Frage von Fitje, 39

Copyright bei Tabellenbüchern beim Arbeitgeber?

Hallo Leute. Hier mal eine etwas heikle Fragen, was den Umgang mit Lehrmaterial und Tabellenbüchern beim Arbeitgeber betrifft. Wenn ich in der Umschulung umfangreiche Tabellen zur Berechnung von Passungen bekommen habe, darf ich diese dann ohne weiteres dem Arbeitgeber zur Verfügung stellten? Was ist auch mit älteren Tabellenbüchern, zum Beispiel mit der Norm 7168, die bereits vor Jahrzehnten zurückgezogen worden ist, aber noch in zahlreichen Zeichnungen zur Ersatzteilversorgung vorkommt. Wenn ich mir zum persönlichen Gebrauch Tabellenkalkulationen für Excel oder LibreOffice schreibe,bei der die Berechnungautomatisiert ist in wie weit darf ich diese meinem Arbeitgeber zur Verfügung stellen?

Ich habe auch schon C++ Programme geschrieben für Linux, wo man Passungen komplett automatisch berechnen kann. Ich denke, das wer beispielsweise eine Firma hat, mit etwa 100 Mio Euro Umsatz im Jahr, von dem darf ich doch erwarten, das der QMB (Qualitätsmanagement-Beauftragte) doch mal zum Beispiel mal 50 bis 110 Euro für DIN-Datenblätter ausgibt.

Das hat zum Beispiel mein letzter Arbeitgeber nicht gemacht. Ich bin dort zwar schon entlassen worden, aber beim letzten Audit für die ISO 9004 stand ich alleine da, als ich von der auditierenden Ingenieurin gefragt wurde, was was die Bezeichung

DIN 7168-m-B

bedeutete. Der saubere QB, auch mein Kollege und Vorgesetzter, keiner außer mir konnte das damals. Ich hatte Gott sei dank schon in einem Forum für Programmierer eine Datei als Excel und PDF-Vorlage selber verfasst (30 Jahre Berufserfahrung). Das tat ich, um anderen Programmier-Neulingen die Art und Weise von VBA zu erklären. Praktisch selber Lehrmaterial, mit Quellenangabe versteht sich (von selbst). Diese Papiere kopierte ich dann damals der Auditorin, welch diese dankend annahm.

Ehrlich gesagt, habe ich mich geschämt, in einer solchen Firma zu arbeiten(müssen).

Aber mal richtig gefragt:

Wenn ich Unterlagen nicht anders herkriege, da die alten Tabellenbücher nicht mehr greifbar sind, darf ich dann diese als Arbeitsvorlage für die Firma kopieren, oder muß ich beim nächsten Arbeitgeber den sogenannten QB in das Messer laufen lassen?

Was ist, wenn ich den Zusatz schreibe:

"Nur als Lehrmaterial zu verwenden. Kommerzielle Nutzung untersagt"

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ThomasMorus, Community-Experte für Copyright & Urheberrecht, 18

Ich schließe mich Gerd an.

Wenn die Tabellen, die du erwähnst überhaupt urheberrechtlich geschützt sind, dann als "Datenbank-Werk" nach §4 UrhG.

Dafür muss die Sammlung und Zusammenstellung der Daten aber eine "persönlich geistige Schöpfung" sein. Das heißt es muss irgendwie ein kreativer Prozess erkennbar sein. Und die Ordnung darf nicht durch rein technische Kriterien vorgegeben sein.

Zur Erinnerung noch mal die Vier Kriterien für Urheberrechtschutz:

1. Produkt menschlichen Schaffens

2. Wahrnehmbare Formgebung

3. Geistiger Gehalt

4. Eigenpersönliche Prägung

Wenn die Datensammlung in deinen Tabellen diese vier Kriterien erfüllen, sind sie urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Zustimmung des Urhebers weiter verwendet werden. (In dem Fall würde ich mich an Ausbilder und Dozenten aus deiner Weiterbildung wenden)

Wenn sie diese Kriterien nicht erfüllen, darfst du sie weiter geben, "veröffentlichen" und "verwerten". Selbstverständlich auch alle Programme oder Dateien, die du selbst auf Basis dieser Tabelle erstellt hast.

Kommentar von Fitje ,

Da bleiben mir meine Excel-Dateien mit automatischer Berechnung der Parameter von Passungen und Gewinden. Ebenso habe ich für die GUI in Linux ein C++-Programm geschrieben, das ISO-Passungen berechnet. Da steckt  ein Haufen "Schöpferische Kraft"  von mir selbst drin. Solche Spezialprogramme sind nur als Teil der Steuerungssoftware von Meßmaschinen zu finden. Ältere Normen überhaupt nicht. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, das es trotz allem eine Ausbildung als Dreher, Fräser, Zerspanungsmechaniker bedarf, um alles richtig zu interpretieren.

Teilweise fallen schon gestandene Meister bei der Berechnung

von Sinus, Cosinus und Tangens auf die Fre--e. Teilweise ist man in solchen Sachen mit einer Ausbildung zum Qualitätsfachmann für Längenprüftechnik alleine schon bei der  Berechnung der Abnutzungsgrenzen von Lehrdornen und Grenzrachenlehren so manchen Techniker überlegen.

Daher habe ich auch meine Software für Windows aus verschiedenen Programmierer-Foren zurückgezogen.

Das allen zur Verfügung zu stellen, wäre so ähnlich, als würde man eine geladene Schusswaffe einen 12-Jährigen in die Hände zu drücken. Der ist auch nicht mal annäherungsweise charakterlich im stande damit verantwortungsbewußt umzugehen.

Ebenso wenig wie profitgeile und rücksichtslose Projektleiter, Chefs oder Kollegen ohne spezielle Berufsausbildung für meine Software.

Daher rate ich aus der Sicht heutiger Erfahrung jeden:

Nehmt KEINE persönlichen Unterlagen oder eigene Software in die Firma.

Die sollen sich das selber kaufen.

Wenn es eine ordentliche Firma ist, wissen die Weisungsbefugten genau, bei welchen Verlag man diese Unterlagen bekommt und geben auch Geld für die Qualitätssicherung aus. Im Gegensatz zu anderen Firmen.

Auch wenns nach unterem Paragrapher erlaubt ist,

Tut es nicht!

Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz)
§ 17 Verbreitungsrecht

(1) Das

Verbreitungsrecht ist das Recht, das Original oder

Vervielfältigungsstücke des Werkes der Öffentlichkeit anzubieten oder in Verkehr zu bringen.

(2) Sind das Original

oder Vervielfältigungsstücke des Werkes mit Zustimmung des zur

Verbreitung Berechtigten im Gebiet der Europäischen Union oder eines

anderen Vertragsstaates des Abkommens über den Europäischen

Wirtschaftsraum im Wege der Veräußerung in Verkehr gebracht worden, so

ist ihre Weiterverbreitung mit Ausnahme der Vermietung zulässig.

(3)

Vermietung im Sinne der Vorschriften dieses Gesetzes ist die zeitlich

begrenzte, unmittelbar oder mittelbar Erwerbszwecken dienende

Gebrauchsüberlassung. Als Vermietung gilt jedoch nicht die Überlassung

von Originalen oder Vervielfältigungsstücken

1.
von Bauwerken und Werken der angewandten Kunst oder
2.
im
Rahmen eines Arbeits- oder Dienstverhältnisses zu dem ausschließlichen
Zweck
, bei der Erfüllung von Verpflichtungen aus dem Arbeits- oder
Dienstverhältnis
benutzt zu werden.

Danke euch für den Namen des Gesetztes!

Kommentar von ThomasMorus ,

Ich bin mir jetzt unsicher, ob wir noch über das gleiche Problem reden.

Geht es noch darum, dass du nicht weißt, ob du die Excel-Dateien hättest benutzen dürfen?

Oder fragst du dich mittlerweile, ob du deinem Arbeitgeber die weitere Nutzung deiner Programme untersagen kannst?

Mindestens der zweite Teil deiner Antwort liest sich nämlich eher so...

Expertenantwort
von GerdausBerlin, Community-Experte für Urheberrecht, 19

Deine Frage ist zu allgemein. Nicht jeder Inhalt eines Normblattes ist geschützt durch das UrhG, und nicht jeder Inhalt eines Lehrbuches.

Wichtig zu lesen ist hier sicher auch UrhG § 4.

Gruß aus Berlin, Gerd

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