwa vierstündigen (!) weiteren betrieblichen Ausbildung, wenn er in der Berufsschulpause etwas anderes meint tun zu müssen.

Kommentar von Nightstick ,

Soweit die Theorie, und ggf. das Arbeitsrecht (falls dies einmal ausgeurteilt werden sollte).

Das Argument der Ausbilderin, der Azubi solle die Fahrt von der Berufssschule zum Betrieb für die Pause nutzen, ist schon deshalb Unsinn, weil dann erst einmal festgelegt werden müsste, was die Fahrtzeit eigentlich ist - Arbeitszeit oder Pause. In der Pause wäre der Azubi nämlich nicht über die BG unfallversichert.

Deshalb ist das alles völlig praxisfremd!

Dazu kommt, dass der Azubis de facto dann tatsächlich keine Mittagspasuse hätte, da die Pause in der Berufsschule wohl bereits zwischen 09:30 Uhr und 10:00 Uhr gelegen haben dürfte - und das ist für jeden normal denkenden Menschen die Frühstückszeit

Unseren Azubis haben wir selbstverständlich die Mittagspause zugestanden, wenn sie kurz davor im Betrieb erschienen sind. Das gebietet schon die Menschlichkeit!

Ich bleibe dabei: Die Ausbilderin taugt nicht in die Wurst! 


Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 84

Da hat deinen Ausbilderin Recht: Für die Ausbildung in der Berufsschule wirst du von der werktäglichen und wöchentlichen Ausbildzungszeit freigestellt.

Sie wird auf die Arbeitszeit angerechnet, und zwar grundsätzlich nicht nur die Unterrichtszeit, sondern auch die Pausenzeiten und die Zeit, die der Auszubildende benötigt, um von der Berufsschule in den Betrieb zurückzukehren. Nicht gerechnet wird dagegen die Wegezeit, die der Auszubildende von seiner Wohnung bis zur Berufsschule benötigt und auch keine augefallenen Stunden.

Macht in deinem Fall (08.00 - 11.30 + 20' =) 3 Stunden 50 Minuten.

Wenn du nicht mehr als weitere 6 Stunden im Betrieb ausgebildet wirst, wobei die täglich zulässige Höchstarbeitszeit i. d. R. bei 8 Stunden und 40 Wochenstunden liegt, hast du keinen Anspruch mehr auf Erhoilungspausen im Betrieb, musst also durcharbeiten.

Deine "große Pause" hattest du in der Schule. Darin sollst du essen oder vereinbarst fü seine Mittagspause eben betriebliche Ausbildungszeit ab 12.00 Uhr und macht 40 Minuten länger, wenn die Ausbildung das zuließe.

Selbst als Minderjähriger hast du nach JArbSchG bei einer "Arbeitszeit" von 4,5 bis sechs Stunden täglich nur Anspruch auf eine halbe Stunde Pause. Bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden haben Minderjährige Anspruch auf eine Stunde Pause.

Wenn man (8 - 3,5) demnach weniger als 5 Stunden betrieblich weiter ausgebildet wird, ist selbst als Jugendlicher tasächlich keine Pause im Betrieb mehr drin :-O

G imager761

Kommentar von Nightstick ,

Ob sie formal Recht hat, kann höchstens ein Arbeitsgericht feststellen - sollte dieser Fall einmal dorthin zur Entscheidung gelangen.

Dass sich die Ausbilderin jedoch "Azubi-feindlich" verhält, statt die jungen Leuten wohlwollend auf dem Weg in die Arbeitswelt zu begleiten, steht für mich außer Frage (==> siehe hierzu auch meinen Kommentar zur Antwort von @Hexle2).

Wenn ich dort Jugendvertreter oder Betriebsratmitglied wäre, wüsste ich, was ich zu tun hätte...! 

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

Wie würde ein Lehrer sagen. Nicht wirklich falsch, aber Thema verfehlt. 6 Setzen.

Hier war doch die Frage, ob die Wegezeit von der Berufsschule zum AG Arbeitszeit ist und ob es zulässig ist diese Wegezeit als "Mittagspause" zu werten und damit die gesetzlichen Pausenregelungen ggf. zu umgehen.

Das die Fahrt zur Berufsschule vom Wohnort genauso wie die Fahrt zum Arbeitsort vom Wohnort keine Arbeitszeit ist, ist logisch.

Aber:

Die Zeit von der Schule zum Betrieb ist ein sog. Dienstgang, der schon deshalb Arbeitszeit ist, da der Azubi in diesem Zeitraum nicht frei über diese Zeit verfügen kann. Er muß z.B. Auto , Moped oder Fahrrad fahren. Er übt eine dienstliche Tätigkeit für seinen Ag aus.

Schon aus diesem Grund ist auch die Anrechnung als Ruhepause nicht zulässig, das sie dann nicht dem Erholungscharakter entfaltet und somit dem Arbeitszeitgesetz und ggf. dem Jugendarbeitsschutzgesetz zuwider läuft.

Rechtsprechung zur Pausen:

Pausen sind keine Arbeitszeiten. Während der gesetzlichen Ruhepausen muss der AN seine Arbeitskraft dem AG nicht zur Verfügung stellen. Werden gesetzliche Ruhepausen durch dienstliche Belange unterbrochen, gilt die Pause als nicht gewährt, da diese nicht Unterbrochen werden darf durch dienstliche Tätigkeiten. Damit verstößt der AG gegen das ArbschG und gegen seine Fürsorgepflicht. Er begeht eine OwiG.

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeitsrecht, 87

Wende dich an den Ausbildungsberater der für deine Ausbildung zuständigen Kammer, der sollte dir mit Rat und Tat zur Seite stehen und dein Frage beantworten können.

Die Adresse der zuständigen Kammer findest du im Stempel auf der Rückseite deine Ausbildungsvertrages.

Frag  aber ausdrücklich nach dem Ausbildungsberater, denn der ist dort der einzige, der sich um die Belange der Azubis kümmert.

Entsprechende Hinweise zu deiner Frage findest du aber auch hier:

http://www.azubi-azubine.de/mein-recht-als-azubi/arbeitszeit.html

Antwort
von Amtsschimmel25, 53

Das die Fahrt zur Berufsschule vom Wohnort genauso wie die Fahrt zum Arbeitsort vom Wohnort keine Arbeitszeit ist, ist logisch.

Aber:

Die Zeit von der Schule zum Betrieb ist ein sog. Dienstgang, der schon deshalb Arbeitszeit ist, da der Azubi in diesem Zeitraum nicht frei über diese Zeit verfügen kann. Er muß z.B. Auto , Moped oder Fahrrad fahren. Er übt eine dienstliche Tätigkeit für seinen Ag aus.

Schon aus diesem Grund ist auch die Anrechnung als Ruhepause nicht zulässig, das sie dann nicht dem Erholungscharakter entfaltet und somit dem Arbeitszeitgesetz und ggf. dem Jugendarbeitsschutzgesetz zuwider läuft.

Rechtsprechung zur Pausen:

Pausen sind keine Arbeitszeiten. Während der gesetzlichen Ruhepausen muss der AN seine Arbeitskraft dem AG nicht zur Verfügung stellen. Werden gesetzliche Ruhepausen durch dienstliche Belange unterbrochen, gilt die Pause als nicht gewährt, da diese nicht Unterbrochen werden darf durch dienstliche Tätigkeiten. Damit verstößt der AG gegen das ArbschG und gegen seine Fürsorgepflicht. Er begeht eine OwiG.

Antwort
von Tronje2, 54

Eines ist klar: Deine Wegezeit ist keine Pausenzeit!

Mit dem Essen während der Fahrt ist es wie mit dem Handy am Ohr, jedoch nicht Bußgeld bewehrt.
Baust du einen Unfall gibt es mächtigen Ärger, vor allem mit der BG (Berufsgenossenschaft), die die Krankheitskosten tragen muss..

Lass dir die Anweisung der Ausbilderin schriftlich geben.

Ein Gespräch mit dem Betriebsrat oder der Berufsschule ist aber auch ganz gut. MfG

Kommentar von Nightstick ,

So ist es - die Ausbilderin sollte sich ihr Lehrgeld wiedergeben lassen :((

Kommentar von imager761 ,

Nein, du: Seine Pause(n) hatte er in der Schule, mehr steht im selbst als Jugendlicher dann im Betrieb nicht mehr zu.
Wann er sein Bütterchen mampft, darf der Ausbilderin egal sein.

Kommentar von Nightstick ,

Das sehe ich trotzdem anders - siehe meinen Kommentar zur Antwort von @Hexle2).

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