Frage von lilo2202, 82

Darf der Arbeitgeber meinen Urlaubsantrag ablehnen weil der Arbeitgeber ein Problem mit dem Urlaubsort hat?

Hallo liebe Leute,

ich, 28, bin seit vier Jahren in einem Unternehmen tätig. Ich arbeite dort 20 Stunden die Woche und habe somit 20 Urlaubstage im Jahr (ich teile mir das immer so ein: 2 Wochen im März, 2 Wochen im August). Ich habe nun wie gewohnt meinen zweiwöchigen Urlaub für März 2017 beantragt. Im Gespräch kam es dazu dass ich zwei Wochen durch Afrika reisen möchte. Darauf war die Reaktion des Arbeitgebers schockierend: " Also das geht gar nicht! AFRIKA! Das kann nicht gut gehen! DU WIRST DA KRANK! Bevor ich irgendwas genehmige müssen wir nochmal über deinen Urlaubsort reden." Und das wars mit dem Urlaubsantrag.

Meine Frage an euch: Darf ein Arbeitgeber den Urlaubsantrag ablehnen nur weil ihm der Urlaubsort nicht passt? Im Endeffekt ist es doch meine Sache was ich in meinem Urlaub mache. Und es geht den Arbeitgeber auch nichts an, oder? Hat der Arbeitgeber Mitspracherecht?

Man muss auch noch dazu sagen dass wenn ich jetzt meinen Urlaub im März nicht bekomme, ich ein komplettes Jahr bis August durcharbeiten muss bis ich wieder Urlaub bekomme. Ist das rechtlich überhaupt so in Ordnung?

Was für Rechte habe ich als Arbeitnehmer?

Ich wäre euch sehr dankbar wenn Ihr mir helfen könnt!

Liebe Grüße, Lilo

Expertenantwort
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 25
Was für Rechte habe ich als Arbeitnehmer?

Die allgemeinen - richtigen - Ansichten zum Verhalten des Arbeitgebers wurden hier ja schon geäußert.

Hier die rein rechtliche Seite:

Im Bundesurlaubsgesetz BUrlG heißt es in § 7 "Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs" Abs. 1, dass der Arbeitgeber "die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen.".

Oder anders: Der Arbeitgeber ist beim Urlaub der Schuldner des Arbeitnehmers, und der Arbeitgeber muss dem Urlaubswunsch des Arbeitnehmers entsprechen, wenn die genannten Gründe nicht dagegen stehen.

Das Urlaubsrecht ist ziemlich genau geregelt, und es gibt im gesamten Gesetz - so wenig wie im gesamten allgemeinen Arbeitsrecht - keinen einzigen Punkt, aus dem der Arbeitgeber ein Recht darauf ableiten könnte, Einfluss auf den Urlaubsort des Arbeitnehmers zu nehmen.

Wenn Dein Arbeitgeber auf seiner unglaublichen Einmischung in Deine Privatsphäre beharrt und Dir Deinen Urlaub zum Zeitpunkt Deiner geplanten Afrikareise ohne die notwendigen Verweigerungsgründe versagt, hast Du zwei Alternativgen:

> 1. Du nimmst es hin - und lebst mit diesem "Stachel" .

> 2. Du erhebst beim Arbeitsgericht eine Leistungsklage auf Urlaubsgewährung gegen Deinen Arbeitgeber, wenn die Zeit bis zum geplanten Urlaub nicht mehr reicht, musst Du einen Antrag auf eine entsprechende einstweilige Verfügung stellen.

Für die gerichtliche Auseinandersetzung brauchst Du keinen Anwalt (wenn Du Dir das selbst zutraust), den Du in dieser Instanz unabhängig vom Verfahrensausgang ohnehin selbst bezahlen müsstest (wenn Du keine passende Rechtsschutzversicherung hast oder nicht Gewerkschaftsmitglied bist).

Die Klage/den Antrag nimmt die Rechtsantragstelle des Gerichts entgegen; sie nimmt sie auch zur Niederschrift auf und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung.

Das ist die rein rechtliche Seite. In wieweit Du in eine mögliche Auseinandersetzung mit Deinem Arbeitgeber - persönlich - eintreten kannst oder willst, ist eine andere Frage, die ich Dir nicht beantworten kann; und "Recht haben" und "Recht bekommen" sind leider viel zu oft zwei sehr verschiedene Dinge ...

Antwort
von XC600, 2

wenn dein geplanter Urlaubsort wirklich der alleinige Grund ist das du den Urlaub nicht bekommst dann erzähle ihm doch einfach irgendwas anderes was er hören will und schon bekommst du deinen Urlaub ...... sag ihm du fährst doch lieber an die Ostsee oder in den Schwarzwald ;) ;) .... was du dann wirklich machst ist doch deine Sache , du wirst ihm ja wohl nicht die Buchung vorlegen müssen , oder ? ;) ;) ........ und beim nächsten mal solltest du vielleicht über sowas gar nicht reden in der Firma , siehst ja wohin das führt ..........

Antwort
von putzfee1, 25

Bist du ganz sicher, dass deine AG das nicht scherzhaft gemeint hat? Für mich hört sich das so an.

Kommentar von lilo2202 ,

Nein, es ist sein Ernst. Man muss auch sagen dass der Arbeitgeber  ein absoluter Choleriker ist. Und gerne auf stur schaltet, selbst wenn man aussagekräftige Gegenargumente liefert. Und auch aus meiner Sicht bin ich absolut im Recht, wenn nötig werde ich ändere Schritte gegen ihn einleiten. 

Kommentar von putzfee1 ,

Wenn er das ernst gemeint hat, ist er natürlich im Unrecht. Du kannst in deinem Urlaub machen, was du willst, nur nicht anderweitig arbeiten, weil der Urlaub der Erholung dient. Dein Reiseziel ist natürlich kein Grund, dir den Urlaub zu verweigern.

Kleiner Auszug aus dem BUrlG:

Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen. [....]

https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__7.html

Antwort
von perledersuedsee, 38

Den Arbeitgeber geht das natürlich gar nichts an, wohin du in Urlaub fährst. Das ist absurd. In diesem Fall darfst du ihn ruhig anlügen. Sag, du hättest dir das mit Afrika nochmal überlegt und würdest an die Ostsee fahren. Und dann fährst du doch nach Afrika. 

Kommentar von Rockuser ,

Oh Gott, an der Ostsee ist es ja noch gefährlicher. ;)

Kommentar von Familiengerd ,

Trotzdem ein gute Idee ... - wenn der Arbeitgeber in seiner eingebildeten Allmacht nicht einen Beweis verlangt.

Die Alternative ist: das Recht bemühen!

Antwort
von MYZ123, 43

Den Arbeitgeber geht es überhaupt nichts an wie du deinen Urlaub verbringst. Es ist deine freie Zeit in der du machen kannst was du möchtest.

Antwort
von GravityZero, 53

Der Grund ist absolut lächerlich. Gibt es einen Betriebsrat? Einen Chef darüber? Wenn ein erneutes Gespräch nichts bringt wende dich an diese Stellen.

Kommentar von lilo2202 ,

Am Montag werde ich ihn nochmal zur Rede stellen. Einen Betriebsrat gibt es nicht. aber quasi einen Chef-Chef, der sonst zu Rate gezogen wird. 

Vielen Dank für deine Antwort! 

Antwort
von Rockuser, 41

Nein, das darf er nicht. Um genau zu sein, muss man nicht einmal Auskunft geben, wie und Wo man Urlaub macht.

Du hast das Recht, das der Termin für deinen Jahresurlaub festgelegt wird und vom Chef schriftlich bestätigt wird. Was Du dann machst, ist deine Sache.

Antwort
von dadamat, 3

Der Arbeitgeber muss nicht über das Reiseziel im Urlaub informiert werden. 

Antwort
von schleudermaxe, 46

... ja, bedenke das Ende und wer plaudert, verliert eben. Viel Glück.

Antwort
von CharaKardia, 41

Theoretisch nicht, praktisch wird er dafür "betriebliche" Gründen finden. Deine Urlaubsgestaltung geht deinen Chef nichts an.

Rechtlich ist es absolut ok. Du kannst auch deinen kompletten Urlaub im Dezember nehmen, wenns vom Betrieb her nicht anders geht. Arbeitnehmer mit Familien haben sowieso Vorrang vor Singles.

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