Frage von Kamidolo, 61

Dach "zu dicht"?

Hey, bei uns bildet sich in der Dämmung Schimmel. Es wurde geprüft, ob es irgendwo durchregnet, aber das scheint nicht der Fall zu sein. Einer der Handwerker meinte, dass das Dach eventuell zu stark isoliert ist bzw. zu dicht ist, so dass sich der Schimmel bildet... kann das überhaupt sein?

Antwort
von Onki73, 19

Ja, in gewisser Weise kann auch ein dach "zu dicht" sein.

Beim Dach muss berücksichtigt werden, dass die Niederschlagsfeuchte komplett abgehalten werden muss. In dieser Hinsicht muss das Dach dicht sein.

Gegenüber der von innen kommenden Wohnraumfeuchte sollte das Dach nicht komplett dicht sein. Oftmals hilft eine Hinterlüftungsebene hinter der Dachhaut (den Dachziegeln und der Unterspannbahn), um die von innen kommende Wohnraumfeuchte abzutransportieren.

Funktioniert letzteres nur unzureichend, so kann es zu Auffeuchtungen im Bereich des Daches, häuptsächlich in den Dämmstoffen kommen. Beschleunigend für diese Auffeuchtungsprozesse wirkt das Eindiffundieren von hoher Wohnraumfeuchte (Wohnungen regelmäßig lüften) durch defekte innenseitig (hinter Gipskartonplatten) angebrachte Dampfbremsen, etc.

Auch kann es im Hochsommer zur Auffeuchtung in Dämmstoffen durch
"Sommerkondensat" kommen, vor allem, wenn bei feucht-heißer Witterung
der Dachraum aktiv heruntergekühlt wird (Klimaanlage). Dann wandert die
warmfeuchte Luft von aussen durch die Hinterlüftungsebene in den
Dämmstoff ein und Kondensat kann sich an der kühleren Innenseite (sprich
an der raumseitigen Dampfbremse) der Konstruktion bilden.

Das funktioniert nicht nur bei Baupfusch, sondern auch bei regelgerechtem Bauen nach der EnEV, da die Konstruktionen der EnEV für den Winter ausgelegt sind.

Im Dachausbau solten deshalb grundsätzlichnur sorptionsfähige - also kapillaraktive - Dämmstoffe zum Einsatz kommen. Damit scheiden aufgeschäumte Kunststoffe (Polystyrol etc.) und leichte Mineralwollen (Steinwolle, Glaswolle) schon mal aus. Diese besitzen zwar diffusionsoffene Eigenschaften, aber keine Kapillarität, was dazu führt, dass im Dämmstoff unter Umständen entstehendes Kondensat nicht an der Oberfläche abdampfen kann. Der Dämmstoff feuchtet also langsam auf, verliert an Dämmwirkung und fängt im Inneren an zu schimmeln.

Gibt es die kapillare Wassertransportmöglichkeit im Dämmstoff (z.B. in Holzfaserdämmstoffe, Hanf, etc) so wird entstehendes Kondensat im Dämmstoff kapillar gleichmäßig verteilt und an der Oberfläche verdunstet das Wasser und nachfolgend wird die Feuchte aus der Tiefe des Dämmstoffes zur trockeneren Oberfläche geleitet (Feuchteausgleich), wo die Feuchte abdampfen kann. So trocknet der Dämmstoff immer wieder selbst und behält seine Dämmwirkung.

Für weitere Vertiefung der Thematik:

http://www.konrad-fischer-info.de/212bau8.htm

Antwort
von FragaAntworta, 33

Nur dann wenn die Isolierung Feuchtigkeit aufnehmen kann, aber nicht mehr abgeben, aber das hätte Deine Handwerker sicher bemerkt. Welche Lösung haben sie angeboten?

Antwort
von Silo123, 34

Bei so gut isolierten Dächern ist viel eher das Problem, daß man bei einer Undichtigkeit das Leck viel schlechter finden kann, weil das Wasser sich seltsame Wege sucht.

Ein zu dichtes Dach gibt es natürlich nicht. Aber bei aller Dichtigkeit gibt es natürlich immer noch das Problem von Kältebrücken. da schlägt sich dann stets die Feuchtigkeit der Raumluft nieder und es schimmelt. Das sind dann aber immer die Stellen, wo weniger isoliert ist., sprch, wo es einfach vergleichsweise kälter ist.

Dachziegel können im übrigen bei zunehmenden Alter ihre Dichtigkeit einbüßen, ohne, daß direkt ein Schaden am Dach ist. Bei einem unsolierten Dach trocknet diese Feuchtigkeit dann einfach ab. Packt man aber eine Dämmung direkt unter die Dachpfannen, zieht die Flüssigkeit in die Dämmung ein. Selbst, wenn man vorher noch eine Dampfsperre unter die Pfannen gebracht hat: Gerade bei Dächern wird die im Laufe der Zeit porös, besonders wegen der Hitze im Sommer.

Die eine bei unserem einen Haus besteht nur noch aus Fetzen.

Antwort
von Centario, 21

Wenn die falsche Folie verwendet wurde ist das möglich, es sollte in jedem Fall eine sein die atmen kann. Das meint der auch wahrscheinlich mit zu dicht, hättet ihr euch mal näher erklären lassen was damit gemeint ist.


Antwort
von Braumann, 10

hier wurde die Belüftung der dämmung wohl vergessen. Also hingehen und die Dämmung belüften,damit sie trocken wird und bleibt.Dein Handwerker hat Recht aber sich nicht richtig ausgedrückt- K-P-B

Antwort
von pharao1961, 20

Nein,. es kann in dem Sinn nicht zu dicht sein. Möglicherweise ist der Aufbau falsch.

Antwort
von Felipo, 11

Das kann bestimmt sein... bei meinen Eltern war das auch, da konnte das Dach nach außen nicht ausreichend "atmen". Da wurden dann so Lüftungsdinger eingesetzt, seitdem besteht das Problem nicht mehr. (Info: http://www.dach.de/dach/dachkonstruktion/dachkonstruktion-vorkehrungen-zum-schut...)

Antwort
von Karaseck, 24

Hallo, 

Schimmel kann sich nur bilden, wenn beim dämmen gepfuscht wurde. Ist die Dämmung ordentlich hinterlüftet (u.a. Vogelband sachgerecht angebracht, Dampfsperre sachgerecht eingebaut)?

Im Zweifel muss sich das ein unabhängiger Gutachter anschauen

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