Frage von Alaska1642, 18

Darf der Arbeitgeber Krankenpflegern die Aufgaben eines Securitydienstes übertragen?

In unserem Krankenhaus kam es wiederholt zu Problemen mit aggressiven Angehörigen, Drogensüchtigen auf der Suche nach Betäubungsmitteln, Dieben, die nachts durch die Zimmer schlichen etc. Außerdem gibt es, wie in den meisten Kliniken, regelmäßig Übergriffe durch Patienten in psychiatrischen Ausnahmesituationen.

Da die Schwestern auf den meisten Stationen nachts alleine arbeiten, hat sich der Arbeitgeber überlegt, ein Alarmsystem einzuführen. Über dieses wird das Team der Intensivstation / Stroke Unit alarmiert. Dort sind 4-5 Mitarbeiter, von denen dann 2 zur Hilfe eilen sollen.

Meine Frage: Dies ist doch eine völlig Pflege-fremde Tätigkeit. Kann der Arbeitgeber so etwas verfügen ?

In meinen Augen gibt es mehrere Probleme:

Wie sieht es rechtlich aus, wenn ich als Pfleger jemanden, der aufgrund einer Erkrankung durchdreht und handgreiflich wird, möglicherweise schwer verletze, bei dem Versuch, zu helfen ? Ich würde ja nun nicht zufällig zu dieser Situation kommen, sondern aktiv die Gefahrenzone betreten und mich einmischen.

Muss ich in Kauf nehmen, in eine Situation gehen zu müssen, die ein nicht unerhebliches Verletzungsrisiko für mich birgt? Der Angreifer könnte bewaffnet sein, ich habe nicht mal einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Wir haben nicht mal besonders viele männliche Kollegen in der Klinik. Oftmals müssten kleine, dünne, junge Frauen diesen Job übernehmen. Abgesehen ist während dieser Zeit die Intensivstation auch noch unterbesetzt und die Patienten sind möglicherweise nur lückenhaft versorgt.

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Antwort
von Alaska1642, 2

Anders gefragt. Wäre ich jetzt Berater in einer Bank, und man wollte mir die Aufgabe geben, einem Kollegen zu helfen, dem gerade jemand ein Messer an den Hals hält, weil er ans Geld will, würdet ihr dann genauso antworten wie in meinem Beispiel mit dem Junkie? Wäre das dann auch natürlich mein Job ? 
Gesellschaftlich scheint tatsächlich sehr verankert zu sein, das Krankenschwester sich um jeden Sch.... kümmern müssen. 

Würde ich auf der Straße in die Situation kommen, dass jemand 100m entfernt jemandem eine Waffe ins Gesicht halten, müsste - bzw sollte - ich nicht eingreifen, weil ich mich selbst in Gefahr bringen würde. Ich müsste nur die Polizei rufen.
Aber mein Arbeitgeber kann mich dazu per Dienstanweisung verpflichten ? Das glaube ich kaum. Das kann rechtlich nicht richtig sein. Wie gesagt, wir sind weder in Sicherheits / Verteidigungsstrategien ausgebildet noch sind wir befugt, irgendeine Art von Waffe mit zu nehmen. 

Ich bin kein Polizist ! Und selbst der dürfte sich nur ausserhalb der gefährliche Zone bewegen.

Antwort
von Akka2323, 12

Es handelt sich doch um Patienten? Da ist doch immer zunächst das Krankenhauspersonal zuständig und kein Sicherheitspersonal.

Kommentar von Alaska1642 ,

Nein, meistens sind es keine Patienten, sondern Besucher oder so. Und wenn ich zu einer anderen Abteilung gerufen werde, weiß ich ja noch nicht mal, wer oder was mich da erwartet. 

Kommentar von Alaska1642 ,

Um das noch kurz herauszustellen, für Patienten betreffende Notfälle gibt es eine separate Alarmeinrichtung, in diesem Fall stellt sich natürlich nicht die Frage, ob wir helfen, ganz klar. Hier geht es nun wirklich um Schutz für das Personal. Wenn auf unserer eigenen Abteilung beispielsweise plötzlich eine bewaffnete Großfamilie steht, wer hilft dann uns ? Und nein, so unwahrscheinlich ist das nicht. Alles schon passiert, darum hat man ja erkannt, dass Schutzvorkehrungen getroffen werden müssen. Aber kann das die Lösung sein ?  

Antwort
von ScharldeGohl, 15

Wenn man mal diese Alarm Situation weglässt, stellt sich mir eine Frage. Wie verhältst du dich denn als Pfleger, wenn ein Patient so ausrastet wie du es gerade beschrieben hast? Also praktisch dieselbe Situation, nur ohne Alarm?

Kommentar von Alaska1642 ,

Ich würde die Polizei rufen, wenn die Situation nicht friedlich zu entschärfen ist. Nur braucht hier  sehr lange bis zum Eintreffen. Meiner Meinung nach müsste der Arbeitgeber einen Securitydienst einstellen, da er diese Problematik erkannt hat. 

Wenn es ein Patient ist, kann der Arzt auch zB Beruhigungsmedikamente geben. In dem Fall gibt es ja einen Behandlungsauftrag. Nur trifft das natürlich nicht auf den Junkie zu, der einbricht und mit vorgehaltenem Messer die Herausgabe von Betäubungsmitteln verlangt.

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