Frage von CrayyZae, 49

Cicero Politikauffassung?

Was war das Politikideal von Marcus Tullius Cicero, also wie sollte die Politik seiner Meinung nach aufgebaut sein?

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Geschichte, 22

Ciceros staatsphilosophischen Werke »De re publica« („Über den Staat“) und »De legibus“ «(„Über die Gesetze“) können als Quelle herangezogen werden, aber auch seine Reden (die für Publius Sestius enthält beispielsweise einen langen allgemeine Abschnitt (Marcus Tullius Cicero, Pro Sestio 96 – 143) und Briefe.

Marcus Tullius Cicero hat als Ziel für den Staat die Bewahrung bzw. Wiederherstellung der traditionellen Ordnung der Republik gesehen, mit Senat, Magistraten (Beamten/Amtsträgern/Amtsinhabern) und Volksversammlungen. Die römische Republik deutet Cicero als Mischverfassung (obwohl sie tatsächlich eine besondere Art von Oligarchie/Aristokratie gewesen ist, bei der Volk ein wenig beteiligt ist). Sie verbindet nach seiner Sichtweise monarchische, aristokratische und demokratische Elemente auf gelungene Weise. Fürsorge, kluger Rat und Freiheit werden vereint. Eine Autorität der Ersten/führenden Männer (auctoritas principum) soll gelten.

Im Staat sollten Werte verwirklicht werden. Die Politik sollte auf das Allgemeinwohl gerichtet sein. Marcus Tullius Cicero, De legibus 3, 8 (über die Konsuln): „Ihnen sei das Wohl des Volkes höchstes Gesetz!“ (ollis salus populi suprema lex esto.) Die an der Spitze des Staates Stehenden sollen auf den Nutzen der Bürger achten, nicht auf eigene Vorteile, und für die Gesamtheit sorgen, nicht nur für einen Teil (Marcus Tullius Cicero, De officiis 1, 85).

Bei Marcus Tullius Cicero, De re publica 1, 39 wird der Staat (res publica) als Sache des Volkes (res populi) definiert (bestimmt). Unter Volk (populus bezeichnet die Gesamtheit, das Staatsvolk) wird nicht jede auf irgendeine beliebige Weise zusammengescharte Vereinigung verstanden, sondern eine durch Übereinstimmung des Rechts (iuris consensu) und Gemeinsamkeit des Nutzens (utilitatis communione) verbundene Vereinigung einer Menge. Dabei gilt eine naturgemäße/im Wesen des Menschen angelegte Geselligkeit/soziale Veranlagung/Ausrichtung auf eine Gemeinschaft als in größerem Ausmaß ursprüngliche und vorrangige) Ursache des Zusammenschlusses. Schwäche (was an eine Notwendigkeit zum Überleben als Ursache denkt) gilt als vergleichsweise weniger wichtige Ursache. Dies wird damit begründet, dass der Mensch nicht als isoliertes Einzelwesen geschaffen ist, sondern auch im Überfluß eine Neigung zu Gesellschaft/Gemeinschaft hat.

Grundsätzliche Ziele jeden Staats sind nach Ciceros Darstellung, für Recht und Gerechtigkeit unter den Bürgern zu sorgen, äußere Feinde abzuwehren und den gemeinsamen Nutzen zu vermehren.

Innerer Frieden ist wünschenswert. Cicero hält eine Eintracht der Stände (concordia ordinum) und eine Übereinstimmung aller Gutgesinnten (consensus omnium bonorum) gegen die „Schlechten/Bösen“ (improbi) für erstrebenswert.

Im Staat sollen Rang und Ansehen (dignitas) geachtet werden. Der Senat ist als Mittelpunkt der Politik gedacht. Die ihn tragende Führungsschicht wird bejaht. Allerdings soll Aufstieg von Neulingen (homines novi) aufgrund von verdienstvollen Leistungen möglich sein.

Der ideale Politiker verfügt über eine umfassende Bildung und Kenntnisse, beherrscht Redekunst (Rhetorik), ist mit dem Recht vertraut, versteht philosophische Gedanken. Außerdem ist Voraussetzung, sich in der Ämterlaufbahn (cursus honorum) in politischen Ämtern bewährt zu haben. Cicero hat (vor allem in »De re publica«) einen Lenker des Staates (rector rei publicae) dargestellt, der Autorität im Rahmen der Republik besaß und durch kluge Einsicht/Weisheit (sapientia) die Richtung der Politik steuerte. Dabei hat Cicero wohl auch an sich gedacht oder zumindest gehofft, als bedeutender Ratgeber mächtige Politiker beeinflussen zu können.

Über Abstimmungen und Wahlstimmen schlägt Cicero, De legibus 3, 38 – 39 vor, sie seien den Optimaten bekannt, für das einfache Volk/die Volksmenge/die Plebs frei. Das Volk darf Stimmtäfelchen als Schutz seiner Freiheit haben, aber diese sollen den besten und einflußreichsten Bürgren gezeigt und von sich aus dargeboten werden, so daß darin die Freiheit besteht, das dem Volk die Befugnis gegeben wird, den Guten auf ehrenvolle Weise einen Gefallen zu tun. Dieser Vorschlag Ciceros würde das Wahlgeheimnis untergraben. Ihm scheint für das einfache Volk in dieser Sache ein Anschein/Eindruck von Freiheit wichtig zu sein, nicht eine tatsächliche echte Freiheit.

Grundsätzlich bejaht Cicero eine Politik, die zu einer Anpassung an die Umstände bereit ist, solange die grundlegenden Werte eingehalten werden. Allerdings neigt er mehr den Interessen der Besitzenden zu. Ackergesetze mit Landverteilung an Arme bzw. Veteranen rufen bei Cicero eher Ablehnung hervor. Cicero greift auch - ohne Namensnennung - Caesar wegen eines teilweisen Schuldenerlasses an (Marcus Tullius Cicero, De officiis 2, 84 eines teilweisen Schuldenerlasses) und unterstellt ihm eine große Begierde zur Verfehlung, obwohl Caesars Regelung 47 v. Chr. ein Kompromiß mit dem Ziel einer allgemeinen Stabilisierung gewesen ist.

Gründe für Ciceros politische Ideale Ziele waren seine Überzeugungen, wobei sein Denken die damals bei den Römern allgemein als Leitbegriff vorhandene Sitte der Vorfahren (mos maiorum) philosophisch reflektieren konnte. Außerdem waren seine persönlichen Begabungen, sein Naturell und seine gesellschaftliche Stelllung Einflüsse.

Bücher in Bibliotheken bieten Informationen.

zum politischen Denken (mit weiteren Literaturhinweisen am Ende):

Henning Ottmann, Geschichte des politischen Denkens : von den Anfängen bei den Griechen bis auf unsere Zeit. Band 2: Römer und Mittelalter. Teilband 1: Die Römer. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 20082, S. 77 - 129 (Cicero (106 - 43 v. Chr.))

allgemein:

Klaus Bringmann, Cicero. 2., durchgesehene und um ein Vorwort ergänzte Auflage. Darmstadt : von Zabern, 2014 (Gestalten der Antike). ISBN 978-3-8053-4829-4

Manfred Fuhrmann, Cicero und die römische Republik. 5., durchgesehene und bibliographisch erweiterte Auflage. Mannheim : Artemis & Winkler, 2011. ISBN 978-3-538-07324-1

Matthias Gelzer, Cicero : ein biographischer Versuch. 2., erweiterte Auflage. Mit einer forschungsgeschichtlichen Einleitung und einer Ergänzungsbibliographie von Werner Riess. Stuttgart : Steiner, 2014 (Alte Geschichte). ISBN 978-3-515-09903-5

Marcus Tullius Cicero, Dargestellt von Marion Giebel. Überarbeitete Neuausabe. Originalausgabe. Reinbek bei Hamburg : Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, 2013 (Rororo ; 50727). ISBN 978-3-499-50727-4

Christian Habicht, Cicero der Politiker. München : Beck, 1990. ISBN 3-406-34355-4

Emanuele Narducci, Cicero : eine Einführung. Aus dem Italienischen übersetzt von Achim Wurm. Stuttgart : Reclam, 2012 (Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 18818 : Reclam-Sachbuch). ISBN 978-3-15-018818-7

Francisco Pina Polo, Rom, das bin ich : Marcus Tullius Cicero ; ein Leben. Aus demSpanischen übersetzt von Sabine Panzramm. 2. Auflage. Stuttgart : Klett-Cotta, 2011. ISBN 978-3-608-94645-1

Wolfgang Schuller, Cicero oder der letzte Kampf um die Republik : eine Biografie. München : Beck, 2013. ISBN 978-3-406-65178-6

Wilfried Stroh, Cicero : Redner, Staatsmann, Philosoph. Originalausgabe. 3., durchgesehene Auflage. München : Beck, 2016 (C.H.Beck Wissen ; 2440). ISBN 978-3-406-56240-2

Antwort
von Juli277di, 12

Als Politiker wird Marcus Tullius Cicero unterschiedlich beurteit. Manche werfen ihm Opportunismus und Prinzipienlosigkeit vor. Zweifellos handelte es sich bei Cicero um einen der besten Redner in der römischen Antike. (Von etwa hundert Reden wissen wir, achtundfünfzig blieben – wenn auch lückenhaft – erhalten.) Als philosophischer Autor brillierte Cicero nicht mit eigenen Gedanken, sondern machte sich durch die Vermittlung der antiken griechischen Philosophie an die lateinischsprachige Welt verdient. Werke Ciceros werden auch heute noch im Lateinunterricht an den Gymnasien gelesen, denn sie gelten als stilistisches Vorbild, als Muster der "goldenen" lateinischen Sprache (Ciceronianismus).

http://www.dieterwunderlich.de/Cicero.htm

Antwort
von voayager, 16

Cicero war ein Reaktionär und als solcher allein den Optimaten verpflichtet. Allein die aristokratischen Senatoren seien zur Herrschaftsausübung befugt, nicht hingegen das Volk.

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