Frage von fuhlgardsch, 22

Darf anwalt plötzliche rechnung stellen?

Huhu ihr lieben,

Wegen extremer häuslicher gewalt ( körperlich, psychischer und sexuallgewalt ) musste ich meinen ex anzeigen. Da ich alg2 erhalte, stellte ich einen antrag auf Kostenübernahme.

Nun zeigte mein ex mich , vor drei wochen, wegen ein bruch und Diebstahl an- obwohl ES unsere gemeinsame Wohnung war und er unerlaubter weisse das schloss austauschte. Mein anwalt sagte mir, ich könne ohne Probleme in die wohnung solle notfalls das schloss aufbohren. Gesagt getan. Mein ex jedoch rannte zur polizei, machte anzeige. Ich sagte dies sofort meinem anwalt für familienrecht und er meinte ich soll auf keinen fall zur anhörung gehen er regelt das für mich. Mehr sagte er nicht.

Am vergangenen freitag jedoch erhielt ich eine rechnung über 400 euro . Der anwalt meinte da es für strafanzeigen keine kostenübernahme gibt müsse ich ihm in denn nächsten tagen 400 euro überweisen, da er für mich aktiv wurde. Aber wie kann das sein? Er sagte mit keinem ton, dass wenn er das für mich Übernimmt ich zahlen muss. Ich ging natürlich davon aus, dass alles übernommen wird. Ich sagte ihm das ich alg2 erhalte und mich mit anwaltskosten null auskenne. Er schrieb desweiteren , wenn ich das geld nicht habe, so hoffe er jmd aus meiner familir helfe mir weiter.....

Ich brauche denn anwalt, da auch die ex meines exs bei diesem anwalt ist und er meinen ex schon kennt und ihn endlich einbuchten will, auch verstehe ich mich gut mit ihm. Aber die rechnung? Ich mein er hätte sagen müssen, das ich dies bezahlen muss oder?

Antwort
von Eisfuchs0, 6

Da bist du rechtlich in einer schlechten Lage.

Deine Prozesskostenhilfe gilt normalerweise nur für den beantragten Vorgang, hier deine Anzeige gegen den Ex.

Die Anzeige deines Ex gegen dich ist ein neuer rechtlicher Vorgang.

Ohne Prozesskostenhilfe musst du, wenn du einen Rechtsanwalt beauftragst, ihn selbst für seine Arbeit bezahlen.

Du hast den Anwalt beauftragt, für dich in dem Fall (Anzeige des Ex gegen dich) tätig zu werden.

Das heisst, das der Anwalt in deinem Fall (Abwehr einer Anzeige gegen dich) Anspruch auf Bezahlung von dir hat.

"Er sagte mit keinem ton, dass wenn er das für mich Übernimmt ich zahlen muss"

Klar, hätte er sinnvollerweise getan. Allerdings ist es für ihn normal, dass wenn man eine Anwaltsleistung bestellt, die auch bezahlt.

"Ich ging natürlich davon aus, dass alles übernommen wird."

Das war leider ein Fehler. In Zukunft frag besser nach, ob eine Leistung wirklich kostenlos für dich ist.

Allerdings ist deine Lage gegenüber dem Anwalt nicht hoffnungslos.

Du hast den Vorteil, dass du ALG2 beziehst. Anwälte wissen, dass es sehr schwierig ist, von ALG2 Beziehern Geld einzutreiben.

So müsste es möglich sein, die Zahlungssumme der Rechnung deutlich zu verringern und/oder Ratenzahlung mit dem Rechtsanwalt zu vereinbaren.

Ich muss dich aber darauf hinweisen, dass ein hartes Vorgehen gegen die Forderung des Anwalts dazu führen kann, dass er sein Mandat im Fall (Ex zeigt dich an) niederlegt, du die Sache (Ex zeigt dich an) dann selber erledigen musst.

Im Extremfall versucht er auch das andere Mandat (Anzeige von dir gegen Ex) niederzulegen, du müsstest dir dann möglicherweise einen anderen Anwalt suchen.

Ich vermute das dein rechtliches Risiko im Fall (Ex zeigt dich an) gering ist, du also auch ohne Anwalt ohne Strafe aus der Sache herauskommst. Einbruch in die eigene Wohnung gibt es rechtlich nicht und die Diebstähle müssen dir nachgewiesen werden, was ohne gute Belege in einer gemeinsam genutzten Wohnung schwierig ist. Allerdings kann ich dir nicht garantieren, dass du ohne Anwalt die Anzeige von deinem Ex gegen dich eingestellt bekommst, es gibt bei rechtlichen Angelegenheiten ein Restrisiko.

Du musst selber entscheiden, ob du dieses Risiko auf dich nehmen willst.

Wenn ja würde ich dem Rechtsanwalt einen Brief schreiben.

Ungefähr so:

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt XXXX,

mit grosser Verwunderung habe ich festgestellt, dass Sie mir eine Rechnung über 400 Euro für anwaltliche Vertretung im Fall xxxx in Rechnung gestellt haben.

In dem Beratungsgespräch für meinen Fall (Anzeige gegen Ex) der über Prozesskostenhilfe abgedeckt ist am xx.xx.2016 haben Sie gesagt, dass Sie den Fall (Ex zeigt an) übernehmen würden.

Dabei haben Sie den Eindruck erweckt, dass die Angelegenheit (Anzeige von Ex) von Ihnen ohne weitere Kosten übernommen wird, da sie ja ihm Rahmen der Beratung unter Prozesskostenhilfe von Ihnen übernommen wird.

Ich stelle deshalb fest, dass ich Sie nicht beauftragt habe, eine kostenpflichtige Vertretung im Fall (Anzeige von Ex gegen selbst) zu übernehmen.

Insofern bestreite ich Ihre Forderung in Höhe von 400 Euro gegen mich vollinhaltlich.

Wie ich ihnen schon mitgeteilt habe, bin ich nicht in der Lage, Ihre Rechnung von 400 Euro zu bezahlen.

Als ALG2-Bezieherin habe ich keine 400 Euro, mit denen ich Ihre Rechnung bezahlen kann.

Auch habe ich keine Familienangehörige, die die Rechnung für mich bezahlen könnten.

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, sind Pfändungen von ALG2-Leistungen nur möglich, wenn der Pfändungsfreibetrag laut § 850c ZPO in Höhe von 1073,88 Euro monatlich überschritten ist.

Das ist bei mir nicht der Fall.

Eine Vollstreckung der Forderung über 400 Euro ist also aussichtslos und würde ihnen nur weitere Kosten verursachen.

Kosten wie die Erstellung eines Mahnbescheids würde von Ihnen in Vorleistung bezahlt werden müssen.

Ich teile Ihnen vorsorglich mit, dass ich einem Mahnbescheid von Ihnen form- und fristgerecht widersprechen werde.

Ich bin daran interessiert, mich im Fall (Meine Anzeige gegen Ex) weiterhin von Ihnen vertreten zu lassen.

Deswegen biete ich Ihnen ohne Anerkenntnis einer Rechtsverpflichtung an, 100 Euro an Sie zu zahlen.

Dafür erwarte ich von Ihnen vorher eine schriftliche Mitteilung, dass Sie Ihre Forderung in Höhe von 400 Euro gegen eine Zahlung in Höhe von 100 Euro von mir als bezahlt ansehen und in Zukunft keinerlei Ansprüche aus der Rechnung und dem Vorgang (Ex zeigt mich an) mehr geltemd machen werden.

Mit freundlichem Gruss,

XXXXXXX

Falls er darauf eingehst, solltest du ihm die 100 Euro zeitnah (innerhalb der nächsten drei Tage) auf sein Bankkonto überweisen oder gegen schriftliche Quittung persönlich zahlen.

Im Notfall (keine Einigung, Anwalt verfolgt Anspruch über 400 Euro weiter) solltest du dir ein Pfändungsschutzkonto bei deiner Bank einrichten.

Ganz wichtiger Hinweis !

Weitere hier nicht erwähnte Informationen zu dem Fall als auch eine möglicherweise ungenaue Schilderung von dir kann meine persönliche Einschätzung der Rechtslage ändern.

Ich bin kein Rechtsanwalt/Volljurist und führe auch keine Rechtsberatung durch.

Was ich hier geschrieben habe, stellt nur meine persönliche Meinung zu dem Fall dar, wie du ihn beschrieben hast.

Die Enscheidung wie du vorgehst musst du selber treffen.

Kommentar von fuhlgardsch ,

Wow respekt- tolle antwort.

Habe denn text etwas verändert, da ich angst habe meinen anwalt sonst zu verlieren  :) im grossen und ganzen aber dein text geblieben :( ) 

Kommentar von Eisfuchs0 ,

Gut das du den Text auf deine Situation angepasst hast. Das Risiko den Anwalt zu verlieren besteht halt potentiell immer, wenn man mit seinem Anwalt Streit um die Rechnung hat.

Es freut mich das ich dir helfen konnte.

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